Bei all dem muss die jüdische Symbolik für die Argumentation herangezogen werden. Das schließt das entsprechende jüdische Denken zur Symbolik mit ein, um die "richtigen" Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Bei der Wendung "Feste, Neumonde und Sabbate" geht es im AT immer (bis auf Hos 2,11) um die Opfer und wie sie darzubringen sind (1 Chr 23,31; 2 Chr 2,4; 2 Chr 8,13; 2 Chr 31,3; Neh 10,33; Jes 1,13; Hes 45,17) . Da Opfer nur im Tempel dargebracht werden durften, haben sich bei den Juden in der Diaspora unterschiedliche Ersatzkulthandlungen entwickelt, wie Gebete zu verrichten sind, wie Essen zugerichtet, wie der Tisch angerichtet wird, aber auch wie Feste, Neumonde, Sabbate ohne Tempel und Opfer zu feiern sind. Sie sind biblisch für die Synagoge bzw. die Diaspora nicht fixiert, aber Paulus nimmt darauf Bezug. (Auch die Synagoge selbst hat sich im Laufe der Geschichte zu einem "Tempel" im Kleinen mit unterschiedlicher Liturgie entwickelt.) Da für Juden Jerusalem nicht mehr als geographisch erreichbarer Bezugspunkt bzgl. Neumonde und damit zusammenhängend exakte Termine für Feste errechnet werden konnten (babylonisches Exil), entwickelte sich daraus, dass Feste an zwei Tagen gefeiert wurden. (Ein Neumond konnte in Babylon beginnen, aber für Tarsis [Spanien] erst einen Tag später. Solche Diskussionen sind also schon Jahrtausende alt und nicht erst seit der Datumsumstellung auf Samoa.)
Der Seitenhieb von philoalexandrinushat mich zum Lächeln gebracht:
Und ich feiere jetzt mit den Methodisten hier in wien auf meinem Bilschirm der einen Samoaner Sabbat - - - -.der ist für mich bequmer als der der anderen - - -
Gerhard, so um die Ecke zu denken ist einfach genial! ![]()
Das Abendmahl ist ebenso eine Art Ersatzhandlung für das Opfern geworden, die in den einzelnen Denominationen unterschiedlich gehandhabt werden, von Wasser und gesäuertem Toastbrot, die Kinder austeilen, bei den Mormonen bis hin zur liturgischen Opferung samt Wandlung (Transsubstantiation) von ungesäuerter Hostie (in den Leib Christi) und alkoholischem Wein (in das Blut Christi) durch einen Priester in der RKK. - Der eine hält das Abendmahl so, der andere so. Macht den Leuten kein schlechtes Gewissen wegen Brot, Wasser und Wein oder irgendeiner (vermeintlich notwendigen) Ordination, wegen Sabbat, Sonntag oder irgendeinem anderen Tag während der Woche, wenn das Abendmahl ausgeteilt wird. Die Diskussionen sind müßig darum, ob nur vier Mal im Jahr das Abendmahl mit Fußwaschung gefeiert werden darf (damit es nicht zur Routine wird) oder täglich (aber nur) "eine" Messe abgehalten wird oder nur wöchentlich oder nur monatlich oder gar nur einmal zum Passahfest (Ostern). - Genau das will Paulus letztlich mitteilen. Macht den Leuten kein schlechtes Gewissen. Damit wird aber weder der Sabbat noch das Abendmahl aufgehoben.
Für die Reformierten ist das Abendmahl ein Gedächtnismahl (Zwingli), für Luther hingegen die Realpräsenz Jesu in Brot und Wein und wer daran nicht teilnimmt, hat keinen Anteil am ewigen Leben. (Luther hat Zwingli deswegen das Heil abgesprochen und die Transsubstantiationslehre als "sophistische" oder "aristotelische" Neuerung der RKK abglehnt.) Die Adventisten schwanken zwischen Symbol und Aufnahme des Hl. Geistes.
Biblisch gesehen wurden die Feste, Neumonde und Sabbate nicht abgeschafft, auch wenn Adventisten zwar die Sabbate achten, aber die Feste bzw. Neumonde als abgeschafft betrachten. Damit ist aber noch nicht die Frage geklärt, ob sie auch die Heiden, die zum Glauben gekommen sind, halten müssen. Die wöchentlichen Sabbate sind eindeutig auch für die christlichen Heiden zu achten, da der Sabbat ganz klar den Beziehungsaspekt mit meinen Mitmenschen und meinem Gott (auf der Du-Ebene) hervorhebt. Sohn, Tochter, Knecht, Magd, Fremde, Tiere und ich selbst sollen nicht arbeiten. Der "freie Tag" (auch für einen Knecht/Sklaven) war also gesetzlich verankert und galt für alle (Moralgesetz). Spitzfindig betrachtet wird aber am Sabbat deswegen noch nicht konkret geboten, einen zeremoniellen "Gottesdienst" zu begehen, aber ihn zu heiligen (was auch immer darunter verstanden wird).
Fazit: Feste, Neumonde und Sabbat stehen im Kontext mit Opfer und Liturgie. Sie sind weder lose davon zu betrachten noch deswegen ungültig.
Zu "kein schlechtes Gewissen"
Manchmal liest man von "sekundäre Vorschriften", aber auch diese sind Vorschriften, die weiterhin ihre Gültigkeit besitzen. "Sekundär" bedeutet nicht, dass ein Gebot/Verbot nach Lust und Laune geändert bzw. uminterpretiert werden sollte.
Und nur weil etwas nicht "heilsnotwendig" ist, heißt das nicht, dass die Vorschriften damit aufgehoben seien. Das Heil kommt aus Jesus, nicht aus dem Gesetz. Sogar die Pharisäer, die Schriftgelehrten und Obersten zur Zeit Jesu wussten bereits, dass das ewige Leben ein "Erbe" (Lk 10,25; 18,18) und damit ein "Geschenk" sei , das weder gekauft, noch mit dem Halten des Gesetzes erarbeitet werden kann. Aber es war ihnen klar, dass ihr Fehlverhalten sie von diesem Erbe ausschließen konnte.
Und ich habe da so eine vage These, dass viele Christen zwar die Pharisäer als "gesetzlich" abstempeln, aber nicht realisieren, dass ihre eigenen "gesetzuminterpretierenden" Vorstellungen auch nicht besser sind. Damals wie heute heben mit Spitzfindigkeiten die einen die Bedeutung des Gesetzes hervor, während die anderen sie in die Bedeutungslosigkeit relativieren. - Soviel zum schlechten Gewissen. ![]()
Herzliche Grüße und Gott bewahre Dich und Deine Familie, lieber Peter!
Gerald