Beiträge von Seele1986

    Yppsi ich gebe dir teilweise recht.

    Im Gegensatz zu den alten Kulten, wo es hauptsächlich darum ging, was man macht (richtiges Ritual), geht es im Christentum darum, was man denkt und glaubt.

    Wenn jemand sagt, Jesus ist der Sohn des lebendigen Gottes, und jemand anderes sagt: ne, der war einfach nur ein Weisheitslehrer und Prophet, dann haben wir hier einen Dissens. Das muss geklärt werden.

    Ebenso, wenn jemand sagt, Glaube und Liebe führen zu Gott, und jemand anderes sagt, man muss aber die mosaischen Gesetze halten, dann haben wir ebenfalls einen Dissens.

    Da geht es um das richtige Denken und Glauben. Man klärt das, oder man sagt letztlich: Dann gehört ihr nicht zu uns. Ganz einfach.

    Ich bin bereits in einer Welt, in der jeder alles mögliche glaubt. In der Gemeinde möchte ich das nicht. Dann kann ich es auch lassen. Dann kann ich auch gehen und für mich privat glauben.

    Der Unitarismus in den USA macht das. Da glaubt man einfach irgendwie alles. Das ist ja nett für die, aber da finde ich halt Jesus nicht.

    Mal abgesehen davon sind diese ganzen Diskussionen um das richtige Verständnis der Schrift und des Glaubens auch einfach interessant, finde ich. Und es schult das Denken ungemein.

    Das muss nichts mit der Verteufelung von anderen zu tun haben. Man kann auch ordentlich darüber reden.

    Wenn das Gegenüber auch mit mir ordentlich redet, rede ich auch ordentlich mit ihm. Wenn ich einfach nur verhöhnt werde, gibt es eine entsprechende Antwort, ganz einfach.

    Noch etwas zum Sabbat/Judentum/Heidentum:

    Es gab damals am Judentum interessierte Heiden, die den Gottesdienst besuchten und gewisse jüdische Elemente pflegten. Lukas gehörte vermutlich dazu, nimmt man an. Als dann die Botschaft Jesu die Runde machte, fanden viele von denen das, was sie gesucht hatten:

    Sie hatten Interesse und Faszination an diesem einen Gott und der eigene Polytheismus war ihnen zuwider. Gleichzeitig aber war ihnen das Judentum mit seinen ganzen volksspezifischen Geboten und Bräuchen auch fremd bzw (Beschneidung) ein Hindernis für den vollständigen Übertritt.

    Das waren nicht wenige, wie man heute weiß, und wäre eigentlich ein sehr interessantes Thema. In der Philosophie gab es den Gedanken des einen Gottes schon lange. Es gab aber keine Religion oder Gemeinde dafür. Das waren Suchende. Die sagten: "Ja, im Judentum ist das da... aber Jude werden? Ich weiß nicht recht..."

    Das Christentum war deren Sonnenaufgang sozusagen. Endlich gab es dafür etwas, was die Philosophie alleine nicht bieten konnte.

    So sehen wir auch zahlreiche der alten Kirchenväter, die Philosophen waren und im Evangelium endlich das fanden, was sie gesucht hatten. Justin der Märtyrer erzählt das, Pseudoclemens erzählt das, Hermias der Philosoph erzählt das, Mathetes erzählt das, Minucius Felix auch ein Stück weit, später Augustinus usw.

    Senfkorn was du da schreibst, steht nicht in der Bibel, sondern sind deine Ansichten, die ich für vollkommen unsinnig halte.

    Was ist erst durch den Koran möglich? Der Koran gehört nicht in diese Debatte.

    Ich hoffe sehr, dass langsam ganz viele Menschen aufwachen und unmissverständlich klarmachen, dass sie sich vom Koran nichts sagen lassen, undzwar ganz unmissverständlich. Das wäre mir sehr lieb.

    Wenn man sozusagen strukturiert einen "Ablauf" haben will zu der Frage, dann ist er folgendermaßen:

    Mit Gottes Sohn, dem Messias, werden alle Völker gerufen. Aber nicht, jüdisch zu werden, sondern in der Gemeinschaft mit Gott zu leben. Ausgehend von Juda/Israel, ja, weil es das Volk ist, das den einen wahren Gott bekennt, aber das Judentum ist nicht das Ziel dieser Geschichte. Das Ziel ist die Versöhnung mit Gott.

    Diese Versöhnung gilt ALLEN, Juden wie Heiden. Alle können in der Gemeinde Jesu zusammenkommen, die Mauer ist durchbrochen.

    Die christliche Gemeinde ist kein Judentum2.0, sondern die Gemeinde Gottes aus allen Völkern.

    Die ersten Judenchristen pflegten natürlich ihre Bräuche. Ebenso pflegten Heidenchristen ihre Kultur. Wo diese Kultur dem Evangelium nicht entgegenstand, war das kein Problem. Wenn es ihm entgegenstand, musste es geklärt und abgelegt werden.

    Aller Kult und alle Feste wurden auf Christus als dessen Sinn und Erfüllung gedeutet. Das Neue war nicht ein modifiziertes Judentum oder Heidentum, sondern das Neue war Christus.

    Aufgrund der Befindlichkeiten einigte man sich auf gewisse Mindestkompromisse (Apostelkonzil), die aber bei Paulus selbst zB gar keine Erwähnung mehr finden.

    Wir schauen dort dem Entstehung-und Klärungsprozess zu. Da ist gar nichts "klar", wie hier manche meinen, außer eins: wir sind in Christus oder nicht. Das ist das A und O, sowohl für Paulus wie auch für Petrus, Johannes, Jakobus usw.

    Unser "Gesetz" ist: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst, in Gedanken, Worten und Taten. So werden wir Christi Gebot erfüllen.

    "Eingepfropft in Israel" heißt nicht, Judentum abgewandelt nachzumachen, sondern "uns gilt die Verheißung Gottes wie ihnen, nämlich dass er uns alle zu sich ruft".

    Die Idee, Jesus wollte quasi ein "ursprüngliches Israel" aufbauen und rief die Leute zum ursprünglichen Judentum, ist FALSCH. Jesus rief zum Vater.

    Ferner ist es keine Devise, die Bibel möglichst widerspruchsfrei zu lesen, sondern man muss das lesen, was sie erzählt: eine Geschichte, einen Weg Gottes mit den Menschen, MIT allen Brüchen, Widersprüchen und Veränderungen, die das beinhaltet.