Noch ein Zitat aus dem Artikel (Hervorhebung von mir):
"Im vierten Teil seines Buches "Seele und Stacheldraht" geht Solschenizyn im einzelnen auf seine geistige Wandlung ein, auf seine Rückkehr zu dem ihm schon im Knabenalter eingepflanzten Glauben an Gott, von dem er sich in seiner Jugend zugunsten des Marxismus losgesagt hatte. Etwas unerwartet und auch nicht ohne Vorbehalte äußert der Autor sogar Dankbarkeit gegenüber dem Lager, da die dort erfahrenen Leiden die Rückkehr in den Schoß des Christentums gefördert hätten. "SEI GESEGNET, GEFÄNGNIS", steht in Großbuchstaben am Schluß des Kapitels "Läuterung".
In diesem Teil des Buches spricht Solschenizyn einige tiefsinnige, wenn auch sehr bittere Gedanken aus. Aber es sind auch viele falsche Töne dabei, jedenfalls für meine Ohren. Alle diese höchst voreingenommenen Meinungen über den Marxismus als die "unfehlbare und ungeduldige Lehre, die einzig und allein darin besteht: ,Wichtig ist das Resultat!’ ( ... ) – (nicht) der GEIST!"; alle diese Auslassungen darüber, daß im Lager einzig der Glaube an Gott den menschlichen Geist rettete und erhob und daß andererseits der Glaube an den künftigen Sieg der sozialen Gerechtigkeit, an die bessere Gesellschaft, den seelischen Verfall nicht aufhielt und eigentlich geradewegs zum Spitzeltum führte – all das ist unbewiesen und der schiere Hochmut. Eine mitleidheischende Erbitterung verleitet den Autor in seinem Urteil zu eben jener "Ungeduld und Unfehlbarkeit", die er dem Marxismus vorwirft. Solschenizyn hält Menschen ohne Religion für unfähig, gut und böse zu unterscheiden.
...
Und so sieht die Bilanz seiner Lagerbetrachtungen für Solschenizyn aus:
"Damals erkannte ich die Wahrheit aller Religionen der Welt: Sie bekämpfen das Böse im Menschen (in jedem einzelnen Menschen). Man kann das Böse nicht gänzlich aus der Welt verbannen, man kann es nur in jedem Menschen zurückdrängen.
Damals erkannte ich den Trug aller Revolutionen: Sie vernichten nur die jeweiligen Träger des Bösen (und da sie in der Eile nicht unterscheiden, auch die Träger des Guten), während sie das Böse, vermehrt, als Erbe übernehmen."
Diese Antithese scheint mir weder richtig noch gerecht."
Vielleicht ist das in den Augen des Autors / der Autorin der Kardinalfehler Solschenizyns ... Rückkehr zum Glauben???
Aber er schreibt auch von faktischen Irrtümern.