Naherwartung Jesu im Frühchristentum

  • Es stimmt NICHT, dass die Jünger/Jesus das Zweite Kommen des Menschensohnes terminierten auf die Lebenszeit der Apostel. Jesus sprach vom "Gräuel"/Verfolgungszeit (Daniel/Matth. 24), der nach der Zerstörung des Tempels kommen sollte, Paulus (2. Thess. 2) vom "Abfall", der vor dem Zweiten Kommen geschehen würde.

    Die frühen Christen lebten in "Stets-Erwartung". Wie "nahe" das Ereignis sein würde, war unerheblich.

    Anders die Endzeit-Erweckungen des 18./19. Jahrhunderts - sie MISSVERSTANDEN die prophetischen Zeitangaben als das "Ende" der Zeit, NICHT als Beginn der "letzten Tage"/EndZEIT.


    Bei den prophetischen Zeitangaben müssen wir also genau lesen, auf welche EREIGNISSE sie sich beziehen.

    Die "3 1/2 Zeiten"/"42 Neumonde/"1260 Tage" beziehen sich auf die VERFOLGUNGSZEIT zwischen den Aposteln und der Wiederkunft Jesu.

    3 1/2 als "Hälfte von Sieben" steht tröstlich für die ERLEICHTERUNG/VERINGERUNG der Verfolgung/Unterdrückung.

    Darin kann man die "Reformation" des MA erkennen, innerhalb der kirchlichen Unterdrückungzeit 538 bis 1798.

  • Es stimmt NICHT, dass die Jünger/Jesus das Zweite Kommen des Menschensohnes terminierten auf die Lebenszeit der Apostel. Jesus sprach vom "Gräuel"/Verfolgungszeit (Daniel/Matth. 24), der nach der Zerstörung des Tempels kommen sollte, Paulus (2. Thess. 2) vom "Abfall", der vor dem Zweiten Kommen geschehen würde.

    Die frühen Christen lebten in "Stets-Erwartung". Wie "nahe" das Ereignis sein würde, war unerheblich.

    Anders die Endzeit-Erweckungen des 18./19. Jahrhunderts - sie MISSVERSTANDEN die prophetischen Zeitangaben als das "Ende" der Zeit, NICHT als Beginn der "letzten Tage"/EndZEIT.

    Manchmal erzählst Du schöne Märchen. In sehr vielen Briefen der Apostel wird sehr deutlich, dass sie die Widerkunft Jesu während ihrer Lebenszeit erwarteten, bestes Beispiel ist Paulus, der das sogar in einem seiner Briefe so schreibt.

  • Es stimmt NICHT, dass die Jünger/Jesus das Zweite Kommen des Menschensohnes terminierten auf die Lebenszeit der Apostel. Jesus sprach vom "Gräuel"/Verfolgungszeit (Daniel/Matth. 24), der nach der Zerstörung des Tempels kommen sollte, Paulus (2. Thess. 2) vom "Abfall", der vor dem Zweiten Kommen geschehen würde.

    Die frühen Christen lebten in "Stets-Erwartung". Wie "nahe" das Ereignis sein würde, war unerheblich.

    Anders die Endzeit-Erweckungen des 18./19. Jahrhunderts - sie MISSVERSTANDEN die prophetischen Zeitangaben als das "Ende" der Zeit, NICHT als Beginn der "letzten Tage"/EndZEIT.

    Manchmal erzählst Du schöne Märchen. In sehr vielen Briefen der Apostel wird sehr deutlich, dass sie die Widerkunft Jesu während ihrer Lebenszeit erwarteten, bestes Beispiel ist Paulus, der das sogar in einem seiner Briefe so schreibt.

    Ich weiß nicht aus welchen Briefen Du das hast. Ich habe 2. Kor. angeführt, zus. 2 Petrus sagt das gleiche

    Alle warnen vor dem kommenden Abfall, auch Johannes.

  • Es ist aber auch nichts falsch an der Naherwartung, wenn der tatsächliche Zeitpunkt nicht offenbart wurde.

    Dann lies bitte 2. Thess. 2.

    Johannes-Evangelium letztes Kapitel, u. a.

    Der Begriff "Nahe-Erwartung" ist missverständlich, weil manche ausschließen, das sie sterben könnten vor der Wiederkunft.

    Nach den Aposteln kam die Irrlehre der Montanisten auf.

    Jesus spricht in Matth. 24 u. a. vom "Wachen" und STETS "Bereitsein".

  • Der Begriff "Nahe-Erwartung" ist missverständlich, weil manche ausschließen, das sie sterben könnten vor der Wiederkunft.

    Es werden auch nicht alle sterben. Dass Johannes nicht sterben wird, hat Jesus nicht gesagt. So oder so wird es eine letzte Generation der Lebenden geben, die Jesu Rückkehr erleben wird, ohne zu sterben. Jede Generation tut gut daran, sich für diese zu halten. Weniger wegen der Hoffnung, das zwar auch, aber viel mehr wegen der Furcht vor der Nachlässigkeit im Glauben und Wandeln, auf dass man nicht nackt und schlafend gefunden wird.


    Offenbarung 16,15 Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der da wacht und seine Kleider bewahrt, auf daß er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe!)


    Markus 13,35 So wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt, des Abends, oder um Mitternacht, oder um den Hahnenschrei, oder frühmorgens; 36 damit er nicht, plötzlich kommend, euch schlafend finde.

  • Lies 1. Kor. 15 und 2. Thess. 2

    Freilich wird eine Generation am Leben sein, wenn der Tag kommt. Aber kein Apostel hat behauptet, zu der zu gehören.

    Auch heute sollte man "wachen und nüchtern sein".

  • Ich berufe mich doch auf diese beiden Kapitel :)


    Nicht ich bin es, der Paulus unterstellt, seine Meinung hier geändert zu haben weg von einer Naherwartung. Paulus hatte eine Naherwartung, aber nicht eine absolute Naherwartung. Deswegen ist deine Kritik an diesem Wort natürlich berechtigt und ich stimme mit dir völlig überein, wenn du es lieber "Stets-Erwartung" nennen willst. Natürlich kannte Paulus Jesu mahnende Worte aus


    Matthäus 24,48 Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzieht zu kommen,

    49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und ißt und trinkt mit den Trunkenen,

    50 so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tage, an welchem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß,

    51 und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil setzen mit den Heuchlern: da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen.


    Allein deswegen musste Paulus später dann daran erinnern, dass der Zeitpunkt nicht auf die Apostelzeit terminiert ist, aber auch nicht völlig ausgeschlossen war.

  • Es stimmt NICHT, dass die Jünger/Jesus das Zweite Kommen des Menschensohnes terminierten auf die Lebenszeit der Apostel.

    Nachher dann nicht mehr, aber anfangs schon.

    Das ändert sich ja, wie gesagt.

    Paulus schreibt dann davon, dass erst noch etwas geschehen muss und Petrus schreibt sein berühmtes "tausend Jahre wie ein Tag", um alle Kritiker und Spötter mundtot zu machen.

  • Es stimmt NICHT, dass die Jünger/Jesus das Zweite Kommen des Menschensohnes terminierten auf die Lebenszeit der Apostel.

    Nachher dann nicht mehr, aber anfangs schon.

    Das ändert sich ja, wie gesagt.

    Paulus schreibt dann davon, dass erst noch etwas geschehen muss und Petrus schreibt sein berühmtes "tausend Jahre wie ein Tag", um alle Kritiker und Spötter mundtot zu machen.

    Die Endzeitrede Matth. 24 hatten die Jünger wohl verstanden, dass dies alles nicht nur in IHRER Generation geschehen würde.

  • Die Endzeitrede Matth. 24 hatten die Jünger wohl verstanden, dass dies alles nicht nur in IHRER Generation geschehen würde.

    Das will man wohl meinen.

    Allerdings wusste es Jesus ja selbst nicht. Und auch er sagte ihnen ja: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.

    Es ist weitgehend ausgeschlossen, dass Jesus Geschlecht (Genea) als zeitlich konnotierte Gruppe meint.

  • Das kann natürlich sein. Dann wäre Juda ansich gemeint, meinst du.

    Wahrscheinlich meint er in diesem Kontext mit dem Feigenbaum das Israel der Verheißung. Also nicht das Volk der Juden, denn aus dem kam ja auch das böse Geschlecht oder Otterngezücht der Pharisäer und Schriftgelehrten hervor. Das Israel der Verheißung sind die Gläubigen aus den zwölf Stämmen und den Nationen der Nichtjuden.

  • Das Israel der Verheißung sind die Gläubigen aus den zwölf Stämmen und den Nationen der Nichtjuden.

    Das bedeutet dann: bis zum Kommen des Menschensohnes wird dieses Geschlecht (gläubige Israels, Nationen und Nichtjuden) nicht vergehen.

    Joa ... is logisch.


    Das ist in etwa so wie der Satz "Gehet in eine Stadt, und dort bleibt ihr, bis ihr weiterzieht"

    Jo, man bleibt an einem Ort, bis man weiterzieht, das ist schon klar ...


    Ich halte den ersten Teil aus deiner Antwort für sinniger: Israel werde nicht vergehen.

    Denn die Zerstreuten aus den Stämmen zu sammeln, sei er ja gekommen, sagte er ja mehrmals.

    Ich denke, es ist sinniger, wenn er sagt, dass das Volk Israel nicht vergehen werde.


    Allerdings ändert dies auch nichts an den Sätzen Pauli und der Wandlung, die man im Laufe seiner Briefe erkennen kann.

    Es zeigt sich dort nämlich keine hermetische Lehre, finde ich, sondern das ändert sich, was er schreibt.

    Damit meine ich nicht grundsätzlich die Lehre, das nicht, aber gewisse Aspekte ändern sich.

    Das ist nicht anders als bei uns, wenn wir vor 5 oder 10 Jahren vielleicht Dinge geschrieben haben, und 5 oder 10 Jahre später betrachten wir dann gewisse Dinge anders, haben Erkenntnisse hinzugewonnen, haben Sachen verworfen, oder haben für manches eine noch feinere und bessere Sprache gefunden als früher.

  • Das Israel der Verheißung sind die Gläubigen aus den zwölf Stämmen und den Nationen der Nichtjuden.

    Und was ist wenn unter diesem Begriff ,das bedeuten könnte..?

    (1) Israel, Jakob: Der Stammvater Jakob erhielt den Beinamen »Israel« nach einem nächtlichen Kampf mit Gott bzw. seinem Engel am Fluss Jabbok (1.

    Herkunft und Bedeutung Daran anschließend geht der Name auf die Nachkommen seiner zwölf Söhne, Begründer der Zwölf Stämme Israels, über (Volk Israel). Er lässt sich mit „Gott streitet (für uns)“ oder „Gott möge (für uns) streiten“ und „Gott herrscht“ oder „Gott möge herrschen“ übersetzen.


    https://www.google.com/search?…XrIAQjAAQE&sclient=psy-ab

    Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh. 3,16

  • Das bedeutet dann: bis zum Kommen des Menschensohnes wird dieses Geschlecht (gläubige Israels, Nationen und Nichtjuden) nicht vergehen.

    Joa ... is logisch.


    Das ist in etwa so wie der Satz "Gehet in eine Stadt, und dort bleibt ihr, bis ihr weiterzieht"

    Jo, man bleibt an einem Ort, bis man weiterzieht, das ist schon klar ...

    Was Jesus sagt, kann so gesehen trivial erscheinen. Aber er agt zumindest aus damaliger Sicht etwas sehr Wichtiges.


    Die Kernbotschaft des Gleichnisses sehe ich darin, dass erst die von ihm zuvor beschriebenen Ereignisse alle eintreten müssen. Ob und welches Israel gemeint ist, ist da eigentlich nebensächlich. Der Feigenbaum steht eigentlich für die ganze Liste der angekündigten Ereignisse. Da sie aber auch das Israel der Verheißung und nicht nur die zwölf Stämme betreffen werden, bezog ich den Feigenbaum auf Israel. Es geht aber nicht um Merkmale oder Früchte Israels.

  • Die Kernbotschaft des Gleichnisses sehe ich darin, dass erst die von ihm zuvor beschriebenen Ereignisse alle eintreten müssen.

    Sicher, das wird zweifelsohne seine Ansicht gewesen sein und all die beschriebenen Ereignisse sind ja auch eingetreten.

    Weiß Paulus das?


    Wir lesen nämlich so: Leben Jesu - Niederschrift der Evangelien - Bekehrung des Paulus - Mission des Paulus - Niederschrift der Paulusbriefe.

    Diese Reihenfolge stimmt aber nicht.

    Die frühesten Texte des Neuen Testaments sind die Paulusbriefe. Man las in den Gemeinden Paulusbriefe, bevor es die Evangelien überhaupt gab.

    Ein Freund Pauli wird dann Evangelium und Apostelgeschichte schreiben: Lukas, ein heidnischer, am Judentum interessierter Arzt.


    Die frühen Christen waren eindeutig eschatologisch gesinnt, vollkommen gleich, was freudenboten dazu sagt, oder auf welchen Zeitraum man das genau eingrenzte; man war eschatologisch gesinnt.

    Eine eschatologische Gesinnung meint nicht "In etwa 2000 Jahren wird es dann auch mal endlich soweit sein".

    Nein, eine eschatologische Gesinnung meint, dass man bald das Ende erwartet. Ob man nun 10, 50 oder vielleicht noch 100 Jahre meint, geschenkt.

    Die waren genauso eschatologisch gesinnt, wie die Milleriten, die Adventisten oder die Zeugen eschatologisch gesinnt waren,

    und nein: sie haben das alles auch nicht "besser" verstanden, als wir es heute verstehen. Von dieser Idealisierung muss man, glaube ich, mal weg.


    Ebenso wie heute kamen auch damals schon Kritiker auf, die sagten: "Was ist denn nun mit alledem?"

    Darauf antwortet dann Petrus: "Lasst euch nicht beirren. Die Zeit ist bei Gott anders. Er wartet nur, weil er mit allen erbarmen hat".

    Es weiß bloß keiner, wer ALLE ist. Es werden ja immer wieder neue Menschen geboren. Also für welche "alle" wartet er zu?

    Solche Antworten bekommt man heute von Predigern auch noch. Es hat sich nichts verändert.

    Es wird auch bis heute noch z.B. eine Virus-Pandemie zum Anlass genommen, um seine Mission durchzuführen, genauso wie zu Zeiten der Pest oder der Bedrängung durch die Türken, um zum Ablass aufzurufen und die Gläubigen für Kriege zu mobilisieren.

  • Paulus hat sein Wissen über Jesus nicht aus den später verfassten Schriften übernommen, sondern teils von Jesus selbst offenbart bekommen, aber er kannte auch Jesu Zwölf Apostel noch. Was in den Evangelien steht, ist ja nicht ad hoc von den Verfassern während der Niederschrift erdacht worden, als würden sie sich auf sich selbst berufen, als wüssten die Autoren voneinander nur durch ihre im Umlauf gekommenen Schriften. Die Historisch Kritische Bibelforschung begeht auch den Fehlschluss, die Evangelien seien auf Basis einer schriftlichen Fassung der Logienquelle (Q) verfasst worden. Q, wenn man es so nennen will, war aber keine Schrift, sondern die ihr zu Grunde liegenden tatsächlichen Ereignisse und Worte mit und rund um Jesus, so wie sie beschrieben werden. An die Leugnung dieser eigentlich trivialen Wahrheit sollte man sich nicht gewöhnen.


    Darauf antwortet dann Petrus: "Lasst euch nicht beirren. Die Zeit ist bei Gott anders. Er wartet nur, weil er mit allen erbarmen hat".

    Die Frage ist nur, ob man das für eine perfide Taktik, einen verzweifelten Plan B hält, damit die Leserschaft schön weiter in die Irre geführt werden kann.

  • Die Frage ist nur, ob man das für eine perfide Taktik, einen verzweifelten Plan B hält, damit die Leserschaft schön weiter in die Irre geführt werden kann.

    Nein, ich denke, der Beweggrund ist Liebe. Was auch immer kommt, was auch immer andere sagen, lasset nicht ab und verzagt nicht!

    Das war ja auch seine Aufgabe. Jesus fragte ihn ja dreimal: Simon Petrus, liebst du mich?, und sagt ihm: Dann weide meine Schafe!


    Es ist an der Aufrichtigkeit des Motivs nicht zu zweifeln. Das ist es aber heute bei den Endzeitpredigern auch nicht. Auch sie sind aufrichtig.

    Dennoch muss man sich fragen, welche Haltung man dazu einnimmt.