Ich habe ein wenig in den Psalmen gelesen und mir zudem eine Lesung einiger Psalmen angehört. Ich hatte gedacht, das sei trostvoll anzuhören, fand den Vortrag aber am Ende teilweise sehr deprimierend und den Text teilweise extrem finster und borniert. Immer wieder wird streng unterschieden zwischen den Gerechten und dem Feinden des Singenden oder Betenden, die alle in Bausch und Bogen als böse bezeichnet werden. Gott wird aufgerufen, die Feinde des Beters zu vernichten oder ihn in Stand zu setzen, erlittenes Übel seinen Feinden heimzuzahlen. Derartige Gewaltphantasien durchziehen die Psalmen und in ihnen herrscht eine scheinbare, vordergründige Bescheidenheit, hinter der eine Arroganz versteckt ist, die darin besteht, dass der Beter ein "Gerechter" sei und dass alle seine Gegner oder Feinde mindestens den Tod verdienten.
Ich hatte Momente lang den Eindruck, die literarische Entsprechung eines Splatter-Movies zu hören. Vielleicht habe ich Fieber, bin jedenfalls physisch etwas geschwächt; aber noch einmal tue ich mir die Lesung einiger Psalmen heute nicht mehr an, das deprimiert mich viel zu sehr. Ernsthaft!
Leider mangelt es mir auch an der unverbrüchlichen Überzeugung, dass ich ein "Gerechter" und einer von den ganz Guten sei, einer von den einzig Richtigen, die ihre Feinde mit Hilfe des lieben Gottes in den Staub treten wollen.
PS: Ich habe in Momenten den Verdacht, teilweise den magischen Beschwörungen eines kleingeistigen machtgeilen Königs aus archaischen Zeiten zuzuhören, der versucht, einen übermächtigen göttlichen Kettenhund auf seine Feinde zu hetzen.