Markus 7 - Erklärte Jesus unreine Tiere für rein?

  • Da ist Petrus mit seinemr Vision "Nimm und iss - - " - und die Lehre, welche ihm Gott damit gibt. Da ist Paulus, der den Korinthern schreibt : Was auf dem Fleisvhmark ( - der von den Tempeln beliefert worden ist !) feilgeboten iwird, das esst - da wuren auch Böcke und Stiere gopfert ! - "taurwn hd' aigwn - Homer) - und offensichtlich haben einige Christen in Korinth am christlichen Abendmahl heute teilgenomen und sind morgen zum heidnichen Kultltmahl gegangen - siehe zu 1. Korinther 10,20. auch 1. Korinther 11, 26. - wörtlich zu nehmen , so die Wiener Altphilologen der Uni ! - Auch dort ging der Kelch reihum !) und Tertullian, welcher sich darauf beruft, Christen nähmen am römischen Alltag und römischer Oekonomie teil - "macellis" (Fleischmärkte)- und Paulus, welcher sich in Rom ofensichtlich mit indischen Vegeatrierlehren (Rmer 14 - Tertullian : "wir sind keine Brahmanen ! - ") auseinanderzusetzen hatte - - - -


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    Paulus hat eben nicht "Götzenopfer-Fleisch" "ungeigenetes" Fleisch unterstützt

  • Erklärt Jesus in Markus 7 unreine Tiere für rein?


    Ich trage mal meine Beobachtungen zu Markus 7,1-23 (Schlachter 2000) zusammen:


    1. ABSCHNITT: Die Frage der Pharisäer und Schriftgelehrten
    1 Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und etliche Schriftgelehrte, die von Jerusalem gekommen waren;Das Treffen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten (P+S) findet "bei ihm", d.h. bei Jesus, statt - nach Markus 6,53 also in Genezareth. Die P+S versammeln sich zunächst alleine bei Jesus "unter vier Augen" - ohne Volk, ohne Jünger. Diese treten erst später im Text (V.14/V.17) in Erscheinung.
    Offen lässt der Text, weshalb die P+S den Weg von Jerusalem nach Genezareth auf sich nahmen. Vielleicht wegen der Heilungen im Vorfeld? Oder versuchen sie Jesus zu stellen? Ihn in eine Disputation zu verwickeln?

    2 und als sie einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt mit ungewaschenen Händen Brot essen sahen, tadelten sie es.Beobachten die P+S Jesu Jünger absichtlich? Suchen sie Anklagepunkte? Oder werden sie zufällig Zeuge, wie die Jünger mit ungewaschenen Händen essen? Wie auch immer, sie haben zumindest darauf geachtet, was zum Tadel ihrerseits führt. Der Vers erklärt, was im Zusammenhang dieses Textes unter "unrein" (koinos) zu verstehen ist: "ungewaschen".
    Ich denke, es ist hier wichtig zu wissen, dass das NT "unrein" in >koinos< (gemein, kultisch unrein, z.B. durch Berührung, s. APG 10) und >akathartos< (wesensmäßig unrein, wie es das AT definiert, s. LXX) unterscheidet. Das griechische Wort >kathartos< kommt hier nur in V.19 vor, ansonsten geht es im ganzen Text immer nur um >koinos<

    3 Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht zuvor gründlich die Hände gewaschen haben, weil sie die Überlieferung der Alten halten.Dies ist eine Erklärung von Markus für die Nichtjuden, indem er beschreibt was es mit den Waschungen auf sich hat. Eine Erklärung hielt er offensichtlich für notwendig. Markus macht klar: Das Händewaschen vor dem Essen ist eine "Überlieferung der Alten", woran sich Pharisäer und „alle“ Juden(?) halten. Dies könnte ein Versuch von Markus sein die Christen (d.h. seine Adressaten) von den Juden abzugrenzen: Christen halten diese Satzungen nicht.
    4 Und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, ohne sich gewaschen zu haben. Und noch vieles andere haben sie zu halten angenommen, nämlich Waschungen von Bechern und Krügen und ehernem Geschirr und Polstern.Was soll diese Waschung bewirken? Mache ich dadurch das Essen „reiner“? Warum reinige ich mich, bevor ich etwas „unreines“ esse? Den tieferen Sinn dieser Praxis erklärt Markus nicht. Er stellt einfach nur fest: So machen es die Juden.
    Wenn es hier um Hygiene gehen würde, wäre gegen die Waschungen nichts einzuwenden – so hätten die P+S mit ihren Tadel sogar recht, zumindest nach heutigen Erkenntnissen.
    5 Daraufhin fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Alten, sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen?Die P+S fragen Jesus, warum sich seine Jünger nicht an die Überlieferungen der Alten halten. Die Schüler der "Alten" sind die P+S. Die Schüler Jesu sind die Jünger. Daraus ergibt sich der Konflikt: Lehre der Alten vs. Lehre Jesu. Daraus folgt die Anklage der „Zeugen“: Jesu Jünger halten die Überlieferungen der Alten nicht! Hat Jesus hier versagt, sie zu unterrichten? Angeklagt werden die Jünger bei Jesus: Was machen deine Jünger da? Die Frage bleibt offen, warum die Jünger sich nicht wuschen – aus Faulheit? War es praktisch nicht möglich? Hielten sie nichts davon? Interessant ist hier, dass die P+S Jesus ansprechen und nicht die Jünger. Sie erkennen damit Jesus als der Jünger Rabbi an. Die Anklage der P+S richtet sich somit gegen Jesus.
    Weitere Beobachtungen:
    Die Akteure in diesen fünf Versen sind:
    1. P+S, „alle Juden“ (3x)
    2. „Die Alten“ (2x)
    3. Jünger (2x)
    4. Bezüge zu Jesus: Ihm, ihm, seine, deine (4x)
    - Das Wort "Jesus" kommt in den Versen 1-23 nicht einmal vor

    Häufigste Wörter:
    1. Waschungen, waschen, ungewaschen (5x)
    2. Essen, nicht essen (4x)
    - sie bilden den inhaltlichen Schwerpunkt, also worum es geht, d.h. worum es den P+S geht.

    2. ABSCHNITT: Jesus spricht zu den Pharisäern und Schriftgelehrten
    6 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Trefflich hat Jesaja von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: »Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist fern von mir.Jesu Antwort auf die Frage beginnt mit der Anwendung des Wortes Gottes (Jesaja, Prophet) auf die Fragesteller: Die P+S sind Heuchler weil ihr Äußeres (Verehrung durch Lippen) mit ihrem Inneren (Herz ist fern) nicht übereinstimmt.
    7 Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind.«[Jes 29,13]Woran machte dies Jesaja damals (und Jesus in dieser Situation) fest:
    Das Äußere ist nur der vergebliche Versuch durch Menschengebote Gott zu ehren. Dies ist die erste direkte Parallele zu den P+S, die sich auf die Überlieferungen der Alten berufen. Die Kritik Jesu ist also „nichts neues unter der Sonne“, denn zur Zeit Jesajas gab es dieses Verhalten schon. Und heute?
    Jesus spricht hier die Frömmigkeit der P+S an: Sie wollen Gott durch zusätzliche Gebote verehren – und wer dies nicht ebenso tut, macht sich schuldig aus sicht der P+S. Sie können also Jesus und die Jünger auf dieser gedanklichen Grundlage anklagen. Ihr Urteil beruht aber auf "Menschengeboten" bzw. der "Überlieferung der Alten".

    8 Denn ihr verlasst das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein, Waschungen von Krügen und Bechern; und viele andere ähnliche Dinge tut ihr.Jesus überträgt den Text Jesajas auf die P+S und schlussfolgert:
    Die P+S verlassen die Gebote Gottes. Es wird dadruch ein Gegensatz aufgebaut: Die Gebote Gottes (Inneres) vs. das Halten der Überlieferungen der Menschen (Äußeres).
    Das Äußere sind Äußerlichkeiten, wie z.B. Beispiel: Waschungen von Krügen und Bechern.
    Begrifflich findet hier eine interessante Verschiebung statt: Während Jesus von Überlieferungen der Menschen bzw. Menschengeboten redet, redeten die P+S von den Überlieferungen der Alten. Jesus unterscheidet hier klar zwischen Menschengeboten und Gottesgeboten. Erstere beziehen auf äußere Handlungen, zweitere auf eine innere Haltung (das Herz, wie man später noch sehen wird)
    Die „Alten“ sind auch nur „Menschen“ – nur weil sie alt sind, haben sie nicht automatisch recht – „konservativ“ ist nicht automatisch gleich richtig. Die Überlieferungen der Alten sind nicht gleich zu setzen mit den Geboten Gottes. Möglicherweise benutzen die P+S den Begriff "Alten" um sich mehr Autorität zu verschaffen.

    9 Und er sprach zu ihnen: Trefflich verwerft ihr das Gebot Gottes, um eure Überlieferung festzuhalten.Die erneute Anrede der P+S unterstreicht Jesu Empörung über sie.
    Er stellt kurz und prägnant fest: Die P+S verwerfen Gottes Gebot um an den menschlichen Überlieferungen festzuhalten!
    Auch hier gibt es interessante begriffliche Verschiebungen:
    1. Aus verlassen wird verwerfen
    2. Aus halten wird festhalten
    3. Aus Überlieferung der Menschen wird eure Überlieferung

    10 Denn Mose hat gesagt: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!«, und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben!«[2Mo 20,12; 21,17]Jesu begründet hier sein Urteil, in dem er den P+S Gottes Wort (Mose) vorhält: Er führt zwei Bibelstellen auf: Ehre Vater und Mutter! Fluche sie nicht!
    11 Ihr aber lehrt [so]: Wenn jemand zum Vater oder zur Mutter spricht: »Korban«, das heißt zur Weihegabe ist bestimmt, was dir von mir zugutekommen sollte!,Die P+S lehren aber etwas anderes, als Mose gesagt hat:
    Es besteht die Möglichkeit des Gebens einer Opfergabe (Korban), die dem entspricht, was den Eltern gebührt.

    12 dann gestattet ihr ihm auch fortan nicht mehr, irgendetwas für seinen Vater oder seine Mutter zu tun;Und durch diese Opfergabe (vermutlich an den Tempel) kann sich der Geber der Verantwortung für seine Eltern entziehen.
    Das impliziert folgendes für die Gebote Gottes: Sie sind in dem Sinne verbindlich, das man sie nicht durch menschlich-religiöse Ersatzübungen aufheben kann. Vater und Mutter ehren bedeutet, sich um sie (praktisch) zu kümmern.

    13 und so hebt ihr mit eurer Überlieferung, die ihr weitergegeben habt, das Wort Gottes auf; und viele ähnliche Dinge tut ihr.Somit wird das Wort Gottes (Ehre Vater und Mutter!) durch "eure Überlieferung" (Korban!) aufgehoben. Es scheint ein Prinzip/Denkmuster der P+S zu sein, denn sie tun „vieles ähnliches“. Das Korban-Opfer ist also ein Beispiel „von vielen“, das etwas prinzipielles Erklären soll.
    Es findet auch hier wieder eine begriffliche Verschiebung seitens Jesus statt: Aus Gebot Gottes wird Wort Gottes.

    Weitere Beobachtungen:
    1. Das Prinzip der zwei Zeugen aus dem AT - dem Wort Gottes - taucht auf: Mose und Jesaja (Gesetz und Prophet) zeugen wider die P+S.
    2. Es wird klar unterschieden zwischen Wort Gottes und den Überlieferungen der Alten.
    3. Jesus, „unter das Gesetz getan“ (Gal 4,4.5), bekennt sich klar zu Gesetz und Propheten (Mt 5,17-20), distanziert sich aber von den „Blüten“, die die (zusätzlichen) menschlichen Überlieferungen hervorbringen.

    Die P+S werden wie folgt charakterisiert:
    A.) Sie ehren Mit Lippen, aber ihr ist Herz fern.
    B.) Sie ehren vergeblich, durch den Vortrag von Lehren, die Menschengebote sind.
    C.) Sie verlassen Gottes Gebote und halten stattdessen die Überlieferung von Menschen.
    D.) Sie verwerfen Gottes Gebote, indem sie Festhalten an diesen Überlieferungen.
    E.) Sie heben durch die Weitergabe der Überlieferungen das Wort Gottes auf - was nicht sein darf.


    Es gibt keine Reaktion der P+S bei Markus, aber bei Matthäus, s. u.
    3. ABSCHNITT: Jesus spricht zum Volk
    14 Und er rief die ganze Volksmenge zu sich und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und versteht!Jesus richtet sich nun an das Volk – weil sie diejenigen sind, an die die P+S ihre Ansichten „weitergeben“ (V. 13). Das Volk soll zuhören und verstehen - das eigentlich Selbstverständliche wird hier eingefordert.
    Bleibt das Volk beim bloßen Zuhören, besteht die Gefahr, dass wieder nur "Überlieferungen" entstehen und der einfache, oberflächliche Weg gegangen wird. Es muss das Verstehen dazu kommen, denn das Wort Gottes geht tiefer,d.h. ins Herz. Es geht um Prinzipien, die das Denken in die richtige Richtung fördern sollen.

    15 Nichts, was außerhalb des Menschen ist und in ihn hineinkommt, kann ihn verunreinigen; sondern was aus ihm herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt.Was nun kommt ist die Antwort auf die Frage der P+S (V.5). Es wird sich aber nicht an sie gerichtet, sondern an das Volk.
    Festzuhalten ist hier: Es geht um den Menschen (anthropos, nicht nur die Juden) und das, was in ihn hinein- und hinausgeht. Es geht ums Verunreinigen (koinos!). Was Jesus hier erklärt, ist ein grundsätzliches Prinzip.
    Dieses Prinzip sagt auch etwas über die P+S: Es geht ihnen um (kultische) Verunreinigung, die sie vermeiden wollen mittels Menschengeboten. Menschengebote helfen aber nicht, um sich zu schützen – denn der „Feind“ kommt aus dem Herzen.

    16 Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre!Die Phrase hat eine ähnlich Bedeutung wie „Hört mir zu und versteht!“ (V.14). Es geht um das Verstehen von Prinzipien.
    Matthäus 15,12-14
    12 Da traten seine Jünger herzu und sprachen zu ihm: Weißt du, dass die Pharisäer Anstoß nahmen, als sie das Wort hörten?
    13 Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.

    14 Lasst sie; sie sind blinde Blindenleiter! Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, werden beide in die Grube fallen.
    Matthäus berichtet an dieser Stelle ergänzend, dass die P+S Anstoß nahmen nach dieser Rede.
    Jesus stellt hier fest, dass die P+S nicht vom "himmlischen Vater" sind. Daher werden sie dem Gericht verfallen ("ausgerissen werden").
    Jesus fordert seine Jünger auf, sie zu lassen - es ist scheinbar aussichtlos sie zu erreichen. Das würde bei Markus erklären, warum sich Jesus mit seinen Erklärungen von den P+S abwendet und dem Volk und den Jüngern zuwendet.
    Jesus attestiert den P+S Blindheit mit Lehrautorität (Leiterschaft) - eine verhängnisvolle Kombination für Lehrer und Schüler: Beide werden fallen.


    4. ABSCHNITT: Jesus spricht zu seinen Jüngern
    17 Und als er von der Menge weg nach Hause gegangen war, fragten ihn seine Jünger über das Gleichnis.Die Jünger fragen ihn alleine – aus Scham, weil sie es nicht verstanden haben? Haben die wiederholten Aufforderungen Jesu zu Verstehen sie verunsichert?
    Die sehen in der Rede Jesu ein Gleichnis - aber was für ein Gleichnis? Was ist gleichnishaft an Jesu Ausführungen? Wird hier unter dem Begriff Gleichnis "ein allgemeingültiges Prinzip" verstanden?

    18 Und er sprach zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht verunreinigen kann?Ein „wütender“ Jesus wiederholt wegen der Begriffsstutzigkeit seiner Jünger den ersten Teil des Prinzips aus V. 15: Was von außen in den Menschen hineinkommt, verunreingt ihn nicht. Markus bzw. Jesus bleibt hier beim "koinos-machend".
    Hier könnte man nun argumentieren, dass dieses von Jesus postulierte Prinzip den mosaischen Geboten in 3. Mose 11 widerspricht - wodurch sich Jesus selbst widersprechen würde, denn in Markus 7,1-23 stellt er sich selbst auf die Seite der Thora.
    Es muss daher angemerkt werden, das es Jesus um koinos-unrein geht und in 3. Mose 11 laut LXX um
    akathartos-unrein.
    Erstes beschreibt eine kultische Unreinheit und zweiteres eine wesenmäßige Unreinheit. Als kultisch-verunreinigt geltende Speise - zu mal diese Ansicht in diesem Kontext menschlicher Tradition entstammt und nicht der Bibel - verunreinigt das menschliche Herz folglich nicht.

    19 Denn es kommt nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und wird auf dem natürlichen Weg, der alle Speisen reinigt, ausgeschieden.Warum? Weil die kultisch-verunreinigte Speise das Herz „unberührt“ lässt. Stattdessen geht diese Speise ihren natürlichen Weg der „Reinigung“. Interessant ist, dass reinigen an dieser Stelle vom griechischen kathartos, d.h. wesensmäßig rein, kommt. Jesus ergänzt hier in gewisserweise das AT, in dem es keine Aussagen zur Reinigung von Unreinheit gibt, die aus dem Verzehr unreiner Tiere resultiert. Diese "Reinigung" übernimmt also der "Darm".
    Dass der "Darm" überhaupt "reinigt" (kathartos), impliziert das auch Unreines (akathartos) in den "Darm" gelangen kann.

    20 Er sprach aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen.Hier wiederholt Jesus den zweiten Teil des Prinzips aus V.15: Die Verunreinigung kommt von dem, was aus dem Menschen herauskommt.
    Es ist wahrscheinlich diese merkwürdige Logik, die die Zuhörer und Leser irritiert: Etwas, was von einen ausgeht, ändert den Zustand des Aussendeten. So wird auf gewisse Weise die Alltags-Logik auf den Kopf gestellt, denn normalerweise findet Verunreingung von Außen statt, was vielfach im Sinne von akathartos-unrein im AT bezeugt ist und den jüdischen Alltag bis heute prägt.

    21 Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord,Jesus stellt hier fest: Der Ursprung von der bösen Gedanken liegt im Inneren, d.h. im Herzen. Von da aus breiten sie sich aus und kommen hervor.
    Wenn Jesus auf die innere Gedankenwelt des Menschen hier hinweist, stellt er sie den äußeren, selbstgemachten Ritualen der Menschen gegenüber. Dies sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Ebenen des Seins, die sich unterschiedlich auf die "wahre Reinheit" des Menschen auswirken.
    Jesus beginnt mit der Aufzählung von Sünden bzw. Untugenden, die im Herzen beginnen.

    22 Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.Es folgen weitere Beispiele für Sünden und Untugenden.
    Interessant ist hierbei, dass es sich um eine Mischung aus Teilen der 10 Gebote und anderen Lastern handelt. Es ist meines Erachtens davon auszugehen, dass sie nur exemplarisch ausgewählt wurden und nicht vollständig sind.

    23 All dieses Böse kommt von innen heraus und verunreinigt den Menschen.Jesu wiederholt hier V.20 und V.21. Dadurch wird deutlich, dass die Verse 20-23 einen Chiasmus bilden, in dessen Zentrum das "Böse" steht. Es ist damit ein typischer Lehrspruch Jesu (bzw. der damaligen Zeit).
    Chiasmus in V.20-23
    - A Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen.
    --- B Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor,
    ----- C Ehebruch, Unzucht, Mord, Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.
    --- B'
    All dieses Böse kommt von innen heraus und
    - A' verunreinigt den Menschen.


    Meine abschließenden Gedanken zu Markus 7,1-23:

    Es scheint mir hier um einen inner-jüdischen Konflikt zu gehen: In welcher Beziehung steht die göttliche Thora (Wort Gottes, Gottes Gebot) zu den menschlichen Überlieferungen der Alten. Jesus bezieht hier ganz klar Position und stellt sich auf die Seite der Thora. Jesus spricht - passend dazu - in Matthäus 5,17-20 (Sch2000) von sich:


    17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen.[2] Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. 20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen!


    Sich auf die Seite der Thora zu stellen bedeutet, die dort beschrieben Gebote zu respektieren, ihren eigentlichen Sinn zu erkennen (Prinzipien) und sie dann zu halten. Dazu gehören - für Jesus als Juden "unter dem Gesetz" - selbstverständlich die Unterscheidung reiner und unreiner Tiere (LXX: kathartos und akathartos). Diese Gebote sind nicht gleichzusetzen mit den menschlichen Überlieferungen der Alten.

    Hätte sich Jesus hier hingestellt und die Unterscheidung des AT in rein und unrein aufgehoben, hätte er die Thora verworfen - also genau das getan, was er den P+S in Markus 7,1-23 mehrfach attestiert.

    Es geht in dieser Begebenheit daher meines Erachtens garnicht darum, was Heiden nun dürfen oder nicht. Jesus spricht und handelt hier im jüdischen Kontext. Von daher sagt dieser Text erst einmal nichts darüber aus, ob rein oder unrein nach dem AT auch für Heidenchristen gilt - das gibt meines Erachtens Markus 7,1-23 allein nicht her.


    Ungeachtet davon: Die Frage nach rein oder unrein (im Sinne von koinos) ist in diesen Versen nur das "Vehikel" bzw. ein Beispiel für eine ganz andere Problematik.


    Es geht darum, wie man Gott richtig ehrt, nämlich von "Innen" heraus, d.h. mit dem Herzen. Konkret heißt das durch das Unterlassen bestimmter Untugenden (V.21-22). Man beachte aber dabei, dass die aufgezählten Untugenden "schriftgemäß" (AT, Thora, 10 Gebote) sind, und keine menschlichen Überlieferungen. Der Konterpart zu diesen Untugenden bildet die "Frucht des Geistes" (Gal 5,22ff, Eph 5,9ff). Jesus bleibt auf dem Fundament der Schrift (AT), ohne bestimmte Tugenden (z.B. Liebe) gegen sie auszuspielen (s. Paulus in Röm 13,8-10).

    Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

    Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!