• Wichtig in dem Kontext der Gnosis ist der Doketismus, der vermeintlich einen Scheinleib Jesu lehrt. Ich hab mir die Stellen die unter Doketismus – Wikipedia aufgeführt sind mal genauer angeguckt. Wenn ich das mal nüchtern betrachte, ist da die Rede davon, dass das Leben Jesu quasi Schaustellerei war. Das griechische dokeO bedeutet eigentlich nicht scheinen oder täuschen, sondern damit konnotiert ist Absicht, Intention und Zweck. Was da wohl gesagt werden soll, dass Jesus nicht tatsächlich im höheren Auftrag handelte, sondern eigenmächtig, aber mit allen Tricks versuchte einen höheren Zweck vorzutäuschen. Das entspräche auch viel eher dem Geist der Kritiker, als aus Jesus ein unantastbares Wunderwesen zu machen. Die Kirchenväter haben womöglich eher selektiv zitiert.

  • Was da wohl gesagt werden soll, dass Jesus nicht tatsächlich im höheren Auftrag handelte,

    Das ist - bezüglich der gnostischen Lehre - eher unwahrscheinlich.
    Denn denen ging es darum, dass Jesus - als Sohn des wahren Gottes - rein geistig war und sich nicht mit der bösen Materie mischen konnte.
    Deshalb sei er "nur zum Schein" Mensch gewesen, aber nicht wirklich.


    Der Gott der Materie, der Demiurg, wird mit dem Jahwe der Hebräer identifiziert, also ein böser Gott, der mit dem wahren Gott, der Jesus sandte, absolut nichts zutun habe.


    Diesen Dualismus gab es ursprünglich in der Gnosis übrigens nicht; das kam etwas später im Diskurs mit der christlichen Lehre erst.
    Bei der alten Gnosis gibt es nur den einen Gott, den Baumeister der Welten, der beides geschaffen hat, den zu erkennen aber den Geist über die unvollkommene Materie regieren lässt.
    Das klingt ja dann bei Paulus oder Johannes jetzt nicht soo massiv anders in manchen Sätzen.


    In der Bibel findet sich einfach eine enorme Fülle an Dingen, auf die geantwortet wird oder die angerissen werden (ohne das wirklich in philosophischer Länge und Breite durchzuarbeiten),
    sodass man dann für lauter Sachen und Gedankengänge irgendwie Verse oder Passagen finden kann.
    Das ganze Spiel findet ja jetzt seit fast 2000 Jahren statt ...

  • Zarathustra ... Die "Ahnlichkeit" zur mosaischen JHWH-Verehrung war nach dem Exil der VORWAND für die gnostische Vermischung der Lehre vom "Kampf zwischen Licht und Finsternis".
    ...


    Das Freimaurertum transportierte die gnostischen Ansichten ins 19. Jahrhundert, auch zu den "Pionieren" der STA und ZJ.

    Also, der "Kampf zwischen Licht und Finsternis" der zieht sich doch durch die gesamte Bibel! Der begann mMn. bereits vor der Schöpfung im Himmel, als es in Luzifer, dem Lichtengel finster wurde! (---> siehe Jesaja 14 und Hesekiel 28, die m.E. eine gewisse Erklärung bringen, woher „das Böse/der Böse” kam!) Als Luzifer sein wollte wie Gott (Jes.14,14) begann jener "Kampf zwischen Licht und Finsternis"! Und das hat überhaupt nichts mit Gnostizismus oder mit Freimaurerei zu tun! Dieser "Kampf zwischen Licht und Finsternis" durchzieht die ganze Heilige Schrift bis fast zur letzen Seite! Man überlege doch einmal: selbst nach den 1000 Jahren ist dieser Kampf noch nicht zu Ende, sondern - und dies können viele Christen bis heute nicht begreifen! - der Satan wird nochmals auf die Menschheit losgelassen (Offb.20,7)!


    [editiert - OT]

  • Das ist - bezüglich der gnostischen Lehre - eher unwahrscheinlich.
    Denn denen ging es darum, dass Jesus - als Sohn des wahren Gottes - rein geistig war und sich nicht mit der bösen Materie mischen konnte.
    Deshalb sei er "nur zum Schein" Mensch gewesen, aber nicht wirklich.

    Schon klar, mir ging es nur um diese Begriffsdefinition. Aber der Begriff scheint ein dogmengeschichtliches Retronym zu sein und ansich weniger eine Rolle für die Lehre insgesamt zu spielen, als es den Eindruck macht (ich vermeide jetzt die Formulierung "als es scheint")


    Die Streitschriften der Kirchenväter gegen diese Lehren der Gnosis, die ja die Primärquellen überhaupt sind, sind kaum erträglich zu lesen. Nicht nur die Lehren, die sie angreifen, auch ihre Gegenargumentation ist nicht so viel besser. Deswegen weigere ich mich einfach mir das im Gänze reinzuziehen.


    Der Begriff Doketismus ist jedenfalls schwierig und die stammverwandten Wörter im NT oder auch bei Josephus beispielsweise deuten eher eine gänzlich andere Verwendung an, als der Begriff suggerieren will. Er mag im Kontext der Ideengeschichte der Gnosis passend sein als Nebenbegriff, aber taugt in keiner Weise als Fundament dieser Lehren. Oder im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Bedeutung grundlegend geändert und ins Gegenteil verkehrt. Das kann sein, sowas gibt es.