Mt 27 vs Lk 23: War der Schächer am Kreuz bußfertig?

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    • Mt 27 vs Lk 23: War der Schächer am Kreuz bußfertig?

      Nun mal was anderes, das aber mit dem bussfertigem Schächer am Kreuz zu tun hat. Das habe ich heute am Freitag, 8. Mai 2020 im STUDIENHEFT ZUR BIBEL 2 | 2020 - Wie legen wir die Bibel aus?
      gelesen; ich habe heute die Seiten 28 - 51 gelesen und bin auf Seite 44 auf die folgende Passage gestossen: »Wie gehen wir bspw. mit Gesetzen oder Empfehlungen um, die nicht in unsere Kultur oder Rechtsprechung passen (z. B. 1 Kor 14,35)? Wie mit inhaltlichen Spannungen zwischen verschiedenen Texten (vgl. Lk 23,39-43 mit Mt 27,44)?«

      In Luk.23,39-43 steht:




      39 Aber einer der Übeltäter die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! 40 Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? 41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
      und in Matth.27,44 steht:



      44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.


      ==> Also der Apostel Matthäus spricht davon, dass beide Verbrecher (sie sollen laut christl. Tradition Gesmas (bzw. Gestas) - der unbekehrte und Diesmas - der bekehrte - geheißen haben!) Jesus geschmäht haben! ---> auch der älteste Evangelist Markus (verfasste sein Evangelium um 47 n.Chr.!) schreibt so! (Mark.15, 32).
      Aber Lukas schreibt dass Gesmas Jesus gelästert habe (Lk.23,39), während der andere, Diesmas sich bussfertig an Jesus wendet (Lk.23,40ff.). Ist dies nicht ein offensichtlicher Widerspruch zwischen Matthäus und Lukas?


      Erschwerend kommt nämlich noch hinzu, dass beide Evangelien etwa zu gleicher Zeit - um 63/64 n.Chr. - verfasst worden sein sollen! Der
      Apostel Johannes, der laut biblischem Bericht hautnah bei der Kreuzigung dabei war, hat diese Episode überhaupt nicht erwähnt! Was
      sagt Ihr, liebe Forumsteilnehmer zu diesem offensichtlichem Widerspruch?

      Ich habe schon eine Idee wie sich dieser Widerspruch auflösen lässt, will aber erst mal eure Meinungen abwarten!
      LG
      Norbert
      Der Herr ist gut in dessen Dienst wir stehn!” (Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch)

      LIED: Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn = Melodie!
    • Norbert Chmelar schrieb:

      Der Apostel Johannes, der laut biblischem Bericht hautnah bei der Kreuzigung dabei war, hat diese Episode überhaupt nicht erwähnt! Was sagt Ihr, liebe Forumsteilnehmer zu diesem offensichtlichem Widerspruch?
      Das was wir als Widerspruch lesen sind oftmals auch unterschiedliche Sichtweisen zu unterschiedlichen Zeiten.

      Schließlich waren diese drei ja einige Stunden zusammen. Und da kann schon eine Änderung der eigenen Wahrnehmung in der Gemeinschaft mit Jesus, stattgefunden haben.
    • Antwort, die den vermeintlichen Widerspruch auflöst!

      Ich sehe es so: Zuerst hat Diesmas Jesus gelästert (Matth.27,44), dann ging er in sich und bekehrte sich, tat Busse und bat
      Jesus, dass er an ihn denken solle, wenn er in sein Reich kommen sollte (Luk.23,42).

      In dem Buch "3 x 100 Fragen zur Bibel" wird unter Frage 134 - Widersprüche in der Leidensgeschichte Jesu? auf Seite 263/264 darauf wie folgt geantwortet, ich zitiere:
      »Am Anfan lästern beide Verbrecher Jesus, wovon uns Matthäus und Markus berichten. Plötzlich kommt der eine von beiden zur Einsicht, dass sein Tun verkehrt ist, worauf er sich - nicht ohne seinen Schicksalsgenossen zurechtgewiesen zu haben - in tiefer Reue an den Sohn Gottes wendet. Davon berichtet uns nur Lukas.
      Das ist nun bezeichnend für die besondere Botschaft des Lukasevangeliums.
      Dieses zeigt nämlich deutlicher als alle anderen, dass Jesus Christus in die Welt kam, um zu suchen und zu retten, was
      verloren ist (Luk. 19,10) ...

      Was mag wohl den Schächer zu seiner Reue und Umkehr bewegt haben, da doch auch er zunächst nur hatte lästern können?
      Zweifelsohne das unvergleichliche Erleben, dessen unmittelbarer Zeuge er wider Willen geworden war: Er sieht, wie sich ein Unschuldiger ohne Widerstand ans Kreuz schlagen lässt, hört, wie dieser anstatt seinen Henkern zu fluchen, für sie betet, erlebt, wie er auch auf seine eigenen Lästerungen nicht reagiert.
      «Was für ein Mensch!», muss er gedacht haben. «Und wie erbärmlich, wie feige, wie schändlich benehme ich mich!» Das brach ihm das harte Herz und ließ ihn zu Jesus um Erbarmen rufen. Damit wurde er zum Beispiel für Tausende und Abertausende, die seither von der unvergleichlichen Grösse Jesu Christi in seinem Leiden und Sterben überwältigt worden sind und so von verlorenen Sündern zu Kindern Gottes, von zynischen Lästerern zu Knechten Gottes geworden sind.«

      ---> soweit aus diesem Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann, weil es schwierige Stellen der Schrift behandelt und vermeintliche Widersprüche in der Bibel auflösen tut!
      Der Titel lautet: "3 x 100 Fragen zur Bibel" von Benedikt Peters/Bruno Schwengeler – © 1989 by Schwengeler Verlag, CH-9442 Berneck, 1. Auflage 2003 - Gesamtband, ISBN-Nr. 3-85666-359-2 – Buch-Nr. 359, insgesamt 592 Seiten.
      Der Herr ist gut in dessen Dienst wir stehn!” (Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch)

      LIED: Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn = Melodie!
    • Norbert Chmelar schrieb:

      «Was für ein Mensch!», muss er gedacht haben. «Und wie erbärmlich, wie feige, wie schändlich benehme ich mich!» Das brach ihm das harte Herz und ließ ihn zu Jesus um Erbarmen rufen.
      Und wer das in seinem eigenem Leben so erlebt hat, weiß das es keinen anderen Weg im Glauben gibt.....
    • Beide Schächer am Kreuz waren Verbrecher. Weil sie nicht bereit waren zu
      sterben, ruften sie Jesus (den sie ja kannten) zu (spotteten) um
      Befreiung ("Rette dich und uns"). Aber sie sahen oder zumindest hörten,
      wie Jesus am Kreuz redete, wie Er reagierte, was Er sagte. Jesus
      spottete nicht, Er fluchte nicht, Er beschwerte sich nicht...... ER BAT
      SEINEN VATER UM VERGEBUNG DER SÜNDEN FÜR SEINE FEINDE. Dieses alles hat
      dem einen Schächer sehr zu denken gegeben und er erkannte, dass der
      Mann, über den er schon einiges gehört hatte, DOCH der Sohn Gottes
      ist.... und nahm IHN in den letzten Minuten seines Lebens an.


      In dem Text bei Lukas ist doch genau das Geschrieben, dass erst beide
      lästerten, dann aber der Eine Jesus angenommen hat. Es ist auch hier wieder
      kein Widerspruch... die Bibel widerspricht sich nicht

      Die Geschichte eines Menschen – Glaubenstruhe

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