Theodizee

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    • Theodizee (oder Deus dizzen)

      Heute ein kleines Stück in einem die Tage bei mir eingetroffenem Buch von Timothy Jennings gelesen, an der Stelle schreibt er über den Kampf zwischen Gott und Satan, weiter und genauer darüber, dass Liebe ohne Freiheit nicht möglich sei. Ich erinnere mich ungefähr an die Argumentation von Ulrich Parzany. Jennings Hinweis ist vordergründig logisch und vernünftig; gleichwohl überzeugt mich seine Ansicht und diese Theologie nicht. Ich denke momentan, dass die Vorstellung von Freiheit, die Jennings in diesem Zusammenhang zu haben scheint, Schwarz-weiß-Denken ist. So wie es in Märchen aus Büchern oder aus Hollywood manchmal nur das ganz Böse oder einen komplett Bösen und das ganz Gute oder einen komplett Guten gibt, so meint Jennings anscheinend, dass es nur die absolute Freiheit geben könne.

      Die Analogie mag nicht passen, aber sie geht mir heute Abend durch den Kopf: Wie verhalten sich menschliche Eltern gegen ihre Kinder? Moderne westliche Eltern, die ihr Kind lieben, werden ihm Freiheiten lassen und es ermuntern, seine Kräfte und seinen Willen zu erproben und dabei sein Urteilsvermögen zu entwickeln. Trotzdem werden sie, wenn ihr Kind, warum auch immer, im Begriff ist, auf eine Straße genau vor ein schnell herankommendes Auto zu treten, nicht sagen: "Freier Wille. Ich liebe mein Kind, deswegen lasse ich ihm völlige Freiheit und greife auch in diesem Fall nicht ein."

      Was ist das also für eine sonderliche, ja abwegige Vorstellung, dass Gott zum Beispiel den Holocaust zulassen müsse, weil Liebe totale Freiheit und völliges Gewährenlassen bedeute?

      Ist Gott ein Einfaltspinsel, der nicht unterscheiden kann, wann Gewährenlassen angemessen ist und wann er aus echter Liebe eingreifen sollte?



      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19
    • Daniels schrieb:

      Was ist das also für eine sonderliche, ja abwegige Vorstellung, dass Gott zum Beispiel den Holocaust zulassen müsse, weil Liebe totale Freiheit und völliges Gewährenlassen bedeute?

      Ist Gott ein Einfaltspinsel, der nicht unterscheiden kann, wann Gewährenlassen angemessen ist und wann er aus echter Liebe eingreifen sollte?
      Du siehst nur das Gewährenlassen des Bösen, aber nicht das Gewährenlassen des Guten.
      Der Mensch soll etwas dagegen tun, er soll der Widerspruch zum Bösen sein.
      Die wachsamen Eltern in deinem Beispiel, die das Kind vor dem Verkehr schützen, sind das Einschreiten. Sie sind die Obhut, bis solch ein Kind gelernt hat, selbst richtig einschätzen zu können und achtsam zu sein.

      Was der Mensch tun soll, ist ihm gesagt. Und zu wie vielen Schlächtern in stillen Momenten der Geist gesprochen hat und ihnen gesagt hat, es sei Unrecht, was sie tun, das sieht man nicht.
      Es steht nicht in den Geschichtsbüchern; in den Geschichtsbüchern steht das Böse, das sie taten, und da habe dann Gott nicht eingegriffen.
      Ich verstehe die Theodizee aus ihrer Not, aber sie ist leider ein vollkommen falsches Verständnis der Dinge.
      Es ist ein Aberglaube. Man wartet auf den Wettergott, der mit Blitz und Donner einschreitet, undzwar in offensichtlicher Form, sodass man es nachvollziehen kann.

      Der Ort, wo das Gefecht stattfindet, ist die Seele des Menschen, sein Herz. Und es gab Menschen, die das Schlechte erkannten und sich davon abgekehrt haben.
      Das ist aber meist still und nicht so pompös wie das Böse. Wie unter Dornen gesäht.

      Es geht um den Menschen. Man meint immer, man rede in Religion und Theologie davon, was Gott sei und tue. Nein, auch dort redet man letztlich davon, was der Mensch ist und tut.
      Wenn Er eingreift, dann ist diese Geschichte hier zuende.

      Und der Herr Jesus wird ihn ausblasen mit dem Hauch seines Mundes.