Gewaltdarstellungen in der Bibel - KEINE gute Lektüre für Kinder?

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    • Gewaltdarstellungen in der Bibel - KEINE gute Lektüre für Kinder?

      Hallo zusammen,

      meine etwas provokante Frage im Titel wollte ich hier mit euch mal besprechen. Die Bibel, vor allem das alte Testament, aber auch das neue Testament, strotzt vor Geschichten, die vor Gewalt und offenen Konfliktsituationen nur so strotzen. Das beginnt schon bei Kain und Abel und endet oftmals bei Kriegen, Ausrottungen ganzer Volksgruppen oder am Kreuz mit Jesus.

      Jetzt würde niemand von uns einem Kind im Alter von 3 - 7 Jahren einen Film zeigen, wo diese Dinge vorkommen oder gezeigt werden. Aber die Bibel zu lesen/vorlesen in einer leicht verständlichen Sprache, das wird doch jeder von uns für Kinder empfehlen. Ich kenne eine sehr gute App, die biblische Geschichten für Kinder sehr ansprechend aufbereitet: details?id=com.bible.kids&hl=de_AT (gibt's auch für Apple IOS) - sowas kann man gerne zeigen, auch wenn hier bei der Kreuzigungsszene Jesu Fragen kommen.

      Was macht ihr also, wenn ihr mit Kindern biblische Geschichten lest/besprecht?

      Soll man einfach nur die schönen Geschichten vorlesen? Die, die ein gutes Ende haben und wo keine/wenig Gewalt vorkommt?
      Oder soll man dem Kind die Bibel zumuten, so wie es da steht, bspw: "Und Elia schlachtete die 400 Baalspriester nach dem Wunder mit dem Feuer vom Himmel"
      Oder soll man die grauslichen Stellen auslassen?

      Wie geht ein Kind mit der Gewalt in der Bibel um?

      Was will Gott, dass man den Kindern vermittelt? Die ganze Geschichte, oder nur die Teile, die das Gute und Schöne zeigen?


      Ein paar plakative Beispiele:

      1 Sam 18
      24 Und die Knechte Sauls sagten es ihm wieder und sprachen: Solche Worte hat David geredet. 25 Saul sprach: So sagt zu David: Der König begehrt keine Morgengabe, nur hundert Vorhäute von den Philistern, daß man sich räche an des Königs Feinden. Denn Saul trachtete David zu fällen durch der Philister Hand.

      Richter 19,24
      24 Siehe, da sind meine jungfräuliche Tochter und seine Nebenfrau. Sie will ich zu euch hinausbringen; vergewaltigt sie und macht mit ihnen, wie es gut ist in euren Augen. Aber an diesem Mann dürft ihr keine solche Schandtat begehen.
      25 Doch die Männer wollten nicht auf ihn hören. Da ergriff der Levit seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen auf die Straße hinaus. Sie erkannten sie und trieben die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen ihren Mutwillen mit ihr. Sie schickten sie erst fort, als die Morgenröte heraufzog.
      26 Als der Morgen anbrach, kam die Frau zurück; vor der Haustür des Mannes, bei dem ihr Herr wohnte, brach sie zusammen und blieb dort liegen, bis es hell wurde.
      27 Ihr Herr stand am Morgen auf, öffnete die Haustür und ging hinaus, um seine Reise fortzusetzen. Und siehe, die Frau, seine Nebenfrau, lag am Eingang des Hauses, die Hände auf der Schwelle.
      28 Er sagte zu ihr: Steh auf, wir wollen gehen! Doch niemand antwortete. Da lud er sie auf den Esel, machte sich auf und ging an seinen Ort.
      29 Als er nach Hause gekommen war, nahm er das Messer, ergriff seine Nebenfrau, zerschnitt sie in zwölf Stücke, Glied für Glied, und schickte sie in das ganze Gebiet Israels.
      30 Jeder, der das sah, sagte: So etwas ist noch nie geschehen, so etwas hat man nicht erlebt, seit die Söhne Israels aus Ägypten heraufgezogen sind, bis zum heutigen Tag. Denkt nach, beratet und sprecht darüber!

      1 Mose 19
      4 Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Männer der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, Jung und Alt, alles Volk von weit und breit.
      5 Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Nacht zu dir gekommen sind? Bring sie zu uns heraus, wir wollen mit ihnen verkehren.

      1 Mose 34
      24 Alle, die durch das Tor seiner Stadt auszogen, hörten auf Hamor und seinen Sohn Sichem; und alle Männer, alle, die durch das Tor seiner Stadt auszogen, ließen sich beschneiden.
      25 Am dritten Tag aber, als sie Schmerzen hatten, griffen zwei Söhne Jakobs, Simeon und Levi, die Brüder Dinas, jeder zu seinem Schwert, drangen unbehelligt in die Stadt ein und brachten alles Männliche um.
      26 Hamor und seinen Sohn Sichem töteten sie mit der Schärfe des Schwertes, holten Dina aus dem Hause Sichems und gingen davon.
      27 Dann machten sich die Söhne Jakobs über die Erschlagenen her und plünderten die Stadt, weil man ihre Schwester entehrt hatte.


      Ich will bewußt NICHT ÜBER diese Texte, über den Inhalt, sprechen. Wenn jemand über diese Texte sprechen will, dann bitte ein eigenes Thema aufmachen. Es geht mir allgemein darum, wie man mit Gewaltdarstellungen in der Bibel umgeht, wenn es darum geht diese Geschichten Kindern zu erzählen. Jetzt wird natürlich keiner, der einem Kind die Bibel vorliest bei Richter 19 anfangen - schon klar. Aber diese scheinbare Alltagsgewalt und all die bösen Dinge, die geschehen bei David, bei Jakob, im Volk Israel oder bei Johannes dem Täufer. Erzählt man das den Kindern dann entschärft, oder lässt die Gewalt weg? Ist das ein guter Weg?

      Was ist eure Erfahrung mit Kindern, die solche gewalttätigen Geschichten hören? Wie gehen sie damit um? Was tut Kindern in diesem Zusammenang gut, was nicht?

      viele Grüße

      tricky
    • Ich habe meinen Kindern altersgemäß aufbereitete Geschichten vorgelesen und
      aus dem Alltag Situationen genommen, um biblische Grundsätze zu erklären.
      Das Lesen vom Alten Testament haben sie später beim eigenen Bibelstudium gelesen.
      Was dort an Gewalt passiert ist und beschrieben ist, findet man in jeder Tageszeitung, in Filmen und
      Dokumentationen, deshalb ist die Bibel ja eine so ehrliche Beschreibung dessen wie der Mensch ist und wozu er fähig ist.

      Ich finde aber nicht, dass es meine Aufgabe als Eltern ist, das Schreckliche noch zu verbreiten oder meine Kinder extra damit zu konfrontieren...

      Es geht ja um Charaktererziehung, dazu nützliche positive Beispiele aus der Bibel zu benutzen und vorallem zu erklären wer Jesus ist , wer Gott ist, was funktioniert und was nicht...Grundlagen gibt es dafür genug in der Schrift.
      Dass Gewalt im Leben ein Thema ist, das merken die Kinder früh selbst, wenn sie in die Schule gehen oder wenn sie Geschwister und Streitsituationen haben....
      Wie das eigene Bild von Gott ist, hat enorme Auswirkungen auf das Grundvertrauen eines Kindes,
      deshalb sollte man die kleinen Kinder auch nicht mit Fragen konfrontieren, die man selbst nicht beantworten kann, finde ich.
      Ich finde es aber gut, wenn man Kinder dazu anregt, Fragen Gott persönlich zu stellen und zu erwarten, dass er antwortet, weil er das nämlich auch tut.
      In entsprechendem Alter kann man gut auch über den Egoismus in uns sprechen, aus dem heraus Gefühle entstehen....
      reden, viel mit den Kindern über die Welt und was in ihr ist, sprechen....
      wenn es sich ergibt und zur Situation passt....
      Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
    • Pfingstrosen schrieb:

      Ich finde aber nicht, dass es meine Aufgabe als Eltern ist, das Schreckliche noch zu verbreiten oder meine Kinder extra damit zu konfrontieren...
      Das würde ich wie geschrieben auch nicht aktiv machen, aber wenn es beispielsweise dazu kommt, dass in einer Geschichte (bspw. Sodom) Gewalt vorkommt und das Kind fragt ganz unschuldig: "Du, was heißt verkehren" oder bei Elia "Was hat Elia mit den Priestern gemacht", was antwortet man da.

      Klärt man dann sein Kind aufgrund dieser Geschichte über Homosexualität auf oder was und wie es ist, wenn jemand vergewaltigt wird?

      Spricht man also die Dinge ganz klar an wie: "Ja, Elia hat die 400 Menschen getötet, weil sie Götzendiener waren. Gott wollte das so"
    • tricky schrieb:

      Oder soll man dem Kind die Bibel zumuten, so wie es da steht, bspw: "Und Elia schlachtete die 400 Baalspriester nach dem Wunder mit dem Feuer vom Himmel"
      Oder soll man die grauslichen Stellen auslassen?
      Je nach Alter des Kindes! Für sehr junge Kinder (sagen wir mal bis 12/13) würde ich sowohl die obige als auch die untere Geschichte unbedingt weglassen.

      tricky schrieb:

      hundert Vorhäute von den Philistern,
      Es gibt doch sehr gute altersgerechte Kinder-Bibeln...!
      Aber der Brudermord von Kain an Abel, den kann auch ein Kleinkind - wenn man es ihm richtig beibringt - schon verstehen.
      Sehr schön und lehrreich finde ich auch für Kinder z.B. die Josefsgeschichte in der Genesis v.a. deren Fazit: "Ihr gedachtet es böse zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen!" oder die Versöhnungsgeschichte zwischen Jakob und Esau - auch das ist eine schöne Geschichte für Kinder finde ich.