In letzter Zeit wurden intensive Gedanken zu den biblischen Schöpfungserzählungen ausgetauscht. An diese Diskussion möchte ich anknüpfen und einen Aspekt in den Mittelpunkt stellen, der seit den 1970er-Jahren verstärkt Aufmerksamkeit in Politik, Gesellschaft und Kirche erfährt - die Schöpfungsethik.
Politik, Umweltverbände und Kirchen berufen sich dabei häufig auf Genesis 2,15, wo dem Menschen aufgetragen wird, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren. Auch Genesis 1,28 wird herangezogen, wo Gott den Menschen auffordert, die Erde zu füllen und sie sich „untertan zu machen“.
Dass sich der Auftrag in Genesis 2 ausdrücklich auf den Garten Eden bezieht, während in Genesis 1 die ganze Erde genannt wird, wäre sogar eine exegetisch relevante Differenzierung, die ich hier bewusst ausklammere.
Unstrittig ist zunächst: Gott überträgt dem Menschen eine Aufgabe.
Genau hier setzt meine Frage an. Denn es macht einen entscheidenden Unterschied, ob jemandem vertraut wird oder ob ihm etwas auch zugetraut wird. Einem Kleinkind kann ich vertrauen, dass es den Müll hinausbringen will; zutrauen kann ich es ihm nicht, weil es schlicht zu klein nicht in der Lage ist, den Deckel der Tonne zu öffnen.
Überträgt man diese Unterscheidung auf die biblischen Texte, stellt sich die Frage neu: Gott übergibt dem Menschen die Erde – aber traut er ihm diese Aufgabe tatsächlich zu? Oder ist in der Übertragung selbst bereits angelegt, dass der Mensch der Aufgabe strukturell nicht gewachsen ist?
Über viele Jahre habe ich mich im theologischen Mainstream bewegt und meine ethischen Maßstäbe an Genesis 1 und 2 ausgerichtet. Die zudem zutiefst adventistische sind Erst allmählich ist mir aufgefallen, dass es einen grundlegenden Unterschied macht, ob Gott dem Menschen grundsätzlich vertraut oder ob er ihm die Tragweite dieser Aufgabe wirklich zutraut. Die Möglichkeit, dass Gott zwar Vertrauen schenkt, dem Menschen die Aufgabe jedoch nie in vollem Umfang zutraut, verändert die Grundlage einer religiös begründeten Schöpfungsethik erheblich.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger ökologischer und politischer Entwicklungen gewinnt diese Frage zusätzliche Schärfe.
Ist eine Schöpfungsethik normativ tragfähig, wenn menschliches Scheitern nicht als Abweichung, sondern als strukturelle Grenze menschlicher Existenz verstanden wird?
Und welche Konsequenzen hätte dies für das Verhältnis von göttlichem Auftrag, menschlicher Verantwortung und theologischer Hoffnung?
Diese Überlegungen möchte ich zur Diskussion stellen.
