2015/Q2 - Nr.10 - Jesus im Alltag folgen

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    • 2015/Q2 - Nr.10 - Jesus im Alltag folgen

      Im Sonntagabschnitt finden wir u.a.:
      Lukas 11,47-51:
      47 Wehe euch! Denn ihr baut die Grabmäler der Propheten, eure Väter aber haben sie getötet.
      48 So seid ihr Zeugen und stimmt den Werken eurer Väter bei; denn sie haben sie getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler.
      49 Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit das Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde: 51 von dem Blut Abels an bis zu dem Blut des Secharja, der zwischen dem Altar und dem Tempel umkam; ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden.

      vgl. Matthäus 23,35
      damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt.

      Mir geht es nicht um die Auslegung von Lukas 11,37-54, sondern um das "Blut Secharjas, [des Sohnes Berechjas]"

      Es gibt mehrere Theorien wer dieser Prophet war.

      Habe 2 Artikel ausgewählt, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen aber Beide seehr lesenswert sind:

      a) Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums › 1932 › Heft 4 › Secharja ben Berechja
      sammlungen.ub.uni-frankfurt.de…riodical/pageview/2837703

      b) Das Leben Jesu, Ellen White, Kap. 67: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer ...“
      text.egwwritings.org/publicati…resultId=1&isLastResult=1
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      Ihr könnt euch natürlich hier im Thread gerne über diese Lektion noch weiter unterhalten.
      :greet:

      » Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei!« (Johannes 8:36)

      Team: » Entweder heilen wir als Team, - oder wir gehen als Individualisten / Einzelgänger unter.«
    • Noch etwas interessantes kommt im Lukas 11 Abschnitt vor:
      "Der Schlüssel zum Himmelreich" bzw. "zur Erkenntnis" (sic!)

      Matthäus 23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.

      Lukas 11,52 Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.

      vgl. Matthäus 16,19a Ich (=Jesus) werde dir (=Petrus) die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.

      Aufgrund der Parallelismen kann man sehen was die Schlüssel in Matthäus 16,19a bedeuten/meinen... ;)

      Die rechte/wahre Vermittlung der Erkenntnis des "Wie komme ich in das Himmelreich" ist seehr wichtig.

      PS: Das "Himmelreich" ist bei Jesus dual (Lukas 17,20-21): jetzt und zukünftig; im Himmel und in der Jesus nachfolgenden Gemeinde.
      .

      » Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei!« (Johannes 8:36)

      Team: » Entweder heilen wir als Team, - oder wir gehen als Individualisten / Einzelgänger unter.«
    • John Q. Public schrieb:

      Matthäus 23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.
      Ich denke, dass wir alle unbewusst irgendwann irgendwie etwas Falsches meinen, denken und auch sagen. Auffällig an diesem Text ist aber, das hier steht, das sie Menschen die in den Himmel hineingehen wollen, den Weg verschließen.

      John Q. Public schrieb:

      Lukas 11,52 Wehe euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen; ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, habt ihr gehindert.
      Auch hier eine bewusste Entscheidung gegen die Erkenntnis und für eine manipulative Handlung gegen menschen, die diese Erkenntnis haben wollen.
      Oder seht ihr das anders?
      Hier kann man natürlich auch Fragen, wann und wo wird so etwas bewusst gemacht?

      John Q. Public schrieb:

      vgl. Matthäus 16,19a Ich (=Jesus) werde dir (=Petrus) die Schlüssel des Himmelreichs geben; und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.
      Hier muss man dennoch die Frage stellen. Was können Gläubige gleichzeitig im Himmel binden und lösen?
      Geht es hier nur um richtige oder falsche Lehren?

      Kann man durch falsche Lehren etwas im Himmel binden. ?(
      Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist es unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich
      (Matthäus 19, 26)
    • Mich hat die Diskussion rund um Secharja bzw. Zacharias schon mal hier:

      Mein katholischer Bibelkreis - ein Diskussionsblog

      betroffen. Ich bin davon ausgegangen, dass es der Zacharias hier ist:

      Lk. 67 Und sein Vater Zacharias wurde mit Heiligem Geist erfüllt, weissagte und sprach:
      68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet,

      Der Link zu den EGW Writings funktioniert bei mir leider nicht. Muss ich mir die Stelle wohl selbst im Buch raussuchen.
    • Der Schlüssel zum Schlüssel: Die ganze Episode lesen

      Um herauszufinden, was der "Schlüssel der Erkenntnis" (Lukas 11,52) ist, sollte man - meiner Meinung nach - im ersten Schritt vom unumittelbaren Kontext ausgehen. Praktisch heißt das, ich versuche zunächst den umgebenden Text zu analysieren. Es fällt auf, dass Lukas 11,37-54 eine gewisse Struktur besitzt (wie so viele Texte in der Bibel).

      1. Vers 37-38 ist der Prolog: Das wo und das wer: Jesus ist Gast bei einem Pharisäer, welcher sich wundert, dass Jesus sich vor dem Mittagessen nicht die Hände wusch.
      2. Vers 39-41 beschreibt die "heftige" Reaktion Jesu auf die harmlose (?) Verwunderung des Pharisäers - man bedenke: Jesus ist hier nur Gast! Interessant dabei ist, wie Jesus hier "pauschalisiert": Es ist ein Pharisäer der sich wundert, doch Jesus tadelt gleich alle Pharisäer. Man kann also sagen, dass der gastgebende Pharisäer hier stellvertretend für die Geisteshaltung aller Pharisäer herhalten muss. Welche Geisteshaltung ist das? Nach "Außen" wird pinkelig genau auf die "Form" geachtet, während die "inneren Werte" keine Rolle spielen. Es geht um den Dualismus "Äußeres" und "Inneres". Beides gehört letztendlich zusammen - kein entweder oder. Die Pharisäer propagierten eine äußere Form, während die innere Einstellung zu wünschen übrig lies. Interessant ist hier außerdem, wie sich Jesus nicht gegen die äußere Form ausspricht oder nur für die innere Einstellung - "alles (inneres und äußeres) ist euch rein", wenn Almosen gegeben werden.
      3. Vers 42-44 beinhalten die ersten drei Weherufe. Das erste "Wehe" erklärt noch einmal das Verhältnis Äußere Form/Innere Einstellung an einen anderen Beispiel: "Das eine (Innere Einstellung, Beispiel Gerechtigkeit und Liebe üben) tun und das andere (Äußere Form, Beispiel Zehnten) nicht lassen." Das zweite Wehe in Vers 43 rügt die innere Einstellung (Eitelkeit). Das dritte Wehe erschließt sich mir erst durch Matthäus 23,27: "Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinheit sind." Auch hier geht es höchstwahrscheinlich um den Dualismus äußere Form/innere Einstellung. Während viel Wert auf die äußere Form gelegt wird, befindet sich doch im Inneren nur Böses. Mit anderen Worten: Es geht also um Heuchelei (Wiki: Heuchelei (Hypokrisie) bezeichnet ein moralisch bzw. ethisch negativ besetztes Verhalten, bei dem eine Person absichtlich nach außen hin ein Bild von sich vermittelt, das nicht ihrem realen Selbst entspricht.)
      4. Vers 45 beschreibt die Reaktion eines Gesetzgelehrten. Er ist nicht der Gastgeber, sondern ein weiterer Gast des Hauses und Angehöriger einer anderen gesellschaftlichen Gruppe. Erst hier wird deutlich, dass nicht nur Jesus und der eine Pharisäer aus Vers 37 anwesend sind, sondern noch mindestens ein Gesetzesgelehrter, der sich verständlicherweise mit "beschimpft" bzw. "geschmäht" fühlt. Auch er wird zum Stellvertreter seiner Gruppe und einer bestimmten Geisteshaltung.
      5. Vers 46-47 beinhaltet die ersten zwei von drei Weherufen gegen die Gesetzeslehrer (= nicht Pharisäer). Mit anderen Worten: Sie predigen Wasser und trinken selbst Wein. Sie fordern von anderen mehr, als sie selbst leisten. Es geht hier um Scheinheiligkeit und Doppelmoral. Das zweite Wehe richtet sich gegen eine besondere Form dieser Doppelmoral: Die Gesetzesgelehrten ehren durch die "Grabpflege" (geistlich zu verstehen?) die Propheten, die deren eigene Geisteshaltung aber vehement tadelten.
      6. Vers 48-51 führen den zweiten Weheruf weiter aus. Die Gesetzesgelehrten haben offensichtlich die "geistliche Botschaft" der Propheten nicht oder falsch verstanden, oder im schlimmsten Fall ist es ihre bewusste Strategie, sich so durch diesen "Prophetenkult" der "Prophetenkritik" zu entziehen. Mit den "Vätern", die die Propheten getötet haben, sind wohl die "geistigen" Väter gemeint.
      7. Vers 52 beinhaltet den dritten Weheruf an die Gesetzesgelehrten. Hier verwendet Jesus ein Bild. Es geht nicht um den Schlüssel des Hauses, sondern um den Schlüssel der Erkenntnis. Man tritt also nicht in ein Haus ein, sondern in die Erkenntnis. Die Tür zur Erkenntnis bleibt verschlossen, weil die Gesetzesgelehrten den Schlüssel weggenommen haben. Damit hindern sie sich und andere in die Erkenntnis einzutreten. Es ist der letzte (und abschließende?) Weheruf. Jetzt erst können wir uns - im Lichte des Kontexts - fragen: Was ist dieser Schlüssel?
      8. Vers 53-54 bilden den Epilog. Das Mittagessen endet, Jesus geht. Pharisäer und Schriftgelehrte setzen Jesus gemeinsam hart zu. Sie fragen aus und lauern. Ich denke, hier wird wiederum die "Geisteshaltung ihrer Väter" sichtbar, die die Propheten töteten. Sie haben weiterhin keine Einsicht und keine Erkenntnis.
      Was ist nun hier das Wegnehmen des Schlüssels der Erkenntnis?
      Die Pharisäer und Schriftgelehrten behindern anderen den Zutritt zur Erkenntnis (die sie selbst nicht haben), indem sie selbst heucheln, Doppelmoral leben und scheinheilig sind (s. die ersten 5 Weherufe!). Diejenigen, die hinzutreten wollen, werden dadurch abgeschreckt und irregeführt. Solange die äußere Form (Werke?) und innere Einstellung (Herz?) nicht im positiven Sinn im Einklang stehen, wirkt der gelebte Glaube abschreckend und abstoßend. Solange Wasser gepredigt und Wein getrunken wird, besteht die Gefahr, das sich Menschen vom Heil abwenden. Es geht letztendlich um ein verantwortliches, echtes Leben als Vorbild. Glaube und Werke, Gepredigtes und Gelebtes sollten im Einklang stehen - sonst wirkt der Glaube nicht attraktiv. Ich denke, es gibt im praktischen Gemeindeleben leider zu oft den Widerspruch zwischen äußerer Form und innerer Einstellung. Oder das das eine getan wird, aber dafür das andere gelassen wird. Da werden einerseits Dinge überbetont - die an sich richtig und geboten sind. Andererseits werden Dinge gelassen. Ein gesunder Lebensstil und die Sabbatheiligung werden propagiert (was an sich richtig und gottgewollt ist - so glaube ich zumindest, es sind ja nur Beispiele), andererseits fehlen da erhebliche soziale Kompetenzen (Gerechtigkeit und Liebe üben!!!) - und das alles vor den Augen von Kindern, Jugendlichen (die sind da meist sensibler als Erwachsene!), Interessierten und Gästen. Durch so ein Verhalten wird das Richtige, Gute und Gebotene verzerrt und verdreht - es wird beschädigt und genau das Gegenteil bewirkt - wollen wir das? Die Weherufe an die Pharisäer und Schriftgelehrten sind deshalb immer aktuell. Wir sollten niemanden durch unser Verhalten den Schlüssel zur Erkenntnis wegnehmen.
      Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

      Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!