Sexualerziehung bei Kindern

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    • Sexualerziehung bei Kindern

      Hallo zusammen,

      in Österreich diskutiert man derzeit eine Erneuerung im Lehrplan zum Thema Sexualerziehung bei Kindern. Ein ZeitungsArtikel von vielen zu dem Thema:

      derstandard.at/2000015929182/N…ch-Hosek-hoch-an-der-Zeit

      die österr. Union hat sich (bzw. wollte sich) an der Diskussion beteiligen. Ihre Stellungnahme:


      Im Bildungsministerium wird ein neuer Erlass zur Sexualerziehung vorbereitet. Wer den Inhalt genau durchliest, wird merken: Da erwartet uns nichts Gutes. Im Folgenden einige Hintergründe zum geplanten Erlass und einer Umfrage des Bildungsminsteriums zum Thema Sexualerziehung, an der quasi jeder teilnehmen kann!

      Der Entwurf für den neuen Grundsatzerlass zur schulischen Sexualerziehung, der den geltenden Erlass aus dem Jahr 1990 bzw. 1994 ablösen soll, wurde Ende März 2015 von der Bildungsministerin zur Stellungnahme an einige Adressaten versendet , aber viele wichtige Diskussionspartner, wie z.B. Eltern- und Lehrervertreter, wurden nicht informiert (als Kirche haben wir Stellung genommen). Dieses Defizit an öffentlicher Diskussion soll nun offenbar durch die laufende Online-Erhebung kompensiert werden. Unklar bleibt, wieweit die Ergebnisse dieser Online-Umfrage tatsächlich noch in den neuen Grundsatzerlass einfließen werden.

      Der Entwurf für den neuen Grundsatzerlass bezieht sich ebenso wie die Online-Umfrage explizit auf die WHO-Standards für Sexualaufklärung in Europa.

      Diese wurden 2011 von der Europazentrale der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) herausgegeben, sind aber für Österreich in keiner Weise bindend. Sexualerziehung soll lt. diesen WHO-Standards mit der Geburt beginnen. So ist bereits für das Alter von 4-6 Jahren von „frühkindlicher Masturbation“ die Rede. Im Alter von 10-12 Jahren sollen Kinder über erste sexuelle Erfahrungen sprechen. Was die WHO weiter als altersgerecht befindet, ist hier zu finden.

      Die “Standards” basieren auf der pädagogischen These, dass Kinder selbst ihre eigenen Werte entwickeln sollen, ohne ihnen eine differenzierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Wertvorstellungen zu ermöglichen, wie es aber der rechtliche Rahmen in Österreich vorsieht (vgl. Art. 14 Abs. 5a Bundes-Verfassungsgesetz, § 2 Schulorganisationsgesetz). Stattdessen wird Sexualität auf wenige Aspekte reduziert, wie Selbstbestimmung und Lustgewinn. In den Standards ist keine Zielführung der Sexualerziehung im Hinblick auf Ehe bzw. dauerhafte Partnerschaft und Familie auszumachen. Sexualität wird so zur Ware, zu einem Konsumgut, das nach Belieben bedient werden kann und deren mögliche „Folgen“ man durch ausreichendes Wissen „verhüten“ können soll. Wie bereits die beiden ersten angeführten Zielsetzungen andeuten, sind die WHO-Standards von der umstrittenen „Gender-Ideologie“ beeinflusst.

      „Gendertheorie“ (Gender-Ideologie, Genderismus, Gender Mainstreaming)

      Mit diesen Begriffen wird die aus marxistischen und feministischen Denkansätzen in den 1990er Jahren entstandene Ideologie bezeichnet, die seit der UNO-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking als politische Strategie die Gleichstellung der Geschlechter top down weltweit durchsetzen will. Dabei geht es im Kern nicht mehr um das allgemein akzeptierte Anliegen der Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern um die Auflösung der geschlechtlichen Bipolarität von Mann und Frau.

      Geschlecht wird nicht mehr biologisch (sex), sondern soziologisch (gender von lat. genus, ursprünglich für die grammatikalische Unterscheidung verwendet) definiert und erscheint damit für jedes Individuum frei wählbar. Alles, was sich dieser „Befreiung“ aus dem gesellschaftlich aufgezwungenen Geschlecht entgegenstellt, wird als „Diskriminierung“ angeprangert. Dieses Konzept hat schwerwiegende Konsequenzen für die Gestaltung der Gesellschaft (z.B. Relativierung der natürlichen Familie aus Mutter, Vater, Kind/ern; Ausweitung der künstlichen Fortpflanzung; Überbetonung und Trennung der Sexualität von der Weitergabe des Lebens; behauptetes Recht auf Abtreibung unter dem Deckmantel „Recht auf Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung“; schließlich die Einführung einer Sexualerziehung, die Kinder möglichst früh auf ihre „sexuellen Bedürfnisse“ hinführt). Die Gender-Ideologie ist wissenschaftlich höchst umstritten.

      Weitere Kritikpunkte am Entwurf des Erlasses

      Der Erlass bezeichnet Sexualerziehung als Unterrichtsprinzip, das eine fächerübergreifende Koordination erfordert. Damit können Eltern nicht nachvollziehen, was wann unterrichtet wird. Sexualerziehung wird aus dem Verantwortungsbereich der Eltern in den der Schule verschoben.

      So lassen sich als wesentliche Kritikpunkte formulieren:

      Das Recht der Eltern, ihre Kinder im hochsensiblen Bereich der Sexualaufklärung entsprechend ihren eigenen Überzeugungen zu erziehen, scheint an den Rand gedrängt (vgl. aber das in Art. 2 1. Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention verankerte sog. Elternrecht - in Österreich in der Verfassung verankert). Wir vermissen die ausdrückliche Betonung des Einverständnisses der Eltern.
      Der notwendigen Wertorientierung und der Bedeutung sittlicher Normen wird nicht ausreichend Rechnung getragen (Begriffe wie „Liebe“ und „Familie“ kommen etwa gar nicht vor).
      Dem Aspekt der Gefahrenabwehr (z. Bsp. Missbrauch) wird nicht ausreichend vorgebeugt. Im neuen Erlass ist häufig von Körperkompetenz die Rede. Wie in anderen Ländern beobachtet werden konnte, dürfte Körperkompetenz vor allem das praktische Erforschen des eigenen und fremden Körpers bedeuten. Ein dazu ermutigender Unterricht überschreitet die Grenze zum Missbrauch. Denn: Kinder sind sehr unterschiedlich entwickelt und das individuelle Schamgefühl und die Intimität der Kinder und Jugendlichen kann sehr leicht verletzt werden, ganz zu schweigen vom „sexuellen Gruppendruck“, den ein solcher Unterricht verstärken würde.
      Die im Entwurf geforderte Orientierung der Sexualerziehung u.a. an der „Vielfalt der Lebensformen (z.B. sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität)“ erweckt den Eindruck einer ideologischen Prägung des ganzen Projekts. Ohne dies explizit offenzulegen, werden auf diese Weise Vorstellungen der umstrittenen, aber schwer fassbaren Gender-Ideologie in die Schulen transportiert.

      Eine nähere Analyse des Erlassentwurfes und eine ausführlichere Darstellung der Kritikpunkte ist hier zu finden. Die Stellungnahme unserer Kirche ist im Anhang.

      Beispiele „moderner“ Sexualerziehung aus Österreich

      Da gibt es zum Beispiel die Webseite Lovetour.at. Wer dort auf den Link „All about Love und Sex“ klickt, wird zwar eine umfassende Erklärung zu allen erdenklichen Spielarten von „Sex“ finden – „Love“ aber weitgehend vermissen. Der Lovetour Bus tourt übrigens seit 2002 zu unseren Schulen. Diese Pädagogik hat schon längst Einzug gehalten in österreichische Sexualberatungsorganisationen. Hier kannst du sehen, was unsere Kinder dort lernen. Und das ist erst der Anfang. In unseren Nachbarländern geht es schon weiter, wie in diesem Flyer eindrücklich erklärt wird. Wollen wir das auch für unsere Kinder in Österreich?

      Umfrage des Bildungsministeriums

      An dieser Umfrage kann praktisch jeder teilnehmen. Es gibt aber spzielle Fragen für Lehrkräfte, für Eltern/Angehörige/Sonstige... und für Schüler/innen…

      Beim Ausfüllen ist kritisches Hinterfragen geboten, mnache Fragen sind durchaus manipulativ!

      Was wir an diesem Fragebogen jedoch ausgesprochen gut finden, ist die Tatsache, dass es kaum eine Pflichtfrage gibt. Man kann also Fragen auch auslassen und am Ende jedes Abschnitts freien Text einfügen, in dem man alle Sorgen und Bedenken formulieren kann. Siehe die im Anhang befindliche Datei mit den Anmerkungen zum Fragebogen.

      Wir hoffen mit diesen Zeilen den Hintergrund ausreichend erklärt zu haben und dass viele Eltern ihre Gedanken und auch Sorgen in der Umfrage mitteilen. Hier ein Blick in die mediale Diskussion der Themen: Artikel in der Presse von Gudula Walterskirchen, Artikel in der Krone von Dr. Tassilo Wallentin.

      Eine Menge an Informationen zum Thema sind auf dieser Homepage zusammengefasst für alle, die sich hier mehr einlesen wollen:

      sexualerziehung.at



      Ich habe mich in dem Zusammenhang gefragt wie richtige Sexualerziehung eigentlich aussehen sollte. Nach christlichen/biblischen Wertmaßstäben.

      Was soll man seinem Kind erklären, sagen? - was sollte es selbst entdecken?
      Wann sollte man seinem Kind Sexualität und alle Nebenschauplätze erklären und damit aufklären?


      Hat jemand aus dem Forum (gute wie schlechte) Erfahrungen damit gemacht? Eigene Erfahrungen mit dem Aufgeklärt-Werden bzw. pro-aktiv als Aufklärer?


      Mein Vater hat meine Schwester und mich damals lang und breit aufgeklärt und noch bevor er richtig zu Ende war, hat meine ältere Schwester kühl gemeint: "Papa, ich glaube du meinst f***en". Er hat damals entnervt aufgegeben. Das Beispiel soll nur zeigen wie eine Sexualerziehung zwangsweise ab einem gewissen Alter durch soziale Kontakte der Kinder stattfindet. Die Frage ist, wie man da richtig vorgeht.



      Ich hoffe auf eine gesittete Diskussion, mehr mit Pro-Argumenten als mit Gegen-Positionen. Mal so als Wunsch... :rolleyes:

      viele Grüße

      Tricky
    • Guten Abend Nico,

      könnte es möglich sein, dass „Aufklärer“ wie Lehrer eventuell auch nochmal sexuell „richtig“ aufgeklärt werden müssten?

      Ich meine, die Qualität der Aufklärung definiert sich doch auch mit der Einstellung der Lehrer. Sicherlich sind es gute Lehrer, die Aufklärung aufgrund eines Lehrplans machen müssen und doch vielleicht bei bestimmten Themen selbst Probleme haben.

      Es wäre weiser, nicht alles in der Schule behandeln zu wollen. Viele Fragen rund um Sexualität, tauchen ja auch erst mit wachsendem Alter auf.

      Keine Seltenheit, dass heute Zehnjährige bereits pornografisches Material auf ihrem Smartphone haben, und da spreche ich nicht von Bildern, die leicht bekleidete oder nackte Frauen zeigen. Wer an die Anfänge des Internets denkt, weiß auch, dass es anfänglich fast nur aus Sites mit pornografischen Inhalten bestand. So scheint es, dass die größte Quelle für „Aufklärung“ vermutlich immer noch das Internet ist. In den Weiten des WWW's kann sich jeder Informationen selbst zu den bizarrsten Themen einholen. Doch diese sind nicht immer von bester Qualität.

      Sicherlich sind die Lehrpläne heutzutage schon viel weiter als vor einigen Jahrzehnten, doch stelle ich mir die Frage, ob es gut ist, auch Themen wie "Genderismus" oder Homosexualität zu behandeln. Lesben, Schwule und Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen werden in unserer Gesellschaft vielfach diskriminiert. So kann es hilfreich sein, wenn in weiterführenden Schulen (nicht in Volksschulen) aufgezeigt wird, dass Diskriminierung nicht in Ordnung ist.

      Damit niemand sagen kann, ich „diskriminiere“ das Adoptionsrecht von Homosexuellen aufgrund meines Glaubens, betone ich (erneut) meine eigene homosexuelle Orientierung – Und trotzdem finde ich es nicht gut, wenn Homosexuellen das Adoptionsrecht zugebilligt wird. Warum?
      Im Extremfall müsste das Thema „Homosexualität“ bereits in Volksschulen behandelt werden, wenn es z.B. zu Konflikten im Klassenzimmer kommt, weil Kinder zwei Mama's oder Papa's haben. Die Darstellung des „Gendertums“ in Medien und Werbung führen auch dazu, dass sich für Kinder ganz neue Fragen ergeben. Doch meine ich, das man hier über das Ziel „schießt“ - In den Lehrmaterial könnte der Eindruck erweckt, dass „homosexuelle Familien“ die Regel sind. Ein Blick in Volksschulen zeigt, dass die übergroße Mehrheit der Kinder eine Mama und einen Papa haben, die entweder zusammen wohnen, alleinstehend sind oder aber getrennt mit oder ohne Nachwuchs in einer neuen Familie leben.

      Noch schlimmer als die Umkehr von Mehr- und Minderheit ist die unverhohlene Werbung für eine „Regenbogenlösung“. Hier in Österreich gibt es bereits sogenannte „LGBT-Medien“ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) – Ich bin nicht nur als Medienmacher damit überhaupt nicht einverstanden, denn das Problem ist, dass solche Programmformate nicht davor zurückschrecken Heterosexuelle und heterosexuelle Beziehungen in Grund und Boden zu diskriminieren.

      Man wäre gut beraten, sich den überarbeiteten Lehrplan genau anzusehen und noch besser sie von Fachleuten im Schulministerium prüfen zu lassen.

      Weiters sehe ich auch, ein Problem wenn sich christliche Familien (in Österreich) dafür aussprechen, dass sie nicht möchten, wenn ihre Kinder von den Schulen „aufgeklärt“ werden. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist ein zugebilligtes Recht jedes Menschen, die Politik argumentiert hier jedoch damit, dass Glaubensfreiheit die Schulpflicht nicht aufhebt. Auch gläubige Eltern können ihre Kinder nicht davon befreien lassen. Das begründet man mit dem allgemeinen Interesse , der Entstehung von Parallelgesellschaften entgegenzuwirken. Außerdem sei das Kind nicht in der Lage, die Konsequenzen der Entscheidung seiner Eltern abzuschätzen.

      Auch ich würde mich über eine weitere gepflegte Diskussion sehr freuen.

      Liebe Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von James Gabriel ()

    • Ich denke man sollte "altersgemäß" aufklären: Wenn ein 6-jähriger fragt, warum die Tante so einen großen Bauch hat, soll man keinen Stuß von sich geben, sondern klar sagen das sie ein Kind bekommt. Aber er braucht mit Sicherheit noch nicht alles en detail wissen (er will es auch gar nicht). Mit 10/11 kann man dann auch dezent darüber aufklären, wie genau sich Männlein und Weiblein in der Pubertät verändern und was passiert dass das Kind entsteht. Auch hier muss man zum einen nicht in die Details gehen und auch ein präpubertäres Kind braucht mit Sicherheit noch nicht den genauen Umgang mit Kondomen etc. zu üben. Bei Mädels muss man aufpassen: Meines Wissens gibt es durchaus Fälle wo Mädchen schon richtig früh ihre erste Regelblutung bekommen, da sollten sie denke ich schon vorher drüber Bescheid wissen. Unvorbereitet könnte das ein mittlerer Schock sein (stell ich mir zumindestens als Mann so vor...). Wichtig ist, das man als Eltern die Aufklärung nicht der Bravo oder den "Heftchen" oder Filmchen die unter den Schulkameraden unter der Hand kursieren überlässt und auch unverklemmt und ehrlich an die Sache rangeht. Sexualität ist was natürliches und keine Sünde sondern eine Bereicherung und so sollte sie den Kindern alters- und entwicklungsgemäß auch näher gebracht werden.
    • Pinoy Klaus schrieb:

      Ich denke man sollte "altersgemäß" aufklären - Wichtig ist, das man als Eltern die Aufklärung nicht der Bravo oder den "Heftchen" oder Filmchen die unter den Schulkameraden unter der Hand kursieren überlässt und auch unverklemmt und ehrlich an die Sache rangeht. Sexualität ist was natürliches und keine Sünde sondern eine Bereicherung und so sollte sie den Kindern alters- und entwicklungsgemäß auch näher gebracht werden.
      Du hast es super auf den Punkt gebracht, ich schließe mich Deiner Meinung gerne an. Wenn die siebenjährige Tochter z.B. den Papa fragt, warum "das Mädchen in der Werbung einen Bart hat", dann muss dies ja nicht zwangsläufig dazu führen, dass man gleich von Genderismus spricht.

      So meine ich, dass es in christlichen Kreisen ganz sinnvoll ist, Sexualität nicht als etwas verpöntes oder gar als Tabu anzusehen. Man kann ganz klar eine christliche Perspektive zum Thema vertreten, und dennoch eine selbstbewusste, entspannte und relativ offene Haltung haben. Damit kein falscher Eindruck entsteht und niemand auf die Idee kommt zu sagen, dass eine Gemeinde die Lebensbereiche der Menschen nicht "reglementieren" sollte, betone ich: Es bleibt jeder Person überlassen, sich selbständig und eigenverantwortlich weiterzubilden - Und wenn diese Person Sexualität mit einen Seelsorger besprechen möchte, so ist es okay.

      Ich möchte auch gerne fragen,was ihr von der Idee halten würdet, wenn z.B. christliche Gemeinden die Möglichkeit bieten würden, dass sich Interessierte als Gruppe treffen um über verschiedene Themen mit sexuellen Bezug zu sprechen. Hier spreche ich vordergründig weniger über Aufklärung.

      Sich in in Gruppen darüber auszutauschen, kann unter Umständen sinnvoll sein. Denn dann kann man sehen, dass andere ähnliche Probleme mit ihrer Sexualität haben bzw. kann man auch lernen, wie andere ihre Probleme gelöst haben. Und wer in Gruppen lernt, über die eigene Lust zu sprechen, dem fällt es in einer Beziehung dann vielleicht auch leichter, solche Gespräche zu führen.

      Andererseits gibt es Menschen, für die so eine Gruppe bedrohlich wirken könnte, da sie niemals dorthin gehen würden. Dafür sind dann Einzelgespräche da - Ganz besonders dann, wenn es um tiefere intime Angelegenheiten geht. Egal ob Einzelgespräche bei Seelsorger oder bei Sexualtherapeuten - Jeder Mensch muss letztendlich selbst entscheiden, welche Form für ihn am besten geeignet ist.

      Liebe Grüße
    • Damals und heute

      tricky schrieb:

      Mein Vater hat meine Schwester und mich damals lang und breit aufgeklärt und noch bevor er richtig zu Ende war, hat meine ältere Schwester kühl gemeint: "Papa, ich glaube du meinst f***en"



      Lieber Trick,

      herzlichen Dank für IEnbringen des akltuellen Themas.

      1945 stand als Objekt der "Entnazifisierung" (das heisst simpel : er war geplündert) ein schöner Bauernkasten im Schuleingang. Auf die Seitenwand hatte jemand geschrieben : "!****
      heiusst Herz erquicken." Von zujhause völlig unaufgeklärt, aber sonst halt die Ohren spitzend habe ich den Satz genau verstanden, ihn aber justament fragend meiner Mutter vor die Füsse gerollt : "Mama, was heisst denn das ?"

      Ich briunge schnell einmal ein :

      schon länger arbeiten Kindergartenerzieherinnen und VS - Lehrerinnen auf ein "Summerhill" - Modell zu (habe ich jeweils gesehen !!). Hier wird durch Gruppenspiele mit Gymnastik - es muss den Kleinen ja Spass machen - die körperliche Distanz durchbrochen, wenn die lieben Kleinen häufchenweise übereinanderliegen. Diese Distanz ist unser aller Schutz !

      Neinein, ich bin nicht zimperlich : 1948 haben wir am Vorplatz der Rossevelt School in Jamestown, ND von November bis März Glatteis gehabt, das der Schulwart nicht bestreute. In der Pause standen die Mädchen der Klasse am Rand des Eises und wir Knaben sind so herange"schliffen", dass wir sie an den Schuhsohlen anstiessen - und die sind auf uns draufgefallen. - - Aber das war ja nicht von den Lehrereinnen angeordnet.

      Da ist in unseren Heimen ein vernünftiges, aber intensives Gegensteuern gefordert !

      Und : Liest wer "Oesterreich" und "Heute" ? - Die Kleinen holen sich diese Zeitungen gratis und studieren sie im Schulbus (habe ich auch laufebnd gesehen !)

      gabriel87 schrieb:

      Es bleibt jeder Person überlassen, sich selbständig und eigenverantwortlich weiterzubilden - Und wenn diese Person Sexualität mit einen Seelsorger besprechen möchte, so ist es okay.
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • anschliessend.

      Je nun, die Gemeinde berät - erzieht - drängt Dir alles Mögliche auf. Ein Pendant zu "Bravo" wäre schon schön ! Liegt in der Gemeinde ein Kinderbuch herum : "Du und Dein Körper" (oder so ähnlich)- in dem anatomische Bezeichnungen falsch sind !
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • Mahlzeit :)

      philoalexandrinus schrieb:

      Ein Pendant zu "Bravo" wäre schon schön
      Nicht selten sagen Jugendliche: "Pornos sind eine bessere Aufklärung als das, was man in der Schule hört“. Die interaktiven Möglichkeiten des Internets haben die zwischenmenschliche Kommunikation stark verändert - Keine Ausnahme mehr, dass junge Menschen gewollt oder ungewollt mit Pornografie konfrontiert werden.

      Jugendliche nutzten Pornos vor allem, um sich sexuell zu erregen, sich selbst zu befriedigen oder auch als Ersatz für Sex mit einem Partner. Anhand der obig zitierten Aussage von jungen Menschen sieht man auch, das manche darin auch eine Art "Lerneffekt" sehen. Auch das Bedürfnis, in der Clique mitreden zu können, kann ein Grund dafür sein, sich Pornos anzuschauen.

      Burschen gucken sich Pornografie tendenziell häufiger als Mädchen an. Sie bewerteten die Clips und Bilder unterschiedlich. Für Jungen gehörten sie zur normalen Mediennutzung dazu. Mädchen hätten zwar auch Kontakt mit Pornos, lehnten sie jedoch stärker ab, finden sie eklig. Auch die Schwelle, ab der Mädchen etwas als pornografisch einstufen und abstoßend finden, ist geringer als bei Jungen.

      Es gilt festzuhalten, dass Jugendliche „unveränderlich gehaltene" Meinungen davon haben, was männlich und weiblich ist. Die Rolle der Frau: Unterwürfigkeit und Schutzbedürftigkeit gegenüber dem Mann. Diese Auffassung wird aber eben nicht im "gesunden Maße" verstanden, sondern sexualisiert durch Pornografie zumeist auch nocht verstärkt.

      Ein Risiko darin: Jungs geraten unter sexuellen Leistungsdruck. Sie denken, dass sie schon sexuelle Erfahrungen vor dem "ersten Mal" haben müssen, dies wird meist aus dem Konsum von Pornos bezogen.

      Mädchen könnten zu dem Schluss kommen, sie müssten körperlich perfekt sein und alle sexuellen Praktiken mitmachen, auch wenn sie diese ablehnten. Der tragische Fall eines 13-jährigen Mädchens die von zwei gleichaltrigen Jungen gefesselt und zum Oralsex gezwungen wurde, obwohl das Mädchen dem sexuellen Kontakt nicht zustimme: Weder Täter noch Opfer waren sich hier einer strafbaren Handlung bewusst: "Im Pornofilm haben die das auch so gemacht, dass ist doch normal, oder ?"

      Die Individualität und die Entwicklung einer gesunden Sexualität kann hier auf der Strecke bleiben: Jugendlichen wird nicht die Zeit gelassen, ihre Sexualität zu entdecken, wenn sie schon früh mit Pornos und entsprechenden Rollenbildern konfrontiert werden.

      Die Erkenntnis, dass der Mensch durch den Glauben gerecht wird und nicht durch Werke, spielt eine wichtige Rolle, um Jugendliche in ihrem Selbstwert zu stärken. Allein durch die Beziehung zu Gott weiß ich, ich bin in Ordnung. Ich muss nichts dafür leisten, besonders clever oder besonders schön sein – und das in einer Gesellschaft, in der wir nach ökonomischen Maßstäben an Leistung gemessen werden.


      Liebe Grüße
    • ein Schreiben zwischen guten Ansätzen und alten Feindbildern....

      Hallo Tricky,

      Ich kann den Intentionen des zitierten Schreibens der Österreichischen Union in Hinsicht Betonung von Werten und Verantwortung durchaus verstehen. Das Schreiben ist aber leider zum guten Teil ein gedankenloses herumwerfen mit Begriffen und Klischees als Feindbilder, wie sie sonst nur christliche Splitterparteien am rechten Rand verwenden, und daher etwas zum "Fremdschämen" (Zitat: "Mit diesen Begriffen wird die aus marxistischen und feministischen Denkansätzen in den 1990er Jahren entstandene Ideologie bezeichnet, die seit der UNO-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking......") dass ist sowohl historisch als auch fachlich falsch. Mich erstaunt schon, wieviel -ismen in diesem Schreiben als abgründige Feindbilder aufgebaut werden. Da ist Adventisten Heute vom Lüneburger Verlag schon differenzierter und fachlich viel fundierter in der Aussage zu solchen Themen
      Ich habe die Ergebnisse dieser UNO Konferenz 1995 grob durchgelesen, mir ist kein einziger Satz aufgefallen, der gegen wichtige christliche Grundsätze verstößt. Ich finde auch nichts, wo eine Auflösung der "Bipolarität" der Geschlechter postuliert wurde.

      Ich habe selber vor Jahren einmal den im Schreiben der ÖU kritisierten "Lovetour Bus" in unserem Ort mit organisiert und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Von den Vorwürfen im Schreiben der ÖU kann ich nur da Gegenteil berichten, die Beratung ging von Werten und Beachtung menschlicher Gefühle aus. Dieser offene Umgang mit den vielen Fragen zur Sexualität abseits von der Kommerzialisierung diverser Jugendillustrierten würde Jugendlichen in unserer Kirche sicher auch guttun.
      mit lieben Grüßen
      conradi
    • "Bravo" uind Porno

      gabriel87 schrieb:

      Pornos sind eine bessere Aufklärung als das, was man in der Schule hört“. D



      Nein, ich habe in meinem ganzen Leben vielleicht 4 "Bravo" gelesen, zwei davon so vor ein paar Monaten auf der Homepage. Die leiten sachlich an, klären auf - wenn auch nicht in unsrem Sinn. Und es gibt einen Bedarf, aufzuklären, die Neugier entsprechend, unserem biblischgen Menschenbil entsprechend ! -. zu befriedigen - und nicht mit schwülstigen Andeutungen, geheimnmisvollen Symbolen oder betretenem Schweigen, Empörung - - anzustacheln, anzuheizen - -

      Dass Jugendliche P.vor allem benutzen, um sich zu erregen : Die sind zunächst einmal NEUGIERIG !

      Karl Kraus : Wie lernt die Menschheit schwimmen : Man sagt uns, dass Wasser aus H2O besteht und dass man darinnen ertrinken kann - -

      Von Alberta Mazat : "This Friday in Eden" - "All You Wanted to Ask About Sex" - "The Intimate Marriage" - Anerkannte STA - Bücher, aber leider erstens nicht alle übersetzt, zweitens - für Erwachsene, nicht kind- oder jugenbdgerecht Zur Aufklärung / Erziehung gehört meiner Meinung nach auch der Hinweis auf die Ängste, die mit dem grossen Komplex der Sexualität untrennbar verbunden sind. Und die Barrieren in uns : Die Prinzessin im "Froschkönig" muss alle möglichen Schranken überwindsen, bis dass -: Die Schamschranbke, die Ekelschranke - -
      Und somancher König glaubt heute immer noch, er könne ganz einfach alle Spindeln im Lande verbieten und so das Unausweichliche verhindern - wie bei Dornröschen.
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • Pläne und Wünsche und eine Realität

      conradi schrieb:

      und daher etwas zum "Fremdschämen" (Zitat: "Mit diesen Begriffen wird die aus marxistischen und feministischen Denkansätzen in den 1990er Jahren entstandene Ideologie bezeichnet, die seit der UNO-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking......") dass ist sowohl historisch als auch fachlich falsch


      Da kann man nur sagen Auaaahh !

      Dem steht allerdings eine Tatsache gegenüber : Die Umwelt zwingt uns zur ordentlichen, manchmal auch hässlichen Aufklärung. Mit Jahren der Verspätung haben sich die STA in Deutschland und Oesterreich entschlossen, etwas gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern zu unternehmen. Den hat es nun immer schon gegeben - die Mutzenbacher - ihre Kindheit - ist so erfunden nicht und der "Kindavazahra" ein altbekannter Dialektbegriff .

      Dem steht das Faktum gegenüber, dass Opfer immer noch ihre Körperteile nicht richtig benennen können : "Da unten hat er mir weh getan." Dem gegenüber steht, dass einer, aus der Schnellbahn ausgestiegen, in Floridsdorf sich an zwei Volksschulmädchen heranmachte - und die, ordentlich ( ? ) aufgeklärt, sofort geschrien haben wie am Spiess. Die Passanten und dann die Polizei - -

      Dem gegenüber steht eben die Tatsache, dass Aufklärung nur bruchstückhaft vorhanden ist.
      Und ich postuliere : Dass die lieben Kleinen bunt übereinanderpurzeln - hat schon Summerhill vorexerziert - vor fünfzig Jahren. Jetzt in Schule und Kindergarten bei uns. Und man glaube nicht, flächendeckend STA Gemeindeschulen errichten zu können und mit Homeschooling ist es auch nicht so mirnixdirnix getan : Wie gehen wir mit diersen Tendenzen um ?
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • philoalexandrinus schrieb:

      Dem steht das Faktum gegenüber, dass Opfer immer noch ihre Körperteile nicht richtig benennen können : "Da unten hat er mir weh getan."
      Ich kann das natürlich nicht pauschal sagen, aber ich möchte einige persönliche Gedanken dazu aufgreifen.

      Darüber zu sprechen? Eher flüstern...

      Warum ich über "gewisse Dinge" die in meinem Leben vorgefallen sind, jahrelang nicht sprechen konnte? Niemand, absolut niemand könne darüber reden. Schon gar nicht ein Betroffener selbst.

      Allein der Gedanke an das, was passiert ist - Es erschöpft, zehrt und saugt aus. Es klingt hart: Lieber von Jemanden qualvoll erstickt zu werden, lieber von Jemanden dazu gezwungen werden sich selbst Säure in die Kehle zu schütten, als Opfer eines Verbrechens zu werden, bei dem die Scham für das, was Dir ein anderer Mensch angetan hat, bei Dir selbst "kleben" bleibt.

      Wie lieber Philoalexandrinus soll man "das da unten" auch benennen können, wenn es gegen Dich als eine Art "Waffe" eingesetzt wurde?


      Schweigen deckt viele Wunden zu, auch wenn diese deswegen nicht heilen.
      Es ist heilsam, wenn man darüber sprechen kann. Aber ich denke, dass ein "nicht darüber sprechen" können, genau so heilsam ist. "Alles hat seine Zeit" sagt die Bibel. Wie richtig und wahr das doch ist!

      Ich glaube, dass Gott alles in seiner Weisheit führt. Vielleicht denkt man sich als Betroffener, dass es zunächst eine Art "Strafe" sei, darüber nicht sprechen zu können, den Schmerz, Scham, etc... in sich "unausgesprochen" tragen zu müssen. Vielleicht ist es ein Prozess der Heilung - Sprechen hätte zu sehr weh getan. Heute sieht es anderes aus, auch nur, weil Gott es zuließ, sich dem Schmerz, der Scham und allem Anderen stellen zu können, ohne dabei noch mehr Schaden zu nehmen...

      Aber das ist nicht das Thema dieses Threads, ich wollte es nur gesagt haben.


      Liebe Grüße
    • Benennen - sprechen - sprechenkönnen

      gabriel87 schrieb:

      Wie lieber Philoalexandrinus soll man "das da unten" auch benennen können, wenn es gegen Dich als eine Art "Waffe" eingesetzt wurde?

      [

      Oh, ich kenne das Schweigen aus Scham, das lebenslange Schweigen das auf einmal unter heftigen Ggemütserregungen aufbrechnede Schweigen Jahrzehnte später.

      Aber wir reden von der Erziehung, in der Hoffnung, vor Verletztwordensein taugliche Alltagsworte zu finden, nicht in blumigen Euphemismen schon wieder im Nebel des Unscharfen sich zurückzuziehen - als Erziehender. Lehrender, Vorbild gebender. Hoffend, dass Böses nicht geschieht.


      Nur haben wir in Österreich erstens inzwischen auf die Vernehmung von Opfern spezialisierte Beamte / Beamtinnen der Jugendfürsorge und Exekutive. Dazu gibt es vor Gericht die kontradiktorische Vernehmung (in einem Seitenraum, nur Befragender und Opfer als Zeuge, Video in den Gerichtssaal). - - wenn einmal die Tragödie passiert ist.

      Ich rede von dem weit davor Liegenden: Im Verschweigen oder Weglassen konkreter Bezeichnungen und dessen Aufbrechen durch konkrete Bezeichnungen in der Erziehung und korrekter Anatomie läge schon eine Aufbrechen des Numinosen. Die schwammige Ungewissheit wäre weg. Und die Scheu, nur mit Vulgärbegriffen sprachlichen Zugang zu finden - was das ganze Thema auch wiederum in den Bereich "Nix darüber reden, ist dreckig, Gassenausdrücke, nicht darüber reden, am besten nicht daran denken . Da hat das Mädchen nun einmal eine Vulva (eine kluge Mutter sprach mit ihrer kleinen Tochter von dem "Schlitzchen") und tief drinnen verborgen, fast nach oben hinaufgerichtet, die Scheide. - nur zum Beispiel.

      Die Sprachlosigkeit zuhause - schon in Sachen Anatomie - drückt Verleugnung, Ignorierungstendenzen aus. Dias Zurückgreifen auf anatomische Fachbezeichnungen rückt das Thema ins Abstrakte (ein Fluchtbeispiel für unsichere Unterrichtende !) Bitte NICHT . Es gibt amerikanische Programme, welche - betont "sachlich" - die Kids zumindest in der Wahl der Begriffe zu Schmalspurgynäkologen verwandeln wollen - das ist nicht das LEBEN !


      Die Waffe: Ja, Sexualität bedroht uns alle: Abgesehen von in die Kriminalstatistik Gehörendem sind (weibliche) Träume von Knüpple, Kanonenrohr, Rammbock, Rüssel, zu einer Eberschnauze - nein, zu einer Wolfsschnauze mit bedrohenden Zähnen werdend des einen Geschlechtes Albträume, des anderen der verschlingende Schlund, die Höhle mit drohenden Gefahren drinnen, mit Verletzung kündenden Felszacken (eigene Erfahrung , Freuds Vagina dentata ist nicht seine Phantasie !) Und sie wird zu Waffe des Egoismus, zur Demütigung, Verletzung,

      Dazu gehört auch schon das leidige Popograpschen der Herrenrunde , kommt die Serviererin mit dem Bier - - --
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -

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    • philoalexandrinus schrieb:

      Aber wir reden von der Erziehung, in der Hoffnung, vor Verletztwordensein taugliche Alltagsworte zu finden, nicht in blumigen Euphemismen schon wieder im Nebel des Unscharfen sich zurückzuziehen - als Erziehender. Lehrender, Vorbild gebender. Hoffend, dass Böses nicht geschieht.
      Ich habe mir überlegt, ob es sinnvoll ist, meine Erfahrung zu posten, dass zu sagen, was mir zum Thema auf dem Herzen liegt.

      Ja, ich möchte es tun. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, meine Geschichte als "Audio" erzählen. Einerseits weil es mir leichter fällt, darüber zu sprechen als zu schreiben, andererseits wäre es ein sehr langer Beitrag gewesen, wenn ich geschrieben hätte. Und im Thread geht's schließlich um was Anderes...


      philoalexandrinus schrieb:

      kontradiktorische Vernehmung
      Ich weiß, ich hab' das schon hinter mir. Ich bin nicht der Einzige, der durch den Täter geschädigt wurde. In der Hauptverhandlung wurde er damit konfrontiert und der Anwalt des Täters eine eiskalte Maschine! Bis zu letzt nur Leugnung. Der Anwalt konnte nicht aufhören....
      Zitat: "Wie glaubwürdig sind schon die Aussagen der "Gestörten" ? Er verlangte das die Aussagefähigkeit der Zeugen aufgehoben werden müsse !!! – "Sind ja schließlich Gestörte die eine Untersuchung nicht von einem Missbrauch unterscheiden können!" - Wie gesagt: Ich war nicht der Einzige und Gott sei Dank wurde der Täter in allen 90 Punkten (!!!) des Missbrauchs für schuldig befunden!!!

      Hier der Link zu meiner Geschichte


      Liebe Grüße
    • Sexualerziehung braucht Selbstwertgefühl

      Aus manchen Erfahrungen mit Missbrauchsfällen halte ich beim Bereich Sexualerziehung für Kinder die Stärkung des Selbstwertgefühls und die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder für das wichtigste. Gerade bei manch übermäßig autoritär angelegten religiösen Erziehung besteht die Gefahr Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu brechen (manchmal auch durch Gewalt) dass sind dann leichtes Opfer für Verführer, die dann manchmal sogar in dessen kirchlichem oder familiären Umfeld zu finden sind. Wenn Aggressionen gegenüber Eltern nicht artikuliert werden dürfen, Gefühle (und vor allem die Sexuellen) ständig unterdrückt werden müssen, kommt es zu Verdrängungen mit Gefahr bis hin zu Neurotisierungen, da haben dann Verführer auf der Gefühlsebene einen Zugang.
      Jugendliche und Kinder, die offen aufgeklärt wurden und ein gesundes Selbstbewusstsein haben werden ungustiöse Verführungsversuche leichter zurückweisen, vielleicht solche Täter schlagfertig mit leicht vulgären Anspielungen gehörig verspotten.
      Offener Sexualkundeunterricht, der alles beim Namen nennt, ist ein guter Schutz gegen diese Mißbrauchsfälle.
      mit lieben Grüßen
      conradi
    • Das Verbrechen

      gabriel87 schrieb:

      Ja, ich möchte es tun. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, meine Geschichte als "Audio" erzählen.


      Lieber Gabriel87,


      sehr herzlichen Dank für Deine (jetzt ) gewonnene Offenheit und mein tiefes Mitgefühl für Dei tragisches Schicksal.

      Da habe ich eine sehr ernsthafte Bitte : In Friedensau arbeitet man an der Aktion, das Bestmögliche zur Verhütung des Missbrauchs in den Gemeinden laufend zu aktualisieren. Das Programm umfasst auch Oesterreich. . Nachdem der zuerst beauftragte Prediger Knoll (Düsseldorf) in kürzester Zeit überfordert war, koordinieren Fischer / Gerhardt die Arrbeit.
      (Roland Fischer, an der Ihle 5a, D - 39291 Möckern - Friedensau, seine Mailadresse dirtekt auf der Homepage Friedensau > über uns > Mitarbeiter > Fachbereich Theologie : roland.fischer@thh-firedensau.de).

      Bitte sende Deine Erfahrung auch an ihn, Du hilfst uns und ungezählten anderen - und sei es nur ein (weiterer) Fall - auch einer ist zu viel.

      HAbe herzlichen Dank nochmals !
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • Schutz in beiden Richtungen.

      conradi schrieb:

      Jugendliche und Kinder, die offen aufgeklärt wurden



      Und verhindert möglicherweise, dass sei zu Tätern werden : Der Prediger Knoll, Wuppertal (nicht Düsseldorf, ich korrigiere mich) , als erster mit einem Programm zu Verhütung des Missbrauches für die Gemeinden in Deutschland und Oesterreich betraut, stellte fest, dass die Täter in allen - den grossen, den kleinen, den Evangelikalen, den Advenstisten - vor allem aus strengen, harten, Familien kommen und dort Vorbildrollen spielen - (entspricht meiner Erfahrung und ich kenne die Studien, hätte es nur nie gewagt, das öffentzlich vom Podium zu sagen) - ich interpretiere : Massiver Verdrängung und Verleugnung, dann unkontrollierte, inadaequate Triebdurchbrüche.
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • Die adaequate Reaktion

      conradi schrieb:

      schlagfertig mit leicht vulgären Anspielungen gehörig verspotten.



      DA habe ich ein Beispiel : Die Schulmädchen haben einen Exhibitionisten (Name in meiner Kartei) mit schallendem Gelächter verspottet, einige Pensionistinnen haben dann , darob aufmerksam geworden die Polizei geufen.
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • philoalexandrinus schrieb:

      Und verhindert möglicherweise, dass sei zu Tätern werden
      Ich möchte noch mal kurz auf meine Erlebnisse zurück kommen: Weißt Du, dieses kollektive Verschweigen und Vertuschen ist einfach nur schlimm. Eltern von Betroffenen fanden kurzfristig Gehör in einer Regionalzeitung. Der Zeitungsverlag bekam darauf eine Klage und musste eine Lobrede über die Anstalt veröffentlichen. Staatsanwalt Gottfried Kranz, meiner Meinung nach das "Idealbild eines Staatsanwaltes" war derartig emotional betroffen und schockiert darüber, dass man den Opfern so lange nicht geglaubt hat. Viele Fälle lagen ja bereits mehr als 20 Jahre zurück... Der Anwalt von Wurst, Herr H.S. - plädierte auf einen Freispruch! Zeugen seien nicht glaubwürdig. Zitat: Ein "hochgeachteter Mediziner" und "respektiertes Mitglied der Gesellschaft" wie Franz Wurst habe es nicht notwendig, sich von psychisch auffällig und kranken Personen mit Aussagen die nicht mehr als eine "schwankende Unterlage" in seiner Existenz und Lebenswerk vernichten zu lassen. Die Zeugen lügen nicht, sie erinnern sich nur falsch und daran sind die Medien schuld, schließlich habe man Wurst schon im Vorfeld verurteilt." Wurst selbst hat sich ganz gerne als "der arische Gott in Weiß" dargestellt, welcher das Opfer einer Intrige, beruhend auf Kinder-Fantasien ist. Der nächste Schlag in's Gesicht waren die wirklichen Lügner - Menschen, die ein schreckliches Verbrechen dazu ausnützten um selbst ein Verbrechen zu begehen, denn sie wollten sich Entschädigungsgelder erschleichen.

      Tragisch vor allem: 3 Buben mit denen ich damals zur gleichen Zet im LKH war, haben sich selbst das Leben genommen. Bernd haben wir am 4.12.2013 zu Grabe getragen. Zwei Tage später nahm sich seine Mama das Leben. Auch meine Mama gibt sich noch heute für alles die Schuld, sie meint halt, wenn sie es nicht zugelassen hätte, dass ich in's LKH komm, dann wär das alles nicht passiert - Aber sie wollte mir doch nur helfen...

      Ich wünsche es allen Betroffenen so sehr, dass sie diese hässliche Tragödie überwinden können und das sie vom Leid das ihnen widerfahren ist, nicht ihr ganzes Leben lang geleitet werden.