Gemeinde-Websites - oft ein Trauerspiel

    • Gemeinde-Websites - oft ein Trauerspiel

      Als zertifizierter Webmaster kann ich vielleicht nur schwer anders, als mich immer wieder über manche Gemeinde-Websites zu wundern. Hiermit eröffne ich einen Thread in dem ich mich als besserwisserischer Klugscheißer betätigen möchte. Vielleicht sensibilisiert das den einen oder anderen Adventisten, in seiner Gemeinde auf eine besser Informationspolitik, eine bessere Organisation und eine bessere Außendarstellung -- auch übers Web -- zu drängen.


      Heute: Der "Themen Nachmittag"

      Mein Weg zu diesem Website-Desaster: Ich hörte, diese Woche gäbe es in der hiesigen Adventistengemeinde ein Essen nach dem Gottesdienst. Ich hatte sowieso vor, mich seit Langem mal wieder aufzuraffen und dort in den Gottesdienst zu gehen, möchte aber den Eindruck vermeinden, dass ich nur des Essens wegen käme. (Manchmal gehe ich nur deswegen an solchen Tagen nicht in eine Gemeinde, weil ich sowieso davon ausgehen kann, dass manche so über mich denken.) Also wollte ich vorhin nachschauen, ob es, wie ich vermute, ein Pottlach ist, damit ich mindestens eine große Packung meines Lieblingskartoffelsalats beim Supermarkt Reichelt kaufe und am Samstag mitnehme. So landete ich erst beim Predigtplan, dann bei der Terminliste der örtlichen Adventgemeinde. Keinerlei Hinweis auf ein Essen; stattfinden wird es aber wohl, weil ich Dienstagabend selber die Tische dafür aufgestellt habe. Stattdessen fällt mir unter den Terminen ein "Themen Nachmittag in Neukölln" auf. Da ist er mein Meckeranlaß von heute.

      Mal abgesehen davon, dass die beste Schreibweise "Themennachmittag" wäre und nur noch "Themen-Nachmittag" als Rechtschreibvariante in Frage käme; fragte ich mich gleich, was wohl das Thema und ob dies vielleicht etwas für mich wäre. Ich nahm sogleich an, dass die spezielle Website der Adventgemeinde Neukölln, die diesen Themennachmittag veranstaltet, mir Auskunft geben könne. Also wandte ich mich zur Website der Neuköllner Gemeinde. :Computer:

      Unter "Termine" kein einziger Eintrag für den Monat Mai. Unter "Aktivitäten" -- gar nicht so klar von "Termine" zu unterscheiden -- findet sich nur eine "Lebensschule". :hmm: Ich bin erst einmal so enttäuscht, dass ich diesen Mecker-Thread über schlechte Gemeinde-Websites eröffne. Während ich dies hier schreibe, schaue ich noch auf die Seite über die Gottesdienste: Dort ein Predigtplan und auch eine Angabe für den 11. April:

      DatumPrediger
      4. April
      G. Peters
      11. April
      Open Doors
      18. April
      G. Eiteneier


      Nun ja, am 11. April hatte ein Herr Doors gepredigt. SCNR Als Informationstechnologe, halbwegs guter Datenbankkenner und Webdesigner drehe ich natürlich wieder leicht am Rad, weil in ein Datenfeld, das eigentlich einen Personennamen enthalten sollte, eine Organisationsbezeichnung geschrieben wurde. (Abgesehen davon, dass man das Versäumnis, den persönlichen Namen anzugeben, als unhöflich und respektlos auffassen kann.) Aber für den 9. Mai, den Tag, an dem laut Website der Adventgemeinde Mariendorf der Themennachmittag in Neukölln stattfinden soll, finde ich auch nicht mehr als einen -- warum auch immer -- abgekürzten Predigernamen:

      DatumPrediger
      9. Mai
      K. Schlaeger


      Es wäre ermüdend und stupide, noch detailliert und analytisch zu begründen, warum das unerfreulich und ineffektiv ist; zumal es mir offensichtlich vorkommt. Also verzichte ich auf eine große Begründung und stelle nur fest: Wenn sowieso davon ausgegangen wird, dass nur Insider kommen, die jeden Samstag beim Gottesdienst erscheinen, dann reicht es, wenn man die Websites einfach abschaltet; ansonsten sollte man wenigstens die Eckdaten aktueller Veranstaltungen angeben: Was, wer, worüber, um wieviel Uhr, wie lange, welche Kosten und dergleichen.

      Es ist ein Trauerspiel. Macht mich zum vollbezahlten Webmaster für die Berliner Gemeinden und solche Probleme habt ihr nie wieder!
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

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    • Baptist schrieb:

      Du kannst denen deine Hilfe bestimmt anbieten ;)

      Ich habe schon einiges ehrenamtlich gemacht und bin derzeit für ein Projekt einer Adventgemeinde wieder anderhalb Tage jede Woche ehrenamtlich tätig; aber Webdesign oder Beratung in Webdesign erledige ich nicht für lau. Ich habe mich nicht jahrelang durch solche Themen gearbeitet, um irgendwelchen Dilettanten, die meine Qualifikationen nicht einschätzen können, kostenlos Nachhilfe zu geben, und mir dann vielleicht auch noch ihr Schulternzucken ansehen zu müssen, weil sie die Maßnahmen nicht einsehen oder sie für unwichtig halten. Du weißt ja auch, was nichts kostet, wird meist gering geschätzt; also müßte ich vermutlich auch noch zahllose Widerworte über mich ergehen lassen. Alles in allem keine Situtation, in der ich sein möchte.

      Man kann großzügige Geschenke immer nur ausgehend von einer gewissen Basis machen, also wenn man insgesamt unter anderem genug Achtung erfährt und materiell gut gesichert ist. Wenn die Gesamtbilanz nicht stimmt, dann wird es ungesund bestimmte Geschenke zu machen, mindestens psychisch. Jeder muss selber erkennen, wo für ihn eine Grenze zu ziehen ist. Deshalb möchte ich derzeit meinen erlernten Beruf nicht kostenlos ausüben und mich auch nicht als unbezahlten Webmaster und Web-Entwickler einer Gemeinde andienen.
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    • DonDomi schrieb:

      Ich finde Deine Einstellung etwas unverständlich. Jeder soll doch seine Gaben in ein Gemeindeleben einzubringen, und wenn Deines das Gestalten von Webseiten ist verstehe ich nicht, warum man das nicht gatis machen kann.

      Lieber @DonDomi,

      dazu fällt mir verschiedenes ein:

      1. Ich sage so etwas normalerweise nicht, weil es sofort als eitel oder überheblich übel genommen wird. Trotzdem ein einziges Mal: Ich höre und lese von Christen immer wieder von der einen Gabe, die ein Mensch hätte und einbringen solle. Das kommt mir relativ begrenzend vor, als könne man einen Menschen auf eine Gabe reduzieren. Ich habe, wenn auch verschieden geübt, deutlich mehr als eine Gabe an mir bemerkt. Das würde Dir übrigens kaum jemand in der Gemeinde bestätigen, weil ich weder versuche, mich hervorzutun, noch die Leute in der Regel in der Lage sind, von ihren Vorurteilen und gewohnheitsmäßigen Einstufungen abzulassen.

        Wieso sollte ich mich also jetzt auf diese eine Gabe verpflichten und mir ihretwillen ein schlechtes Gewissen einreden lassen? Weil es gerade paßt und eine Gemeinde dadurch einen kostenlosen Webdesigner bekäme, der sie sonst ein gut Stück Geld kosten würde? Weil wieder einmal ein Doofer gesucht wird?

      2. Arbeite ich schon anderthalb Tage ehrenamtlich in einem Projekt einer Adventgemeinde. Wie viele Adventisten tun das?

      3. Bin ich kein Gemeindeglied und kein Adventist. Ich gehöre keiner Denomination mehr an, und was die Adventisten angeht, bin ich höchstens oder fast das, was die Baptisten einen "Freund der Gemeinde" nennen.

      4. Das Redesign einer Website, würde mich, schätze ich, mindestens 14 Tage Arbeit kosten. Natürlich kann man das in jede Richtung skalieren; aber darauf dürfte es, wie ich mich kenne, mindestens hinauslaufen.

      5. Schließlich und nicht zuletzt habe ich wenig Lust, den derzeitigen Verantwortlichen für die Website zu dupieren. Was käme denn für mich am wahrscheinlichsten dabei heraus?
        1. Der bisherige Verantwortliche für die Website wäre offen und bewußt oder verdeckt und vielleicht unbewußt gekränkt und würde mir das vermutlich übelnehmen.
        2. Zugleich würde ich dadurch finanziell sehr wahrscheinlich nicht einen Cent gewinnen; mich aber für diese Arbeit, wie ich mich kenne, eine Weile aufreiben.
        3. Dann dürfte ich mich noch mit einigen langjährigen Gemeindemitgliedern und Gemeindeausschussmitgliedern auseinandersetzen, die freilich alle etwas besser wissen werden; auch wenn sie defacto alle fast überhaupt keine Ahnung haben.

        Soll mich solch eine Aufgabe wirklich reizen? Das einzige, was für mich voraussichtlich herausspränge, wären ein paar vordergründige freundliche Handdrücke, vermutlich ein gekränktes Gemeindeglied und ein Haufen Arbeit. Am Ende bin ich also etwas gestresster, teilweise unbeliebter und habe, weil das meine Art ist, zu arbeiten, auch noch Geld für ein paar zusätzliche Fachbücher, von denen ich eigentlich schon ziemlich viele besitze, ausgegeben.

      Im übrigen, DonDomi, kommt es mir so vor, als hättest Du das, was ich oben über die persönliche Bilanz im übertragenen Sinne geschrieben habe, nicht -- oder irgendwie anders als ich -- verstanden. Es ist eine Frage des Respekts und berührt auch das Selbstwertgefühl, ob jemand nur kostenlos in Anspruch genommen wird, weil er gerade jemandes Weg kreuzt oder ob man ihn für eine Arbeit bezahlt.

      Ich schlage vor, diesen Teil des Thread abzutrennen, weil er eigentlich von Websites handeln sollte und nicht davon, ob und wie sich einzelne Personen in Gemeinden einbringen.

      Beste Grüße
      Daniels
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
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      1. Thessalonicher 5, 21.22

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    • @Daniels

      Du musst überhaupt nichts ehrenamtlich machen, aber dann hast Du auch nicht das Recht darüber zu mosern.
      Das ist meine Meinung und die gilt für mich für jeden Verein oder auch Glaubensgemeinschaften, wo Vieles auf Ehrenamtlichkeit beruht.

      Liebe Grüsse
      DonDomi
    • DonDomi schrieb:

      Du musst überhaupt nichts ehrenamtlich machen, aber dann hast Du auch nicht das Recht darüber zu mosern.
      Das ist meine Meinung und die gilt für mich für jeden Verein oder auch Glaubensgemeinschaften, wo Vieles auf Ehrenamtlichkeit beruht.i

      Lieber @DonDomi: :) Ich gebe Hinweise, und Kritik gibt es zum Beispiel auch von anderer Seite, so kritisieren Feuilletonisten Bücher, an deren Verfassung sie nicht beteiligt waren. Webdesign-Zeitschriften kritisieren Websites, die sie nicht selber erstellt haben.

      Sieh' es mir nach und gestatte mir, es mal drastisch auszudrücken: Ich kann Euch in Sachen Website-Gestaltung und -Betreuung auch dumm sterben lassen. Wieso soll ich hier nicht ab und zu an konkreten Beispielen auf Mängel an Gemeinde-Websites hinweisen? Ich bemühe mich ja schon, mich rücksichtsvoll auszudrücken und habe früher sogar die Namen der betroffenen Gemeinden immer schamhaft verschwiegen, damit nur keiner sich bloßgestellt fühlt.

      Wer eine Website veröffentlicht, muss auch mit öffentlichen Anmerkungen dazu fertigwerden.

      Beste Grüße
      Daniels
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      1. Thessalonicher 5, 21.22

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    • Ich habe vor einigen Monaten eine Diskussion mit einem Webmaster einer Gemeinde gehabt. Ich hatte ihn angesprochen, weil die Seite dieser Gemeinde überhaupt nicht aktuell ist. Die Diskussion verlief sehr unerfreulich. Ich habe ihn gefragt, wie viel Zeit er denn in diese Webseite investiere. Und es stellte sich heraus, dass er monatelang keinen Handschlag dafür gerührt hatte. Und er war mächtig stolz darauf, dass die Webseite so strukturiert war, dass sie überhaupt nicht aktualisiert werden musse. (Wenn keine aktuellen Termine eingetragen sind, muss man auch keine alten rausnehmen, etc.)

      Das war mir ab-so-lut unverständlich. Aus meiner Sicht eine Fehlbesetzung.

      Herzliche Grüße,

      Heiko
    • So, jetzt habe ich gerade den Kauperts-Eintrag der Adventgemeinde Mariendorf korrigiert. Ich bin einfach gut in Amtsanmaßung und die Adventisten sind sooo wehrlos. :P

      Im Ernst: Da war noch die Telefonnummer des vorvorletzten Gemeindepastors angegeben, eine E-Mail-Adresse und eine Beschreibung fehlten ganz. Das habe ich aktualisiert bzw. ergänzt. Vermutlich komme ich dafür weder in den Himmel noch werde ich dafür eine Bearbeitungsgebühr eintreiben können. Aber vielleicht ist wenigstens jemand eingeschnappt. ;)

      PS: Die Korrektur wird von der Kauperts-Redaktion noch gesichtet und erst danach freigeschaltet.
      "Prüft alles und, was gut ist,
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      1. Thessalonicher 5, 21.22

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    • Jetzt ist der korrigierte Kauperts-Eintrag online. :) Klarer konkreter Text, oder? (Meinen Buchstabendreher im Wörtchen "sind" hat der Redakteur leider nicht bemerkt, also muss ich noch einmal an Kauperts schreiben.)

      Wer es nicht weiß: Kauperts ist früher das gedruckte Straßenverzeichnis für Berlin gewesen, quasi eine echte Instanz. Es gab sicher keinen Berliner Taxifahrer ohne den Kaupert. Das Internet und die modernen Navigationssysteme haben dazu geführt, dass es inzwischen keinen gedruckten Kaupert mehr gibt. Ich hätte eigentlich noch gerne so ein gedrucktes Verzeichnis mit eingelegtem Faltplan. Aber das ist vorbei. Wikipedia: "Der Kaupert".
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      1. Thessalonicher 5, 21.22

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