Lukas 12,1-5: Ich will euch zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt

    • Lukas 12,1-5: Ich will euch zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt

      Hallo liebe Leser!
      Ich wurde am Wochenende auf folgenden Text aufmerksam gemacht:

      Bibelstelle

      Lukas 12,1 Unterdessen kamen einige tausend Menschen zusammen, sodass sie sich untereinander traten. Da fing er an und sagte zuerst zu seinen Jüngern: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist die Heuchelei. 2 Es ist aber nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. 3 Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr ins Ohr flüstert in der Kammer, das wird man auf den Dächern predigen. 4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können. 5 Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.


      Die Verse 1-3 sind ja noch verständlich. Jesus warnt hier ein deutig vor Heuchelei. Komplizierter wird es dann (auf dem ersten Blick) in den Versen 4 und 5.
      1. Wie sind diese zu verstehen?
      2. Ist es überhaupt möglich, dass nach dem Tot noch jemand was für (bzw. gegen) mich unternehmen kann?
      3. Wer hat in Vers 5 getötet? Warum könnte er dies getan haben? Wieso hat er nach dem er getötet diese Macht? Geht es hier im Satan oder Gott? Eigentlich hat ja nur Gott die Macht in die Hölle zu werfen, aber dann ist es auch der, der getötet hat?

      Freue mich auf eure Erklärungen!
      Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

      Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • Die, die nur den Leib töten und danach nichts mehr tun können, sind Menschen.

      Luther hat Gehinnom bzw. Gehenna immer mit "Hölle" übersetzt; Gehenna ist aber das Gericht. Gott wird richten, ihn sollen wir fürchten.

      Der getötet hat. Also der, der das Leben genommen hat: Gott. Das Hebräische Denken hat eine sehr direkte Ausdrucksweise in vielen Dingen.

      Wenn Gott der ist, der Leben gibt und Leben nimmt, dann wäre "juristisch" ausgedrückt, dieses Nehmen des Lebens eine Tötung. Das klingt für uns recht ungewohnt, meint aber schlicht, dass der, nachdem er unser Leben genommen hat, es auch ins Feuer werfen kann.

      Hiermit soll nicht ein schlimmer Gott, sondern seine Größe hervorgehoben werden; die Tatsache, dass er es kann und dass ich an diesen Gott glaube, ruft Ehrfurcht hervor. Ihn sollen wir mehr fürchten als Feinde der Welt. Diese Furchtlosigkeit vor der Welt ist wichtig, weil wir in Bedrängnis bekennen sollen.

      Wer mich in der Welt nicht bezeugt, den werde ich vor meinem Vater nicht bezeugen.
    • Seele1986 schrieb:

      Gott wird richten, ihn sollen wir fürchten.


      Dazu ein Abschnitt aus einem Buch, das ich gerade lese:

      [Johannes der Täufer war] ein Einzelgänger und seine Botschaft richtete sich auch an jeden Einzelnen. Zornig reagierte er, wenn Leute zu ihm kamen und meinten, sie führten ein gottgefälliges Leben, nur weil sie einer Gruppe angehörten [...]. Und schon gar nicht konnte er es ertragen, wenn Leute religiöse Floskeln von sich gaben und sich deshalb für fromm hielten. Das alles waren für Johannes Ausflüchte um sich selbst zu beruhigen und sich hinter einem Kollektiv zu verstecken. Vor Gott zählte für Johannes immer nur der Einzelne. Seine Entscheidungen, sein persönliches Leben musste er vor Gott verantworten [...]. Schlimmer als von Menschen abgelehnt zu werden, war für Johannes, von Gott entfremdet zu sein und vor ihm seine Schuld bekennen zu müssen. Vor Gott muss man sich fürchten, nicht vor den Menschen.

      [...] [Johannes malt] das Schreckgespenst eines baldigen Endes und eines Letzten Gerichts an die Wand. Wer sein Leben nicht sofort von Grund auf ändert, wer nicht rückhaltlos seine Sünden bekennt und Buße tut, der wird von Gott gnadenlos gerichtet werden. Der Gott, den Johannes mit seinen Worten heraufbeschwört, ist ein strenger, unerbittlicher Richter. Und die Notwendigkeit, sich zu ändern und umzukehren, soll unter dem Druck der Angst geschehen, Kann man aber mit Angst Menschen ändern?

      Johannes scheint es geglaubt zu haben. [...]
      Quelle: Alois Prinz: "Jesus von Nazareth", S. 90f
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19
    • Der Gott, den Johannes mit seinen Worten heraufbeschwört, ist ein strenger, unerbittlicher Richter. Und die Notwendigkeit, sich zu ändern und umzukehren, soll unter dem Druck der Angst geschehen, Kann man aber mit Angst Menschen ändern?

      Das ist irgendwie auch ein "alter Hut", oder? Die Frage, ob fürchten gleichbedeutend mit Angst ist... Ich denke, dass kann man nur glaubend begreifen. Wenn ich mal tiefer über Gottes Wesen nachsinne, dann habe ich manchmal Momente, wo es mich "erschaudern" lässt (finde kein besseres Wort). Aber ich habe keine Angst vor ihm. Wenn wir uns Gott nähern, werden wir immer kleiner.

      Johannes spricht von dem Richter, das war sein Thema. Und er sprach hpts. zu einer Menschengruppe, die wusste, wovon er redet. Der Mahnruf zur Umkehr ist ja nun bei Johannes bereits uralt.

      Kann Angst Menschen ändern? Erstens: Natürlich verändert Angst Menschen; ganz massiv sogar. Die Frage ist, ob diese Botschaft eine reine Angstbotschaft ist? Ich finde nicht. Eine Angstbotschaft wäre für mich z.B. die islamistische: Ein Allah, bei dem ich überhaupt nicht weiß, was er tun oder urteilen wird, vollkommen willkürlich, das wäre ängstigend für mich. Die Bibel aber spricht immer klare Worte: Kehre um und Gott wird dich liebend annehmen! Die Umkehr wird "zelebriert"; ich finde das sehr tröstend und ermutigend: Johannes tauft die Menschen, die umkehren wollten. Damit sagt man aus: "Ich fange ein neues Leben an!" Ich finde Johannes Botschaft sehr versöhnlich; klar und deutlich, natürlich, aber auch sehr ermutigend!

      Die Kritik der Angstbotschaft, die heute ernsten Christen vorgeworfen wird, hat damit zu tun, dass die Leute diese Umkehr gar nicht wollen. "Ich will bleiben, wie ich bin, keine Sünde bekennen, aber trotzdem von Gott, dem Universum oder was auch immer angenommen werden".
    • Seele1986 schrieb:

      Der Gott, den Johannes mit seinen Worten heraufbeschwört, ist ein strenger, unerbittlicher Richter. Und die Notwendigkeit, sich zu ändern und umzukehren, soll unter dem Druck der Angst geschehen, Kann man aber mit Angst Menschen ändern?

      [...] Wenn ich mal tiefer über Gottes Wesen nachsinne, dann habe ich manchmal Momente, wo es mich "erschaudern" lässt (finde kein besseres Wort). Aber ich habe keine Angst vor ihm. Wenn wir uns Gott nähern, werden wir immer kleiner.

      Johannes spricht von dem Richter, das war sein Thema. [...]

      Kann Angst Menschen ändern? Erstens: Natürlich verändert Angst Menschen; ganz massiv sogar. Die Frage ist, ob diese Botschaft eine reine Angstbotschaft ist? Ich finde nicht. [...]

      Ich bin nicht sicher, ob Gott so kuschelig ist, wie ihn viele heutige Christen immer hinstellen. Kaum erwähnt jemand Gewalttaten Gottes oder etwas anderes, das man in einem gewaltfreien Kinderladen nicht tun sollte, schon steht ein Christ auf und erklärt, dass Gott so etwas natürlich nie tut. Ich habe den Verdacht, dass Gott dann immer im Sinne moderner bürgerlicher oder alternativer Vorstellungen reingewaschen und weichgespült dargestellt wird. Das als allgemeine Nebenbemerkung. Zur Sache:

      Alois Prinz stellt die Frage, ob Angst Menschen ändern kann, und er meint damit anscheinend, ob Angst ein erfolgversprechendes Mittel ist, Menschen zu bessern. Daran zweifelt Prinz. Er erläutert dies an Personen aus den Romanen Dostojewskis und kommt zu dem Gedanken, Jesus sei über die Drohungen, die Angst-Botschaft des Johannes hinausgegangen und gehe nicht wie dieser von Pflicht und Angst aus, sondern in erster Linie von Vertrauen.

      Der Dichter Fjodor Dostojewski hat in seinen Romanen Personen geschildert, von denen man sich gut vorstellen kann, dass auch sie schuldbeladen an den Jordan zu Johannes gekommen wären. [...] [Bei ihnen] allerdings hätte Johannes auch mit noch so donnernden Bußpredigten nichts ausrichten können. Alle Vorwürfe und gut gemeinten Ratschläge wären umsonst gewesen. Sie sind in ihrem Unglück nämlich resistent gegen jede moralische Hilfe.

      Der Titularrat Marmeladow in Schuld und Sühne beispielsweise ist ein heilloser Trinker. [...] Marmeladow weiß, wie schäbig er sich benimmt [...]. Aber er ändert sich nicht. Kaum hat er ein wenig Geld in der Hand, versäuft er es wieder. Alle Appelle an seine Ehre und Selbstachtung nützen nichts. Als er wieder einmal betrunken ist, träumt er von einem Reich Gottes, in das nicht nur die »Guten und Gerechten« aufgenommen werden, sondern auch die »Huren, die Trinker, die Sünder«. Und sie werden von Gott angenommen, weil sie auch »würdig« sind. Was sich Marmeladow erhofft, ist Vertrauen. Vorwürfe, Anklagen und Moralpredigten helfen ihm nicht nur nicht, sie sind sinnlos und bewirken nur das Gegenteil.

      Dostojewski zeigt in seinen Büchern die Kluft zwischen dem, was Menschen sein sollen und sein wollen, und dem, was sie wirklich sind und tun, die Kluft mithin zwischen ethischen Forderungen und der Realität. [...] [Für Hermann Hesse] entspringen die Handlungen eines Menschen nur zu einem kleinen Teil vernünftigen Überlegungen. [...] Verbote und Belehrungen helfen da wenig. Nach Hermann Hesse kommt es darauf an, tiefere Schichten in einem Menschen zu erreichen. Und das vermag nur eine Haltung, die über Vernunft und Moral hinausgeht.

      Jesus folgt Johannes nach. auch in dem Sinne, dass er ihn hinter sich lässt. Mit ihm kommt etwas Neues. Was dieses Neue ist, das zeigt sich bei Jesu' Taufe im Jordan [...].

      Nachdem Johannes Jesus getauft hat, öffnet sich der Himmel und eine Stimme ist zu hören, die sagt: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.« (Mt 3, 17) Diese Worte [...] bekräftigen [...], [dass Jesus] von einer Kraft getragen wird, die ihm eine Sicherheit gibt, wie sie ihm keine weltliche Bindung geben kann. Und diese Kraft ist keine anonyme, unpersönliche Macht, sie ist wie ein Vater, der sich liebevoll seinem Sohn zuwendet. [...]

      Dieser Vater ist für Jesus kein zorniger, strafender Gott, vor dem man Angst haben muss. Der väterliche Gott meint es gut mit den Menschen, er ist ein zutiefst menschenfreundlicher Gott. Zuallererst muss ein Mensch von diesem Vertrauen erfüllt sein, erst dann ist er zu guten Taten fähig. Nicht aus Angst vor einem Gericht oder einer Strafe wird Jesus leben, sondern aus einem unzerstörbaren Vertrauen. [...]
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von HeimoW ()

    • Daniels schrieb:

      Er erläutert dies an Personen aus den Romanen Dostojewskis und kommt zu dem Gedanken, dass Jesus über die Angst-Botschaft des Johannes hinausgegangen sei und gehe nicht wie dieser von Pflicht und Angst aus, sondern von Vertrauen.

      Aber würde dieser Gedanke nicht Lukas 12,1-5 widersprechen? Diese Verse können doch schon sehr angsteinflößend sein. Und ich glaube, dass war auch nicht die einzige "Drohung", die in der Bibel von Jesus belegt ist. In den Evangelien nehmen seine Endzeitreden doch relativ viel Raum ein. Er fordert permanent zur Entscheidung auf im Stile eines Moses ("Segen und Fluch").

      Was macht dem Menschen nun mehr Angst? Eine Entscheidung zu fällen oder Gott selbst?
      Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

      Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • Dostojewski- Wege zum Existentialismus

      Hallo Daniels,

      vielleicht sollten wir demnächst zur Beleuchtung und Diskussion philosophischer Geister ein Thema aufmachen; wäre sicher sehr spannend!

      Dostojewski hat in vielen Punkten eine sehr zerrissene Glaubensvorstellung gehabt: einerseits tiefreligiös und Vertreter der orthodoxen Richtung, andererseits auch ein Wegbereiter des Existentialismus in manchen Punkten; der Mensch mit seinen Unfähigkeiten in eine Welt geworfen, die gottlos und grausam ist, und in der man lernt, sich durch seine Unfähigkeit oder seinen Mangel zu identifizieren. Natürlich kann gerade da Gott die Antwort aller Antworten werden!

      Sehr ausgeprägt ist bei ihm auch das Thema des Sünders/ Mörders, der aus seelischer Gebrochenheit gehandelt hat, und für den ein Verständnis entwickelt werden soll. Es ist an manchen Stellen sehr täterorientiert, wenn ich auch bei weitem nicht alles gelesen habe von ihm. Der Idiot sinnt beispielsweise darüber nach, wie schrecklich es für den Täter sein muss, wenn er das Todesurteil erhält und zur Todesstrafe geführt wird. Natürlich spielt hier rein, dass Dostojewski selbst nur knapp dem Erschießungskommando entkam durch Begnadigung.

      Aber wieder zur Sache: Begnadigt Gott uns nicht oft, obwohl wir nicht Buße getan haben? Ja, das tut er. Er tut es sehr oft. Aber er tut es, damit wir seine Gnade erkennen und letztlich umkehren. Wenn Johannes vom Gericht spricht (oder nehmen wir heute die Dreiengel-Botschaft), dann müssen auch die schlimmen Dinge angesprochen werden. Die Liebesbotschaft fällt dadurch nicht weg; sie ist ein Prinzip! Bei der Endzeitbotschaft geht es weniger ums Prinzip, sondern eher um die Zeit, die nahe ist. Das schlimmste ist immer, dass wir Menschen glauben, wir hätten endlos Zeit.

      Ich kann morgen tot sein! Das wissen wir alle immer irgendwie, leben aber, als seien wir unsterblich. Die Umkehr-Botschaft ist eine Dringlichkeits-Botschaft. Dass Leute sich dadurch auch wieder angegriffen fühlen, ist Stolz und Verhärtung des Herzens. Durch die Gnadenbotschaft haben sie sich auch angegriffen gefühlt: "Wieso hab ich Jesus nötig; wieso soll ich Gnade brauchen?" Jetzt sagen sie: "Wieso kommt ein Gericht? Was ist das für ein Gott?"

      Wir haben für alles Argumente! Wir wollen Verständnis für uns, akzeptieren aber nicht, wenn andere ebenso Gnade bekommen: "Gerechtigkeit muss sein!" Wenn Gerechtigkeit kommt, dann schreien wir: "Was für ein schrecklicher Gott, der nur nach Gesetz misst!" Gott kann es uns überhaupt nicht recht machen.

      Ich verstehe einen Dostojewski und andere aus menschlicher Sicht! Aber es sind eben rein menschliche Betrachtungen, so tiefgründig sie auch sein mögen. Das ist und bleibt der große Unterschied zwischen Philosophie & Psychologie und dem Glauben in Christo. Ich finde diese Dichter und Denker auch sehr spannend, doch man merkt auch immer, dass man bei diesem Durchforschen des Innenlebens schnell mit dem Teufel tanzt. Der Grund, warum lebendige Christen nicht solch "geniale" Literatur hervorbringen, ist, dass sie es nicht mehr nötig haben.
    • Wodurch ändern sich Menschen?

      Bemo schrieb:

      Was macht dem Menschen nun mehr Angst? Eine Entscheidung zu fällen oder Gott selbst?

      Das ist vielleicht nicht einfach zu beantworten. Ich weiß, dass eine Entscheidung, nicht aus rein moralischen und vernünftigen Gründen getroffen wird, eher im Gegenteil. Was auch Alois Prinz in dem von mir zitierten Abschnitt sagt.

      Beispielsweise habe ich einen Bekannten, einen Ex-Kollegen, der Alkoholiker ist und säuft. Ich frage mich, welche Chancen es gibt, dass er aufhört zu saufen, und was ihn dazu bewegen könnte. Selbstverständlich weiß er, dass übermäßiger Alkoholkonsum ungesund ist und ihn zerstören kann. Auch der Adventist und Psychiater Timothy Jennings sagt in seinem Vortrag über Süchte, dass die meisten solcher Süchtiger kein Erkenntnisproblem haben. (Übrigens ist der Vortrag am 29.10. wieder übers Web zu sehen: Mentale Gesundheit: Süchte und das Gehirn.) Man kann nun von stofflicher Abhängigkeit zu reden anfangen und das ganze zu einem scheinbar automatisch ablaufendem quasi rein chemischen Problem erklären, dem solch ein Mensch kaum entrinnen kann; aber solche Erklärungen helfen allein kaum weiter.

      Damit jemand eine Entscheidung trifft, muss er eine Perspektive sehen und vor allem muss der Weg für ihn persönlich momentan emotional und kräftemäßig zu bewältigen sein. Beispielsweise trinkt vielleicht jemand, weil er kurzfristige Entlastung gewinnt. Diese Entlastung kann man ihm nicht einfach nehmen ohne dass er einen emotionalen Ausgleich dafür hat. Menschen treffen mittel- oder langfristig selbstschädigende Entscheidungen nicht, ohne dadurch irgendwelche momentanen Vorteile zu haben, und sei es nur die Kraftersparnis durch eine Gewohnheit. Menschen gewinnen Kraft und Zuversicht für neue Wege nicht aus dem Nichts.

      Eine Alternative, eine neue Entscheidung muss also für einen Menschen emotional und kräftemäßig gangbar sein. Bloß oberflächlich rationale Ratschläge oder Drohungen oder Strafen bewirken oft nichts Gutes oder verschlimmern die Lage nur. Was würde mein Bekannter tun, wenn ich ihn massiv mit moralischen Vorwürfen und negativen Prognosen überzöge? Er würde vielleicht den Kontakt mit mir meiden und sehr wahrscheinlich gelegentlich noch mehr saufen, wenn der neue Druck, den ich auf ihn ausübte, ihm zu viel würde.

      Tiefes Vertrauen zu Gott, so scheint Alois Prinz zu denken, kann einem Menschen Kraft und Sicherheit geben, Halt um eine neue Perspektive zu gewinnen. Das ist schon ein starker Gedanke, wenn man sich Gott als das mächtigste und am meisten wissende Wesen vorstellt, und dann sogar glauben kann, dass dieser Gott einem selbst, dem Menschlein, das man ist, vertraut, einem etwas zutraut und zur Seite steht.

      Grüße
      Daniels
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Daniels ()

    • Nochmal ich :D

      Es ist heutzutage nachgewiesen, dass der Mensch viel stärker emotional gelenkt wird als kognitiv; daher war auch die große "Vernunft-Ära" der Aufklärung letztlich nur Utopie.

      Aber genau hier kann Gott eine Veränderung bewirken: der Geist soll nämlich über die Emotionen herrschen, nicht umgekehrt. Emotionale Ausrichtung ist tödlich, denn sie ist vollkommen launisch; bei dem mehr, bei anderen weniger, aber prinzipiell immer wankelmütig. Gott ist ganz klar ein Gott des Wortes und des Geistes. Das geht ja heute immer mehr verloren: Es wird ein emotionaler Gott angeboten und die Menschen kommen interessanterweise in Scharen! Der Geist der Ungerechtigkeit!

      Ich find es traurig! Unsere Lehre ist doch so gut und vertrauenswürdig! Unser Gott ist so ein guter Gott. Ich liebe diese klare, eindeutige und vertrauensvolle Botschaft! Ich weiß, woran ich bin und was er von mir will; etwas besseres kann ich mir gar nicht denken.

      Es lohnt sich, das mitzuteilen! Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, gegen Wände zu reden. Vielleicht ist ja einer dabei!
    • Daniels schrieb:

      Ich bin nicht sicher, ob Gott so kuschelig ist, wie ihn viele heutige Christen immer hinstellen. Kaum erwähnt jemand Gewalttaten Gottes oder etwas anderes, das man in einem gewaltfreien Kinderladen nicht tun sollte, schon steht ein Christ auf und erklärt, dass Gott so etwas natürlich nie tut. Ich habe den Verdacht, dass Gott dann immer im Sinne moderner bürgerlicher oder alternativer Vorstellungen reingewaschen und weichgespült dargestellt wird.


      Das Stimmt. Erweiternd habe ich schon den Gedanken gehört: Dieses oder jenes Schlimme lässt Gott (am Sabbat) nicht zu. Damit würde ich sehr vorsichtig sein. Für mich hat sich Gott vom AT zum NT nicht geändert. Er legt uns Segen oder Fluch vor und JEDER hat die Wahl. Ein göttliches Prinzip ist auch: Was der Mensch sät wird er enten. Gott bleibt seinen Worten treu. Es liegt an uns, was wir wählen. Die Entscheidung liegt bei mir allein und ich kann niemand dafür verantwortlich machen. Je mehr man sich Gott ehrlich öffnet, um so stärker wird das Vertrauen zu ihm.
      Die größte Herausforderung ist die ungeteilte Hingabe, die absolute Auslieferung, sich ohne Absicherung in Gottes Hände zu begeben. Ich übe mich darin und merke, wie das Vertrauen wächst.
      Religion ist das Bemühen des Menschen, seinem Gott zu gefallen: Aus sich selbst heraus. Echter und lebendiger Glaube an Jesus, ist Leben in seinem Geist und aus seiner Kraft.[/b]
    • Bemo schrieb:

      1. Wie sind diese zu verstehen?
      2. Ist es überhaupt möglich, dass nach dem Tot noch jemand was für (bzw. gegen) mich unternehmen kann?
      3. Wer hat in Vers 5 getötet? Warum könnte er dies getan haben? Wieso hat er nach dem er getötet diese Macht? Geht es hier im Satan oder Gott? Eigentlich hat ja nur Gott die Macht in die Hölle zu werfen, aber dann ist es auch der, der getötet hat?
      An dieser Stelle (Vers 5) als "Hölle" übersetzt verwendeter Begriff ist "Gehenna" und nicht "Hades"! Das ist für das Verständnis dieser Stelle wichtig.

      Hades.

      Dass "Hades" im eigentlichen Sinne den normalen menschlichen Tod, das Grab bzw. die Erde bedeutet, ist ersichtlich aus:

      (a) Apg 2,31 ist das Zitat aus Ps 16,10:

      Ps 16,10 Denn meine Seele wirst du dem Scheol nicht lassen, wirst nicht zugeben, daß dein Frommer die Grube sehe.

      Apg 2,27 denn du wirst meine Seele nicht im Hades zurücklassen, noch zugeben, daß dein Frommer Verwesung sehe.

      "Hades" ist also die griechische Übersetzung des hebräischen "Scheol". Scheol ist bekannterweise ein Ort bzw. Zustand aller Gestorbenen.

      (b) Parallele zwischen Tod und Hades: Off 1,18; Off 6,8; Off 20,13-14.

      (c) Das Gerichtsurteil über die Stadt Kapernaum, dass diese zerstört werden soll: Mt 11,23

      Ausnahme bildet die Stelle Lk 16,23, die die Bedeutung von "Hades" - ob das ein Ort des "normalen" Todes oder des ewigen Gerichts ist - nicht ganz erschließen läßt.

      Gehenna.

      "Gehenna" hingegen bezeichnet eindeutig einen Ort des ewigen Gerichts. Das Wort kommt immer im Zusammenhang mit einem Gericht vor:

      (a) Verharren in Sündentaten hat Gehenna als Folge: Mt 5,22.29.30; Mt 18,9; Mt 23,15.33; Jak 3,6.

      (b) "Gehenna" hat sich historisch als entgültiger, exekutiver Gerichtsort etabliert (siehe "Gehinnom" in Wiki).

      Bedeutung in Lk 12,5 (sowie Mt 10,28).

      Gott ist derjenige, der das Leben gibt und das Leben nimmt. Er ist die letzte Instanz, die über jedes Leben und das ewige Schicksal jedes Einzelnen verfügt. Schlimm ist es, wenn Gott entscheidet, dass jemand statt ewiges Leben ein ewiges Gerichtsurteil (Gehenna, Hölle) empfängt.

      Mt 10,28 ist hier etwas genauer in der Formulierung:

      "Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle."

      Man beachte, dass Gott nicht nur die "Seele" verderben vermag in der Hölle, sondern "sowohl Seele als Leib". Also ist vor dem Gericht in der Hölle der Leib (wieder) da. Diese Aussage ist allgemein und richtet sich auch an jene, die bereits des physischen Todes gestorben sind oder sterben würden.

      -> Daraus folgt, dass wenn jemand dem Gericht der Hölle übergeben wird, dann nach seinem physischen Tod und nicht schon vorher.

      -> Daraus folgt, dass der Mensch nach seinem Tod und vor der Hölle wieder einen Leib hat.

      -> Da aber im Zustand des Todes der Mensch keinen Leib hat, gibt es zwischen Tod und Hölle eine Auferstehung des Menschen, bei der dem Menschen wieder ein Leib verliehen wird.

      -> Gott verdirbt den Leib und die Seele in der Hölle. Ein Mensch verdirbt den Leib und macht ihn tot. Gott verdirbt den Leib in der Hölle und macht ihn ebenso tot! Weil Gott aber auch die Seele (zusammen mit dem Leib) verdirbt, so wird auch die Seele tot! Also ist diese Stelle nicht der Beweis für eine ewig existerende, sich quälende Seele, sondern ganz im Gegenteil - ein Seele, die wie der Leib des ewigen Todes stirbt.
      Dir wird wenig vergeben, wenn du wenig liebst. Dir wird viel vergeben, wenn du viel liebst. (Lukas 7,47-50)
    • In der Offenbarung Jesu Christi ist vom ersten und vom zweiten Tod die Rede.

      Kap. 2:10.11. Jesus hat den ersten Tod für uns überwunden, den Tod , dem alle Menschen von Adam an geweiht sind.

      Dem Überwinder/Jesus-Gläubigen wird kein Leid vom zweiten Tod geschehen.

      Symbolisch wird der erste Tod Kap.2:10. als "Gefängnis" Satans bezeichnet. Das ist, was die Bibel Scheol/Hades nennt.

      Der zweite Tod ist die Gehenna/Feuersee der endgültigen Vernichtung. Dieser war für die Griechen fast unvorstellbar, daher erfanden die "Kirchenväter" ein für immer brennendes Höllenfeuer. Hier wurden zwei unterschiedliche Begriffe vermischt, leider.

      Offenbarung 20 zeigt, dass erster Tod/erste Auferstehung (Gläubige) vor dem Millennium stattfinden, zweite Auferstehung und zweiter Tod nach dem Millennium.
    • Mit dem Wesen eines liebenden und barmherzigen Gottes ... n i c h t ... vereinbar!

      Jacob der Suchende schrieb:

      Schlimm ist es, wenn Gott entscheidet, dass jemand statt ewiges Leben ein ewiges Gerichtsurteil (Gehenna, Hölle) empfängt.
      Ein unendliches = ewiges Gerichtsurteil macht logisch gar keinen Sinn...

      Jacob der Suchende schrieb:

      den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle.
      Was heißt "verderben"?

      Jacob der Suchende schrieb:

      Gott verdirbt den Leib in der Hölle und macht ihn ebenso tot! Weil Gott aber auch die Seele (zusammen mit dem Leib) verdirbt, so wird auch die Seele tot!
      Das aber nur, wenn man nicht - wie die meisten Christinnen und Christen - davon ausgeht, dass die Seele bzw. Geist-Seele unsterblich ist...
      Leider gibt es diesen eschatologischen Strang in der Bibel: "ENDGÜLTIGE VERNICHTUNG!" = "ZWEITER TOD"!
      ===> Argument dagegen: Gott vernichtet das nicht, was ER aus Liebe erschaffen hat - sondern Er bringt es richtend wieder zu recht.

      freudenboten schrieb:

      Dieser war für die Griechen fast unvorstellbar, daher erfanden die "Kirchenväter" ein für immer brennendes Höllenfeuer.
      Natürlich eine schlimme IRRLEHRE, die aus dem liebenden und barmherzigen Gott einen schlimmen Sadisten machte...

      freudenboten schrieb:

      Der zweite Tod ist die Gehenna/Feuersee der endgültigen Vernichtung.
      Das hört sich zwar nicht ganz so grausam an wie "ein für immer brennendes Höllenfeuer" - ist aber nichts destotrotz mit dem Wesen eines liebenden und barmherzigen Gottes ... n i c h t ... vereinbar!