Der Film "Butterfly Circus"

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    • Der Film "Butterfly Circus"

      Ich habe gerade einen Film gesehen, den mir heute eine Arbeitskollegin empfohlen hat. Er heißt "Butterfly Circus." Nick Vujicic, ein Christ, der ohne Arme und Beine geboren wurde, spielt die Hauptrolle. Mir sind die Tränen gekommen...

      Viele von uns haben Behinderungen, manche sind deutlich zu sehen, andere sind trotz markellosem Körper vorhanden. Manches Mal behindern uns falsche Vorstellungen und ein falsches (Welt)Bild. Im richtigen Umfeld und durch die Liebe Gottes kann aus einem Kokon ein wunderschöner Schmetterling werden....

      Hier der Link:

      youtube.com/watch?v=3lCb5eI3Ngc

      "Der Unterschied zwischen dem, was wir tun,
      und dem, wozu wir fähig sind,
      würde die meisten Probleme dieser Welt lösen."

      Ghandi
    • Ich finde diesen Kurzfilm recht gut und inspirierend. Ergänzen möchte ich gleichwohl darauf hinweisen, dass in solchen Filmen, scheint mir, vielleicht eine zynische kapitalistische Grundhaltung versteckt ist. Ich habe verschiedene Menschen in Talkshows wie 3 nach 9 oder der NDR Talk Show sprechen sehen, die trotz schwerer Behinderungen außergewöhnlich frohgemut sind oder gemessen an ihrer Behinderung außergewöhnliches tun. Solche Auftritte rühren und ergreifen die Zuschauer ob der gewissermaßen heldenhaften Leistungen oder des anscheinend unverbrüchlichen Optimismuses dieser Behinderten. Mir kommen seit einer Weile, wenn ich derartige Auftritte ansehe und anhöre, Zweifel, ob dies wirklich konstruktive Botschaften sind, die Menschen mehr helfen als ihnen zu schaden; ich erkenne nämlich, dass es gute, gerne akzeptierte Menschen gibt. Das sind diejenigen, die alles lächelnd meistern und niemandem zur Last fallen. Ich nannte sie gelegentlich die "Hochleistungskrüppel", vielleicht wäre "Vorzeigebehinderte" noch zutreffender. Diese Personen bekräftigen unter der Hand den einseitigen Leistungswahn der kapitalistischen Industriegesellschaften. Ähnlich wie beim sogenannten "Positiven Denken" ist dann jeder, der nicht siegesgewiß staunenswerte Leistungen vollbringt, ein -- wie dumme neoliberalen Kapitalisten sich selbst weit überschätzend, zynisch und menschenverachtend sagen -- "Minderleister". Neben den unterhaltsamen Krüppeln und den Mitbürgern, die man bequem übersehen kann, weil sie brav funktionieren, gibt es dann zwangsläufig Menschen, die sich einfach mal mehr anstrengen und mehr lächeln sollten, damit sie niemanden anstrengen und an die menschliche Begrenztheit erinnern. Mit solchen Filmen wird leider unter Umständen unterschwellig und unbedacht auch eine unmenschliche Leistungideologie transportiert, die keineswegs natürlich und gegeben ist, sondern eine Ingredienz, eine ständige giftige Beigabe des modernen Kapitalismus mit seiner zwanghaften Fixierung auf "größer, schneller, weiter". Der Turm zu Babylon, wenn Ihr so wollt.

      Das wären ein paar Gedanken und beunruhigende Zweifel, die mich seit einiger Zeit beschäftigen, wenn ich tolle Behinderte präsentiert bekomme.
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Daniels ()

    • @Daniels: Deine Zweifel bestehen meiner Meinung nach zu Recht. Da ich sieben Jahre lang sehr aktiv Obfrau eines Vereines war, der sich um die Anliegen von sprechbehinderten Menschen gekümmert hat, habe ich in der Zeit gemeinsam mit anderen auch die erforderliche Medienarbeit gemacht. Ich habe das als Balanceakt erlebt, wo wir uns immer kritisch die Frage gestellt haben, aus welchen Motiven heraus Medien bei uns anfragen, bzw. welche Wirkung wir mit der einen oder anderen Berichterstattung erzielen werden. Beispielsweise haben wir einen möglichen Beitrag bei Help TV von Barbara Stöckl nach sorgfältiger Abwägung abgelehnt. Der Grund bestand darin, dass wir bei unserer Therapie eine geeignete Kandidatin/einen geeigneten Kandidaten liefern hätten sollen, der während der Therapie begleitet worden wäre. Genau so eine "Erfolgsstory" wollten wir aber partout nicht liefern, sondern allgemein für die Probleme sensibilisieren, die Menschen mit Sprechbehinderung haben. Wir haben kritisch hinterfragt, welche Wirkung es auf andere Betroffene hat, wenn wir eine "Vorher/Nachher"-Sicht mit durchschlagendem Therapieerfolg bieten, der nur in Einzelfällen erzielt werden kann. Jeder Mensch ist anders, der Schweregrad der Behinderung ist ein anderer, der Therapieerfolg kann nicht objektiv gemessen werden, sondern ist von Teilnehmer zu Teilnehmer subjektiv verschieden.

      Da unsere Therapie für Betroffene ab dem 14. Lebensjahr angeboten wurde, hatten wir auch Kontakt zu Eltern. Zuvor konnten wir bereits Erfahrung mit Eltern im Rahmen eines Sommercamps für Kinder und Jugendliche sammeln. Es muss gesagt werden, dass Eltern behinderter Kinder oft mehr Therapie benötigen würden, als die Kinder selbst. Nach Elternberatungsgesprächen war ich oft fix und fertig, ich habe da den Wert von Supervision erleben dürfen, da ich sonst die Probleme in meinem Alltag mit mir herumgetragen hätte, so erschütternd waren manche Gespräche. Wenn Eltern anfangen, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, können fröhlichen "Vorzeigekrüppel" zwei Dinge bewirken. Hoffnung machen, dass es das eigene Kind auch schaffen kann, aber auch einen immensen Erfolgsdruck aufbauen, dass man auch so weit kommen muss, obwohl die individuellen Voraussetzungen dafür vielleicht nicht gegeben sind, oder Erfolge erst viel später mit viel größeren Mühen erreicht werden können. Ich habe nicht selten Eltern erlebt, die bei Besuchen nur damit beschäftigt waren, andere zu beobachten, und die Beobachteten mit den eigenen Kindern zu vergleichen. Nicht selten erfolgten dann Fragen/Vorwürfe, wieso das eigene Kind das alles (noch) nicht erreicht hat. Und auch erwachsenen Menschen hilft es wenig, wenn sie selbst tief in ihren eigenen Problemen stecken, dass ihnen da fröhliche Vorbilder präsentiert werden, sozusagen mit eingebautem Hinweispfeil, sich doch auch gefälligst in diese Richtung zu entwickeln. Das ist nämlich die Gefahr dahinter, dass nur das Resultat präsentiert wird, und nicht der beschwerliche Weg, der bis zu diesem Resultat gegangen werden musste.

      Ganz anders in der Selbsthilfe, dort kann es ungemein inspirierend sein, wenn man Leute trifft, die schon einen beschwerlichen Weg hinter sich gebracht haben, von diesem auch erzählen, und damit Mut geben, dass man es selbst auch schaffen kann, wenn man sich auf den Weg macht. Dort werden idealerweise Misserfolgserlebnisse entsprechend aufgefangen und bearbeitet. Was für einen Moderator auch nicht leicht ist, weil man die "Erfolgreichen" einbremsen muss, was diese oft gar nicht verstehen können. Sie möchten ja oft erzählen, wie easy das alles für sie war, weil man am Ende den beschwerlichen Weg gerne vergessen möchte.