Zweifelhaftes Inspirations-Verständnis

    • Zweifelhaftes Inspirations-Verständnis

      1. Korinther 1,12+13:
      "12 Ich meine aber dies, dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der Dritte: Ich zu Kephas, der Vierte: Ich zu Christus.
      13 Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft?"

      Zitat von "Jakob der Suchende":
      >>Wenn E.G.White eine Prophetin ist, dann ist sie genau so eine Prophetin wie Jesaja, Jeremia, Apostel Paulus und Johannes.
      In diesem Fall sollte sie auf derselben Ebene stehen wie andere Propheten. Kann man etwa "Halb-Prophet" sein?<<
      Zitat Ende

      Da liegt ein fataler Trugschluß vor:

      1. Die Schriftpropheten sind von den nicht in der Schrift fest gehaltenen Propheten zu unterscheiden.
      Die Bibel erwähnt nicht umsonst mehrere Propheten namentlich sowie einige Namenlose ohne daß sie sonst mit Ihrer Botschaft in die Schrift eingegangen wären.
      Also macht schon die Bibel (und damit Gott) eine Unterscheidung zwischen dem was für uns wichtig ist und dem was nicht zwingend (zum hunderttausendsten Mal!) überliefert werden muß!
      Ähnliches wie für die Propheten gilt (offensichtlich und nachweisbar) auch für die Apostel.

      2. Ist die Bibel abgeschlossen und es gibt keine weitere allgemeinverbindliche Offenbarung mehr (das lernt man nicht nur auf adventischtischen Bibelschulen und theologischen Seminaren).
      Alles was noch kommen kann ist NUR dazu da, das was in der Bibel steht zu erklähren, zu erläutern
      oder als "gegenwärtige Wahrheit" zeitgemäß und zeitbedingt greifbar, für die Menschen verständlich oder "Step by Step" realisierbar zu machen.

      3. EGW selbst hat gesagt:
      - "Ich bin ein kleines Licht, daß zum großen Licht hinführt!"
      - "Wenn die Menschen ihre Bibel richtig lesen würden wäre ich garnicht nötig gewesen!" (sinngemäß)
      - und kurz vor Ihrem Tod bei einem der letzten öffentlichen Auftritte sagte Sie: "Liebe Geschwister ich empfehle Euch dieses Buch!" und hielt dabei die Bibel hoch.
      Damit wertet EGW die Bibel weit höher als ihre eigenen Schriften oder Ratschläge und Niemand kann behaupten EGW ernst zu nehmen der EGW auch nur versucht mit der Bibel gleich zu setzen!

      4. Der Umfang der EGW-Literatur übersteigt das Volumen der Bibel um das 10- bis 20-Fache weil darin sehr Vieles enthalten ist was keineswegs direkt einem "So spricht der HERR" entspringt
      sondern die persönliche Meinung von "Tante Ellen" war,
      situationsspezifisch aus einer persönlichen Botschaft bestand (deren Einzelheiten uns heute nicht mehr[ immer] bekannt sind)
      oder sich aus bestimmten Zusammenhängen und der Vernunft auch ohne direkte Inspiration logisch so ergibt oder ergab.
      Vieles was heute EGW zugschrieben wird stammt garnicht direkt aus ihrer Feder sondern sie war in einigen Zeitabschnitten im heutigen Sinne Herausgeberin oder Cheff-Redakteurin eines mehrköpfigen Redaktions-Teams, das wiederum über Quellen verfügte und diese nach damals üblicher Art (ohne Quellenangaben) zitierte.

      5. Glaubensverbindlich ist nicht EGW sondern unmittelbar und allein die Bibel selbst.
      Andernfalls hätte der Pabst möglicherweise durchaus Recht diese von Dir EGW zugeschriebene Inspiration zu beanspruchen!
      Nicht umsonst schließt die Offenbarung des Johannes mit den berümten Worten über das Weglassen oder Hinzufügen.
      EGW selbst hat sogar bei konkreten Inhalten ihrer Gesichte gesagt, daß die Dinge weg gelassen werden dürfen / sollen, die nicht direkt und klar aus der Bibel abgeleitet werden können.
      Sie hat diesen allgemeinen und hohen Anspruch also nicht einmal an sich selbst gestellt oder eingefordert und eine von der Bibel her ableitbare Theologie über ihre direkte Offenbarung gestellt!

      6. Dein extrem hoher Inspirationsanspruch wird nicht einmal allem gerecht was Paulus sagt, denn selbst er differenziert zwischen seiner eigenen Meinung und einem "So spircht der HERR"!

      7. "Wer an mich glaubt wie die Schrift sagt ..."
      Der Glaube muß sich auf JESUS (nicht auf EGW!) beziehen und schriftgemäß sein (also so wie der Autor / Herausgeber die Aussagen gemeint hat!) sonst ist es ein fehlgeleiteter IRRglaube und bedearf der Korrektur.
      - und genau das Hinweisen auf solche Irrungen (Felinterpretationen, Unkenntnis, Ignoranz ... ) war immer wieder der Auftrag der Propheten aller Kulturen und Zeiten.
      - Außerdem haben die Propheten in der Mehrheit ihrer Aussagen vor allem an bereits Bekanntes angeknüpft und den bereits offenbarten Willen Gottes in Erinnerung gerufen.
      - Das war vor EGW so, EGW selbst hat das so gesehen und es ist nach EGW auch nicht anders geworden.

      8. Jesus selbst hat in der Parabel vom "reichen Mann und armen Lazarus" gesagt:
      "Hören Sie 'Mose und die Propheten' nicht so werden sie auch nicht hören wenn einer aus den Toten aufersteht!"
      'Mose und die Propheten' ist ein bei den Juden, Pharisäern und Schriftgelehrten fest stehender Begriff: gemeint ist das AT!
      Damit ist schon das AT klar als hinreichende Informationsquelle zur Erlangung der Erlösung festgelegt.
      Damit muß das NT als modernere Ausgestalltung des bereits im AT bekannten Willens Gottes gesehen werden

      9. Schon im Micha 6,8 steht, daß uns Menschen alles notwendige offenbart ist:
      "Es ist Dir gesagt oh Mensch was gut ist und was der HERR von Dir fordert ..."
      Schon damals gab es also nichts prinzipiell Neues!

      Es liegt also nahe, daß Dein gesamtes Inspirations-, Propheten und Apostel-Verständnis, daß Deiner Äußerung zu Grunde liegt bzw. in ihr zu Tage tritt
      weder biblich noch (theo-)logisch,
      weder durch die Schrift noch durch EGW selbst
      bestätigt wird oder abgesichert ist und darum auch
      weder der Wahrheit noch den Fakten entsprechen kann.

      Darum ist ein anderes Inspirations-, Propheten udn Apostel-Verständnis notwendig!
      Eine beispielhafte Herangehensweise an das Thema der Inspiration als Grundvoraussetzung zum allgemeinen Offenbarungs-Verständnis kann man unter bibelarbeit.info/grundlagen_bibelauslegung.php einsehen.
      maranatha Stephan
      bibelarbeit.info
    • Diesen Informationen kann ich sehr viel abgewinnen!

      Vor allem stellen sie mir Ellen White an einem mir akzeptablen, wie auch sinnigen Platz in der Prophetie.

      Ich habe manchmal mit den verschiedenen Auslegungen der Bibel Schwierigkeiten. Aber mit dem Auslegen wollen von Whites Schriften komme ich dann gar nicht mehr klar.

      Mit diesen Informationen kann ich Ellen White sehr gut in das Prophetendasein einordnen. Ob richtig, muss ich erst noch intensiver begutachten.

      ***
    • RE: Zweifelhaftes Inspirations-Verständnis

      Stephan Zöllner schrieb:

      1. Korinther 1,12+13:
      "12 Ich meine aber dies, dass unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der Dritte: Ich zu Kephas, der Vierte: Ich zu Christus.
      13 Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft?"

      Zitat von "Jakob der Suchende":
      >>Wenn E.G.White eine Prophetin ist, dann ist sie genau so eine Prophetin wie Jesaja, Jeremia, Apostel Paulus und Johannes.
      In diesem Fall sollte sie auf derselben Ebene stehen wie andere Propheten. Kann man etwa "Halb-Prophet" sein?<<
      Zitat Ende

      Da liegt ein fataler Trugschluß vor:



      Hallo Stephan,

      ist das wirklich so? Kann aber auch sein, dass bei Dir ein Trugschluss vorliegt. Ich kenne keinen Schriftpropheten, der seine eigen Schriften in den MIttelpunkt gestellt hat um andere vorherige Schriftaussagen zu erniedrigen. Im Gegenteil alle waren sehr demütig so auch EGW.

      Paulus schrieb: Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.

      Hier stellt Paulus alle Schrift, von Gott eingeben auf eine Stufe! Wir verstehen ja nicht, dass diese Schriften von Gott diktiert wurden, sondern dass Menschen, die vom H.Geist erfüllt und geleitet wurden diese Schriften in ihrem Stil und Verständnis niederschrieben.

      Paulus kannte zur Zeit seiner Aussage das NT noch nicht, es gab es nicht. Erst Jahrhunderte später entschieden zweifelhafte Kirchenfürsten darüber, was als Gottes Wort gelten sollte.

      Zum Beispiel zur Zeit Jeremias, dachten die Juden genau so wie Du, wir brauchen Deine Schriften nicht, wir haben Moses Schriften, die sind alleine Gottes Wort für uns. Das wäre auch so gewesen,, wenn sie gehorsam gewesen wären. So ist es auch mit der letzten Gemeinde, Die Botin Gottes wäre nicht nötig gewesen, wenn Gottes Volk sich an Gottes Wort gehalten hätte.

      Was uns jetzt fehlt, der, der entscheidet was von EGW Göttlich und was menschlichen Ursprungs ist.
    • wach auf schrieb:

      So ist es auch mit der letzten Gemeinde, Die Botin Gottes wäre nicht nötig gewesen, wenn Gottes Volk sich an Gottes Wort gehalten hätte.

      Und genau das sage ich auch - ebenso wie es EGW (von sich selbst!) gesagt hat!
      Genau darum weise ich ja permanent darauf hin wie man die Bibel methodisch auszulegen hat (anstat sie zu mißbrauchen).

      Zum verstehen des Evangeliums oder Lesen der Bibel benötige ich eben die Bibel - ganz primär! Alles andere sind Hinweise und Hilfestellungen.
      Und reife Christen brauchen nicht viel mehr weil sie schon sehr viel verinnerlicht haben und die Grund-Zusammenhänge bereits kennen und leben, was übrigens auf die gerügten Zeitgenossen Jeremias auf keinen Fall zutraf weil sie mit doppelter Moral hantierten und Gottes gesetz durch ihre "Gesetzchen" und "Spielchen" aushebelten. Daran hat sich bis heute ncihts geändert. Desswegen ist es immer wieder erforderlich, daß "kleine Lichter" den weg zum "großen Licht" des Evangeliums ind Christus weisen.

      Ich habe für viele Jahre alle Bücher zur Seite gelegt und mich bewußt NUR auf die Bibel konzentriert um sie selbst sprechen zu lassen. Erst danach habe ich geprüft was in Bibellexika usw. stand ...
      Ich schätze die Schlichtheit und gleichzeitige Tiefe der Schrift mehr als alle anderen Bücher der Welt um so mehr!

      Die Geschichte der Kanonbildung ist ganz sicher nicht so abgelaufen wie Du das versuchst einseitig darzustellen ... aber das ist eine ganz andere Sache ...
      maranatha Stephan
      bibelarbeit.info