Wie motiviere ich Andere...

    • Wie motiviere ich Andere...

      Hallo,
      wie ihr sicher mitbekommen habt, gibt es aktuell in beiden deutschen Bibelgesprächsheften eine Umfrage. Sie müsste mittlerweile abgeschlossen und abgeschickt sein. Ich möchte diese jetzt aber nicht diskutieren, und auch nicht welches der beiden Hefte das "bessere" ist. Das geschah schon an anderer Stelle. Ich finde es gut, das es diese Umfrage gibt. Man könnte sowas viel öfter bzw. regelmäßiger durchführen (was aber mit Kosten verbunden ist...). Durch diese Umfrage möchte man objektiv mehr über die Bedürfnisse hinsichtlich der Gesprächsanleitung erfahren. Parallel dazu finden in letzter Zeit auch vermehrt Fortbildungen für Gesprächsleiter statt. Ich kann das nur unterstützen. Das Bibelgespräch im Gottesdienst möchte ich auf keinen Fall missen, und ich kann mir ehrlich gesagt auch keinen Gottesdienst ohne vorstellen. Viele andere Kirchen beneiden uns sogar darum. Wir haben z.B. Gäste aus der evangelischen Kirche bei uns, für die gerade das Bibelgespräch ein ausschlaggebender Punkt ist, weshalb sie zu uns kommen. Wenn man jedoch verschiedene Gemeinden besucht hat, wird man feststellt haben, dass die "Begeisterung" nicht überall gleich groß ist, was ich persönlich schade finde.

      Es gibt also ein unterschiedlich starkes Bedürfnis eines jeden Einzelnen nach "Bibelschule" oder "Bibelgespräche".
      Meine Fragen an euch sind jetzt:
      1. Wie kommt es, dass dieses Interesse unterschiedlich stark ausgeprägt ist?
      2. Wie wecke ich das Interesse am Bibelgespräch?
      3. Wie kann ich meine Geschwister motivieren täglich ihre "Lektion" zu machen?
      4. Wie sinnvoll haltet ihr es überhaupt täglich die Lektion zu machen?

      Ich gestehe, ich mache meine Lektion auch nicht täglich. Lese dafür aber andere Bücher. Bis jetzt bin ich noch jung und nervenstark, und schaffe die ganze Lektion am Freitagabend/Sabbatmorgen ;)

      Bin gespannt auf eure Antworten.
      Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

      Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • Du stellst richtige und wichtige Fragen, Bemo.

      Bemo schrieb:

      1. Wie kommt es, dass dieses Interesse unterschiedlich stark ausgeprägt ist?
      Das hat x verschiedene Gründe:

      .) Das Sabbatschulthema wird unter der Woche gar nicht studiert
      .) Manche reden einfach nicht gerne darüber
      .) Vielleicht hat man Angst für seine "einfache" biblische Ansicht schief angeschaut zu werden
      .) Der Gesprächsleiter stellt elendsfade Suggestivfragen (so wie sie leider oft im Sabbatschulheft abgedruckt werden)
      .) Das Bibelgespräch ist zu abgehakt, es ensteht kein Flow (Dienstag Abschnitt, Frage, Antwort, SCHNITT, Mittwoch Abschnitt, Frage, Atnwort, SCHNITT, ...)
      ...


      Bemo schrieb:

      2. Wie wecke ich das Interesse am Bibelgespräch?
      Indem du es zu einem praxisorientieren Gespräch machst, wo die Teilnehmer sich richtig frei fühlen können, über ihre theologische Erkenntnis und die Anwendung in der Praxis zu sprechen. Bei mir darf das Gespräch, solange es halbwegs im Rahmen ist, auch mal ausbrechen von der Vorgabe im Studienheft. Nicht zu weit, nicht zu extrem, aber schon auch.
      Früher mal habe ich auch am Sabbatnachmittag zum Feedback zur Sabbatschule eingeladen. Es kommt da zwar sicher nicht die ganze Gemeinde, aber für die Geschwister ist es enorm wichtig auch mal darüber zu sprechen was sie sich von der Sabbatschule eigentlich erwarten. Wenn man so eine Stunde unter dem Titel "Die Zukunft der Sabbatschule in unserer Gemeinde" setzt, dann kannst du sicher sein, dass die Bewahrer (früher war alles besser, was jetzt ist, wollen wir behalten) genauso kommen wie die Visionäre (früher war alles fad, jetzt ist alles grad mal ok, so: ... wäre es besser)


      Bemo schrieb:

      3. Wie kann ich meine Geschwister motivieren täglich ihre "Lektion" zu machen?
      Das ist wohl die größte Schwierigkeit. Schnippische Bemerkungen seitens des Gesprächsleiters in Richtung "Für alle, die den Wochenabschnitt durchgesehen haben, sollte das keine schwere Frage sein" oder "Hättet ihr die Wochenbetrachtung durchstudiert, ..." helfen da kaum. Oder höchstens dann, wenn man sie im richtigen Zusammenhang als ironisch-lustige Anspielung bringt. Ich kenne einen Prediger, der diese Technik perfekt beherrscht, der hat allerdings auch schon gefühlte 50 Jahre Erfahrung damit.


      Bemo schrieb:

      4. Wie sinnvoll haltet ihr es überhaupt täglich die Lektion zu machen?
      Sehr sinnvoll. Ich mach sie werktags täglich. Komischerweise am Sonntag, wo frei ist, nicht. Weiß auch nicht wie das kommt. Aber die Sabbatschule ist die tätliche Morgenandacht für mich.


      Bemo schrieb:

      Bis jetzt bin ich noch jung und nervenstark, und schaffe die ganze Lektion am Freitagabend/Sabbatmorgen ;)
      das finde ich nicht so gut. Es ist viel besser, wenn einem das Thema über die Woche ans Herz wächst und man diese Erfahrung auch in die Sabbatschule miteinbringt.

      bin schon gespannt auf weitere Antworten.
    • also meine Erfahrung war, dass es in erster Linie davon abhängig war, wie die zuvor am Gespräch beteiligten dann in der Pause zwischen Sabbatschule und Predigt diese "Erfahrung" an andere weiter gab. Ob sich eigentlich relativ frustriert waren, also das gemeinsame Gespräch "unfruchtbar" war, oder ob sie "erfüllt" aus diesem Gespräch kamen und sich dann mit anderen auch darüber unterhielten. Dies bekommen zwangsläufig auch die mit, die vorher nicht daran beteiligt waren. Und hier, so glaube ich kann man einen Motivationsschub bekommen, das nächste Mal dabei zu sein, und oder auch selbst das Sabbatsschulheft zu betrachten. Denn eine fruchtbare wohltuende Diskussion wird auch dann von außen wahrgenommen.

      Gruß
      Seeadler
    • tricky schrieb:

      Das hat x verschiedene Gründe:

      .) Das Sabbatschulthema wird unter der Woche gar nicht studiert
      .) Manche reden einfach nicht gerne darüber
      .) Vielleicht hat man Angst für seine "einfache" biblische Ansicht schief angeschaut zu werden
      .) Der Gesprächsleiter stellt elendsfade Suggestivfragen (so wie sie leider oft im Sabbatschulheft abgedruckt werden)
      .) Das Bibelgespräch ist zu abgehakt, es ensteht kein Flow (Dienstag Abschnitt, Frage, Antwort, SCHNITT, Mittwoch Abschnitt, Frage, Atnwort, SCHNITT, ...)

      Ja, das mag alles stimmen - aber meine Frage zielte eigentlich auf das grundlegendere Problem ab: Wieso scheinen die wenigstens Geschwister so wenig Interesse am (allgemeinen) Bibelstudium zu haben? Vielleicht täusche ich mich ja auch. Ich habe gehört, das in anderen Ländern das Bibelgespräch im Gottesdienst noch weiter in den Hintergrund getreten ist, als in Deutschland. Bei uns ist das Bibelgespräch, in Vergleich zu anderen (westlichen) Ländern, noch integraler Bestandteil des Gottesdienstes. Ich mache mir aber echt Sorgen (nicht primär um mich selbst), das es auch so in Deutschland wird. So eine Art optionales Bibelgespräch, für die, die sich dafür interessieren. Die Gründe dafür liegen doch viel tiefer, würde ich meinen. Besonders bei "Adventistenkindern" habe ich das Gefühl, das gerade die es sind, die wenig Interesse an der Bibel haben. Im Gegensatz dazu sind "Neulinge" wesentlich neugieriger. Das ist in gewisserweise auch nachvollziehbar, birgt aber auch eine Gefahr: Manchmal haben die "Neulinge" mehr Ahnung von der Bibel, als die Adventistenkinder, weil diese sich auf dem, von ihrem Elternhaus übermittelt Wissen, ausgeruht haben. Das ist bestimmt nicht überall so, aber ich glaube diese Tendenz ist prinzipiell da.
      Meine Vermutung, wenn jemand kein Interesse am Bibelgespräch hat, dann:
      ... interessiert er sich momentan für ein anderes biblisches Thema mehr
      ... ist er nur aus "Gewohnheit" im Gesprächskreis
      ... hat er ist einfach nur "faul" und will im Gesprächskreis durch einfaches zuhören lernen

      tricky schrieb:

      Indem du es zu einem praxisorientieren Gespräch machst, wo die Teilnehmer sich richtig frei fühlen können, über ihre theologische Erkenntnis und die Anwendung in der Praxis zu sprechen. Bei mir darf das Gespräch, solange es halbwegs im Rahmen ist, auch mal ausbrechen von der Vorgabe im Studienheft. Nicht zu weit, nicht zu extrem, aber schon auch.

      Früher mal habe ich auch am Sabbatnachmittag zum Feedback zur Sabbatschule eingeladen. Es kommt da zwar sicher nicht die ganze Gemeinde, aber für die Geschwister ist es enorm wichtig auch mal darüber zu sprechen was sie sich von der Sabbatschule eigentlich erwarten. Wenn man so eine Stunde unter dem Titel "Die Zukunft der Sabbatschule in unserer Gemeinde" setzt, dann kannst du sicher sein, dass die Bewahrer (früher war alles besser, was jetzt ist, wollen wir behalten) genauso kommen wie die Visionäre (früher war alles fad, jetzt ist alles grad mal ok, so: ... wäre es besser)

      Ich habe teilweise die umgekehrte Erfahrung gemacht - aber ist wohl jeder Gesprächskreis anders ;) Erfahrungsgemäß kommen bei uns mehr Antworten, wenn man Fragen zum Text oder zur Theologie stellt. Wenn man praktische Fragen stellt, wird lieber geschwiegen...weshalb auch immer. Dann gibt es wiederum bei uns Geschwister, die darauf pochen, systematisch die "ganze Woche" durch zugehen. Wenn man das nicht tuhen würde, würde sie es nicht mehr motivieren, alles zu machen. Man muss auch sehr vorsichtig sein, wenn man ein "freies" Gespräch anfängt, weil es auch im Stammtischgespräch enden kann - was ich persönlich immer vermeiden möchte. Freies Gespräch ja, aber dann bitte am Text orientiert. Ich finde die Idee gut, das Thema Bibelschule in einer Gemeindestunde zu besprechen.

      tricky schrieb:

      Das ist wohl die größte Schwierigkeit. Schnippische Bemerkungen seitens des Gesprächsleiters in Richtung "Für alle, die den Wochenabschnitt durchgesehen haben, sollte das keine schwere Frage sein" oder "Hättet ihr die Wochenbetrachtung durchstudiert, ..." helfen da kaum. Oder höchstens dann, wenn man sie im richtigen Zusammenhang als ironisch-lustige Anspielung bringt. Ich kenne einen Prediger, der diese Technik perfekt beherrscht, der hat allerdings auch schon gefühlte 50 Jahre Erfahrung damit.

      Hier sieht man, wer die Gabe der Gesprächsleitung hat. Vielleicht sollte die Gemeinde mehr darauf achten. Und vielleicht sollte sich jeder mal als Gesprächsleiter ausprobieren dürfen. Das geht aber sicher nur, wenn es eine sehr vertraute und gute (familiäre) Atmosphäre in der Gemeinde gibt. Alles setzt aber in gewisser Weise eine Begeisterung für die Bibel vorraus, die irgendwie geweckt werden muss.

      tricky schrieb:

      Sehr sinnvoll. Ich mach sie werktags täglich. Komischerweise am Sonntag, wo frei ist, nicht. Weiß auch nicht wie das kommt. Aber die Sabbatschule ist die tätliche Morgenandacht für mich.

      Das finde ich beneidenswert. Ich muss mir das auch irgendwie angewöhnen... ;)
      Ich will nochmal zurück auf die Umfrage des akutellen Heftes eingehen. Dort gibt es ja auch eine ähnliche Frage dazu. Womöglich wird das konzept der deutschen Lektion verändert, wenn nur die wenigstens das "Wochentags-Konzept" auch tatsächlich nutzen. Das fände ich auch durchaus ehrlich, wenn dem so ist. Dann lässt man die Wochentagsbezeichnungen weg und nummeriert die Seiten ganz ehrlich einfach nur durch ;)

      Seeadler schrieb:

      also meine Erfahrung war, dass es in erster Linie davon abhängig war, wie die zuvor am Gespräch beteiligten dann in der Pause zwischen Sabbatschule und Predigt diese "Erfahrung" an andere weiter gab. Ob sich eigentlich relativ frustriert waren, also das gemeinsame Gespräch "unfruchtbar" war, oder ob sie "erfüllt" aus diesem Gespräch kamen und sich dann mit anderen auch darüber unterhielten. Dies bekommen zwangsläufig auch die mit, die vorher nicht daran beteiligt waren. Und hier, so glaube ich kann man einen Motivationsschub bekommen, das nächste Mal dabei zu sein, und oder auch selbst das Sabbatsschulheft zu betrachten. Denn eine fruchtbare wohltuende Diskussion wird auch dann von außen wahrgenommen.


      Ja! Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Man muss einfach nur darüber reden, wie interessant und spannend das aktuelle Thema ist. Vielleicht liest dann der ein oder andere mal nach. Ich hatte mir auch schon überlegt, so eine Vorschau für die kommende Woche zu machen - so eine Art "Trailer", bewusst spannende und offene Fragen zum nächsten Thema stellen am Ende des Bibelgesprächs. Vielleicht motiviert das ja :)
      Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

      Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • Ich hatte mir auch schon überlegt, so eine Vorschau für die kommende
      Woche zu machen - so eine Art "Trailer", bewusst spannende und offene
      Fragen zum nächsten Thema stellen am Ende des Bibelgesprächs. Vielleicht
      motiviert das ja :)
      ´ne tolle Idee! Vielleicht solltest du dies aber nicht im "intimen Kreis" ankündigen, also nicht innerhalb eurer Gesprächsrunde, sondern in der Zeit zwischen dem Sabbatschulunterricht und der Predigt. Also ein Hinweis zugleich auch für andere, um deren Interesse eventuell zu wecken, sich dazu zu gesellen.... es sei denn, du hast das damit auch gemeint?!
      was natürlich auch immer förderlich und hilfreich ist, wenn die Predigt auf das vorangegangene Bibelgespräch irgendwie mit eingeht. Selbst wenn der Prediger ein anderes Thema anvisiert hat, so kann er doch gegebenenfalls ein wenig von dem Gespräch zuvor mit einfließen lassen. Hängt sicherlich auch von der Versiertheit des Predigers ab, aber in der Regel kann sich da auch der Prediger auf den Heiligen Geist verlassen, der ihm dabei behilflich ist (meine Erfahrung)

      Gruß
      Seeadler

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    • Bemo schrieb:

      1. Wie kommt es, dass dieses Interesse unterschiedlich stark ausgeprägt ist?
      • Zuerst einmal, weil auch Menschen die den Gottesdienst besuchen unterschiedlich motiviert sind, bzw. u.U. in Glaubenskrisen oder "Lauheit" sind
      • Vielleicht auch, weil man nicht mehr mit dem Anspruch kommt, etwas zu "lernen" - statt Sabbatschule meint man ja "Gesprächsgruppen" machen zu müssen (=deutlich unverbindlicher)
      • daraus folgt auch, dass jeder am "Gespräch" mitwirken kann (bzw. zu können meint), ob vorbereitet oder nicht
      • man ist auch in der Form "locker" schiebt Sessel herum um im Kreis sitzen zu können und macht dann eine mehr oder weniger nette Gesprächsrunde
      • die weitere Folge ist, dass man geistlich gesehen an der Oberfläche bleibt und es "uninteressant" wird
      • die Lektionen selbst (nach meinem Empfinden) in den letzen Jahren häufig an "Substanz" mangeln, das aktuelle Viertel finde ich z.B. ziemlich schwach


      Bemo schrieb:

      2. Wie wecke ich das Interesse am Bibelgespräch?
      Indem ich zeige, was mich selbst am Wort Gottes fasziniert, was dieses Wort in meinem Leben bedeutet und die Lektion nicht "problemorientiert" oder "Teilnehmerorientiert" sondern "bibelzentriert" halte - als LEHRER! Mit dem Anspruch, den Teilnehmern etwas zu vermitteln und mitzugeben für ihr tägliches Leben.


      Bemo schrieb:

      3. Wie kann ich meine Geschwister motivieren täglich ihre "Lektion" zu machen?
      4. Wie sinnvoll haltet ihr es überhaupt täglich die Lektion zu machen?
      Für mich ist das kein Ziel. Im Gegenteil, ich mache selbst die Lektion "in einem" da bleiben die Zusammenhänge klarer. Zur täglichen Andacht verwende ich anderes Material.



      Bemo schrieb:

      Bis jetzt bin ich noch jung und nervenstark, und schaffe die ganze Lektion am Freitagabend/Sabbatmorgen ;)

      Sabbatmorgen wäre mir zu knapp, da bliebe ich selbst nur an der Oberfläche (schlafe lieber länger)...
      .
      Liebe Grüße, Heimo