Der Leonardo-Code

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    • Der Leonardo-Code

      Gestern lief auf dem Sender Phoenix eine Dokumentation die sich mit Leonardo da Vinci und besonders mit dem von ihm gemalten letzten Abendmahl auseinandersetzt und unter anderem besonders der Frage nachgeht, wie Leonardo da Vinci Jesus sah.

      Sowohl Leben als auch Werk des Universalgelehrten und berühmten Renaissancekünstlers Leonardo da Vinci sind voll von Unklarheiten und Vermutungen und seit Jahrhunderten in einen Nebel der Spekulationen gehüllt.

      Der Filmemacher Rudij Bergmann versucht in seinem 90minütigen [...] Dokumentarfilm dem [...] Mann aus Vinci auf die Spur zu kommen. Für ihn liegt der Schlüssel [zu] Leonardo in dessen malerischem Werk. Und allem voran, in seinem bekannten Wandbild "Das letzte Abendmahl", das im Refektorium [Speisesaal] des Klosters Santa Maria delle Grazie in Mailand zu finden ist.
      Quelle: SWR Fernsehen: Kulturdokumentationen: "Wer war Leonardo da Vinci wirklich?: Der Leonardo-Code."

      Rudij Bergmann will den Leonardo-Code knacken und setzt dazu alle Wissenschaft mit ein. In „Miniaturvorlesungen“, wie er sie selbst versteht, werden Statements weltberühmter Forscherinnen und Forscher in Religionsphilosophie, Kunsthistorie, Neurobiologie und Kirchengeschichte geliefert und formen somit Antwort an Antwort, aber auch neue Fragen.


      Die Dokumentation ist an vielen Stellen sehenswert, teilweise sehr sachlich und insofern recht informativ; insbesondere durch die meisten der eingefügten Stellungnahmen von Wissenschaftlern. Insofern kann ich diese Dokumentation empfehlen. Zu weit gingen mir die auf Vermutungen beruhenden Auslegungen von Leonardos Abendmahl, allerdings setzt sich die Dokumentation mit schon kursierenden Spekulationen auseinander, für meinen Geschmack jedoch nicht nüchtern genug.

      Beispielsweise wird Jesus in dem Gemälde als einsam bezeichnet. Auch wenn man fraglos auch unter Menschen einsam sein kann, so stellt das Gemälde Jesus trotzdem beim Pessachmahl mit den von ihm erwählten 12 Jüngern dar. Ich bezweifle, daß man dies zweifelsfrei als Einsamkeit bezeichnen darf, wiewohl im Bild die meisten Jünger sich gerade nicht an Jesus wenden und Jesus in sich gekehrt zu sein scheint. Ähnlich wird konstatiert, Johannes wende sich von Jesus ab und sei ihm in diesem Gemälde fern. Auch wenn er in anderen Gemälden durch eine Fehlinterpretation der Texte meist ganz nahe bei Jesus (mehr oder weniger an dessen Brust liegend) dargestellt wird, kann man von jemandem, der etwa einen halben Meter von Jesus steht, ohne daß zwischen ihm und Jesus jemand anderes platziert ist, kaum sagen, er sei Jesus in diesem Moment sehr fern, das ist schlicht eine subjektive Auslegung, wenn nicht gar eine grobe Übertreibung; fern ist etwas ganz anderes. Solche Beobachtungen und Auslegungen in dem Film mag man subtil finden, man kann aber auch sagen, damit werde aus einer Mücke ein Elefant gemacht und kaum, daß der Elefant erwähnt wurde, werde gleich zu einem Festschmaus eingeladen, bei dem dessen Fleisch verspeist werden soll. Möglicherweise geht dann in Wahrheit mancher hungrig nach Hause, weil es keinen echten Elefanten gibt.


      Die Dokumentation zurzeit auf Youtube (Ich vermute nicht mehr lange.):



      Der Sender Phoenix zeigt die Dokumentation nochmals heute, am 5. Februar 2012, um 18 Uhr 30.

      Grüße
      Daniels
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

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    • Micha Brumlik: Religiöse Strömungen zur Zeit Jesu

      Die bekanntesten religiösen Gruppen knapp charakterisiert durch Mischa Brumlik, einen jüdischen Autor und Universitätsprofessor:

      Vor 2000 Jahren, zur Zeit Jesu und zur Zeit des römischen Kaisers Augustus, lebte das jüdische Volk in jener Provinz, die damals noch Judäa und noch nicht Palästina hieß, unter einer brutalen, ausbeuterischen römischen Fremdherrschaft. Unter diesen Umständen entwickelten sich im jüdischen Volk unterschiedliche politisch-religiöse Strömungen. Die Strömung der Tempelpriesterschaft, der Sadduzäer, setzte auf einen politsch-diplomatischen Ausgleich mit den Römern. Die Pharisäer setzten auf religiöse Innerlichkeit und religiöse Autonomie. Die Zeloten wiederum, häufig jüdische Menschen aus den ländlichen Gebieten, die besonders unter der römischen Steuerpolitik zu leiden hatten, setzten auf einen gewaltsamen Aufstand im Glauben an einen politischen Messias, einen von Gott verheißenen gesalbten, messianischen König. In der Jesusbewegung selbst trafen mindestens die pharisäische und die zelotische Strömung zusammen. Es zeigte sich allerdings schnell, daß dies nicht das Programm von Jesus aus Nazareth gewesen ist, er war ein apokalyptischer Prediger, der der Meinung war, daß durch Umkehr und Buße ohnehin das Himmelreich sehr schnell nahen würde und damit die römische Fremdherrschaft gewissermaßen automatisch zum Ende kommen würde, einfach deswegen, weil die weltliche Geschichte ohnehin ihrem Ende entgegengehen würde.
      Quelle: Mitschrift der Stellungnahme in der Filmdokumentation "Der Leonardo Code"

      Micha Brumliks kurze Stellungnahme im Film selber. (Ton und Bild.)

      Die Charakterisierungen mögen nicht überraschen, sie sind aber gleichwohl klar ausgedrückt und meines Wissens zutreffend.

      Grüße
      Daniels
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      1. Thessalonicher 5, 21.22

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      5. Mose 30, 19
    • Jüdische Rabbis immer verheiratet?

      Der Film stellt auch eine mir recht steil vorkommende, unzureichend begründete These auf: Jüdische Rabbis hätten praktisch immer eine Frau, deshalb müsse auch Jesus eine Frau gehabt haben. Das wird im Film so formuliert:

      [...] das Abendmahl verweist darauf, dass wir in Jerusalem, im Zentrum des Judentums, sind, und dort versammeln sich jedes Jahr zu Pessach, zu Ostern also, Juden, um des Auszugs aus Ägypten zu gedenken, am Sederabend. Und genau das tut auch der Rabbi Joschua, alias Jesus, mit seinen jüdischen Anhängern. In der jüdischen Welt wird bis zum heutigen Tag kein Rabbi ohne Ehefrau für voll genommen. Wie hätte da Jesus Messias sein können, ohne Frau?! Niemand hätte ihm auch nur zugehört, wäre ihm nachgefolgt. Jesus ernst nehmen, bedeutet, zu unterstellen, dass er eine Gefährtin hat und diese am Sederabend teilnimmt.
      Quelle: Transskript eines Kommentars aus der Filmdokumentation "Der Leonardo Code"

      Die entsprechende Stelle im Film (Bild und Ton.)

      Grüße
      Daniels
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

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