Alter der Evangelien

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    • Alter der Evangelien

      Hallo,

      ich habe gelernt und immer wieder gelesen, dass das Markusevangelium das zuerst geschriebene der vier kanonischen Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) sei. Nun bin ich drauf und dran, mir zum Monatsende ein weiteres Buch über das Neue Testament zu bestellen; lese aber eben in einem Textauszug:

      Zeit und Ort der Abfassung

      Das Evangelium enthält keine Angaben dazu, jedoch weist das Zeugnis der Kirchenväter darauf hin, dass es nach dem Matthäusevangelium entstand und deshalb die Reihenfolge der heutigen Bibeln korrekt ist.

      Wieso lese ich sonst überall, dass das Markusevangelium das älteste sei? Das wird doch auch nicht aus der Luft gegriffen sein.

      Grüße
      Daniels
      --
      PS: Bei Wikipedia finde ich: "Die vier neutestamentlichen Evangelien" (Mit einer Tabelle über verschiedene Ansichten zur Entstehungszeit der vier kanonischen Evangelien.)
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

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    • Nach meinem Wissen ist es, vereinfacht dargestellt, so dass das Markusevangelium als das kürzeste der drei synoptischen Evangelien als das ursprünglichste gilt, das als Quelle für Matthäus und Lukas herhalten musste, die es jeweils ausschmückten... *kopfschüttel*

      Wuppertaler Studienbibel, Markus schrieb:

      Es wurde schon vorausgesetzt, daß Markus unser ältestes Evangelium ist und dem Matthäus und Lukas als eine ihrer Vorlagen diente. Diese Behauptung des zeitlichen Vorsprungs des Markus soll jetzt in Kürze gerechtfertigt werden. Die Aufarbeitung aller Argumente für und wider wäre eine Lebensarbeit.
      Erstens spricht die Reihenfolge der Einzelberichte in den synoptischen Parallelen dafür. In der Vorgeschichte Jesu gibt es zwischen Matthäus und Lukas keine Parallelen, aber sobald sie mit Johannes dem Täufer beginnen, beginnen auch ihre Gemeinsamkeiten, immer parallel zu Markus. Zwar verläßt mal der eine, mal der andere die Ordnung des Markus, um aus eigenen, zusätzlichen Quellen zu schöpfen. Sobald sie sich aber wieder begegnen und parallel berichten, tun sie es wieder nach der Abfolge des Markus und in Anlehnung an seinen Text. Sobald Markus ihnen aber "ausgedient" hat, nämlich bei seinem letzten Vers Mk 16,8 (V.9-20 sind Anhang), hören auch ihre Gemeinsamkeiten auf. Daraus, daß sie untereinander übereinstimmen, wenn sie mit Markus übereinstimmen, und voneinander abweichen, sobald sie von Markus abweichen, folgt, daß Markus beiden als Leitfaden diente.
      Das andere starke Argument für die zeitliche Priorität des Markus liefert der sprachliche Vergleich der parallelen Stücke. An zahlreichen Stellen haben Matthäus und Lukas den feineren Ausdruck und auch den glatteren Gedankengang. Nur drei Beispiele zum Sprachgebrauch:
      Da ist zunächst das volkstümliche "und" (das parataktische "und"), das Sätze oder Satzteile einleitet und dadurch einförmig nebeneinander stellt, wo gehobene Sprache "und zwar, während, aber" u.ä. setzen würde. Man überprüfe diese Art Sätze z.B. in 7,31-37. Dieser kunstlos anfügende "und"-Stil, bei Markus Normalfall, wird von den anderen Evangelisten an Hunderten von Stellen auf eine sprachlich höhere Ebene gehoben. Das satzeinleitende "und" ist eben Merkmal der urwüchsigen, aramäischen Sprache, in der die Jesusüberlieferung begann, und so erzählt auch heute noch das Kind.
      Ähnlich steht es mit dem volkstümlichen Präsens in Vergangenheitsbedeutung (Präsens historicum). Bei Markus findet es sich rund 150mal, bei Matthäus nur noch an die Hälfte der Stellen, während Lukas es bis auf eine Ausnahme ausgemerzt hat.
      Schließlich sind da bei Markus die Ausdrücke der Umgangssprache, die Matthäus und Lukas gern durch literarische Vokabeln ersetzt haben. Die "Matte" (krabbaton) in Mk 2,4.11.12 wird bei Lukas eine "Liege" (klinä, klinidion; 5,18.19.25). Bei den späteren Evangelisten fehlen z.B. auch die Verniedlichungsformen des Markus (Diminuative) wie "Fischlein" in Mk 8,7, "Sandälchen" in 6,8 oder "Öhrlein" in 14,47. - Was die Glättung des Gedankenganges anbetrifft, beachte man die Satzumstellungen, Ergänzungen und Fortlassungen bei Matthäus und Lukas.
      Ist es nun denkbar, daß jemand, dem schon der gehobene und gefällige Text vorliegt, diesen so bearbeitet, daß daraus eine holprige und umständliche Darstellung wird? Doch wohl kaum. Weil das nicht wahrscheinlich gemacht werden kann, halten die meisten Forscher das Markusevangelium für das älteste der Evangelien.
      Doch ohne einen Dämpfer geht es für diesen Standpunkt nicht ab. Die These ist nämlich nicht in allen Fällen glatt durchzuhalten. Darum will die synoptische Frage trotz eines beispiellosen Gelehrtenfleißes nicht zur Ruhe kommen. Besonders englische und katholische, aber neuerdings auch wieder protestantische Ausleger sehen Gründe, dennoch Matthäus für den ältesten zu halten, übrigens in Übereinstimmung mit dem einhelligen Zeugnis der Kirchenväter und unterstützt durch sprachliche Beobachtungen. Wahrscheinlich ist das gegenseitige Verhältnis der Synoptiker nie mehr völlig durchsichtig zu machen. Vieles bleibt im Dunkel unseres Nichtwissens verschlossen. Darum läßt sich jede Lösung nur unter Vorbehalt anbieten.
      Übrigens ist die Verwertung des Markus durch Matthäus und Lukas so vollständig, daß das Markusevangelium bis auf etwa 30 Verse in den beiden späteren Evangelien wiederkehrt. Trotzdem verschwand es nicht wie die anderen Quellenschriften. Das spricht für sein hohes Ansehen, eben für das Ansehen des dahinter stehenden Petrus. Markus hat rasch, über Rom und Italien hinaus, Maßstäbe gesetzt, auch für die Gemeinden des Ostens, wo Matthäus und Lukas gearbeitet haben. Im 2. Jh. geriet es allerdings hinter den beiden vollständigeren und irgendwie auch großartigeren Evangelien in den Schatten. Bis in die Neuzeit hinein existierten nur wenige Markuskommentare. Weit häufiger abgeschrieben und ausgelegt wurden Matthäus und Lukas.
      Liebe Grüße, Heimo

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von HeimoW ()

    • @HeimoW: Danke! Genau so sehe ich es auch.

      HeimoW schrieb:

      Nach meinem Wissen ist es, vereinfacht dargestellt, so dass das Markusevangelium als das kürzeste der drei synoptischen Evangelien als das ursprünglichste gilt, das als Quelle für Matthäus und Lukas herhalten musste, die es jeweils ausschmückten... *kopfschüttel*

      Die Textkritik geht sogar so weit, dass es dieses angebliche "Ur-Markus-Evangelium" in 2 Versionen gab. Eines hiervon hätte Matthäus als Vorlage und das andere Lukas als Vorlage gehabt...
      Auf die Idee, dass getrieben vom Heiligen Geist alle drei Synoptiker (=Matt., Mk. u. Luk.) das jeweilige schriftliche Evangelium ohne Abschrift von einem anderen Synoptiker erstellten ist eben für diese Textkritiker nicht mehr "glaubwürdig"... (1.Kor. 3,19)

      @Daniels:

      Meine Meinung:
      1.) Matthäus, Markus und Lukas wurden vor der Zerstörung Jerusalems (70 v.Chr.) geschrieben, möglicherweise auch vor dem Martyrium der Apostel Paulus und Petrus (beide um ~65 v.Chr.).
      2.) Diese synoptischen Evangelien wurden ab vielleicht 50 n.Chr. verfasst.
      3.) Matthäus war möglicherweise der Erste (oder doch Markus+Petrus?)

      PS: siehe dir nur mal die englische Version und die möglichen Ansätze zu Jahreszahlen deines wiki-Artikels an:
      en.wikipedia.org/wiki/Gospel#Dating
      de.wikipedia.org/wiki/Evangeli…estamentlichen_Evangelien

      Lg, franz
      .

      »Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei!« (Johannes 8:36)

      »Ich (Jesus) bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge!« (Johannes 10:10b)
    • „Die Evangelien über Jesus Christus sind die Wahrheit!”

      Meine Meinung ist die folgende:
      1. Markus der identisch mit dem Johannes Markus im Neuen Testament [Apg 12,12.25/ Apg 13,5.13(HfA)/ Apg 15,37/ Apg 15,38(HfA)] ist, soll der Übersetzer des Petrus ins Griechische gewesen sein, sodass er also von einem Augenzeugen Jesu Informationen aus erster Hand gehabt hat für die Verfassung seines Evangeliums. In Apg.13,13 finden wird einen versteckten Hinweis, auf die Zeit wann er das erste Evangelium im NT verfasst hatte: „Paulus und seine Begleiter bestiegen in Paphos ein Schiff und fuhren nach Perge in Pamphylien. Dort trennte sich Johannes Markus von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück.” ----> Warum ist Markus nach Jerusalem zurückgekehrt? Ganz einfach, um sein Evangelium zu verfassen! Dies war um 47/48 n.Chr. ----> damit gehört das Markus-Evangelium zusammen mit den Paulusbriefen an die Thessalonicher (um 48 n.Chr. verfasst) zu den ältesten Schriften im NT.
      2. Matthäus ist der Apostel Jesu, Matthäus Levi [Mk 2,14/ Mk 2,15(HfA)/ Lk 5,27-29], der sein Evangelium besonders für die Juden und Judenchristen um 60 n.Chr. geschrieben hatte. Hier bin ich der selben Meinung wie der Neutestamentler John Arthur Thomas Robinson (1919-1983).(---> siehe in: Wikipedia – "Die vier neutestamentlichen Evangelien" ) Als Zollbeamter, der Mätthaus Levi gemäß dem Markus - und Lukasevangelium war, ist anzunehmen, dass Matthäus daher auch der Griechischen Weltsprache mächtig war.
      3. Lukas der Arzt war (Kol 4,14), der ein Mitarbeiter des Paulus war (2Tim 4,11/ Phlm 1,24) muss vor dem Tode des Paulus, der im allgemeinen auf das Jahr 65 n.Chr. datiert wird, bereits gestorben sein. Warum? Weil er, hätte er das Evangeliöum erst in der Zeit zwischen 80 - 90 n.Chr. verfasst, wie die herrschende Meinung der Theologen dies vertritt, so hätte er garantiert in seiner Apostelgeschichte, die er auch verfasst hatte (man spricht auch vom Lukanischen Doppelwerk von Evangelium und Apostelgeschichte), von der Enthauptung des Paulus 65 und vom Tode von Petrus 67 n.Chr. in Rom berichtet! Da dies nicht der Fall war, müsste man sein Doppelwerk auf das Jahr 63/64 n.Chr. datieren. Als Arzt war er auch der Griechischen Sprache mächtig.
      4. Johannes Zebedäus, auch wie Matthäus Levi ein Apostel von Jesus, ist der jüngste der Evangelisten, der sein Evangelium, das in vielem sehr unterschiedlich zu den 3 sogen. synoptischen Evangelien ist - es ist viel theologischer, was man schon in den ersten Versen (Joh.1,1-14) erkennen kann -, um 90 n.Chr. verfasst haben wird. Hier kann dem Neutestamentler Werner Georg Kümmel (1905 -1995) zugestimmt werden, der das Evangelium in die Zeit von 90–100 verortet. (---> siehe auch in Wikipedia – "Die vier neutestamentlichen Evangelien" ). Johannes (~ 10 - 105 n.Chr.), der laut christlicher Tradition mit Maria der Mutter Jesu nach Ephesus gezogen war, wird hier dann wohl auch Griechisch gelernt haben. Interessant ist aber die Auffassung von Prof. Klaus Berger (*1940), der das Johannesevangelium auf das Jahr 68/69 n.Chr. datiert; diese sehr frühe Datierung Bergers wird wohl daher rühren, dass das Griechisch im Evangelium ein besseres Griechisch sei, als das der Offenbarung, die auch vom Apostel Johannes verfasst worden war. Zwischen Abfassungszeit des Evangeliums - laut Berger - 68 und Abfassungszeit der Offenbarung - ca. um 95 liegen somit 27 Jahre; im Alter - bei Abfassung seiner Offenbarung auf Patmos war Johannes dann immerhin schon 85 Jahre alt, habe Johannes vieles von seinen Griechischen Kenntnissen wieder verlernt; ---> dadurch könnte daher das "holperige" Griechisch der Offenbarung erklärt werden. Bergers These von der frühen Verfassungszeit seines Evangeliums erscheint daher durchaus plausibel. Allerdings datiert aber Berger auch die Offenbarung in das selbe Jahr 68/69 wie das Evangelium (?); aber in dieser Zeit wird uns von keiner Christenverfolgung berichtet! ---> Daher wird des Johannes Verbannung richtigerweise in die Regierungszeit des Kaisers Domitian (81-96 n.Chr.) verortet, weil es unter Domitian eine schlimme Christenverfolgung gab. Auch das unterschiedliche Griechisch der Offenbarung spricht daher gegen Bergers frühe (68/69) Datierung der Offenbarung!
      Fazit: Da somit die Evangelien von 2 Aposteln Jesu (Mätthaus + Johannes) also von direkten Augenzeugen des Lebens Jesu verfasst worden sind und von einem weiteren (Petrus) dem Markus berichtet wurde und der Arzt und Historiker Lukas „alles genau erkundet hatte” (Luk.1,3) kann die absolute historische Wahrheit der Evangelien-Berichte als höchst zuverlässig beurteilt werden! Auch die ziemliche Nähe der Abfassungszeit der Evangelien vom Jahr 33 zwischen 14 (Markus) und 57 Jahren (Johannes) weist die Evangelien als glaubwürdige Zeugnisse der Antike aus! ----> unser christlicher Glaube beruht daher auf einer wichtigen historischen Quelle - dem Evangelium unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, festgehalten, dokumentiert und glaubwürdig bezeugt in den 4 Evangelien des Neuen Testaments! Ja, es kann gesagt werden: „Die Evangelien über Jesus Christus sind die Wahrheit!” (Joh.17,17)
      Der Herr ist gut in dessen Dienst wir stehn!” (Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch)

      LIED: Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn = Melodie!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Norbert Chmelar ()

    • Insgesamt ein stimmiges Geschichts-Bild --- nur habe ich Vorbehalte gegen den (unhistorischen!) Tod des Petrus in Rom.

      Letzteres ist eine "Konstruktion" römischer "Kirchenväter".
      Rom hat aus Sicht der Apostelgeschichte keinen "Vorrang" bei der Verbreitung des Evangeliums.

      Auch die Rolle der "Kirche Konstantins" war HÄRETISCH, nicht bewahrend im Sinne der Apostel.