
Es gibt hier im Forum ein Video wo ein Professor untersuchte ob die frühen Kirchenväter sagen wir bis zu Tertullian um ca 200 n.C. schon an eine echte Dreieinigkeit geglaubt haben und kommt dabei zu dem ernüchternden Urteil: Nein, ein klares Bekenntnis zur Trinitätslehre kann man bei ihnen nicht erkennen.
Was man wohl sicher sagen kann ist:
Die Vor-Nicänische Kirche war sehr tolerant und duldete in ihren Reihen ohne größere Probleme die verschiedensten christologischen Vorstellungen wie z.B:
- einen strengen an den orthodoxen jüdischen Glauben angelehnten strengen Monotheismus: Den "Ein-Gott-Glauben"! Danach war Jesus Christus nicht Gott, sondern nur Gottes Sohn. Einige meinten er sei präexistent gewesen und bereits vor seiner menschl. Existenz bei Gott gewesen; andere sahen ihn erst durch die Geburt als existent an, lehnten also Christi Präexisenz ab.
- einen "Duo-Theismus": Gott der Vater und Gott der Sohn als ein „zweiter Gott”.
- eine "Zweieinigkeit" in der modernen Forschung als "Binitarismus" (oder „binitarischer Monotheismus“) bezeichnet, nachdem Gott-Vater und Gott Sohn „eines Wesens” waren und Gott sich in Vater und Sohn offenbart habe. Hauptvertreter waren:
- Athenagoras von Athen (133–190): Betonte Gott und seinen Logos als eine verbundene Einheit, ohne den Geist im heutigen trinitarischen Sinn zu integrieren.
- Irenäus von Lyon (135–202 n. Chr.): In seiner Theologie agieren der Vater und der Sohn (oft als die „zwei Hände Gottes“ bezeichnet) gemeinsam bei der Schöpfung und Offenbarung. Irenäus proklamierte den bedeutenden theologischen Satz »Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott!«
- einen "Subordinatianismus" (die Lehre von der Unterordnung des Sohnes und des Heiligen Geistes unter den Vater). Vor der dogmatischen Klärung der Trinität auf den Konzilien von Nicaea (325) und Konstantinopel (381) war diese Sichtweise weit verbreitet, um die Einzigkeit Gottes zu wahren und gleichzeitig die Eigenständigkeit des Logos zu erklären.
- Hauptvertreter des Subordinatianismus war Origenes (185–254): Gilt als der systematischste Vertreter; er sah den Logos (Sohn) als einen „zweiten Gott“ und Vermittler, der dem Vater in Rang und Sein untergeordnet ist. [1, 2, 3] Dann auch noch:
- Tertullian (150–225): Der frühe lateinische Theologe betonte, dass der Vater das ganze Wesen (Substanz) ausmacht, während der Sohn ein abgeleiteter Teilhaber an dieser Substanz ist („Der Vater ist das ganze Wesen, der Sohn ein Ausfluß und Teil des Ganzen“). [1]
- Justin der Märtyrer (100–165): Einer der frühen Apologeten, der den Logos als ein vom Willen des Vaters hervorgebrachtes göttliches Wesen beschrieb, das dem Vater untergeordnet bleibt. [1]
- Dionysius von Alexandria (190–265): Schüler des Origenes, der die Unterordnung des Logos in Auseinandersetzung mit dem Modalismus zeitweise so stark betonte, dass er sich den Vorwurf einhandelte, den Logos als geschöpflich anzusehen. [1, 2]
- Novatian (200–258): Römischer Presbyter, der in seiner Schrift De Trinitate zwar die Gottheit Christi verteidigte, diesen aber dennoch dem Vater unterordnete.
- Historischer Hintergrund war eine Heilsgeschichtliche Notwendigkeit: Die frühen Autoren nutzten den Subordinatianismus, um die biblischen Aussagen über das Verhältnis von Vater und Sohn (z. B. „Der Vater ist größer als ich“, Joh 14,28) logisch zu vereinbaren. [1, 2]
- einen "Modalismus" wonach der eine Gott sich als Vater dann als Sohn und schließlich als Heiliger Geist offenbart habe. Hauptvertreter dieser christlichen Richtung waren:
- Noetius (um 190 n. Chr. aus Smyrna): Vertrat die Ansicht, dass Christus und der Vater identisch sind, weshalb konsequenterweise der Vater selbst im Sohn gelitten habe und gestorben sei (Patripassianismus).
- Praxeas (um 200–206 n. Chr.): Brachte den Modalismus nach Rom und Karthago. Er wurde vor allem durch die scharfe Gegenschrift Adversus Praxean des Kirchenvaters Tertullian bekannt und bekämpft. [1]
- Sabellius (um 215/217 n. Chr. in Rom): Formte den am weitesten entwickelten Modalismus (daher oft Sabellianismus genannt). Er lehrte, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist nur nacheinander folgende Offenbarungsformen (Modi / Prosopa) desselben einen Gottes sind. [1, 2]
- einen "Adoptianismus": bezeichnet eine christologische Lehre, nach der Jesus Christus nicht wesenhaft Gott, sondern nur ein zum Gottessohn adoptierter Mensch gewesen sei. Hauptvertreter waren:
- Paulus von Samosata (200–275): Bischof von Antiochien (260–268 n. Chr.). Er lehrte, dass Jesus ein von Natur aus reiner Mensch war, der bei seiner Taufe mit göttlicher Kraft (dem Logos) erfüllt und so zum „Sohn Gottes“ adoptiert wurde. Seine Lehre wurde auf Synoden verurteilt und er wurde abgesetzt.
- Theodotos von Byzanz (spätes 2. Jahrhundert): Ein christlicher Gelehrter in Rom, der lehrte, Jesus sei ein gewöhnlicher Mensch gewesen, der erst bei der Taufe im Jordan den Heiligen Geist empfing und dadurch Gottes Sohn wurde. Er wurde von Papst Viktor I. exkommuniziert.
318 kam dann der "Arianismus" des Presbyters Arius aus Alexandria (260–336 n. Chr.) auf. Arius war ein einflussreicher Priester und Asket, dessen Lehre (der Arianismus) den Streit um die göttliche Natur Jesu Christi auslöste. Er lehrte, dass der Sohn Gottes ein Geschöpf und nicht wesensgleich mit Gott dem Vater ist. Er behauptete, Gott der Vater sei der einzige Ewige und Ungeschaffene. Jesus Christus als Logos sei von ihm erschaffen worden. Es habe eine Zeit gegeben, in der der Sohn noch nicht existierte. Dies führte 325 n. Chr. zum Konzil von Nicäa. [1, 2, 3, 4, 5, 6]
Erst dieser sogen. "Arianische Streit" der 7 Jahre lang – vor allem im Osten des Römischen Reiches – heftigst tobte (318 – 325), beendete die meist tolerante Haltung der vornicänischen Kirche! Hauptvertreter der Arianischen Richtung waren:
- Eusebius von Nikomedia († 341) war von 318 bis 341 mit Unterbrechungen Bischof von Nikomedia und ab 338 zudem Bischof (= Patriarch) von Konstantinopel. – Wurde später Patriarch von Konstantinopel, taufte Kaiser Konstantin und war der politische und theologische Wortführer der Arius-Anhänger. [1, 2, 3, 4]
- Eusebius von Caesarea (260-340) – wurde er um 313 zum Bischof von Caesarea gewählt. Der berühmte Kirchenhistoriker vertrat eine vermittelnde, stark subordinatianische Position (der Sohn als göttlicher Mittler, aber untergeordnet), lehnte die radikalen Formeln ab, stand dem Arianismus aber zeitweise nah. [1, 2, 3, 4]
- Acacius von Caesarea († 366/367) – Nachfolger des Eusebius und Hauptvertreter der homöischen (Christus ist dem Vater „ähnlich“) Richtung. [1, 2, 3]
- Konflikt: Um 318 geriet Arius in heftigen Streit mit seinem Bischof Alexander von Alexandria, der seine Ansichten als Bedrohung des christlichen Glaubens ansah. [1, 2, 3]
- Verurteilung und Folgen
- Exkommunikation: Alexander von Alexandria schloss Arius auf einer Synode um 318/320 aus der Kirche aus. [1, 2]
- Konzil von Nicäa: Kaiser Konstantin der Große berief 325 das Erste Konzil von Nicäa ein. Das Konzil verurteilte Arius. Es legte im Nizänischen Glaubensbekenntnis fest, dass Christus „wesensgleich“ (homoousios) mit dem Vater ist. [1, 2]
- Verbannung und Tod: Arius wurde ins Exil geschickt, starb jedoch 336 in Konstantinopel kurz vor einer möglichen offiziellen Wiedereingliederung. Der Arianismus lebte im Römischen Reich noch jahrzehntelang fort. [1, 2, 3] – und erlebte eine "Neuauferstehung" im 19 Jahrhundert durch die Sekte der Zeugen Jehovas bzw damals (seit 1870) noch Ernste Bibelforscher genannt!
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