Bruce Metzgers Kritik an der NWT (Teil 3)

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  • Das nachfolgende Zitat von Bruce Metzger ist dem Artikel „The Jehovah’s Witnesses and Jesus Christ“ entnommen, welcher im April 1953 in „Theology Today“ auf den Seiten 65-85 erschienen ist. Ich habe diese Zitate (sowie andere englische Zitate) frei übersetzt, damit jeder nachvollziehen kann, worum es geht. Auch hier bezeichnet Metzger die Wiedergabe eines Bibelverses in der New-World-Translation der Zeigen Jehovas als eine "Entstellung" des Originals:

    Bruce Metzger schrieb:

    In still another crucial verse the New World Translation has garbled the meaning of the original so as to avoid referring to Jesus Christ as God. In Titus 2:13 it reads, “We wait for the happy hope and glorious manifestation of the great God and of our Savior Christ Jesus.” This rendering, by separating “the great God” from “our Savior Christ Jesus,” overlooks a principle of Greek grammar which was detected and formulated in a rule by Granville Sharp in 1798. This rule, in brief, is that when the copulative και connects two nouns of the same case, if the article precedes the first noun and is not repeated before the second noun, the latter always refers to the same person that is expressed or described by the first noun.

    Übersetzung:
    In einem weiteren entscheidenden Vers hat die Neue-Welt-Übersetzung die Bedeutung des Originals entstellt, um zu vermeiden, dass man sich auf Jesus Christus als Gott bezieht. In Titus 2:13 heißt es: "Wir warten auf die frohe Hoffnung und die glorreiche Offenbarung des großen Gottes und unseres Erretters Christus Jesus." Diese Darstellung missachtet dadurch, dass "der große Gott" von "unserem Erlöser Christus Jesus" getrennt wird, ein Prinzip der griechischen Grammatik, das 1798 von Granville Sharp ientdeckt und als Regel formuliert wurde. Diese Regel besagt, dass wenn das Kopulativ και zwei Substantive des gleichen Falls verbindet und der Artikel dem ersten Substantiv vorangeht und vor dem zweiten nicht wiederholt wird, sich das zweite Nomen immer auf dieselbe Person, die durch das erste Nomen ausgedrückt oder beschrieben wird bezieht.

    Wenn im Griechischen zwei unterschiedliche Personengruppen durch καί (=und) verbunden sind und der ersten Personengruppe der bestimmte Artikel vorausgeht, so ist es nicht zwingend notwendig, den bestimmten Artikel vor der zweiten Personengruppe zu wiederholen. Vergleichbare Beispiele finden sich in vielen Versen des Neuen Testaments.

    Lukas 22, 4 (Luther 2017): Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihnen Jesus überantworten könnte.

    Im Griechischen Text ist von "den Hohenpriestern und Hauptleuten" die Rede. Da der Artikel vor "Hauptleute" nicht wiederholt wird, könnte man das so lesen, als seien die Hohenpriester und Hauptleute miteinander identisch. Lukas wusste aber, dass seine Leser den Unterschied kannten und es somit nicht nötig war, durch den Gebrauch des Artikel die Hauptleute von den Hohenpriestern zu unterscheiden.

    Johannes 7, 45 (Hoffnung für Alle 2015): So kehrte die Tempelwache zu den obersten Priestern und den Pharisäern zurück, ohne Jesus festgenommen zu haben.

    Auch hier spricht der griechische Text von "den Priestern und Pharisäern", so dass es dem Verständnis des Lesers überlassen bleibt, diese beiden Gruppen entweder miteinander zu identifizieren, oder sie voneinander zu trennen.

    Granville Sharp kannte diese Verse und wusste, dass sie seiner "Theorie" widersprachen. Also hat er eingeräumt, dass Sätze mit Pluralformen Ausnahmen von seiner "Regel" darstellen. Tatsächlich ist es aber auch normal, dass bei der Aufzählung einzelner Personen nur die erste mit Artikel genannt wird, wenn diese durch ein "und" miteinander verbunden sind:

    Johannes 11, 19 (Schlachter 2000): und viele von den Juden waren zu denen um Martha und Maria hinzugekommen...

    Im griechischen Text steht hier "die Martha und Maria". Eine Person mit Doppelnamen, oder zwei einzelne Frauen?

    Apostelgeschichte 15, 7 (Neues Leben 2006): Daraufhin bestimmten die Apostel und Ältesten und die ganze Gemeinde in Jerusalem einige Männer, die sie mit Paulus und Barnabas nach Antiochia in Syrien schickten...

    Hier ist von "dem Paulus und Barnabas" die Rede. Ist das einer, der die Namen Paulus und Barnabas trägt, oder sind das zwei verschiedene Personen?
    Granville Sarp kannte auch diese Verse und räumte ein, dass Sätze mit Eigennamen Ausnahmen von seiner Regel bildeten. Was ist mit Ländern und Dingen?

    Apostelgeschichte 19,21 (Schlachter 2000): Als das geschehen war, nahm sich Paulus im Geist vor, durch Makedonien und Achaia zu ziehen...

    Laut griechischem Text zog Paulus durch "das Makedonien und Achia". Ist das nur ein Land? Oder sind es zwei?

    Offenbarung 12, 11 (Zürcher Bibel 2007): Wehe aber der Erde und dem Meer, denn der Teufel ist zu euch herabgekommen...

    Diese Ankündigung gilt im griechischen Text "der Erde und Meer". Ist "Erde" das Gleiche wie "Meer"? Oder war es einfach nur normal den Artikel nur einmal am Anfang der Aufzählung zu verwenden?

    Lukas 21,12 (Einheitsübersetzung 2016): ...Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.

    Man könnte hier die Synagogen mit Gefängnissen gleichsetzen, denn der griechische Text hat keinen Artikel vor "Gefängnisse", so dass hier wörtlich übersetzt von "den Synagogen und Gefängnissen" die Rede ist.

    Was Granville Sharp zu diesen Beispielen gesagt hat, ist mir nicht bekannt, aber sicherlich hätte er darauf geantwortet, dass seine Regel nur auf Personen Anwendung findet. Und was ist mit der griechischen Fassung von Sprüche 24, 21? Die "Regel", welche Metzger auf Titus 2, 13 anwendete, müsste auch auf diesen Text (in der griechischen Septuaginta) Anwendung finden. Die übliche Übersetzung aus dem Hebräischen liest sich so wie in der Luther Bibel:

    Sprüche 24, 21 (Luther 2017): Mein Sohn, fürchte den HERRN und den König und menge dich nicht unter die Aufrührer;

    In der Septuaginta steht hier nicht "Fürchte den HERRN und den König. Vielmehr steht hier: "Fürchte den GOTT und König", was man (genau wie in Titus 2, 13) so verstehen könnte, als seien mit "Gott" und "König" ein und derselbe gemeint. Das ist aber nicht der Fall! Die Substantive stehen nicht im Plural und sie beziehen sich auf Personen, Sharps "Regel" müsste hier eigentlich Anwendung finden, tut sie aber nicht, denn mit dem griechischen Wortlaut wurde ein hebräischer Text übersetzt, in dem eindeutig von Gott einerseits, und von dem König andererseits die Rede ist. Sharp kannte auch dieses Beispiel. Also nannte er eine weitere Ausnahme seiner Regel, nämlich prinzipiell alle griechischen Texte, die aus einer anderen Sprache (in diesem Fall aus dem Hebräischen) übersetzt worden waren. Spätestens jetzt dürfte klar sein, dass Sharps "Regel" nur überleben konnte, indem er alle Beispiele, welche seiner Regel widersprachen als Ausnahmen gruppierte und von einer weiteren Betrachtung ausschloss. Gleichzeitig gibt es aber überhaupt keinen Beweis dafür, dass die Griechen zur Zeit Jesu (oder zu einem anderen Zeitpunkt) jemals eine Regel befolgten, welche es erforderlich machen würde in Titus 2, 13 zwangsweise davon auszugehen, dass Jesus hier als Gott bezeichnet wurde. Schon zu Sharps Lebenszeiten gab es Kritiker seiner "Regel". Calvin Winstanley veröffentlichte das Werk "A Vindication of Certain Passages in the Common English Version of the New Testament: Addressed to Granville Sharp". Dort verwies er darauf, dass Sharps Textanalysen sich auf den Text des Neuen Testaments beschränkten. Gleichzeitig lieferte er diverse Beispiele aus der klassischen griechischen Literatur, welche zeigten, dass das Weglassen des Artikels in einer solchen Satzstellung nicht ungewöhnlich war und keineswegs zwangsweise bedeutete, dass nur eine Person oder Sache gemeint sein könnte. Er verwies ferner darauf, dass die frühen Kirchenväter weder eine derartige "Regel" kannten, noch damit argumentierten, wenn es um die Gottheit Christi ging. Wenn man wissen möchte, ob es sich bei der "Sharp's Rule" tatsächlich um eine feste Regel der griechischen Grammatik handelt, muss man nur einen Blick in verschiedene Übersetzungen von Titus 2, 13 werfen.

    Luther Bibel 1912
    und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes, Jesu Christi,

    Luther 1984
    und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus

    Zürcher Bibel 1931
    und warten auf die selige Hoffnung und auf die Erscheinung der Herrlichkeit unsres grossen Gottes und des Heilandes Christus Jesus,

    Fußnote:
    möglich ist auch die Üs: «unsres grossen Gottes und Heilandes Christus Jesus».

    Zürcher Bibel 2007
    Wir warten aber auf das, was unsere wunderbare Hoffnung ist: auf das Erscheinen der Herrlichkeit des grossen Gottes und unseres Retters Jesus Christus,

    Münchener Neues Testament 1998
    erwartend die selige Hoffnung und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christos,

    Herder Bibel 2005
    in der Erwartung der seligen Hoffnung und der Offenbarung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Christus Jesus;

    Elberfelder 2006
    indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.

    Fußnote:
    o. des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus

    Schlachter 1951
    in Erwartung der seligen Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsres Retters Jesus Christus,

    Schlachter 2000
    indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus,

    Konkordantes Neues Testament 1995
    ausschauend nach der glückseligen Erwartung und dem Erscheinen der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters, Jesus Christus,

    Neues Leben 2006
    Denn wir warten auf das wunderbare Ereignis, wenn die Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Erlösers, Jesus Christus, erscheinen wird.

    Die Geschriebene (DaBhaR-Übersetzung), F. H. Baader 2006
    als Empfangsbereitseiende zu der glückseligen Erwartung und dem Auferscheinen der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retthüters ChRISTOS JESuUS

    Menge 1939
    indem wir dabei auf unser seliges Hoffnungsgut und auf das Erscheinen der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Retters (oder: Heilands) Christus Jesus warten,

    Einheitsübersetzung 1980
    während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.

    Fußnote:
    Andere Übersetzungsmöglichkeit: der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Christus Jesus.

    Wie man sieht, erfeuen sich beide Übersetzungsarten allgemeiner Akzeptanz, was sicherlich nicht der Fall wäre, wenn es sich bei der "Sharp's Rule" um eine feste Regel handeln würde. Auch meine schriftlichen Anfragen bei verschiedenen Kennern der griechischen Sprache zeigten, dass die "Sharp's Rule" von Bruce Metzger vorgeschoben wurde, um die ZJ an den Pranger zu stellen.

    Ein Altgriechisch-Dozent:
    "...wahrscheinlich enttäusche ich Sie, wenn ich sage, dass mir eine "Sharp Rule" für das Altgriechische nicht bekannt ist. Des Weiteren sehe ich in den Übersetzungen unten (auch von Menge) kein Problem. Die Anfügungen von Σωτῆρος etc. verstehe ich als Apposition und können somit als dazugehörig gesehen werden. Solche anschlussartigen Appositionen sind meines Wissens ja im NT nichts Besonderes."

    Ein Professor für Neues Testament:
    "Keine Regel ohne Ausnahme! Das gilt gerade hier - im Bereich des Koine-Griechischen bzw. der "Volkssprache" der damaligen Zeit. Man muss Grammatik-Regeln und sachlich-inhaltliche Gesichtspunkte miteinander in Ausgleich bringen. Und das führt im vorliegenden Fall zu einem Patt. "Zu dieser vieldiskutierten Frage (sc. eingliedrige oder zweigliedrige Apposition in Tit 2,13) ist von vorneherein festzuhalten, daß eine eindeutige Entscheidung nicht möglich ist." (Lorenz Oberlinner, Kommentar zum Titusbrief, HThK XI/2, 3. Folge, S. 136; dort auch eine detaillierte Diskussion)
    Weiter werden wir an dieser Stelle nicht kommen."

    Eine Altgriechisch-Dozentin:
    "...gerade weil Gott und Heiland auch als Titel, also als Namen gelesen werden können, gilt Ihre „Sharp Rule“ hier nicht. Meine Antwort ist, dass der Artikel-Gebrauch schon im Klassischen, aber erst recht im NT bei Namen und namenverwandten Wörtern überhaupt nicht einheitlich gehandhabt wird, so dass Regeln hierzu sowieso mit großer Vorsicht zu genießen sind – passen sie, ist es gut, wenn nicht, heißt das i.d.R. aber auch nichts Besonderes."

    Ein evangelischer Pfarrer:
    "Von der Sharp Rule habe ich nie was gehört und Paulus wahrscheinlich auch nicht."

    Wirft man einen Blick in die englischsprachige Griechisch-Grammatik schlechthin, nämlich die von Herbert Weir Smyth, so wird man feststellen, dass sich dort keine "Sharp's Rule" finden lässt. Stattdessen wird dort gut erklärt, dass das Weglassen eines Artikels keineswegs willkürlich gewesen sein muss, wobei auch ein Satzbau wie Titus 2, 13 beschrieben wird:

    Herbert Weir Smyth, A Greek Grammar for Colleges (1920), § 1143
    A single article, used with the first of two or more nouns connected by and, produces the effect of a single notion: οἱ στρατηγοὶ καὶ λοχα γοί the generals and captains (the commanding officers) X. A. 2.2.8, τὰ ς μεγίστα ς καὶ ἐλαχίστα ς ναῦς the largest and the smallest ships (the whole fleet)

    Übersetzung:
    Ein einzelner Artikel, der mit dem ersten von zwei oder mehr Nomen verwendet wird, die durch und verbunden sind, erzeugt die Wirkung eines einzigen Begriffs: οἱ στρατηγοὶ καὶ λοχα γοί die Generäle und Hauptleute (die befehlshabenden Offiziere) XA 2.2.8, τὰ ς μεγίστα ς καὶ ἐλαχίστα ς ναῦς die größten und kleinsten Schiffe (die ganze Flotte)

    Das Weglassen des zweiten Artikels kann deutlich machen, dass die beiden genannten Begriffe zusammengehören oder zusammen wirken. Gerade die von Smyth genannten Beispiele machen aber gleichzeitig deutlich, dass die genannten Begriffe dadurch nicht zwangsweise miteinander identisch sein müssen. Ein Absatz später wird erklärt, warum an anderen Stellen beide Begriffe den Artikel haben könnten:

    Herbert Weir Smyth, A Greek Grammar for Colleges (1920), § 1144
    A repeated article lays stress on each word: ““ὁ Θρᾷξ καὶ ὁ βάρβαρος” the Thracian and the barbarian” D. 23.132

    Übersetzung:
    Ein wiederholter Artikel betont jedes Wort: "ὁ Θρᾷξ καὶ ὁ βάρβαρος" der Thrakische und der Barbar "D. 23.132

    Wie man sieht, kann es im Griechischen mehrere Gründe haben, dass in einer Satzkonstruktion wie der von Titus 2, 13 der Artikel vor dem zweiten Nomen fehlt, so wie es mehrere Gründe dafür geben kann, dass beide Nomen den Artikel haben. Zu guter Letzt sei hier noch der Bibelkommentar von Heinrich Meyer angeführt, in welchem man über Titus 2, 13 folgendes lesen kann:

    Dr. Heinrich August Wilhelm Meyer, "Kritisch exegetischer Kommentar über das Neue Testament - 11. Abtheilung"(1859), Seite 289-291
    ...fraglich ist nur, ob μεγάλου Θεοῦ selbstständiges Subject oder Attribut zu Ἰησοῦς Χριστός ist. Die älteren Ausleger sind der zweiten Meinung; auch beriefen sich die Orthodoxen gegen die Arianer auf diese Stelle; indessen schon Ambrobius unterscheidet hier Christus und Deus Pater; auch Erasmus sagt: simul cum Patre apparebit eadem gloria conspicuus Dominus ac Servator noster J. Chr.; und Bengel sagt zu nur: referri potest ad Christum; von den neueren Auslegern schließen sich jenen namentlich Flatt, Mack, Matthies, Wiesinger, diesen dagegen de Wette und Winer (S. 148 f.; 6. A. S. 118.) an; Heydenreich lässt die Frage unentschieden. Rein grammatisch lässt sie sich nicht entscheiden, denn σωτῆρος ἡμῶν kann grammatisch als ein zweites Attribut zu dem Artikel τοῦ gezogen, aber auch eben so gut, unabhängig von τοῦ als ein zweites Subject genommen werden; eben so wenig aber ist sie dogmatisch zu entscheiden: die Beantwortung ist allein aus der neutestamentlichen Ausdrucksweise zu entnehmen: und zwar wie für diese Stelle, so auch für die verwandten: Jak. 1, 1. 2. Petr. 1, 1. Jud. 4. (in der Stelle 2. Thess. 1, 12. ist die Zweiheit des Subjects; 2. Petr. 1, 11. 3, 18. dagegen die Einheit des Subjects nicht zu bezweifeln). Für die Unterscheidung des Subjectes entscheidet: 1) der Umstand, dass Θεός an keiner einzigen Stelle als reines Attribut unmittelbar mit Ἰησοῦς Χριστός verbunden ist" (s. m. Comm. zu 2. Petr. 1, 1.) d. h. es kommt im N. T. niemals die einfache Verbindung: ὁ Θεὸς ἡμῶν Ἰησ. Χρ. oder ὁ Θεὸς Ἰησοῦς Χρ. oder Ἰησ. Χρ. ὁ Θεὸς ἡμῶν vor, während κύριος und σωτήρ oft genug in dieser Weise mit Ἰησ. Χριστός verbunden sind. 2) Die Zusammenstellung von Gott (Θεὸς) und Christus als zwei Subjecten ist etwas - nicht nur in den Pastoralbriefen (1. Tim. 1, 1. 2. 5, 21. 6, 13. 2. Tim. 1, 2. 4, 1. Tit. 1, 4.), sondern auch in den übrigen Paulinischen und anderen Briefen des N. T. - durchaus Gebräuchliches, so sehr, dass, wenn in einer Stelle der Ausdruck auch einmal so gestaltet ist, dass sich grammatisch Θεός auch auf Χριστός beziehen lässt, dieselbe nothwendig nach der Analogie der fast constant herrschenden Darstellungsweise erklärt werden muss. 3) Die Hinzufügung des Adjectives μεγάλου weist deutlich darauf hin, dass Θεοῦ als selbstständiges Subject zu nehmen ist, zumal wenn man beachtet, wie P. namentlich in dem ersten Timotheus-Briefe durch ähnliche Epitheta die Herrlichkeit Gottes hervorhebt; vergl. 1. Tim. 1, 17. 4, 10. 5, 15. 16.

    Was Meyer hier in seinem Kommentar feststellt, fasst gut zusammen, was es über Titus 2, 13 zu sagen gibt:

    1. Rein grammatisch lässt sich hier nicht feststellen, ob Jesus hier als "großer Gott" bezeichnet wird, oder ob er von diesem getrennt zu betrachten ist.

    2. Obwohl bereits im arianischen Streit mit Titus 2, 13 zugunsten der Göttlichkeit Jesu argumentiert wurde, gab es auch unter den Gegnern der Arianer Personen, welche den Titel "großer Gott" in Titus 2, 13 nicht auf Jesus, sondern nur auf den Vater bezogen.

    3. Allein die neutestamentliche Ausdrucksweise generell kann darüber entscheiden, wie Titus 2, 13 zu übersetzen (und zu verstehen) ist.

    Meyer hat in seinem Kommentar begründet, warum er den Titel "großer Gott" nicht auf Christus bezieht. Andere Gelehrte mögen diesen Vers anders verstehen, deshalb sei jedem seine Meinung gelassen. Wenn Bruce Metzger aber behauptet, dass in der New-World-Translation die Bedeutung des griechischen Textes "entstellt" worden sei, dann beeinflusst er seine Leser auf eine unredliche Weise, denn unter Bibelübersetzern ist es weitgehend unstrittig, dass der griechische Text hier durchaus zwei verschiedene Verständnismöglichkeiten bietet.

    Nachdem ich mich nun in drei Artikeln mit verschiedenen Kritiken von Bruce Metzger befasst habe, kann ich in seinen Ausführungen keine Bemühungen um eine faire und objektive Auseinandersetzung mit der New-World-Translation erkennen. Er argumentiert mit "Grammatikregeln", welche weder anerkannt, noch konstant sind. Viele seiner Kritiken betreffen auch diverse andere Übersetzungen, in welchen die diskutierten Bibelpassagen genauso übersetzt wurden, wie in der NWT. Trotzdem tut Metzger so, als wären die ZJ die Einzigen, welche diese Textstellen so verstehen und übersetzen. Schade, dass er die gleiche theologische Voreingenommenheit an den Tag legt, welche er den Zeugen Jehovas hinsichtlich ihrer Bibelübersetzung unterstellt.

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