Genesis

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  • DAS ERSTE BUCH MOSE (GENESIS)
    1,1
    Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

    Hier haben wir ein allgemeines
    Wort, das wie ein Grundsatz die Schrift eröffnen soll: dass Gott
    alle Dinge gemacht hat, die Himmelssphären und die Erde und alles
    auf ihr. Es wird nicht philosophiert über den Ursprung der Dinge,
    wie es die Heiden tun, sondern Gott wird als Schöpfer aller Dinge
    angenommen und als Ewiger verehrt, wie Mose im Psalm betet: Ehe
    denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschafften wurden,
    bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Ps 90,2)


    Davon geht der Gläubige aus. Die
    modernen Debatten, die Theologie gegen Wissenschaft und Wissenschaft
    gegen Theologie führen, gehen uns Christen nichts an, wie Gott den
    Hiob mahnt: Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir`s,
    wenn du so klug bist! (Hiob 38,4ff)
    .

    Gott wird im Pluralis
    majestatis
    als Elohim (das ist: Götter oder
    Gottheit) genannt, was für uns Christen den Dreieinigen Gott
    schon andeutet. Wir sehen aber, wie sich auch im Weiteren zeigt,
    alles durch sein Wort (Logos) geschaffen, welches für uns der
    Christus ist, wie bei Johannes geschrieben steht: Im Anfang war
    das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe
    war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und
    ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh 1,1-3)
    , und:
    Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.
    Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.
    Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren,
    die von Wasser fließen. (Spr 8,22-24)
    .
    2
    Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;
    und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

    Vom Allgemeinen nun zum Detail.
    Die Erde steht im Mittelpunkt der Schöpfungsgeschichte, denn auf ihr
    vollzieht sich Gottes Werk, wie auch David singt: Die Himmel
    erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände
    Werk. (Ps 19,2)
    . Sie (die Erde) ist roh und karg, eine unbelebte
    und ungeformte Landschaft. Aus dem schlechten, rohen und dunklen
    macht Gott etwas Gutes, Lebendiges und Lichtes, was man sich direkt
    als Gedanke für die ganze weitere Schrift zu Herzen nehmen darf:
    Doch ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird
    er über dem Staube sich erheben. Und ist meine Haut noch so
    zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott
    sehen. (Hiob 19,25.26)
    ;


    Er gibt dem Müden Kraft, und
    Stärke genug dem Unvermögenden. (Jes 40,29)
    .

    Wurde zuvor Elohim, die
    Gottheit ansich, genannt, so ist es hier der Geist (ruach),
    der über das Wasser weht und die karge Erde betrachtet. Hier sehen
    wir bereits Geist und Wasser zusammen genannt, wie wir es in der
    Taufe auch verstehen: Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald
    herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und
    er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich
    kommen. (Mt 3,16)
    .

    Der Geist schaut in die Tiefe auf
    das Angesicht der Erde. Das ist Gottesgeist, der sich erbarmt und
    herabneigt: denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. (Lk
    1,48)
    , und der die Tiefen des Wesens erforscht: Erforsche
    mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich`s
    meine. (Ps 139,23)
    , wie der Geist des Menschen ja auch: Denn
    welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, als allein der Geist des
    Menschen, der in ihm ist? So weiß auch niemand, was in Gott ist, als
    allein der Geist Gottes. (1. Kor 2,11)
    . Der Geist erforscht und
    ergründet also alles, auch der Geist des Menschen (wenn seine
    Gesundheit es zulässt), doch ist der menschliche Geist immer auch
    irrtümlich und erfasst nur kleinere oder größere Teile des ganzen
    Bildes, das er betrachtet.
    3
    Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

    Da spricht er also, wie schon
    erwähnt, und schafft durch sein Wort die Kräfte und Dinge, wie es
    im Psalm heißt: Denn wenn er spricht, so geschieht`s; wenn er
    gebietet, so steht`s da. (Ps 33,9)
    . Auch hier wird dem
    Philosophieren und Spekulieren der Menschen gewehrt, wie der Psalm
    weiter sagt: Der HERR macht zunichte der Heiden Rat und wehrt den
    Gedanken der Völker. (Ps 33,10)
    .

    Wir Christen sehen in diesem
    kurzen Stück bereits Gottes Wesenheit angezeigt: dass er Schöpfer,
    Geist und Wort ist. Durch das Wort entzündet er Licht in der
    Finsternis, was später die Apostel ausdeuten werden: So kommt der
    Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. (Rö
    10,17)
    und:


    Umso fester haben wir das
    prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als
    auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag
    anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. (2. Petr 1,19)
    ;
    auch schreibt der Psalmist:
    Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf
    meinem Wege. (Ps 119,105)
    .
    4
    Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von
    der Finsternis

    Eine Tat Gottes, die sich im
    Weiteren wiederholen wird: er schaut an, was er hervorgebracht hat
    und sieht es als „gut“ an, was meint, dass er Freude und Gefallen
    an seinem Werk hat; dann trennt er das Werk weiter auf und ordnet die
    Kräfte. Hier trennt er Licht und Finsternis, Grundlage für Tag und
    Nacht, also den Wechsel und die Unterscheidung. Er belässt es nicht
    im gleißenden Licht, sondern fügt dem Licht die Dunkelheit bei.
    Daraus sind alle Dinge und Wesen gemacht, wie sich zeigen wird: Licht
    und Finsternis, guter Geist und böser Trieb, Liebe und Hass, usw.,
    die Duelle also. Ohnedies wäre alles nur statisch (ohne Wandel)
    gewesen. Freiheit und Entwicklung gibt es nur durch die Möglichkeit
    zum Irrtum, Erkenntnis gibt es nur durch Unterscheidung: Ich habe
    euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben
    erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr
    den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm
    anhanget. (Deu
    t 30,19.20).
    5
    und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend
    und Morgen der erste Tag.


    Indem Gott Licht und Finsternis
    benennt, weist er sie an ihren Platz, bestimmt sie: das Licht (der
    Tag) gilt dem Offenbaren, der Erkenntnis, der Klarheit und dem
    Verständnis der Dinge, wie es an zahlreichen Stellen heißt, z.B.:
    Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem
    Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht
    an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so
    leuchtet es allen, die im Hause sind. (Mt 5,14.15)
    , oder:

    Dein Auge ist das Licht des
    Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so ist dein ganzer Leib licht;
    wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. So schaue
    darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei. (Lk 11,34.35)
    .
    Entsprechend gilt die
    Finsternis (die Nacht) dem Verborgenen, dem Unverstand, der fehlenden
    oder falschen Erkenntnis, dem Heimlichen und Verdeckten, usw.: Welches ist der Weg
    dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die Stätte der Finsternis, dass du sie
    zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu ihrem Hause? (Hiob 38,19.20)
    .

    Der
    Tag wird vom Wandel des Schlechteren zum Besseren, sprich, von der
    Schöpfung her verstanden, also vom Beginn der Dunkelheit (des
    Verborgenen) zum Beginn des Tages (des Offenbaren): Ein Tag sagt`s dem andern,
    und eine Nacht tut`s kund der andern,
    ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. (Ps 19,3.4)
    .
    So schuf Gott am
    ersten Tage den ersten Tag.
    Liebe ist die Tochter der Erkenntnis.
    (Leonardo da Vinci)

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Kommentare 1

  • Norbert Chmelar -

    Eine sehr gute tiefgründige biblische Auslegung über die ersten Verse der Bibel, des Alten Testamentes(AT) und auch mit philosophischen Gedanken angereichert!
    Und dass in Genesis 1,1-3 schon der DREIEINE, der DREIEINIGE GOTT(ELOHIM=Majestätsplural!)aufscheint! Deshalb für mich auch unverständlich, warum die Juden den DREIEINEN GOTT nicht annehmen wollen und am reinen MONOTHEISMUS festhalten, nachdem sich der
    DREIEINE schon auf der ersten Seite der Bibel als DREIEINIGER GOTT Israel und uns - sich allen Menschen! - offenbart!
    Vielen Dank dafür!