Das Wesen des Menschen [Teil 1] - Die Einheit der menschlichen Natur - Körper, Seele, Geist

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  • Der Mensch - eine lebendige Seele.

    Als Gott den Menschen aus Erde geformt hatte, waren alle Organe vorhanden. Alles war vollkommen, aber funktionslos. Da blies Gott den Odem ("nshamah") des Lebens in die Materie, „und so wurde der Mensch eine lebendige Seele“ (1 Mo 2,7 EB). Nach dem Bericht der Schrift lässt sich folgende Gleichung aufstellen:

    Erde vom Acker (Materie) + Lebensodem = das Lebewesen („lebendige Seele“).

    Der „Lebensodem“ ("nshamah") ist allerdings nicht allein auf Menschen beschränkt. Jedes lebendige Geschöpf besitzt ihn. Sowohl die Tiere, die mit Noah in die Arche gingen, als auch die anderen, die in der Flut umkamen, hatten nach Aussage der Bibel diesen „Odem des Lebens“ (1 Mo 7,15.22).

    Dort wo in unseren Bibelübersetzungen „lebendiges Wesen“, „lebendige Seele“ oder „lebende Seele“ steht, findet sich der hebräische Ausdruck "näphäsch chajjah". Diese Formulierung wird nicht nur für Menschen gebraucht, sondern auch für Meerestiere, Insekten, Reptilien und Landtiere (1 Mo 1,20.24; 2,19).

    "Näphäsch", das Wort, das als „Wesen“ oder „Seele“ übersetzt wird, geht zurück auf "naphasch" (atmen). Im Griechischen des Neuen Testaments entspricht dem das Wort "psyche". Da der Atem der offenkundigste Beweis für Leben ist, bezeichnet "näphäsch" seiner Grundbedeutung nach den Menschen als ein lebendiges Wesen, als eine Person. Wenn "näphäsch" auf Tiere angewendet wird, wie es im Schöpfungsbericht geschieht, werden sie damit als lebende Geschöpfe bezeichnet, die aus der Hand Gottes hervorgegangen sind.

    Bemerkenswerterweise sagt die Bibel: Der Mensch WURDE eine lebendige Seele. Im Schöpfungsbericht gibt es keinen Hinweis darauf, dass der Mensch eine Seele erhalten hätte.

    Die Bedeutung von "Seele".

    Das Wort „Seele“ ist eine Übersetzung des hebräischen "näphäsch". In 1. Mose 2,7 bezeichnet es den Menschen als lebendiges Wesen, dem der Lebensodem eingehaucht worden ist. „In gleicher Weise entsteht immer dann, wenn ein Mensch geboren wird, eine Seele. Jede Seele ist eine neue Lebenseinheit, individuell und einzigartig.

    Bei dem Begriff "näphäsch" geht es nicht um einen Teil der Person, sondern um die Person selbst. Folglich findet sich an vielen Stellen für "näphäsch" auch die Übersetzung Leute, Mensch, Person (jemand) oder selbst (vgl. 1 Mo 12,5; 14,21; 3 Mo 2,1; 4,2; 11,43; 4 Mo 31,40; usw.). Andererseits sind Ausdrücke wie 'meine Seele', 'deine Seele', 'seine Seele' usw. allgemeine Umschreibungen für das Personalpronomen (vgl. 1 Mo 12,13: 'ich'; 5 Mo 12,20: 'dich'; 3 Mo 11,43.44: 'euch'; 4 Mo 5,6: 'ihnen'; Ps 3,3: 'mir'). Häufig findet sich in deutschen Bibelübersetzungen für "näphäsch" auch das Wort 'Leben' (1 Mo 9,4; 1 Sam 19,5; Hiob 2,4.6; Ps 31,14 usw.). "Näphäsch" bezeichnet zudem den Sitz der Wünsche, Gelüste und Begierden des Menschen (5 Mo 23,25: 'Wunsch'; 5 Mo 12,20.21: 'Gelüste'; Pred 6,7 EB). Auch Gefühle und Liebe entspringen der Seele (Ps. 86,4; Hld 1,7). Außerdem kann "näphäsch" getötet werden (4 Mo 31,19) und sterben (Ri 16,30: ich; Hes 18,4: jeder – EB), ja sich sogar auf einen Toten beziehen (4 Mo 5,2; 4 Mo 9,6.7.10; 3 Mo 19,28.)

    Der Gebrauch des Wortes "psyche" im Neuen Testament entspricht dem des Wortes "näphäsch" im Alten Testament. Es bezieht sich sowohl auf das Leben der Tiere als auch auf das Leben der Menschen (Offb 16,3). Oft wird es mit 'Leben' übersetzt (Mt 2,20; 6,25; 10,39; 16,25); in einigen Texten bezeichnet es einfach 'Menschen' (Apg 7,14; 27,37; Röm 13,1: 'jedermann'; 1 Ptr 3,20), in anderen ist es lediglich Ersatz für das Personalpronomen (Mt 12,18; 2 Kor 12,15). Manchmal steht es in Verbindung mit Gefühlen (Mk 14,34; Lk 2,35; Apg 14,2), dem Denken (Phil 1,27: 'einmütig') oder auch dem Herzen (Eph 6,6) des Menschen. Die "psyche" ist nicht unsterblich, sondern dem Tode unterworfen (Offb 16,3) und kann zerstört werden (Mt 10,28).

    Aus dem biblischen Befund lässt sich daher belegen, dass sowohl "näphäsch" als auch "psyche" mitunter den ganzen Menschen, an anderen Stellen nur besondere Aspekte des Menschen beschreiben, so seine Stimmungen, Gefühle, Neigungen oder sein Empfinden. Dieser Gebrauch lässt jedoch in keiner Weise den Schluss zu, dass der Mensch aus einzelnen Teilen besteht. Körper und Seele existieren nur zusammen, bilden eine untrennbare Einheit.

    Die Bedeutung von "Geist".

    Das Wort "ruach" wird häufig mit Geist, Wind oder Odem (Atem) übersetzt (1 Mo 8,1 usw.). Es wird zudem benutzt, um die Vitalität (Ri 15,19), die Atemlosigkeit und Verzagtheit (Jos 2,11), das Temperament bzw. den Zorn (Ri 8,3), die seelische Verfassung (1 Sam 1,15; Jes 54,6) oder den sittlichen Charakter (Hes 11,19) des Menschen zu beschreiben.

    Wenn es um den Atem oder Odem geht, ist "ruach" bei Mensch und Tier identisch (Pred 3,19). "Ruach" verlässt den Körper des Menschen beim Tod (Ps 146,4) und kehrt zu Gott zurück (Pred 12,7; vgl. Hiob 34,14). "Ruach" bezeichnet häufig auch den Geist Gottes, so in Jesaja 63,10. Das Alte Testament verwendet "ruach" in Bezug auf den Menschen nie im Sinne eines intelligenten, empfindsamen Wesens, das getrennt vom Körper existieren könnte.

    Das entsprechende Wort für "ruach" im Neuen Testament ist "pneuma". Es geht auf den Wortstamm "pneo" mit der Bedeutung 'wehen' oder 'atmen' zurück. Ebenso wie bei "ruach" deutet auch bei "pneuma" nichts auf einen Teil im Menschen hin, der losgelöst vom Körper als selbständiges Wesen mit Bewusstsein existieren könnte. Vom neutestamentlichen Gebrauch her hat es ebenfalls keine derartige Bedeutung, sofern es sich auf Menschen bezieht.

    In Textstellen wie Römer 8,15; 1. Korinther 4,21; 2. Timotheus 1,7 und 1. Johannes 4,6 bezeichnet "pneuma" die Haltung oder den Gefühlszustand. Andererseits werden mit diesem Begriff auch Wesensmerkmale einer Person beschrieben, so in Galater 6,1; Römer 12,11 usw. Wie "ruach" so geht auch "pneuma" beim Tod zurück zu Gott (Lk 23,46; Apg 7,59). Ferner wird "pneuma" auch für den Geist Gottes gebraucht (1 Kor 2,11.14; Eph 4,30; Hbr 2,4; 1 Ptr 1,12; 2 Ptr 1,21 usw.).

    Die Einheit der Natur des Menschen.

    Obwohl die Natur des Menschen von der Bibel als Einheit gesehen wird, klärt sie das Verhältnis zwischen Leib, Seele und Geist nicht ganz genau. An manchen Stellen sind die Begriffe „Geist“ und „Seele“ austauschbar. Beachten wir zum Beispiel den Parallelismus im Lobgesang der Maria: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ (Lk 1,46.47) Einmal beschreibt Jesus den Menschen als „Leib“ und „Seele“ (Mt 10,28), Paulus dagegen spricht in einem anderen Zusammenhang von „Leib“ und „Geist“ (1 Kor 7,34).

    Paulus, der von der Einheit aus Körper und Geist sprach, bezeichnet das Individuum auch als Einheit mit drei Seiten. Er schrieb: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“ (1 Ths 5,23) In diesem Text gibt Paulus seinem Wunsch Ausdruck, dass keine Seite einer Person von der Heiligung ausgeschlossen sein möge.

    Wenn der Begriff 'Seele' von 'Geist' unterschieden wird, können wir darunter jenen Bereich der Natur des Menschen verstehen, der sich durch Triebe, Gefühle und Wünsche ausdrückt. Auch diese Seite des Menschen kann geheiligt werden. Wenn die Gedankenwelt durch das Einwirken des Heiligen Geistes mit Gottes Willen in Übereinstimmung gebracht ist und der geheiligte Verstand über die niedere Natur die Herrschaft gewonnen hat, werden auch die Triebe, die sonst gegen Gott gerichtet sind, seinem Willen unterworfen. So wird der Mensch in das Bild Christi verwandelt.

    Der Begriff „Leib“ bezeichnet den Körperbau, bestehend aus Fleisch, Blut und Knochen. Der Leib wird entweder von der höheren oder niederen Natur beherrscht. Dass Paulus zuerst vom „Geist“, dann von der „Seele“ und schließlich vom „Leib“ redet, ist kein Zufall. Wenn der Geist geheiligt ist, steht die Gedankenwelt unter göttlicher Leitung. Die geheiligten Gedanken wiederum haben einen heiligenden Einfluss auf die Seele, also auf Wünsche, Gefühle und Gemütsbewegungen. Wo sich Heiligung vollzieht, wird der Mensch mit seinem Körper keinen Missbrauch treiben und sich weithin guter Gesundheit erfreuen. So wird der „Leib“ zu einem geheiligten anvertrauten Gut, mit dem der Christ seinem Herrn und Heiland dienen kann. Der Aufruf des Apostels Paulus zur Heiligung hat seine Wurzel eindeutig im Verständnis von der Einheit der menschlichen Natur. Er zeigt, dass eine aufgeschlossene Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi notwendigerweise die ganze Person einschließt – also Geist, Seele und Leib.

    Jedes menschliche Wesen bildet also eine untrennbare Einheit: Leib, Seele und Geist sind völlig aufeinander abgestimmt. Die geistigen, gefühlsmäßigen und körperlichen Bereiche einer Person sind aufs engste miteinander verwoben. Schwächen auf dem einen Gebiet wirken sich auch auf die anderen negativ aus. Ein kranker und verwirrter Geist wird die Gefühlslage wie auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Auch das Gegenteil trifft zu: Ein geschwächter, kranker Körper beeinträchtigt in der Regel die Gefühlslage und die geistige Gesundheit. Diese Wechselwirkungen lassen erkennen, dass Gott einem jeden von uns Verantwortung dafür übertragen hat, auf eine gesunde, ausgewogene Lebensweise zu achten. Auch das gehört zum göttlichen Plan, das Bild des Schöpfers im Menschen wiederherzustellen.

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    "Was Adventisten glauben: 28 biblische Grundlehren umfassend erklärt", S. 123-128, von mir überarbeitet
    Dir wird wenig vergeben, wenn du wenig liebst. Dir wird viel vergeben, wenn du viel liebst. (Lukas 7,47-50)

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