Irrtum

    • Egal mit welcher Literatur man sich befasst oder welche Erklärungsversuche gegeben werden, alles ist auch immer mit Irrtum behaftet.
      Trotzdem meint man , in den Dingen, von denen man überzeugt ist , nicht zu irren. Klingt jetzt vielleicht seltsam, aber genau das ist, was mich
      teilweise ganz "irre " macht :D
      Jeder hat seine ganz individuelle innere Ordnung und manchmal frage ich mich, ob denn irgendwo ein Hinweis in der Bibel ist, der den Sinn von dieser Tatsache erklärt.
      :help:
      Die verschiedenen Ställe für die Schäfchen gehören doch alle ausgemistet und viel schöner wäre es auf der Wiese :hands:
      Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
    • ...

      Pfingstrosen schrieb:

      Trotzdem meint man , in den Dingen, von denen man überzeugt ist , nicht zu irren.
      mitunter nennt man das dann auch 'Glauben' ...

      in der Bibel kann man da wohl kaum Hilfestellung finden, denn sie wurde von Menschen überliefert, die irren können.
      Das heißt, wenn man die prinzipielle Möglichkeit des Irrtums betrachtet,
      muss man auch über die Mögliichkeit nachdenken, dass sich Irrtümer in der Bibel finden ...
      Nicht alles, was gezählt werden kann, zählt (Einstein)
    • Was genau meinst du nun, Pfingstrosen?

      Wovon ist dort die Rede und wie absolut ist es?
      Johannes spricht vom Evangelium, die Auferstehung des Herrn. Das predigten sie und es gab Gegner der Lehre.
      So sagt Johannes nun: Sie erkennen es nicht. Sie haben nicht den Geist. (Vollkommen richtig, sehe ich genauso)

      Ist dieses Urteil absolut? Nein, denn es kann doch jemand einmal erkennen. Deshalb predigt man es ja.
      Sonst müsste man ja nach dem ersten Widerstand den Menschen drangeben.

      Er spricht von jenen, wo es so ist und sagt schlicht und einfach: Bei denen ist es so gestellt; keine Erkenntnis der Wahrheit, Geist des Irrtums.
      Das muss nicht so bleiben.

      Das aber betrifft ja das Evangelium. Wenn man aber den Glauben hat, macht man auch Fehler und hat Irrtümer. Diese Irrtümer sind nicht schlimm, solange man lernt und dann das Alte auch ablegt.
      "Ich habe geirrt darin; ich will es nun nicht mehr verfolgen, sondern einen anderen Weg gehen"; ganz schlicht und einfach, ohne viel Theater.
      denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.
      (Hebräer 11,27b)
    • Seele1986 schrieb:

      Was genau meinst du nun, Pfingstrosen?
      Was das Evangelium betrifft, ist alles Zusätzliche ein Irrtum, wenn man damit meint an der Erlösung mitzuwirken oder Vergebung zu bewirken. Ob das die Marienanrufung ist oder vegetarische Ernährung. Allein der von der Schrift verkündigte Christus ist unser Ziel und unsere Rettung.

      Wer das erkennt, der versteht was die Apostel sagen, aber ich glaube der versteht das auch in ganz anderen Texten, die vielleicht sogar gar nicht in der Bibel , sondern sonstwo geschrieben sind, weil es nicht ein Buch, sondern der Geist Gottes ist, der direkt zum Menschen spricht.

      Ich weiß nicht, ob ich Irrtum so benutzen würde wie du. Irrtum als Fehler, der korrigiert werden kann.
      Vielleicht denke ich mehr an Berufung und nicht Berufung, Wach oder schlafend.
      Würden Menschen zwischendrin nicht versagen, dann gäb es diese Weltgeschichte so gar nicht und nur so erfüllen sich Prophetie und
      Ereignisse, die kommen sollen. Trotzdem ist der Irrtum nicht bestimmt und muss so sein.

      Vielleicht beschäftigt mich grundsätzlich die Frage wieviel es an uns liegt Irrtum zu erkennen und , wie du sagst, Veränderung zuzulassen.

      Psalm 31 Sicher ist...man braucht Führung!
      Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
    • Pfingstrosen schrieb:

      Ich weiß nicht, ob ich Irrtum so benutzen würde wie du. Irrtum als Fehler, der korrigiert werden kann.
      Vielleicht denke ich mehr an Berufung und nicht Berufung, Wach oder schlafend.
      So habe ich Irrtum aber nicht benutzt, sondern ich habe genau das gesagt, was du hier schreibst: Wach oder schlafend.
      Das aber ist ein Prozess, kein Zustand; das meine ich.

      Es gibt auch Menschen, die erkennen das Evangelium ihr ganzes Leben nicht. Ich kann das nicht beurteilen. Bis zum letzten Atemzug gäbe es die Möglichkeit.
      Die Bibel spricht sehr wohl von den Erwählten und von jenen, die in Finsternis bleiben. Sie sagt aber nicht, wer das ist, sondern sie sagt einfach nur, dass es sie gibt.

      Ich bin in einem christlichen Umfeld großgeworden; das ist ein großer Vorteil, den andere nicht haben. Es spielen viele Faktoren dort hinein.
      Nun kann man sich fragen: Habe ich mir das angeeignet, habe ich "Jesus angenommen", mich "entschieden", etc., oder hat Gottes Geist mich erleuchtet?
      Ersteres ginge ohne letzteres nicht, letzteres aber wäre nur eine Theorie, wenn ich nicht auch mit meinem Leben antworten will.
      Das ist ein Wechselspiel. Die Ehre aber würde ich immer Gott geben: nicht ich habe ihn angenommen, sondern er hat mich gerettet und lehrt mich seither.

      Finsternis und Licht, dieses Bild benutzt die Bibel dafür, nicht Ablehnung oder Zustimmung zu einer Theorie.
      Wirklich eingesehen habe ich das Evangelium 2010, als eine baptistische Freundin mich fragte: "Würdest du sagen, du bist bekehrt?", und mir erklärte, was mit Bekehrung gemeint ist.
      Aber sowohl davor, wie auch danach ist ja sehr viel passiert, Pfingstrosen. Diese Bekannte und der Besuch in der Baptistengemeinde war nur ein kleines Stück aus einem großen Bild, von einem langen Weg.

      Man beliest sich dann ja auch und findet zahlreiche Ideen, was das "Evangelium" denn nun sei und sage, was man aus der Bibel wissen muss, was "Wahrheit und Irrtum" sei, usw.;
      und man bekommt einen riesigen Wasserkopf, eine endlose Welt der Theorien, alle wohlgemerkt immer darauf gegründet, wer und dass die anderen falsch waren oder falsch sind, usw.
      - So geht das in einer Tour und man weiß irgendwann gar nichts mehr.

      Dann kann man zu der Einsicht kommen, dass man dies alles ablegen muss und beginnt nochmal beim Substanziellen: Gebet, Schrift, Erfahrung.
      Und man begreift lauter Dinge.

      Es ist ein Weg. Abraham war am Ende nicht mehr der gleiche wie jener, der aus Ur ausgezogen ist; er hat Vertrauen gehabt und das wird ihm angerechnet.
      Mose war am Ende nicht mehr der gleiche wie jener, der den Aufseher erschlagen hat und in die Wüste floh; er hat Vertrauen gehabt.

      Der Mensch erdenkt sich seinen Weg, aber Gott lenkt seinen Gang.
      denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.
      (Hebräer 11,27b)
    • Warum ist etwas "Etwas" und nichts "Nichts" ?

      Pfingstrosen schrieb:

      Egal mit welcher Literatur man sich befasst oder welche Erklärungsversuche gegeben werden, alles ist auch immer mit Irrtum behaftet.
      Auf Grund unserer begrenzten Möglichkeit der Erkenntnis könnte es Wirklichkeiten geben, die uns prinzipiell verborgen bleiben.


      Als Beispiel die Frage: Warum ist die Welt vorhanden ?
      Ein ehrlicher Forscher kann Dir darauf keine Antwort geben, denn er kann nur über Fakten urteilen, die in seinem Erfahrungsbereich liegen, die unmittelbar oder mittelbar aus der Sinneswahrnehmung abgeleitet werden. "Warum geschieht dieses oder jenes in der Welt ?" Diese Frage könnte der Forscher eventuell noch beantworten, nicht jedoch die Frage: "Warum gibt es diese Welt" ?

      Wie könnte der Mensch auch eine Ursache für "den Anfang" oder für die Existenz der Welt angeben, wenn die Ursache nicht ein Bestandteil des eigenen Erfahrungsbereiches sein kann ? Das Verlangen nach "Wahrheit" hat den Menschen doch auch zu der Entdeckung geführt, dass die Realität der "Alltagswelt" nicht weniger hypothetisch ist, als die des "Jenseitigen".

      Es ist doch z.B. auch nicht möglich, aus unserer Erfahrung logisch zwingend zu folgern, dass z.B. Gott existiert oder nicht. So glaube ich, dass es nicht möglich ist, ein Weltbild oder Gottesbild zu entwerfen, welches sowohl das (Wunsch)denken des Menschen befriedigt, als auch zugleich irrtumslos ist und mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Wer z.B. das Leiden der Geschöpfe oder ungerechte Nahrungsverteilung für eine atheistische Position anführt, geht ja ebenfalls von einem stark vermenschlichten Gottesbild aus. Wenn Astronauten in das Weltall aufsteigen und bei ihrer Heimkehr verkünden "Ich habe Gott da oben nicht getroffen" dann ahnen diese doch auch nichts von der unerklärbaren und unbegreiflichen Unendlichkeit Gottes. Andererseits kann ein Gläubiger zwar Liebe und Barmherzigkeit predigen, doch seine Taten oder Vorschriften für Gläubige können eine andere Sprache sprechen. Ebenso können sich Gläubige (trotz des Aspektes das von einem Geist der Wahrheit gesprochen wird) untereinander verurteilen, sich den Glauben gegenseitig absprechen, vielleicht "vor-ver-urteilen" ohne einander richtig zu kennen oder die Motive des anderen zu kennen.

      Das Gott nicht so ist, wie es der Mensch gerne hätte, ist aber kein Argument gegen seine Existenz. Und wenn Realität und Glaube nicht zusammen passen, dann wäre dies doch auch kein Argument gegen die Existenz Gottes, sondern lediglich die Feststellung, dass Gott nicht so ist, wie es sich mancher vielleicht wünschen oder nicht wünschen würde...

      Was ist Wahrheit ?
      Was ist Irrtum ?
      Was ist Barmherzigkeit?
      Was ist Raum und Zeit ?
      Was ist Geist ?

      Ich kann ein jahrhundertealtes Uhrwerk untersuchen, dabei viele interessante Zusammenhänge entdecken. Schrittweise den Arbeitsablauf der Uhr etwas besser verstehen. Vielleicht kann ich dann auch irgendwann mal erklären wie das Uhrwerk funktioniert, aus welchen Teilen es besteht, aber ich könnte aufgrund meiner Erfahrung niemals sagen, wer die Uhr gebaut hat, was Zeit ist oder warum es die Uhr und die Zeit gibt.

      Man findet Gott nicht vor in Raum und Zeit - Der Gläubige wird sagen: Gott ist Geist. Wir lesen die Bibel und bejahen: Gott ist die Liebe. Ist dies nun Wahrheit oder Irrtum ? Kann Gott Liebe sein oder kann Gott ein Gott der Liebe im Sinne der "menschlichen Liebe" sein ? Was ist überhaupt Liebe, Barmherzigkeit, Güte, Versöhnlichkeit ? Sind es Elemente des (menschlichen) Denken, Handeln, Fühlen oder Erleben ? Sind dies "Schöpfungen des Gehirns" ? Es gibt ja z.B. auch Menschen die aufgrund gewisser neurologischer Erkrankungen nicht in der Lage sind "Liebe" zu verspüren. Sind Liebe, Barmherzigkeit oder Gnade göttliche Tugenden, Geistesgaben oder Empfindungen eines Lebewesens als Produkt des Nervensystems ?

      Warum ist etwas "etwas" und nichts "nichts" ?
      Hängt die "rationale" Basis des Glaubens an Gott von einer "literarischen" Theorie ab oder von einem lebendigen Wort ? Und welcher Mensch wäre schon in der Lage eine umfassende, erschöpfende und bis ins letze gehende Erklärung für Gott oder diese Welt zu finden ?

      Am Anfang war Gott, die Erde war wüst und leer.
      Die Erde war "nichts" könnte man sagen. Ist dieses "Nichts" etwas nicht genauso unbegreiflich wie Gott ? Und wie unbegreiflich erscheint es erst dann, dass der Geist Gottes auf den Wassern schwebte und aus dem wüsten, leeren Nichts eine solche Schönheit und Artenvielfalt hervorbrachte ? Manche Menschen sagen, dass die Welt aus dem Nichts entstand - Da war nichts, kein Gott, keine Erde, einfach Nichts. Doch wenn "nichts" existiert, könnte es dann nicht ebenso sein, dass plötzlich alles Beliebige entsteht, sofern es in sich widerspruchsfrei wäre ?

      Was also ist Wahrheit ? Was ist Irrtum ?
      Mich überzeugt weder ein/e theistischer, deistischer noch ein/e atheistischer Irrtum bzw. Wahrheit. Ganz gleich welche Position man auch vertreten mag, keine davon ist beweisbar. Versuchte ich auf all diese Fragen eine Antwort zu geben, so kann ich mich irren, ich könnte auch richtig liegen.

      Für mich persönlich bleibt der Glaube übrig. Ein Glaube, der sagt: "Ich glaube und daher vermute ich, dass die tiefste Ursache der Welt eine Wahrheit, eine Realität ist, die meinem Erkennen, Denken und Forschen nicht zugänglich ist - Denn diese Wahrheit, diese Realität liegt "außerhalb" der physischen oder psychischen Welt. Gott ist Schöpfer dieser Welt - Das nehme ich im Glauben an, ganz egal ob ich mich nun irre oder ob es der Wahrheit entspricht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von James Gabriel ()

    • Seele1986 schrieb:

      Wirklich eingesehen habe ich das Evangelium 2010, als eine baptistische Freundin mich fragte: "Würdest du sagen, du bist bekehrt?", und mir erklärte, was mit Bekehrung gemeint ist.
      Könntest Du aus deiner Sicht bitte erklären, was nun Bekehrung genau ist.
      Die Bibel sagt, dass niemand ohne den Heiligen Geist Jesus den Herrn nennen kann. (---> siehe 1Kor 12,3), d.h. es kann eine Bekehrung eines Menschen nur geben, wenn ihm der Heilige Geist ins Herz dringt und er ihm sagt: "Glaube an den Herrn Jesus, dass ER dein Heiland und Erretter ist, der FÜR DICH am Kreuz von Golgatha gestorben ist!" ===> Dieses ist doch die "christliche Bekehrung" - sehe ich das richtig?
    • GOTT = GEIST + GOTT = LIEBE!

      James Gabriel schrieb:

      Was ist Wahrheit ?
      Was ist Irrtum ?
      Was ist Barmherzigkeit?
      Was ist Raum und Zeit ?
      Was ist Geist ?
      Was ist Wahrheit ? Joh 14,6 "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."

      Was ist Irrtum ? Irrtum ist, das Gute nicht zu erkennen! ---> siehe: Weis 10,8

      Was ist Barmherzigkeit? Eph 2,4 "Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat"
      Jak 2,13 "Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht."

      Was ist Raum und Zeit ?
      Weis 12,20 "Denn wenn du die Feinde deiner Kinder, die des Todes schuldig waren, mit solcher Sorgfalt bestraft hast, wenn du ihnen Zeit und Raum gegeben hast, dass sie von ihrer Bosheit lassen konnten" - In Raum und Zeit hat sich Gott offenbart, Gott hat "Raum und Zeit" geschaffen! "Raum und Zeit" ist das Gegenteil/ der Gegenpol zur "Ewigkeit"

      Was ist Geist ? Joh 4,24 "Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten."

      James Gabriel schrieb:

      Man findet Gott nicht vor in Raum und Zeit - Der Gläubige wird sagen: Gott ist Geist. Wir lesen die Bibel und bejahen: Gott ist die Liebe. Ist dies nun Wahrheit oder Irrtum ?
      Doch - gerade in JESUS CHRISTUS hat sich der EWIGE GOTT in seinem EINGEBORENEN SOHN in Raum und Zeit geoffenbart! Das ist einmalig in der Religionsgeschichte - dies gibt es in keiner anderen Religion auf Erden! ===> GOTT kommt in JESUS zu uns! ===> "GOTT WIRD MENSCH - DIR MENSCH ZUGUTE!"
      Ja, und GOTT IST AUCH GEIST - so viel größer und erhabener als wir - ER IST UNSER SCHÖPFER - unvorstellbarer EWIGER SEIENDER - EWIG DA SEIEND vor aller Zeit und vor allem Raum - Schöpfer des riesengroßen unfassbaren Universums! Wir können nur staunen, dass dieser GROSSE GOTT sich so klein gemacht hat und in Gestalt eines Menschen - in der Gestalt des Jesus von Nazareth uns seine große Liebe erwiesen hat! ===> Ja, und deshalb ist GOTT AUCH DIE LIEBE!

      ==> Daher gilt: Sowohl, dass GOTT = GEIST ist und dass GOTT = LIEBE ist, ist ABSOLUTE WAHRHEIT! Bewiesen durch sein geistvolles Wirken im Alten Testament und durch das Erscheinen und Wirken seines Sohnes im Neuen Testament - das dann im Wirken des Heiligen Geistes Geist und Liebe miteinander verbindet! ===> Und daher gilt selbstverständlich auch:

      James Gabriel schrieb:

      Gott ist Schöpfer dieser Welt - Das nehme ich im Glauben an
      Ja, Amen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Norbert Chmelar ()

    • Norbert Chmelar schrieb:

      Dieses ist doch die "christliche Bekehrung" - sehe ich das richtig?
      Ja.

      Ich habe damals schon an Gott geglaubt; ich habe im Prinzip immer an Gott geglaubt und ihn gesucht. Ich bin vielleicht ein nicht ganz passendes Beispiel für andere, denn ich habe seit ich denken kann ohnehin nichts anderes gesucht.

      Aber ich lernte sie dann in der Pflegeausbildung kennen und hatte Interesse. Vom "Christentum" und von den Kirchen wusste ich bereits sehr viel; das ist nicht der Punkt.
      Ich hatte auch einen tiefgläubigen Großvater, der mir immer Vorbild war; auch das ist nicht der Punkt.
      Ich habe, nachdem er starb, mit seiner Frau, meiner Stiefoma sozusagen, Briefe geschrieben, viele Jahre lang, und sie erklärte mir darin alles, was sie glaubten;
      das alles sind Schritte auf einem Weg und es ist sehr hilfreich, wenn man soviel Beispiel und Lehre bekommt; wenn man es gehört hat.

      Diese Baptistin aber, mit der ich mal in ihre Gemeinde gegangen bin, mit der ich mich ausgetausch habe, die fragte mich eines Tages im Dezember: "Würdest du sagen, du bist bekehrt?"
      (Dass ich sehr belesen war, dass ich "Ahnung" hatte, dass ich gläubig bin, das wusste sie alles; das war alles vollkommen egal)
      Ich hatte zwar Vorstellungen von dem Begriff aus freikirchlicher Sicht, aber ich fragte sie, was sie damit meine.
      Und sie sagte: "Wenn du begreifst, dass du vor Gott ein Sünder bist; dass du vollkommen verloren bist in dir selbst; dass Jesus dich von dieser Sünde gerettet hat. Und du bekennst deine Sünde vor ihm und kannst mit ihm neu anfangen."

      Ich sagte dann, dass ich darüber noch nie so nachgedacht habe. Ich nahm mir das zu Herzen, saß abends allein zuhause, las und sann darüber nach.
      Und dann habe ich Rotz und Wasser geheult und alles was ich bin und habe Ihm gegeben.

      Danach kam viel Anfechtung, viel Verfehlung und Sünde, aber dieser Weg war nun beschritten. Umkehren/ Bekehren muss man öfters; "ich sterbe täglich", sagt Paulus.
      Aber dieser Tag war ein fester Punkt, wo etwas angebrochen ist. Ich weiß das genaue Datum nicht, das ist vollkommen unwichtig. Es geht um das, was im Geist geschehen ist.

      Und dann kam viel Theorie, viel Schauen und Suchen, wohin, welche Praxis, welche Gemeinschaft, welches Umfeld, usw.; dadurch habe ich mich dann ja auch mit dem Adventismus beschäftigt.
      Alles hilfreich, lehrreich. Überall findet man Gutes, das man behalten kann, anderes, das man verwerfen muss. So lernt man.

      Und dann habe ich beschlossen, zum Wesentlichen zurückzukehren. Daran wird sich nichts mehr ändern. Irgendwann findet man dann doch seinen Platz.

      Das ist aber mein Leben. Andere haben andere Werdegänge. Es gibt da keine Regel. In der Apostelgeschichte finden wir auch ganz unterschiedliche Wege.
      Der eine wird unterrichtet in der Schrift und lässt sich taufen, weil die Prophezeiungen stimmten;
      die anderen haben bereits Bußtaufe und Glauben, bekommen aber noch die Geisttaufe;
      wieder andere glauben, nachdem sie die Wunder gesehen haben (und haben dann noch viel zu lernen);
      wieder andere sind bewegt, weil dieser Gläubige, den sie da sehen und hören, etwas an sich hat, was heilig und göttlich scheint; usw.

      Es ist unterschiedlich.
      Alle Theorie aber muss oder sollte einmal echte Erfahrung und Praxis werden.
      Theoretisch und dogmatisch eine Form halten zu wollen, ist sehr anstrengend und kräftezehrend, und selbstverleugnend.

      Gott segne eure Wege!
      denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.
      (Hebräer 11,27b)
    • Seele1986 schrieb:

      Und sie sagte: "Wenn du begreifst, dass du vor Gott ein Sünder bist; dass du vollkommen verloren bist in dir selbst; dass Jesus dich von dieser Sünde gerettet hat. Und du bekennst deine Sünde vor ihm und kannst mit ihm neu anfangen."
      Ja - dafür danken wir unserem Heiland Jesus Christus ohne den wir total verloren wären!

      Seele1986 schrieb:

      Umkehren/ Bekehren muss man öfters; "ich sterbe täglich", sagt Paulus.
      Wie sagte doch Luther in seiner ersten These zu Recht: "Damit das ganze Leben der Christen Buße sei...!"

      Seele1986 schrieb:

      Überall findet man Gutes, das man behalten kann, anderes, das man verwerfen muss. So lernt man.
      Wie sagte doch Paulus so richtig:

      Bibelstelle

      Prüft aber alles und das Gute behaltet.(1.Thessalonicher 5,21)
    • Lieber @Norbert Chmelar,

      hab' Dank für Deinen Beitrag, den ich vollkommen zustimme.

      Es ist gut, dass wir z.B. auf die Frage "Was ist Wahrheit (für einen persönlich)" mit den Worten Jesu antworten können. Für einen Gläubigen mag es einfach sein, die Liebe Gottes jeden Tag auf das Neue zu bejahen. Diese Liebe die Gott zu uns hat, erscheint uns als Wahrheit, weil wir sie erleben können.

      Mit meiner Aussage "Man findet Gott nicht vor in Raum und Zeit" meinte ich, dass wir die Wahrheit oder den Irrtum an Gott
      nicht objektiv, wissenschaftlich, nachweißbar oder belegbar machen können. Gut, dass dies auch nicht Gegenstand unseres Glaubens ist.

      Gerne zitieren wir Johannes 3,16 - "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt..."
      Für uns mag es Wahrheit sein, für andere Menschen ist es ein "Irrtum", schlichtweg weil sie Gott vielleicht ganz anders erlebt haben oder noch nicht erlebt haben. Ich bin @Seele1986 für sein Zeugnis hier dankbar, er spricht von seinem ganz persönlichen Erleben mit Gott und was er erlebt hat, dass ist nachvollziehbare Wahrheit.

      Wir könnten viel mit der Bibel argumentieren, aber unsere Wahrheit wird deswegen nicht "wahrer" und der Irrtum wird nicht "falscher". Gott, Bekehrungen und Erlebnisse mit Gott lassen sich nun mal nicht in Formen, Dogmen oder Verse "pressen". Wir können zwar sagen, dass wir glauben, dass dieses oder jenes Wahrheit weil es so geschrieben steht.
      Doch wird es dadurch "wahrer" ?

      Ich denke, dass Wahrheit die ich nicht persönlich erlebt habe, nicht viel besser als Irrtum ist.
      Wie könnte ich zum Beispiel sagen, dass das geschriebene Wort "Lass Dir an meiner Gnade genügen" Wahrheit oder Irrtum ist, wenn ich es selbst nie erlebt habe, dass es Wahrheit ist bzw. für mich durch den "Geist der Wahrheit", durch die Gnade Gottes, durch den Glauben zur Wahrheit wurde ?