Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit und Glaubensbekenntnisfreiheit in Russland

    • Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit und Glaubensbekenntnisfreiheit in Russland

      Hallo,
      ich habe erst vor ein paar Wochen erfahren, dass die russische Regierung schon seit Sommer 2016 immer restriktiver gegen "Extremisten" vorgeht. Private religöse Versammlungen (z. B. Hauskreise) können nun als konspirative Treffen juristisch verfolgt werden, da eine gewisse "Terrorgefahr" damit verbunden wird. Was sich wohl hauptsächlich gegen islamistische Terroristen richtet, betrifft jedoch auch andere Glaubensüberzeugungen. Entsprechende Gesetze wurden in den "Sommerferien" verabschiedet. Viele religöse Minderheiten sind davon wohl betroffen. Der adventistische Pressedienst berichtete letztes Jahr darüber:

      Gegen Einschränkung durch Antiterror-Gesetze in Russland
      Russland: Adventistische Kirche will Mitgliedern beistehen

      Heute wurden nun die Zeugen Jehovas verboten und enteignet (!):
      Russland: Oberstes Gericht verbietet Zeugen Jehovas - SPIEGEL ONLINE

      "Das Oberste Gericht Russlands hat die Zeugen Jehovas verboten und die Beschlagnahmung ihres Besitzes angeordnet. Das verkündete Richter Juri Iwanenko in Moskau.
      Zuvor hatte das russische Justizministerium das Gericht aufgefordert, die Zeugen Jehovas als "extremistische Organisation" zu verbieten. "Sie stellen eine Gefahr für die Rechte der Bürger, die öffentliche Ordnung und die öffentliche Sicherheit dar", sagte eine Vertreterin des Ministeriums laut der Agentur Interfax."

      Ich persönlich finde das total erschreckend: Ein Land, dass sich vor 25 Jahren von seiner Diktatur verabschiedete, genoss für viele Jahre Religionsfreitheit - und nun wird sie wieder massiv eingeschränkt durch das Argument der Terrorbekämpfung. Der autokratische Führungsstil der russischen Elite kommt nun also auch bei den religiösen Minderheiten an, insbesondere wenn sie aus dem Ausland stammen.

      Sorge macht mir daher auch der autokratische Trend manch anderer EU-Länder. Polen geht schon in eine bestimmte Richtung, Ungarn ist schon weiter... In den europäischen Kernländern haben rechts-nationale Strömungen (Le Pen, Wilders, AfD) Aufwind. Dass sie demnächst an die Macht kommen, sehe ich aber derzeit noch nicht.

      Mir ist durch diese Ereignisse sehr bewusst geworden, wie gut es uns in Deutschland geht. Ich sehe aber auch, welche Probleme das mit sich bringt aus missionarischer Sicht. Es ist einfach nur paradox, dass unsere Freiheit und unser Reichtum Mission immer schwieriger machen und andererseits Armut und Verfolgungen zu Wachstum führen (können).

      Soll man nun dafür beten, dass man nicht verfolgt wird und es dem eigenen Land gut geht? Beides würde ja Mission erschweren...? Sollte man daher nicht umgekehrt für Verfolgung und Armut beten?

      Ich weiß, dass Mission unabhängig von den Randbedingungen stattfinden sollte, dennoch sind das für mich Beobachtungen, die mir irgendwie paradox erscheinen. Wie soll man mit diesen Widersprüchen umgehen?
      Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

      Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
    • HeimoW schrieb:

      Ich denke, das ist nur ein Anfang...

      ...und wir streiten über Ostereier!
      Ja, wir streiten uns, weil es uns zu geht. Hätten wir richtige Probleme, könnten wir vielleicht mehr zusammenrücken und gemeinsam beten.
      Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist es unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich
      (Matthäus 19, 26)
    • HeimoW schrieb:

      Hier ein Bericht aus "Die Welt"
      Ich hab' die Vorgänge in Russland über die APA mitbekommen und bin einfach nur geschockt.

      Die russische Nachrichtenagentur "Interfax" (Die russische Stimme) meldete, dass "Die religiöse Organisation der Zeugen Jehovas Merkmale extremistischer Tätigkeit zeigt. Sie stelle eine Gefahr für die Rechte der Bürger, die öffentliche Ordnung und die öffentliche Sicherheit dar. Als extremistisch stufte die Behörde vor allem die Zeitschrift "Der Wachtturm" ein, die trotz Verbots weiter in Russland verteilt werde. Dass die Zeugen Jehovas ihren Mitgliedern Bluttransfusionen verbieten, sei ein Verstoß gegen Menschenrechte."

      Paradox finde ich vor allem die Aussage "Das die Zeugen Jehovas ihren Mitgliedern Bluttransfusionen verbiete, sei ein Verstoß gegen Menschenrechte."

      Es ärgert mich wenn ich so was lese, weil ich mir denke, dass so eine Aussage ausgerechnet von einer Regierung kommt, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt und wo Schläge und Folter ausgeteilt von Polizei oder Justizbeamten an der Tagesordnung stehen. Obendrein kann sich jeder Mensch freiwillig entscheiden ob er den ZJ beitreten will, und man ist sich sicher bewusst und nimmt es in Kauf, dass er dann keine Bluttransfusionen empfangen darf. Wo ist da bitteschön ein "Verstoß gegen die Menschenrechte" zu sehen ? Jeder hat doch auch das Recht um auf Rechte oder Bluttransfusionen zu verzichten.

      Für die russische Regierung stehen damit die Zeugen Jehovas auf einer Stufe mit extremistischen Vereinigungen wie dem IS. ?(
      Kann mich nicht erinnern, dass ein Zeuge Jehovas jemals einen Terroranschlag verübte...

      Ja, wir hier in Österreich oder Deutschland haben es echt noch gut.
      Mein Mitgefühl gilt den Glaubensgeschwistern in Russland und möge der Herr Seine Hand über sie halten und ihnen jetzt in diesen schweren Stunden Nahe sein.

    • Ja, vor einigen Jahren habe ich gedacht: Christenverfolgung ist vorbei, vor allem auch nach dem Beginn des arabischen Frühlings, aber mittlerweile ist das Thema wieder aktueller denn je und es betrifft alle Christen, so wie es bereits in der Bibel für die letzte Zeit vorausgesagt wurde.

      Liebe Grüsse
      DonDomi
    • Bemo schrieb:

      Soll man nun dafür beten, dass man nicht verfolgt wird und es dem eigenen Land gut geht? Beides würde ja Mission erschweren...? Sollte man daher nicht umgekehrt für Verfolgung und Armut beten?
      Vor einigen Wochen habe ich eine Open Doors Veranstaltung besucht. Der Referent - ein indischer Pastor (Christ) - hat über die Verfolgung in Indien durch buddhistischen Extremisten berichtet. Er hat die Teilnehmer ausdrücklich gebeten, nicht für Freiheit und Wohlstand zu beten, sondern dass die Betroffenen durchhalten können im Bedrängnis... Er hat nämlich ein Vergleich über den geistlichen Zustand der Christen in Wohlstandsländer und wo es Verfolgung gibt.

      James Gabriel schrieb:

      Ja, wir hier in Österreich oder Deutschland haben es echt noch gut.
      Ich habe auch in einem Vortrag von Gudrun Kugler teilgenommen (wenn Du den Link öffnest kommen laufende Bilder, auf dem 8-ten Bild von rechts der dritte bin ich...). Sie (Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete ÖVP - praktizierende Christin) hat auf Grund von konkreten Beispiele gezeigt, dass in Europa - vor allem in Deutschland! - wegen der Ablehnung der Gender-Ideologie sowohl christliche Institutionen und Firmen als Privatpersonen benachteiligt und existenziell bedroht sind. Ein Anfang der Christenverfolgung hierzulande ??

      LG
      Peter
      Jesus:
      "Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten."

      Mat.7:12.
    • Epafroditus schrieb:

      Sie (Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete ÖVP - praktizierende Christin) hat auf Grund von konkreten Beispiele gezeigt, dass in Europa - vor allem in Deutschland! - wegen der Ablehnung der Gender-Ideologie sowohl christliche Institutionen und Firmen als Privatpersonen benachteiligt und existenziell bedroht sind. Ein Anfang der Christenverfolgung hierzulande ??
      Hallo Peter,

      ich kann mir gut vorstellen, dass Frau Kugler diese Meinung ganz berechtigt vertritt. Ich bin normal dafür, dass Politik und Religion getrennt werden, doch ich finde es beeindruckend, dass Frau Kugler den Mut hat, die Probleme ganz offen und direkt anzusprechen. Respekt !

      Klar, Gerechtigkeit ist ein Schlüsselthema für nahezu alle zentralen Lebensbereiche. Die Kehrseite dieser Tatsache ist, dass der Begriff zur reinen Wortfassade verkommen kann. Und genau dieses Phänomen erkenne ich in diesem "Gender - Wahnsinn". Ich sehe, sprachliche Zentralbegriffe, die über Jahrhunderte als maßgebende Prinzipien und Werte ganz selbstverständlich anerkannt und hoch geschätzt wurden - Und nun, gerade deshalb keinen, oder keinen näher definierten Wert mehr besitzen. Spätestens aber, wenn die globale Rezession ihr Haupt erhebt, wird sich diese Operation am offenen Herzen der Vernunft als das entpuppen, was sie heute schon ist: Ein "Freizeit - Luxus" für verwöhnte, anderweitig unausgelastete Akademiker oder "freischaffende Künstler".

      Nur eine akademische Meinungsdekadenz ? Nun, wenn uns halt nur nicht die Entwicklung des Gender-Dogmatismus in den letzten Jahren klar gemacht hätte, dass man es nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. In der öffentlichen Sprache ein unerträgliches Ausmaß von Genderei.
      Vernünftige Debatten unmöglich, gegen die herkömmlichen Argumente, dass das generische Maskulinum eine kulturelle Tradition ist, haben die "Gender-Schreier" mithilfe nicht unerheblicher Steuergelder längst Abwehrtheorien entwickelt.

      Oftmals verstehe ich nicht, warum so viele Menschen nicht sehen, was doch klar vor Augen liegt:
      Da geht es doch längst nicht mehr um Gerechtigkeit und Gleichstellung. . Man hat sich eingerichtet in den Gender-Maistreaming-Projekten, die der Steuerzahler mit Unsummen alimentiert und deren Zahl niemand wirklich anzugeben weiß. Dort zu bestehen, erfordert sich zu produzieren – und das gelingt am besten, wenn man mit extremen Positionen aufwartet. Deshalb wird tlw. nichts Geringeres gefordert als die Aufhebung der Geschlechter.

      Für mich kommt das einer "Denaturierung des Menschen" gleich. Gott hat den Menschen Würde verliehen und dann nimmt sich der Mensch letztendlich die Würde. Tut mir leid, dass ich ironisch werde, aber angesichts dessen, wäre ich als Christ ja fast schon dazu bereit, dass ich zu Herrn Darwin "Amen" sage, denn wenn ich mir die Auswüchse der Genderei betrachte, kommt es mir so vor, als habe sich der Affe zum Menschen zurückentwickelt. Was soll Genderei bezwecken ?

      Etwa zu beseitigen, was das Gesellschaftsmitglied als ein biologisches Wesen auszeichnet ?

      Das Wirtschaft da ein guter Machtfaktor ist, dass glaube ich gerne. Warum sollte sich auch eine "andere Meinung" einbringen und ihren Einfluss auf die Meinungsbildung geltend machen ? Schließlich lassen sich Menschen, die all ihrer natürlichen Rollen enthoben sind, viel besser in den Prozess der Wertschöpfung integrieren. Wäre wohl dann Schluss mit der ewigen Diskussion um Gleichstellung, Quoten, Familienfreundlichkeit... Andererseits lassen sich viele im öffentlichen Leben stehenden Vertreter unterschiedlichster Körperschaften in die Ecke drängen.

      Eben wie Du & Frau Kugler festgestellt haben, dass es da auch wirtschaftliche Nachteile geben kann. Die Erfahrung zeigt doch, wie viele sich viel zu leicht in die Defensive drängen lassen.
      Beispiele dafür gibt es genug.

      Ich finde Deine Frage "Ein Anfang der Christenverfolgung hierzulande ?" berechtigt und gut überlegt. Wenn ich mir teilweise die Leser-Kommentare von den verschiedensten Zeitungen hierzulande bezüglich dem russischen Verbot der "Zeugen Jehovas" ansehe, ist das bedenklich. Seltsam, da wird sogar der "contra-russische" Gutmensch plötzlich zum "Pro-Putinarier". Und wo bleibt da die stets "gutmenschliche Betonung" der Menschenrechte ? Sprache kennt keine Fesseln. Jeder kann sie benutzen wie er möchte, solange man ihn nur versteht. Was soll also der Mist, dass einige "Gender-Menschen" verlangen, dass andere nun "so" sprechen müssen und das dies für Jeden gelte ?

      Danke Peter für Deinen Beitrag - Ich finde es großartig und interessant, dass Du diese Information hier eingebracht hast, dass regt zum Nachdenken an. Besonders toll fand ich auch das Statement
      "Für das Engagement von Christen in der Politik" von Frau Kugler auf ihrer Website. Genial wie sie das Thema aufgreift, ich finde die Argumentationsweise von Frau Kugler sehr sympathisch.
    • Fürchtet nicht die Schmähungen und Verhöhnungen der Leute!
      Denn sie werden alt werden wie abgetragene Kleider, und Motten und Würmer werden sie fressen wie Wolle.
      Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich und immerdar mein Heil.
      (Jesaja 51,7.8)
      und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
      (Psalm 23)
    • Es wurde auch gemeldet, dass hinter dem Verbot der ZJ in Russland die orthodoxe Kirche stehe, die den Obersten Gerichtshof in bewährter Manier als verlängerten Arm des Staates benutze.

      Die russischen Kirchenfürsten sind alle Mitarbeiter des KGB, wo Putin Oberst ist. Kirche und Staat gehen in Russland Hand in Hand, wie schon beim Zaren.

      Vielleicht würde es ja helfen, die russisch orthodoxe Kirche im Westen zu verbieten und ihren Besitz zu beschlagnahmeen.. Mal sehen, was Putin dazu sagen würde ?

      Liebe Grüße von benSalomo.

      PS. In Russland fallen seit letzten Sommer alle Glaubensgemeinschaften außer der Staatskirche unter das neue Terroristen Gesetz. Diese Anordnung wurde in einer Nacht- und Nebel Aktion am letzten Tag ins Gesetz ein geschmuggelt und ging ohne Aussprache durch. Seitdem darf in Russland nur noch in angemeldeten Versammlungsräumen über den Glauben gesprochen werden, und zwar nur von Personen, die dazu eine staatliche Genehmigung haben. Selbst Beten am Tisch zu Hause ist verbotern,
    • Ja, wenn Kirche und Staat zusammenkommen passiert IMMER das Gleiche. Wenn wundert dass noch?! Und da Russland nunmal erst vor kurzem die Religionsfreiheit wieder erlaubt hat, ist die "Rolle rückwärts" keine allzugroße Überraschung. Zumal die othodoxe Kirche, historisch betrachtet, schon immer zu anderen Christen in etwa so tolerant war wie die rkK es war und ist.

      Im Übrigen - die gleichen Entwicklungen sind auch hier bei uns bereits zu sehen. Von daher sollten wir nicht allzusehr auf Russland mit dem Finger zeigen (zumal die Berichterstattung in unseren Medien über Russland und Putin eh nicht sehr "objektiv" ist, und daher die Frage besteht was den nun wirklich Wirklichkeit ist und was wir lediglich "glauben sollen" das es Wirklichkeit sei).

      Aber mal ehrlich, wie weit ist es denn mit diesen Entwicklungen hier bei uns? z. B. Schweden, USA, und auch BRD? Weit ist es auch hier im "Westen" nicht bis zu den angeprangerten Zuständen. Es wird nur geschickter "gemacht" - die religöse Intoleranz und Verfolgung. Von daher - sooo schlimm ist das in Russland nicht im Vergleich zu hier, bzw. zu anderen Staaten.
      Es gibt alleine 42.000 christliche Kirchen. Aber laut Jesus nur EINEN Weg der zum Ziel führt!!!
    • Ich muss jetzt nochmal fragen, werden die ZJ verboten, wegen der religiösen Auslegung oder weil sich dahinter ein von wenigen Menschen geführtes Wirtschaftsunternehmen verbirgt? Wie war nochmal die Anklage, der statt gegeben wurde?
      Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
    • Guten Abend!

      Pfingstrosen schrieb:

      Ich muss jetzt nochmal fragen, werden die ZJ verboten, wegen der religiösen Auslegung oder weil sich dahinter ein von wenigen Menschen geführtes Wirtschaftsunternehmen verbirgt? Wie war nochmal die Anklage, der statt gegeben wurde?
      Ab wann verbirgt sich hinter einer Glaubensgemeinschaft denn ein "Wirtschaftsunternehmen"? Sobald sich Geld auf dem Konto befindet? Sind die Adventisten auch ein "Wirtschaftsunternehmen"?

      Zu dem Verbot:

      "Seit Sommer 2009 werden Zeugen Jehovas in Russland durch staatliche Stellen mit verschiedenen Überprüfungsverfahren gemäß dem Anti-Extremismus-Gesetz konfrontiert. In diesen verschiedenen Gerichtsverfahren wurden bis zu 34 Schriften der Zeugen Jehovas als extremistisch eingestuft, was vom Obersten Gericht Russlands am 8. Dezember 2009 bestätigt wurde. Daraufhin erhoben die Zeugen Jehovas Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der die Urteile der russischen Gerichte am 10. Juni 2010 als unrechtmäßig erklärte. Außerdem wurde die Auflösung der Rechtskörperschaft der Zeugen Jehovas in Moskau im Jahre 2004 für rechtswidrig erklärt und es wurden alle Anschuldigungen der Russischen Föderation gegen Zeugen Jehovas abgewiesen. Außerdem wurde den Zeugen Jehovas vom EGMR das Recht auf freie Ausübung der Religionstätigkeit innerhalb der Russischen Föderation bestätigt. Als weitere Folge des Urteils muss den Zeugen Jehovas innerhalb der Russischen Föderation die Registrierung als religiöse Organisation ermöglicht werden, was seit 1999 vom Moskauer Justizministerium verhindert wurde. Im weiteren Verlauf beantragte die Russische Föderation am 9. September die Verweisung an die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs, was vom Ausschuss der Großen Kammer am 13. Dezember abgelehnt wurde und somit das Urteil des EGMR vom 10. Juni 2010 als rechtskräftig bestätigte.
      Am 15. März 2017 reichte das russische Justizministerium beim Obersten Gericht der Russischen Föderation einen Antrag ein, die Religionsgemeinschaft und das Verwaltungszentrum der Zeugen Jehovas als extremistisch einzustufen, ihre Tätigkeit zu verbieten und sie aufzulösen. Dem kam jenes am 20. April 2017 nach, indem die Gemeinschaft als extremistische Organisation eingestuft, verboten und der Besitz aller Regionalverbände beschlagnahmt wurde."

      Quelle: Diskriminierung und Verfolgung der Zeugen Jehovas – Wikipedia

      Gruß, GMacS
    • "Das Justizministerium hält die Zeugen für extremistisch, da sie für „Ordnung“ und „öffentliche Sicherheit“ sowie „Rechte der Bürger eine Gefahr“ darstellten, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Auch dass die Sekte Bluttransfusionen ablehnt, wertete die Behörde als einen Verstoß gegen Menschenrechte. Ebenfalls gefährlich sei die Zeitschrift der „Wachturm“, die trotz Verbots weiter verteilt werde. Unter extremistische Literatur fiel auch die Broschüre „Wir lernen in der Schule des theokratischen Dienens“. Offensichtlich gewahrte das Ministerium darin eine Herausforderung für das Putinsche Herrschaftsmodell, das neben dem Präsidenten niemanden duldet. In der patriotischen Hypnose dürfte auch die konsequente Ablehnung des Wehrdienstes durch die Sekte unangenehm aufgefallen sein. Denn der Staat treibt mit allen Mitteln die Militarisierung Russlands voran. Friedfertigkeit im Namen des Glaubens haftet demnach etwas Verstörendes an.
      Der Orthodoxen Kirche geht es weniger um Extremismus und Wahrung der Menschenrechte, sondern um die Absicherung des konfessionellen Monopols und den Schulterschluss mit dem Kreml. Die Zeugen hatten unterdessen beklagt, dass ihnen „extremistische“ Literatur untergeschoben worden sei, die überdies noch Vermerke des ursprünglichen Besitzers enthielt – der Russisch Orthodoxen Kirche."

      Quelle: Repressionen in Russland: Keine Zeugen mehr - taz.de

      Besonders den letzten Satz finde ich amüsant. Tatsächlich haben die ZJ auf jw.org Videos von Überwachungskameras veröffentlicht, welche in Königreichsälen angebracht waren, als dort "Durchsuchungen" durchgeführt wurden:

      Dreiste russische Behörden fingieren Beweise | JW.ORG Videos

      Russische Polizisten fingieren Beweise gegen Jehovas Zeugen | JW.ORG Videos

      Gruß, GMacS
    • Gane MacShowan schrieb:

      Auch dass die Sekte Bluttransfusionen ablehnt, wertete die Behörde als einen Verstoß gegen Menschenrechte
      Das kann man durchaus so sehen - und wird auch bei uns im Westen scharf kritisiert - da die Zeugen Jehovas im schlimmsten Falle den vermeidbaren Tod ihres Kindes in Kauf nehmen und diesem damit >>das Menschenrecht auf Leben!<< entziehen!
    • Pfingstrosen schrieb:

      Ich muss jetzt nochmal fragen, werden die ZJ verboten, wegen der religiösen Auslegung oder weil sich dahinter ein von wenigen Menschen geführtes Wirtschaftsunternehmen verbirgt? Wie war nochmal die Anklage, der statt gegeben wurde?
      Mir ist es eigentlich herzlich egal, ob die Zeugen Jehovas ein eingetragener Verein, eine Bekenntnisgemeinschaft oder eine Aktiengesellschaft sind. Eher stellt sich mir die Frage, was den russischen Staat dazu bevollmächtigte das Finanzkapital der Zeugen Jehovas einzuziehen.

      In Deutschland hat sich das Verfahren um die Anerkennung der Zeugen Jehovas als "Körperschaft des öffentlichen Rechts" über viele Jahre hinweggezogen. Die Glaubenspraxis und der theologische Inhalt der Zeugen Jehovas wurden intensiv geprüft. Es war ein jahrelanges Verfahren durch alle möglichen Instanzen. man brachte viel gegen die Zeugen Jehovas vor, doch die zuständigen Instanzen kamen zu den Spruch, dass sich die Zeugen Jehovas rechtskonform verhalten.

      Das Problem ist wohl eher, dass niemand im Voraus weiß, was russische Behörden oder Gerichte als "extremistisch" bewerten. Gut möglich, dass morgen dann die STA oder eine andere Freikirche an der Reihe ist. In Russland wird willkürlich festgelegt, was "extremistisch" ist, und dies erfolgt ohne jegliche Abwägung der Meinungsfreiheit oder Glaubensfreiheit.

      Diese Vorgehensweise (ganz egal wem gegenüber) missachtet den Grundsatz der Bestimmtheit des Gesetzes. Auch verleugnet so eine Vorgehensweise alle verfassungsrechtlichen und menschenrechtlichen Freiheiten. Da geht es um nicht weniger, als um den Entzug der Grundlage für eine demokratische Gesellschaft.

      So gesehen, müsste dann jede Überzeugung oder Ideologie, die der Auffassung des Anderen widerspricht, als extremistisch eingestuft werden. Wenn also die Glaubensgeschwister der "Zeugen Jehovas" tatsächlich Extremisten sind, dann sind wir (Christen) es alle. ;)
    • James Gabriel schrieb:

      Das Problem ist wohl eher, dass niemand im Voraus weiß, was russische Behörden oder Gerichte als "extremistisch" bewerten. Gut möglich, dass morgen dann die STA oder eine andere Freikirche an der Reihe ist. In Russland wird willkürlich festgelegt, was "extremistisch" ist, und dies erfolgt ohne jegliche Abwägung der Meinungsfreiheit oder Glaubensfreiheit.
      Ja, das ist - nicht nur in Russland - das zentrale Problem. "Extremistisch" oder "Terroristisch" das sind Etiketten, die teilweise willkürlich vergeben werden - als "Totschlagsargument" im wahrsten Sinn des Wortes.
      Liebe Grüße, Heimo
    • Ein anderer, zusätzlicher Aspekt :

      Bin ich in - - - - und treffe einen STA - insider aus Putins Reich. Auf meine wiederholte Frage, wie man mit dem neuen Nationalismus in seiner Heimat zurande komme, die wiederholte, stereotype Antwort : "We are an international movement." Das sagt - sehr viel. Und einige Zeit später schaue ich die Periodika in der Friednesauer Bibliothek durch und finde den Artikel eines RK Ordensmannes.

      Er bestätigt, was wir schon aus Kroatien und Serbien - - - kennen : Der gute Kroate ist römisch - katholisch, der gute Serbe ist serbisch - orthodox - und dort schaut die Exekutive weg,wenn wieder einmal Rowdies STA Kirchlein verwüsten.

      Wir erinnern uns : Putin stellt seiiner Landeskirche in Soltschi zur Olympiade eine neue Kathedrale hin; er lässt kirchen und Klöster renovieren (nach fast 100 Jahren gezielt kirchenfeindlichem Kommunismus !)- - -ein guter Russe, wirklich daheim bei Mütterchen Russland auf russischer Erde ist eben tiefgläubiger Orthodoxer. Leute holen ihre Taufzeugnisse nach geheimer Taufe vor 40 oder 50 Jahren hervor; ihre Kinder sind geheim getauft, ja unter solchen Umständen, dass, wer es sich leisten konnte und seine internationalen Geschäftskontakte hatte, für sein ( ! ) Kind ( ! ) den ausländischen Geschäftspartner als Vater angab- dann ging die Taufe legal und ohne Gefährdung damals .-- - und heute hören sie alle auf den Popen : Schön brav Bürger sein, wir haben keine inneren Schwieirigkeiten - - Das erspart ein paar Ministerialabteilungen.


      Da wird die stereotype Antwort des Bruders, wie oben zitiert - auf einmal brennheiss.und verständlich.