Widersprüche bei der Frucht des Geistes (Gal. 5,22)

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    • Widersprüche bei der Frucht des Geistes (Gal. 5,22)

      Hallo zusammen,

      ich hatte anlässlich des Sabbatschulthemas vor zwei Wochen eigentlich eine Sabbatschulgesprächsgruppe zu leiten, bin aber durch einen kurzfristigen Krankheitsfall anderweitig beschäftigt gewesen. Deshalb müsst ihr jetzt herhalten für die Aufarbeitung meiner hoffentlich zu lösenden Probleme mit der Lehre bzw. Aussage Paulus rund um die Frucht des Geistes. Zuerst mal den Bibeltext:

      Gal. 5,16-26
      Ermahnung zum Wandel im Geist
      16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen.
      17 Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so daß ihr nicht das tut, was ihr wollt.
      18 Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.
      19 Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit;
      20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen;
      21 Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, daß die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden.
      22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.
      23 Gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz.
      24 Die aber Christus angehören, die haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten.
      25 Wenn wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln.
      26 Laßt uns nicht nach leerem Ruhm streben, einander nicht herausfordern noch einander beneiden!


      Die Frucht des Geistes bringt der, der mit dem hl. Geist bzw. lt. Vers 25 IN dem Geist wandelt.

      Die Frucht des Geistes ist laut diesem Text also EINE Frucht, welche die aufgelisteten Tugenden beinhaltet bzw. hervorbringt. Frucht ist ja etwas Äußerliches, das man sieht/merkt/hört...eine Frucht bleibt nicht versteckt.

      Warum kenne ich NIEMANDEN, der die Frucht des Geistes hat? Inklusive mir selbst. Denn es heißt ja, dass es EINE Frucht ist, dass man also entweder alle Tugenden (vom hl. Geist bekommen) hat, oder eben die Frucht nicht hat. Ich kenne viele Menschen, die einige der Tugenden haben, aber mit anderen Tugenden noch kämpfen, oder diese eben nicht zeigen (können).

      Hätte Paulus von Früchten gesprochen, die man nacheinander gemeinsam mit dem hl. Geist bringt, also quasi ein Prozess des besseren Hinhörens auf den Geist und ein Resultat einer immer intensiveren Beziehung zu Gott - das würde mir einleuchten - und so hätte ich es auch in der Praxis erlebt. Aber so steht es nicht im Text! Wie ist also diese EINE Frucht zu erklären?


      Die zweite Frage wäre, warum die Liebe als Frucht nicht ausreicht, denn wer liebt, der braucht sich doch keine Gedanken über Krieg/Friede machen oder lange überlegen wie Freundlichkeit geht. Die Liebe würde doch reichen. "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe" - wäre damit nicht alles abgedeckt? Und ich denke bei Liebe an das, was Paulus in 1. Korinther 13 beschreibt!


      vielleicht kann mir da jemand helfen beim Verstehen...

      viele Grüße

      Tricky
    • tricky schrieb:

      Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.

      tricky schrieb:

      Hätte Paulus von Früchten gesprochen,
      Kann man diese Dinge denn trennen? Paulus führt ja im Hohelied der Liebe auf, was die Liebe ist bzw. wie sie sich zeigt.
      Hast du Liebe, dann hast du Freude,
      dann hast du Friede,
      dann hast du Langmut, Freundlichkeit, etc. - Es ist die Frucht des Geistes und lässt sich nicht trennen.


      tricky schrieb:

      Warum kenne ich NIEMANDEN, der die Frucht des Geistes hat?
      deshalb:

      tricky schrieb:

      Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so daß ihr nicht das tut, was ihr wollt.
      darin stecken wir ja und kämpfen bzw. sollen kämpfen, jeden Tag.
      Wie Luther mal sagte: Wir sollen den alten Adam im Wasser der Taufe ersäufen; der Kerl kann aber schwimmen!

      Wir lernen. Fehlt etwas oder mangelt es an einer Sache, dann lässt uns der Geist das spüren. Ähnlich wie dem Bild des Leibes Christi: viele Glieder, aber ein Leib. Mangelt es an einer Stelle, ist der ganze Leib krank.

      Wenn du ungeduldig oder unfreundlich bist, nicht gütig oder hartherzig, hast du dann das Gefühl, in der Liebe zu sein bzw. den Geist Gottes in dir leben zu lassen? Wohl eher nicht, oder? - Also ich nicht. Ich fühle mich letztlich ganz verkehrt und verfehlt; nicht nur stückweise oder nur auf die eine Handlung bezogen. Es ist etwas Grundsätzliches, kein Einzelpunkt.

      Gott führt aber keine Strichliste. Er gab ja auch den Geist, der uns erkennen lässt, dass wir verfehlt haben; und wir fühlen uns schlecht und bereuen es, und er vergibt und führt uns weiter.
      Schlicht und einfach lernen ist das.

      Lg
      und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
      (Psalm 23)
    • tricky schrieb:

      Hätte Paulus von Früchten gesprochen, die man nacheinander gemeinsam mit dem hl. Geist bringt, also quasi ein Prozess des besseren Hinhörens auf den Geist und ein Resultat einer immer intensiveren Beziehung zu Gott - das würde mir einleuchten - und so hätte ich es auch in der Praxis erlebt. Aber so steht es nicht im Text! Wie ist also diese EINE Frucht zu erklären?
      Nachdem ja schon vom Weinberg und am Stock bleiben gesprochen wird, finde ich, kann man auch die Weintraube als Frucht sehen.
      Ich habe noch nie bewusst beobachtet, ob die einzelnen Trauben alle gleichzeitig reif sind, aber ich habe ein gnz tolles buntes Foto in Frankreich geschossen, bei der an der Weintraube die "Beeren" von grün, gelb, rosa, blau und lila hingen.
      So sehe ich das auch mit der Frucht des Geistes.
      Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
    • Vielleicht wird hier nur von Frucht im Singular gesprochen mit Blick auf diese Aussage:

      Mt 7,16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?

      Um die Einheit dessen, was der Heilige Geist als Frucht hervorbringt, zu betonen.
      Es ist der eine Geist und er bringt die Frucht hervor, die ihm entspricht, nicht verschiedene Früchte, je nach Begabung des Menschen, in dem er wirkt.

      Sicher sind manche Christen geduldiger oder sanftmütiger als andere Und dafür spürt man bei andren stärker die ansteckende Freude oder den tiefen inneren Frieden.
      Aber all das bringt der eine Geist in ihnen hervor.
      Und er kann prinzipiell alle diese einzelnen Dinge - alle einzelnen Aspekte der Fülle, die Gott schenkt - in jedem Menschen hervorbringen, der ihm Raum und Herrschaft in diesem Teilbereich seines Seins einräumt.
      Dieses Einräumen fällt unterschiedlichen Menschen unterschiedlich schwer - daher ist die Frucht des Geistes nicht in allen Bereichen gleich stark präsent; manchmal bleibt sie recht kümmerlich, wenn zu viele Widerstände da sind bzw zu wenig Raum für das Wirken des Heiligen Geistes da ist.

      So verstehe ich das.