2016/Q4 - Nr.9 - Gott verteidigen

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    • 2016/Q4 - Nr.9 - Gott verteidigen

      Hallo zusammen,

      mit den höher werdenden Kapitelnummern im Buch Hiob steigt auch das Konfliktpotential zwischen Hiob und seinen Freunden. In den folgenden Versen übt Hiob heftige Kritik an seinen Freunden, die aus anscheinend Gott verteidigen wollen. Warum eigentlich? Weil sie denken, dass Hiob mit seiner (aus ihrer Sicht sturen) Haltung seinem Leben und seiner Beziehung zu Gott gegenüber Gott anklagt. Die Freunde denken also, dass wenn jemand heilsgewiß ist UND es ihm schlecht geht (eben wie jemandem wie Hiob), dass dann etwas zwischen Hiob und Gott nicht passen MUSS, denn wäre alles in Ordnung, dann wäre man ja gesegnet. Man muss sich da schon oft hineindenken.

      Jedenfalls drückt sich dieser Konflikt Hiobs in folgenden Versen aus:

      Zophar:
      Hiob 11
      5 O daß doch Gott reden möchte und seine Lippen auftäte gegen dich! 6 Und daß er dir doch die Geheimnisse der Weisheit verkündete — denn es gibt noch doppelt so viele wie du weißt —, so würdest du erkennen, daß Gott dir noch nachläßt von deiner Schuld

      Hiob12
      1 Und Hiob antwortete und sprach: 2 Wahrlich, ihr seid die [rechten] Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!

      Hiob 13
      1 Siehe, dies alles hat mein Auge gesehen, mein Ohr hat’s gehört und sich gemerkt;
      2 was ihr wißt, weiß auch ich; ich stehe nicht hinter euch zurück.
      3 Ich aber will nun zu dem Allmächtigen reden; mit Gott zu rechten begehre ich.
      4 Ihr hingegen streicht ja nur Lügenpflaster und seid nichts als Quacksalber, ihr alle!
      5 O daß ihr doch schweigen könntet; das würde euch als Weisheit angerechnet!
      6 So hört nun meine Rechtfertigung, und achtet auf die Verteidigung meiner Lippen!
      7 Wollt ihr Gott zuliebe Unrechtes reden und zu seinen Gunsten lügen?
      8 Wollt ihr seine Partei ergreifen oder Gottes Anwalt spielen?
      9 Wäre es gut [für euch], wenn er euch erforschte? Könnt ihr ihn täuschen, wie man Menschen täuscht?
      10 Nein, strafen wird er euch, wenn ihr im Geheimen die Person anseht!
      11 Wird nicht seine Majestät euch in Furcht versetzen und Schrecken vor ihm euch überfallen?
      12 Eure Denksprüche sind Sprüche aus Asche, und eure Schutzwehren sind Schutzwehren aus Lehm.


      Der Ton ist recht scharf, das sehen wir an den nobel formulierten Beleidigungen, die Hiob seinen Freunden und sie ihm entgegenwerfen. Die Sache, die mich an dieser Begebenheit nachhaltig interessiert ist die Verteidigung Gottes. Soll/Kann/Muss man Gott verteidigen? Wenn er beispielsweise ungerechtfertigt angeklagt wird oder verantwortlich gemacht wird für Dinge, die Gott nicht verursacht hat. Wenn es also ungerecht wird gegenüber Gott, sind wir als gläubige Christen dann gefragt um für Gott in die Bresche zu springen und seine Verteidigung zu führen?

      Das Problem Gott zu verteidigen gibt es ja nicht nur in der christlichen Religion, sondern auch im Islam, wo man ja sehr aufpassen muss Gott nicht irgendwie zu verärgern oder schlecht zu machen.

      Wie seht ihr diese Problematik? Verteidigt sich Gott selbst?

      Möglicherweise Themenverfehlung:
      Mt.
      26 So fürchtet euch nun nicht vor ihnen! Denn es ist nichts verdeckt, das nicht aufgedeckt werden wird, und nichts verborgen, das man nicht erfahren wird.
      27 Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht, und was ihr ins Ohr hört, das verkündigt auf den Dächern!
      28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle!
      29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.
      30 Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt.
      31 Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge.
      32 Jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel;
      33 wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel


      Ist ein Bekenntnis zu Jesus nicht auch eine Art/Form der Verteidigung Gottes?

      viele Grüße

      Tricky
    • tricky schrieb:

      Und Hiob antwortete und sprach: 2 Wahrlich, ihr seid die [rechten] Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!
      ... das ist eine wahrlich zeitlose Aussage ...

      sind nicht die meisten 'Anhänger' einer Glaubensgemeinschaft eher so 'gestrickt' wie Hiobs Freunde?
      Man sucht doch eher die Bestätigung im Glauben als die Auseinandersetzung mit ihm ...
      Nicht alles, was gezählt werden kann, zählt (Einstein)
    • Ich denke, Hiob "verteidigt" nicht Gott, sondern sich selbst. Gerade um die von Dir fettgedruckten Verse (13,7.8)


      tricky schrieb:

      3 Ich will ...
      4 Ihr hingegen ..., ihr alle!
      5 O daß ihr doch ...
      6 So hört nun meine Rechtfertigung, und achtet auf die Verteidigung meiner Lippen!
      7 Wollt ihr Gott zuliebe Unrechtes reden und zu seinen Gunsten lügen?
      8 Wollt ihr seine Partei ergreifen oder Gottes Anwalt spielen?
      9 Wäre es gut [für euch], ... Könnt ihr ....
      10 Nein, strafen wird er euch, ...
      11 Wird nicht seine Majestät euch in Furcht versetzen und Schrecken vor ihm euch überfallen?
      12 Eure Denksprüche sind Sprüche aus Asche, und eure Schutzwehren sind Schutzwehren aus Lehm.
      Liebe Grüße, Heimo
    • tricky schrieb:

      Eigentlich verteidigen die Freunde ihr eigenes Gottesbild und weniger Gott.
      Und das ist eien sehr ernste Botschaft / Mahnung an uns alle ! Ich verteifige - im "Namen Gottes " ( !?) mein eIgenes Gottesbild;
      Extremfall : "Identifikation mit dem Angreifer". (Ich stelle mich hinter die Kittelfalte des mich bedrohenden harten Gottes - - ) Anderer Extremfall : "Der ach so liebe , alles gestattende und verzeihende Gott"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von philoalexandrinus ()

    • tricky schrieb:

      Ich habe das Gefühl, dass ich mein Gottesbild auch oft verteidige. Und hier im Forum (Stichwort: "der liebe Gott") passiert das auch nicht selten.
      Sich zu verteidigen ist ehrenwert.

      Das Problen ist aber, wenn ich als Gottes Verteidiger auftrete ,aber andere verurteile.

      Hiob hatte Fragen gestellt weil er einen Gott nicht verstand der einen strafft, obwohl man der festen Meinung ist

      sich nichts hat zu Schulden kommen zu lassen!

      Diese Aussagen der Freunde wurden perfide missbraucht um Hiob anzuklagen!

      Das sollte uns eine Warnung sein, von welchem Gottesbild wir Zeugniss abgeben!
    • tricky schrieb:

      Der Ton ist recht scharf, das sehen wir an den nobel formulierten Beleidigungen, die Hiob seinen Freunden und sie ihm entgegenwerfen. Die Sache, die mich an dieser Begebenheit nachhaltig interessiert ist die Verteidigung Gottes. Soll/Kann/Muss man Gott verteidigen? Wenn er beispielsweise ungerechtfertigt angeklagt wird oder verantwortlich gemacht wird für Dinge, die Gott nicht verursacht hat. Wenn es also ungerecht wird gegenüber Gott, sind wir als gläubige Christen dann gefragt um für Gott in die Bresche zu springen und seine Verteidigung zu führen?
      Nein, wir sollen Gott nicht verteidigen. Unser Vater im Himmel braucht keinen Staatsanwalt und keinen Verteidiger . ER ist kein Mensch!!

      Wenn wie weder das eine noch das andere machen, haben wir eine Grundeinstellung die automatisch dazu führt, anders mit Geschwister zu kommunizieren als Hiobs Freunde dies taten...
      Ich sehe nicht nur ein falsches Gottesbild der Freunde Hiobs, ich denke, sie haben Angst davor, dass sie selbst so stark geprüft werden könnten.
      Um diese Angst zu verdrängen, müssen sie Hiob die Schuld geben.

      Ich muss leider immer wieder feststellen, dass ich ungerechtfertigterweise in der Vergangenheit - nicht so wie Hiobs Freunde - abgeurteilt habe ...und warum, weil mir mein Ego im Weg stand.
      Menschen bekommen Leid und Anfechtungen, die nicht selten bis zur Belastungsgrenze führen.Wenn dann noch Anklage dazukommt, obwohl derjenige nicht einmal weiß was er überhaupt verbrochen hat, dann ist das richtig heftig.
      Es schmerzt brutal, weil unter dem ganzen Leid, das nicht verständlich ist, noch das Abwerten der "Guten Freunde" dazu kommt.

      Hiob rechtfertigt sich - ja, es schmerzt - und er sehnt sich nach der Stimme Gottes die ihn vor seinen Freunden rechtfertigt. Seine eigene Rechtfertigung greift bei seinen Freunden nicht....deshalb wird die Wortwahl immer negativer.Hiob sehnt sich nach seiner Rechtfertigung durch Gott

      Hiob versucht sein Bestes Gott nicht anzuklagen. Für Hiob ist Gott " Ich bin der Ich bin"
      Irgendwann kann selbst Hiob nicht mehr und er klagt seinen Erlöser an. Dieses Klagen ist aber nicht absolut, denn er kann Buße tun, und seinen "Erlöser" vom ganzen Herzen annehmen.

      Wenn wir Sünden sehen, dürfen wir diese beim Namen nennen( sollen wir sogar).Aber nur aus der Perspektive, dass jede Sünde dem Sünder schadet.
      Wir wollen nicht, dass derjenige der in der Sklaverei der Sünde lebt, Schaden nimmt. Das Gericht bleibt bei Gott, dafür sind wir nicht zuständig.

      Keiner sollte jemanden beschuldigen, wenn nichts wirklich bewiesen ist ( kein normales Gericht darf das, im Zweifel für den Angeklagten). Die Freunde maßten sich an, Hiobs Staatsanwalt sein zu können. Dies bleibt immer Gottes Aufgabe.

      Hiob musste sich selbst verteidigen, und das noch in seiner großen Not.

      Wir sollten immer versuchen, glaubensstärkend zu wirken...und nicht die Beziehung zwischen Gott und den Menschen, das in der Not eh schon unter Anfechtung steht, mit Verurteilungen noch weiter auseinanderzutreiben.

      Unterstützung und Ermahnung alles zur rechten Zeit, ist für unseren Umgang mit Menschen wichtig. Ist allerdings nicht so einfach, wenn persönliche Verletzungen und Streitereien dazwischenfunken.

      Wir dürfen/sollen nicht vergessen uns immer wieder mit Gottes Hilfe neu auszurichten.

      LG
      Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist es unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich
      (Matthäus 19, 26)