Auge um Auge - simplizistische vs. kontexttreue Auslegung

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    • Auge um Auge - simplizistische vs. kontexttreue Auslegung

      Hallo zusammen,

      jeder von uns Bibelkundigen kennt den Spruch aus dem alten Testament: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

      Sehr vereinfacht dargestellt (Simplifiziert) wird darin die 1:1 Vergeltung einer Sünde/Schuld gefordert/legitimiert. War das aber wirklich so? Ich habe den Text ja oft so verstanden, dass Gott der Rächer ist und nicht der Mensch. Dass das Auge um Auge also eine Vergeltung einer Ungerechtigkeit ist, die einem Gläubigen passiert/angetan wird, dass aber die Rache bzw. die Vergeltung in der Ausführung NICHT Sache des besündigten Gläubigen ist, sondern eben Gottes Sache. Im AT wurde es in manchen Beispielen eher menschlich und ohne rechtsstaatliches Verfahren exekutiert. Das, meine ich, war nicht in Gottes Sinn.

      Was ist jetzt aber genau gemeint? Stellt das AT wirklich im Kontrast zu Jesus einen hartgesottenen Gott dar? Im aktuellen Salvation und Service (STA Jugendzeitschrift - Ausgabe 46) greift Martin Pröbstle diesen Gedanken auf und versucht eine Erklärung zu finden. Er geht dabei so weit, dass er behauptet, dass es hier nicht um persönliche Vergeltung, sondern gerade um das Gegenteil geht:







      Was haltet ihr von dieser Erklärung?

      Meine Hauptfrage wäre nach der Aufhebung/Begründung Jesu zu dem Text in der Bergpredigt:

      Mt. 5/38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 5/39 Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar; 5/40 und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Unterkleid nehmen will, dem laß auch den Mantel. 5/41 Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei. 5/42 Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.


      Mit welchem Missverständnis will Jesus hier aufräumen?

      -) damit, dass "Auge um Auge" doch eh nicht als Daumenregel galt?
      -) damit, dass "Auge um Auge" falsch verstanden wurde?
      -) wenn nicht persönliche Rache oder Vergeltung die ursprüngliche Bedeutung des Textes war, warum weist Jesus dann darauf hin, dass man sich zu keinen Vergeltungsmaßnahmen (andere Backe darbieten) hinreißen lassen sollte.


      viele Grüße

      Tricky
    • Auge um Auge, Zahn um ZAhn , Beule um Beule, Brand um Brand - -

      Das ist für mich eine klare Schadensersatz - Regelung : Jeder Schaden soll zvilrechtlich entsprechend abgegolten werden.


      Nach Jesu Worten haben seine Zeitgenossen dies als Rechtfertigung einer privaten RAche verstanden - und zudem nur die ersten beiden Casus zitiert..
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -
    • philoalexandrinus schrieb:

      Auge um Auge, Zahn um ZAhn , Beule um Beule, Brand um Brand - -

      Das ist für mich eine klare Schadensersatz - Regelung : Jeder Schaden soll zvilrechtlich entsprechend abgegolten werden.
      Martin Pröbstle sieht das ja auch so, siehe meine oben eingefügten Fotokopien seines Artikels.


      Ich frage mich bloß. Wenn ich eine Schadenersatzregelung aufstellen möchte, warum verwende ich in der Darstellung dann Begriffe wie "Auge" oder "Zahn"? Wäre es nicht passender zu sagen: Haus um Haus, Vieh um Vieh, Besitz um Besitz?

      Schadenersatz für eine abgetrennte Hand bekomme/bekäme ich ja gar nicht dadurch, dass dem Übeltäter ebenso die Hand abgetrennt würde. Davon hat ja der ursprünglich Geschädigte genau gar nichts. Genugtuung ja, aber das ist doch ein kurzes "Vergnügen" dafür, dass ich jetzt ein Leben lang nur mit einer Hand herumlaufen muss.
    • "LIEBET EURE FEINDE!"

      tricky schrieb:

      warum weist Jesus dann darauf hin, dass man sich zu keinen Vergeltungsmaßnahmen (andere Backe darbieten) hinreißen lassen sollte.
      Weil er m.E. die Feindesliebe betonen will, die so im AT eher nur rudimentär vorhanden ist! (Es gibt aber im AT insgesamt 7 Stellen für die Feindesliebe! ---> siehe z.B. 2.Mose 23,4+5/ 2.Könige 6,21-23/ Hiob 31,29f. / Sprüche 20,22/ Sprüche 24,17/ Sprüche 24,29/ Sprüche 25,21f.)

      Bibelstelle

      "Jesus sagt in der Bergpredigt = DIE THORA JESU!!!: "Ich aber sage euch: >>Liebet eure Feinde - * - und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters seid im Himmel! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.<< " (Matthäus 5,44-45)


      * Einige spätere Handschr. fügen hinzu: >>segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen<<; vor >>verfolgen<< ist eingefügt: >>beleidigen und...<<
    • tricky schrieb:

      philoalexandrinus schrieb:

      Auge um Auge, Zahn um ZAhn , Beule um Beule, Brand um Brand - -

      Das ist für mich eine klare Schadensersatz - Regelung : Jeder Schaden soll zvilrechtlich entsprechend abgegolten werden.
      Martin Pröbstle sieht das ja auch so, siehe meine oben eingefügten Fotokopien seines Artikels.


      Schadenersatz für eine abgetrennte Hand bekomme/bekäme ich ja gar nicht dadurch, dass dem Übeltäter ebenso die Hand abgetrennt würde.
      Ich sehe da nicht das, was die Scharia wörtlich praktiziert, sondern die adaequate Abgeltung des Schadens - ohne "wenn" und "aber". So wie in unserer Rechtssprechung abgegolten wird - nur nach langer Gutachterei, und richterlicher (!!) Festsetzung der Höhe der Abgeltung, wobei so mancher am Körper Geschädigte arg draufzahlt, Kluge, Begüterte mit entsprechendem Rechtsanwalt da wesentlich besser wegkommen.
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -