Markus 14,64

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Markus 14,64

      Im fortlaufenden Bibeltext des Herrnhuter Losungsbüchleins 2016 war heute der Text: Markus 14,53-65 dran, wo es darum ging, dass Jesus vor dem Hohen Rat gefragt wurde, ob er der Sohn Gottes sei.

      Bibelstelle

      "Ihr habt gehört die Gotteslästerung. Was meint ihr? Sie aber sprachen[u][size=12]------------a l l e[/size][/u]--------------das Urteil über ihn(=über Jesus), dass er des Todes schuldig wäre." (Markus 14,64)


      Das Wort "alle" in diesem Vers stimmt nicht, denn zumindest zwei Mitglieder des Hohen Rates stimmten gegen das Todesurteil: Zum einen Nikodemus und zum anderen Josef von Arimathäa! Zumindest vom letzteren heißt es in Lukas 23,50-51:

      Bibelstelle

      "Und siehe, da war ein Mann mit Namen Joseph, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann und hatte nicht gewilligt in ihren Rat und Handel. ..."

      Somit muß das "alle" in Mk.14,64 bibel-historisch falsch sein, ansonsten würden sich Mk.14,64 und Lk.23,50f. widersprechen.
      Andere Ausleger sagten, dass Josef von Arimathia beim Verhör vor dem Hohen Rat nicht dabei gewesen sei und deshalb dass "alle das Todes-Urteil über Jesus sprachen" und man daher sinngemäß übersetzen müsse: "Da sprachen alle (Anwesenden) das Todesurteil über Jesus!" Somit gäbe es keinen Widerspruch zwischen Mk.14,64c) und Lk.23,51!
      Was ist richtig?

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Norbert Chmelar ()

    • Norbert Chmelar schrieb:

      dass "alle das Todes-Urteil über Jesus sprachen" und man daher sinngemäß übersetzen müsse: "Da sprachen alle (Anwesenden) das Todesurteil über Jesus!"
      Irgendwo habe ich mal gelesen, dass nach jüdischem Recht bei Verhängung der Todesstrafe dieses Urteil
      ------- n i c h t------- einstimmig erfolgen dürfe! Wenn also nach Mk.14,64c) "alle" dem Todesurteil für Jesus zugestimmt hätten, hätte Jesus nach jüd. Recht freigesprochen werden müssen! Schon wegen dieser Rechtssitte der Juden aus dem AT/Talmud kann somit Markus 14,64 mit dem >> "alle" stimmten dem Todesurteil zu<<, nicht stimmen! Zumindest Josef aus Arimathia war dagegen! (Lukas 23,51)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Norbert Chmelar ()

    • Vielleicht waren Nikodemus und Josef von Arimathäa [bewusst] nicht zur hastig einberufenen, nächtlichen Gerichtsverhandlung eingeladen bzw. informiert worden.

      (EGW beschreibt dies übrigens so....)


      Joh. 12,42 Doch auch/aber von den Oberen glaubten viele an ihn (=Jesus); aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, um nicht aus der Synagoge ausgestoßen zu werden.43 Denn sie hatten lieber Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott.
      siehe auch Joh 9,22


      Nikodemus:
      a) kam anfangs heimlich, nachts zu Jesus mit persönlichem Interesse (Joh. 3,1ff).
      b) Nikodemus vereitelte früher 1x schon eine Schnellverurteilung Jesus in einer Ratsversammlung (Joh. 7,40-53 - besonders 7,48-53). siehe auch Joh 9,22 / Joh. 12,42-43
      c) Er setzt sich bei/für Jesus Beerdiung ein (Joh. 19, 38-41).


      b) Joh. 7,48-49 "Glaubt auch einer von den Obersten oder von den Pharisäern an ihn? - Aber dieser Pöbel/Volksmenge, der/die das Gesetz nicht kennt, ist unter dem Fluch"
      50-51 Da spricht zu ihnen Nikodemus, der bei Nacht zu ihm gekommen war, und der einer der Ihren (=Oberer der Juden; Joh. 3,1) war: "Richtet unser Gesetz einen Menschen, es sei denn, man habe ihn zuvor selbst gehört und erkannt, was er tut?"
      52 Sie antworteten und sprachen zu ihm: "Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche nach und sieh: Kein Prophet ist aus Galiläa hervorgegangen!"
      53 Und jeder ging in sein Haus.


      Vielleicht war eben Nikodemus bewusst nicht zu den endgültigen Ratssitzungen geladen bzw. informiert worden...


      Josef von Arimathäa:
      +) Taucht im NT nur für/bei Jesus Beerdiung mutig auf (Joh. 19, 38-41).

      Joh 19,38 Danach bat Josef von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, den Pilatus, dass er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam Jesu ab.
      39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte Myrrhe gemischt mit Aloe, etwa hundert Pfund.



      Matt. 27,57 Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu.
      58 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.

      Markus 15, 42 Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr (=Mitglied des Hohen Rates), der [selbst] auch auf das Reich Gottes wartete, der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu.
      44-45 Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot sei, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, gab er Josef den Leichnam.

      Lukas 23,50-52 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr (=Mitglied des Hohen Rates), der war ein guter, gerechter/frommer Mann und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu
      53-54 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an.

      Vielleicht war eben Josef von Arimathäa auch bewusst nicht zu den endgültigen Ratssitzungen geladen bzw. informiert worden...



      Gemeinsamkeiten:
      +) Beide sind interessierte heimliche Jünger Jesu.
      o) Beide sind Ratsmitglieder / im Hohen Rat.
      +) Beide warten auf den Messias und das Reich Gottes.
      +) Beide sind gegen eine Verurteilung Jesu oder gar Todesstrafe.
      +) Beide handeln (im Glauben).

      LG

      » Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei!« (Johannes 8:36)

      Team: » Entweder heilen wir als Team, - oder wir gehen als Individualisten / Einzelgänger unter.«
    • Ergänung/Fortsetzung:

      >>>Aufs neue schmiedeten die Priester und Obersten Pläne, um Jesus gefangenzunehmen. Sie wiesen darauf hin, daß er das Volk den verordneten jüdischen Führern abspenstig machen werde, wenn sie ihn noch länger ungehindert sprechen ließen; es sei deshalb nötig, ihn unverzüglich zum Schweigen zu bringen. Mitten in ihren Beratungen stellte Nikodemus plötzlich die Frage: „Richtet unser Gesetz auch einen Menschen, ehe man ihn verhört hat und erkannt, was er tut?“ Johannes 7,51. Peinliche Stille folgte diesen Worten; es wurde allen bewußt, daß sie niemanden richten durften, der nicht gehört worden war. Das war es jedoch nicht allein, was die hochmütigen Obersten schweigen ließ, sondern es war die Tatsache, daß sich jemand aus ihrer Mitte zum Verteidiger des Nazareners aufwarf. Nachdem sie sich von ihrem Erstaunen erholt hatten, fragten sie Nikodemus mit beißendem Spott: „Bist du auch ein Galiläer? Forsche und siehe, aus Galiläa steht kein Prophet auf.“ Johannes 7,52. {LJ 454.1}
      Die Frage des Nikodemus aber hatte bewirkt, daß der Rat die Verhandlungen abbrach und die Absicht, Jesus ohne Verhör zu verurteilen, von den Obersten nicht ausgeführt werden konnte. Für den Augenblick unterlegen, ging „ein jeglicher ... heim. Jesus aber ging an den Ölberg“. Johannes 7,53; Johannes 8,1.<< {LJ 454.2}


      Quelle: EGW, Das Leben Jesus, Kap. 50 - "In der Schlinge", S.454
      Ellen G. White Writings in Multiple Languages


      Monate / einige Jahre später:

      >>Nach der Voruntersuchung durch Hannas sollte Jesus vor dem Hohen Rat verhört werden. Unter der römischen Besatzung durfte der Hohe Rat keine Todesurteile vollstrecken lassen; er durfte nur den Gefangenen verhören und gegebenenfalls verurteilen; das Urteil mußte aber von der römischen Obrigkeit bestätigt werden. Die Priester mußten darum die Anklage auf solche Vergehen stützen, die bei den Römern als Verbrechen galten und die gleichzeitig Jesus in den Augen des jüdischen Volkes verdammten. Nicht wenige Priester und Oberste waren durch Jesus überzeugt worden; nur die Furcht, in den Bann (=Ausschluss Joh. 9,22; 12,42f; Anmerk.) getan zu werden, hinderte sie daran, sich zu ihm zu bekennen. Die Priester erinnerten sich noch gut der Frage des Nikodemus: „Richtet unser Gesetz auch einen Menschen, ehe man ihn verhört hat und erkennt, was er tut?“ Johannes 7,51. Wegen dieser Frage war damals ihre Sitzung abgebrochen worden, so daß ihre Pläne durchkreuzt wurden. Nikodemus und auch Joseph von Arimathia sollten daher jetzt nicht eingeladen werden; doch es könnten andere wagen, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten. Das Verhör mußte deshalb so geschickt geleitet werden, daß alle Mitglieder des Hohen Rates Jesus einstimmig verurteilten. Zwei Anklagen waren es, die die Priester erheben wollten. Wenn man Jesus als Gotteslästerer bezichtigen könnte, dann würde ihn das jüdische Volk verurteilen. Gelänge es ferner, ihn des Aufruhrs für schuldig zu erklären, dann wäre auch seine Verurteilung durch die Römer gewiß. Die zweite Anklage versuchte Hannas zuerst zu begründen. Er fragte Jesus nach seinen Jüngern und nach seinen Lehren, wobei er hoffte, der Gefangene, würde etwas sagen, daß Anlaß böte, gegen ihn vorzugehen. Könnte Hannas auch nur einige Bemerkungen aus Jesus herauslocken als Beweis dafür, daß er einen Geheimbund gründen wollte mit der Absicht, ein neues Königreich aufzurichten, dann würden die Priester einen Grund haben, ihn als Friedensstörer und Unruhestifter den Römern auszuliefern.<< {LJ 694.3}

      Quelle: EGW, Das Leben Jesus, Kap. 75 - "Jesus vor Hannas und Kaiphas", S.694.3
      Ellen G. White Writings in Multiple Languages


      Beerdigung Jesu:

      >>In dieser Notlage kamen Joseph von Arimathia und Nikodemus den Jüngern zu Hilfe. Beide waren Mitglieder des Hohen Rates und mit Pilatus gut bekannt; dazu waren sie reich und besaßen großen Einfluß. Diese Männer waren entschlossen, dem Leib des Herrn ein ehrenhaftes Begräbnis zu geben. {LJ 775.3}
      [...]
      Weder Joseph von Arimathia noch Nikodemus hatten sich öffentlich zum Heiland bekannt, als er noch lebte. Sie wußten, ein solcher Schritt würde sie vom Hohen Rat ausschließen; außerdem hofften sie, ihn durch ihren Einfluß in den Beratungen schützen zu können. Eine Zeitlang schienen sie auch Erfolg gehabt zu haben, aber die verschlagenen Priester hatten bald die Schutzmaßnahmen der beiden Ratsmitglieder vereitelt, als sie deren Bewunderung für Christus erkannten. In ihrer Abwesenheit wurde Jesus verurteilt und dem Kreuzestod übergeben. Jetzt, da Jesus gestorben war, verbargen sie nicht länger ihre Zuneigung zu ihm. Während die Jünger zu furchtsam waren, um sich öffentlich als seine Nachfolger zu bekennen, traten Joseph und Nikodemus mutig hervor, um ihnen zu helfen. Die Hilfe dieser beiden wohlhabenden und hochgeachteten Männer war in dieser Stunde äußerst wertvoll. Sie konnten für den toten Meister tun, was den armen Jüngern unmöglich gewesen wäre. Ihr Reichtum und Einfluß schützte die Jünger auch weitgehend vor der Niedertracht der Priester und Obersten. << {LJ 776.2}

      Quelle: EGW, Das Leben Jesus, Kap. 80 - "In Josephs Grab", S.775-776
      https://egwwritings.org/?ref=de_LJ.454.1¶=165.2258#


      Siehe auch in der Apostelgeschichte-Zeit:
      Ellen G. White Writings in Multiple Languages

      LG

      » Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei!« (Johannes 8:36)

      Team: » Entweder heilen wir als Team, - oder wir gehen als Individualisten / Einzelgänger unter.«

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von John Q. Public ()

    • Das sind natürlich von Ellen Gould White auch nur reine Vermutungen!
      Dagegen galt die jüdiche Rechtssitte, dass ein Todesurteil des Hohen Rates, von den 70 Ältesten des Volkes Israel nur zulässig war, wenn mindestens 1 Gegenstimme ergangen war, schon seit Jahrhunderten!

      Also durfte gerade ein Todesurteil niemals einstimmig ergehen! Deshalb hat Lukas in seinem Evangelium auch von der Gegenstimme des Josef von Arimathia berichtet (Luk.23,51)!
      Somit spricht viel dafür, dass Markus bei der Schilderung der Verhandlungen des Hohen Rates gar nicht dabei war und er deshalb das Wort "alle" fällten das (Todes-)Urteil falsch wiedergegeben hat.
    • Norbert Chmelar schrieb:

      Das sind natürlich von Ellen Gould White auch nur reine Vermutungen!


      Dagegen galt die jüdiche Rechtssitte, dass ein Todesurteil des Hohen Rates, von den 70 Ältesten des Volkes Israel nur zulässig war, wenn mindestens 1 Gegenstimme ergangen war, schon seit Jahrhunderten!

      Also durfte gerade ein Todesurteil niemals einstimmig ergehen! Deshalb hat Lukas in seinem Evangelium auch von der Gegenstimme des Josef von Arimathia berichtet (Luk.23,51)!
      Somit spricht viel dafür, dass Markus bei der Schilderung der Verhandlungen des Hohen Rates gar nicht dabei war und er deshalb das Wort "alle" fällten das (Todes-)Urteil falsch wiedergegeben hat.
      Hallo Norbert,

      bin mir nicht sicher was du im Bezug auf mich meinst. ("Vermutungen")

      Lehnst du jetzt a) meinen 1.Beitrag = das Zusammentragen der Bibeltexte um Joh. Kapitel 7 + Kap. 19 und Joh. 9,22 12,42-43 ab?
      Oder b) den Ergänzungsbeitrag mit ähnlichem Ergebnis und Bibeltexten von EGW?
      Oder c) Beides?



      Was "Vermutungen" angeht bist du einiges noch in der Lieferpflicht:
      o) Beleg/Quelle für die angebliche Rechtssitte? (Ich kenne diese konkret nicht...)
      o) Falls es sie gibt, - Frage: Wurde bei Jesus auch nach diesen Sitten vorgegangen? (siehe Problem: Nachtverhandlung; in Privathäusern; usw.)

      o) Ich persönlich nehme wahr, dass du Evangelisten "gegeneinander" bzw. in Quellenscheidungsmethodik (Motto: "Wer hat [mehr] Recht / Unrecht...?) liest.



      Ich denke (dem bibl. Bericht zufolge): Jesus wurde von den anwesenden im Hohen Rat einstimmig (="alle") verurteilt.
      Da man im Fall Jesus nicht mehr sauber arbeitete liegt der mögliche Schluss nahe, dass sie bekannte kritische Stimmen (Nikodemus; Joseph von A.; etc.) [bewusst] nicht eingeladen / informiert hatten...

      (siehe Problem: Nachtverhandlung; in Privathäusern; Parteilichkeit; Scheingericht; usw.)

      LG

      » Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei!« (Johannes 8:36)

      Team: » Entweder heilen wir als Team, - oder wir gehen als Individualisten / Einzelgänger unter.«
    • Dass bei einem Todesurteil mindestens eine Gegenstimme notwendig war, habe ich nioch nie gehört. Ich weiß wohol vin der Illegalität einer Nacht Verhandlung, und dass die beiden Mitlieder Nikodemus und Josef nicht mit abgestimmt haben, scheint mir die wahrscheinlichste Antwort. benSalomo