"Was glaubt Deutschland? Religionen auf dem Prüfstand"

    • "Was glaubt Deutschland? Religionen auf dem Prüfstand"

      Der SWR hat eine Dokuserie aus drei Folgen produziert, in welcher der Reporter Steffen König Einblicke in verschiedene Religionen gesucht und zusammengefaßt hat.
      1. Wie wir hoffen
      2. Wie wir lieben
      3. Wie wir feiern

      Die TV-Serie im Web

      Meine Meinung zur Serie

      Die Serie ist zweifelslos ein zu begrüßender Beitrag zur religiösen Grundbildung. Sie bietet einfache grundlegende Einblicke in religiöse Praxis und religiöses Denken. Jede der drei Folgen ist kurz und nahezu kurzweilig; der Preis für die Lockerheit des Journalisten und seine Herangehensweise an das Thema scheint mir jedoch ein Mangel an Differenzierung und Tiefgang zu sein.

      Die Sendungen konfrontieren vor allem mit konkreten Erlebnissen und einzelnen Personen statt die jeweilige Weltanschauung und ihre Glaubensinhalte genau vorzustellen.

      Da ich über das Christentum mehr weiß als über andere Religionen, sind mir besonders, wenn von Christen die Rede war, einige Verallgemeinerungen störend aufgefallen. Wenn der Journalist von Christen spricht, meint er meist einfach die Katholische Kirche oder die Evangelische Landeskirche, Freikirchen klammert er aus, als gäbe es sie nicht. Ich weiß nicht, warum er dies tut; mir scheint eine so weitgehende Vereinfachung, welche die Realität letztlich falsch darstellt, unnötig. Damit ihr Euch vorstellen könnt, was ich meine, ein Beispiel aus der heute im Ersten Programm ausgestrahlten Folge "Wie wir feiern": Darin stellt der Sprecher die Frage, wie man in eine Glaubensgemeinschaft hineinkomme und antwortet:

      Die Christen sind ziemlich schnell bei der Sache. Ich bin als Kind getauft worden. Das war natürlich die Entscheidung meiner Eltern, und die haben dann versprochen, mich christlich zu erziehen. [...] Die eigene Meinung ist erst später gefragt, bei der Konfirmation.

      Zugutehalten kann man den Autoren, dass sie als Beispiel die Erwachsenentaufe einer älteren Quereinsteigerin mit der Kamera begleiten. Trotzdem frage ich mich, ob es wirklich zu viel für die Zuschauer gewesen wäre, wenn die Autoren an der zitierten Stelle etwas mehr unterschieden oder sich genauer ausgedrückt hätten.

      Insgesamt, ist die Serie zur religösen Grundbildung geeignet und zu empfehlen, allerdings ist sie allein zu oberflächlich und durch die agnostische oder atheistische Perspektive des Journalisten begrenzt. Beispielsweise endet die dritte Folge mit Bildern der Kinder des Journalisten und er erklärt, er werde seinen Kindern keinen Glauben aufdrängen. Das klingt nobel, als könne er seinen Kindern alles offenhalten; tatsächlich kann man aber nicht nur nicht nicht kommunizieren, wie der Psychologe Watzlawick schrieb; sondern Eltern können auch ihre Weltanschauung nicht nicht vermitteln, das heißt die Anschauungen der Eltern prägen ihre Kinder. Es ist eine Illusion, zu glauben, Eltern könnten sich nobel heraushalten und weitgehend neutral bleiben. Zugegebenermaßen solten sie allerdings auf Zwang, Repressionen und Gehirnwäsche zu verzichten versuchen.

      Diese Sendereihe kann den Zuschauern einen kleinen Blick knapp über den Tellerrand der eigenen Weltanschauung eröffnen; aber kein echtes tiefes Verständnis anderer Weltanschauungen, sie kann ein Anfang sein, weiter zu fragen und noch andere Filme oder Bücher zu bestimmten Fragen aufzusuchen. Ein Anstoß, ein paar visuelle Impressionen von anderen Glaubenspraktiken, Puzzleteile für ein größeres Bild mit weniger Lücken, dessen weitere Teile jeder für sich selbst noch zusammensuchen muss, nicht viel mehr, aber auch nicht weniger.
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

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