Autismus - der Geist in der Zelle

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Seele1986 schrieb:

      Was das Archivieren angeht: wenn ihm das einmal richtig gezeigt wurde, wird der Junge wahrscheinlich niemals einen Fehler dabei machen.

      Glaube ich auch. Ich erinnere mich an diese Firma, die nur Autisten beschäftigt; das sind in gewisser Weise auch Experten für Genauigkeit und Korrektheit. Natürlich darf man nicht alle Autisten über einen Kamm scheren.

      Auch wenn das allem Anschein nach kein Fehler ist, den Tricky machen wird, drängt es mich darauf hinzuweisen, dass man nicht nur mit den Eltern und den "Experten" sprechen sollte; sondern den jungen Mann auch selber einbeziehen sollte, dass er, nachdem man ihm die Grenzen und die Perspektive einer solchen Beschäftigung möglichst wertfrei klargemacht hat, selber so weit als möglich nicht fremdgesteuert, auf seine Weise äußern kann, was er möchte.
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Daniels ()

    • Autisten erklären die Wahrnehmung ihrer Welt

      Hallo :)

      In diesen Videos erklären Autisten "ihre Welt":

      www.youtube.com/watch?v=6da3NU54r1U

      www.youtube.com/watch?v=A2XCw0kDAmY
      Ich wünsche Dir Mauern für den Sturm, ein Dach für den Regen, Getränke neben dem Feuer, Gelächter um Dein Herz zu wärmen, Diejenigen in Deiner Seele und Nähe die Du liebst. Mögest Du schon am Morgen der Hilfe des Himmels gewiss sein und über den Tag in der Sicherheit sein, dass Jesus Dich in Seiner Hand hält. Céad míle fáilte !
    • Ja, was ich hier noch schreiben wollte.

      Wie hat dieses Praktikum von J auf mich gewirkt? Was hat es mir über mich selbst erzählt?

      Bei diesen Fragen bin ich erschrocken. Es ist generell so, dass Geduld nicht so meine Stärke ist. Wenn zu Hause irgendwas nicht rund läuft oder etwas besser, schneller, effizienter, kostensparender gemacht werden kann, dann weise ich immer darauf hin. Wenn das dann aber nicht funktioniert und keine Änderung eintritt und andere im Haushalt diese Verbesserungsvorschläge nicht beachten, dann kann ich schon ungeduldig werden. Und das auch verbal, mit Nachdruck, laut ... richtig unangenehm.

      Bloß warum habe ich mit J eine undendliche Geduld gehabt? Warum habe ich überhaupt mit meinen Arbeitskollegen 1000x mehr Geduld als mit meinen Verwandten, den Menschen also zu denen ich eine viel tiefere Beziehung habe, als zu Freunden oder Arbeitskollegen? Warum fragt mich meine Mutter nach einer Lösung am Computer und ich reagiere häufig über, wenn aber ein Arbeitskollege etwas fragt, dann erkläre ich das auch 10x oder 20x immer wieder, ohne Grant, ohne Vorwurf.

      Das also hat mir J aufgezeigt. Dass ich geduldig, nachsichtig, hilfsbereit, selbstlos sein kann - und es gerade bei meinen engsten Verwandten so oft nicht bin. Für diese Erkenntnis bin ich ihm sehr dankbar.
    • @tricky: Eine spannende und neue Perspektiven öffnende Beobachtung hast Du gemacht, weil Du entdeckt hast, dass Du verschieden geduldig mit verschiedenen Personenkreisen umgehst.

      Ein Schlüssel scheint mir die Erkenntnis zu sein, dass unser Verhalten stark davon abhängt, was wir von anderen erwarten. Wir sind also beispielsweise häufiger enttäuscht, wenn wir zu hohe Erwartungen haben.

      Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich nicht sehr viel stressfreier leben und mit anderen umgehen könnte, wenn ich mich entschlösse, ausnahmslos alle Menschen, die mir begegnen, als Freigänger aus einer Irrenanstalt anzusehen, deren beschränkten Möglichkeiten und deren eingeschränkter Fähigkeit, zur Konfrontation mit der Realität, ich mit Geduld und Nachsicht begegnen sollte, etwa wie ein Sozialpädagoge, der zufällig so einem irren Freigänger begegnet. Dann wäre es gar keine Frage mehr, ob mein Gegenüber völlig klar denkt und durchgängig vernünftig und maßvoll oder empathisch und rücksichstsvoll handelt; sondern es stellte sich eigentlich nur die Frage, worin sein spezieller Wahn und/oder sein spezieller Mangel an Sozialkompetenz besteht, auf den ich Rücksicht nehmen muss, weil er in der Regel unheilbar ist. Rücksicht, etwa so, wie man auf kleine Kinder Rücksicht nimmt oder auf Schwachsinnige -- oder auf den Bewohner einer Irren-WG, der über den Hofeingang an eine Wohnung kam, und mit dem ich vorsichtig, geduldig und aufmerksam sprach; weil ich wußte, dass seine Aufnahmefähigkeit beschränkt und er vermutlich leicht zu irritieren ist. Auch wenn das ein Gedankenspiel ist, scheint es mir sehr viel realistischer, als die meisten werden zugeben wollen.

      Es ist nicht die Frage, ob jemand einen Tick hat; sondern nur, welche Ticks er hat.

      Mit herzlichen Grüßen
      Euer Pfleger ;)
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Daniels ()

    • Daniels schrieb:

      Deren eingeschränkter Fähigkeit, zur Konfrontation mit der Realität, ich mit Geduld und Nachsicht begegnen sollte
      Hallo @Daniels
      Interessante Gedanken, die Du hast. Ich finde Dein "Gedankenspiel" gar nicht mal so unrealistisch. "Erkenne Dich selbst" ist ein alter und weiser Spruch, aber der Druck der "heutigen Welt" ist derartig, dass viele Menschen sich tatsächlich in einer Identitätskrise befinden. Sie wissen nicht, wer sie wirklich sind. Das liegt viel an der heutigen Betonung auf dem "Tun" anstatt dem "Sein". In unserer Gesellschaft ist es wichtig, was wir tun, wie viel wir erreichen, was wir zuwege bringen. Während sich viele Menschen darauf konzentrieren, kann es möglich sein, dass wir uns die Frage stellen, wer wir wirklich sind. Bis wir diesbezüglich etwas Erkenntnis und Sicherheit gewinnen, kann viel Zeit vergehen. Ich denke, dass dieser Mangel an persönlicher Identität oder Realität auch viel daran liegt, dass viele Menschen heute in einer Fantasiewelt leben. Eine Welt, die durch TV, Radio, Internet und Games hervorgehoben wird. Auch die "deprimierende Hoffnungslosigkeit" der "realen Welt" wird "medial gefördert". Weil viele Menschen mit der Komplexität und Größe der heutigen Krisen nicht fertig werden (können), reagieren sie entweder mit stumpfer Apathie, verleugnen das es "Troubles" gibt, oder ziehen sich in eine gefährliche Welt der Illusion zurück.
      Ich wünsche Dir Mauern für den Sturm, ein Dach für den Regen, Getränke neben dem Feuer, Gelächter um Dein Herz zu wärmen, Diejenigen in Deiner Seele und Nähe die Du liebst. Mögest Du schon am Morgen der Hilfe des Himmels gewiss sein und über den Tag in der Sicherheit sein, dass Jesus Dich in Seiner Hand hält. Céad míle fáilte !
    • Daniels schrieb:

      Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich nicht sehr viel stressfreier leben und mit anderen umgehen könnte, wenn ich mich entschlösse, ausnahmslos alle Menschen, die mir begegnen, als Freigänger aus einer Irrenanstalt anzusehen, deren beschränkten Möglichkeiten und deren eingeschränkter Fähigkeit, zur Konfrontation mit der Realität, ich mit Geduld und Nachsicht begegnen sollte, etwa wie ein Sozialpädagoge, der zufällig so einem irren Freigänger begegnet. Dann wäre es gar keine Frage mehr, ob mein Gegenüber völlig klar denkt und durchgängig vernünftig und maßvoll oder empathisch und rücksichstsvoll handelt; sondern es stellte sich eigentlich nur die Frage, worin sein spezieller Wahn und/oder sein spezieller Mangel an Sozialkompetenz besteht, auf den ich Rücksicht nehmen muss, weil er in der Regel unheilbar ist. Rücksicht, etwa so, wie man auf kleine Kinder Rücksicht nimmt oder auf Schwachsinnige -- oder auf den Bewohner einer Irren-WG, der über den Hofeingang an eine Wohnung kam, und mit dem ich vorsichtig, geduldig und aufmerksam sprach; weil ich wußte, dass seine Aufnahmefähigkeit beschränkt und er vermutlich leicht zu irritieren ist. Auch wenn das ein Gedankenspiel ist, scheint es mir sehr viel realistischer, als die meisten werden zugeben wollen.
      Daniels, ich musste bei diesem Beitrag ordentlich lachen. Du sprichst mir aus der Seele. :weird: :verwirrt:
      Deine Gedanken sind gar nicht so abwegig, ich arbeite bereits seit Jahren an der Umsetzung deines Gedankenspiels.
      Leider passiert es mir immer wieder, dass ich wohl zu viel von meinen Mitmenschen erwarte.

      LG
      Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist es unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich
      (Matthäus 19, 26)
    • Auch wenn das ein Gedankenspiel ist, scheint es mir sehr viel realistischer, als die meisten werden zugeben wollen.
      @Daniels:

      Das Problem bei der Umsetzung ist aber, dass wir selbst alle die "Freigänger der Irrenanstalt" sind :D

      Wir haben diese Geduld oft nicht, weil wir mit unserem eigenen "Wahn" auf den anderen Irren reagieren.

      Oder biblisch ausgedrückt: Wir sind alle Sünder.

      Außerdem: es wäre doch schade, wenn man versuchte, andere konsequent als kranke Irre zu betrachten, oder?

      Des Weiteren würde in dieser Betrachtung ein gravierender Fehler vorliegen:

      nämlich der Gedanke, das eigene Handeln würde sich bessern, wenn man andere als "krank" ansieht.

      Es bessert sich aber nur, wenn man sich selbst als krank erkennt ;)

      Aber nimm´s mir bitte nicht zu moralisch ab. Ich hatte deinen Gedankengang auch schon :D

      Hatte auch mal überlegt, was wäre, wenn ich mit allen Leuten so umgehen würde, wie mit meinen Patienten. Konsequent durchgedacht wäre das aber echt schrecklich;
      sowohl für die Umwelt als auch für mich. :D

      LG
      Liebe ist die Tochter der Erkenntnis.
      (Leonardo da Vinci)
    • Seele1986 schrieb:

      Das Problem bei der Umsetzung ist aber, dass wir selbst alle die "Freigänger der Irrenanstalt" sind :D

      Wir haben diese Geduld oft nicht, weil wir mit unserem eigenen "Wahn" auf den anderen Irren reagieren.

      Oder biblisch ausgedrückt: Wir sind alle Sünder.

      [...]

      Es bessert sich aber nur, wenn man sich selbst als krank erkennt ;)

      Ich denke oft relativ konsequent logisch, deshalb nimmt mein Gedankenspiel -- für mich selbstverständlich -- auch mich nicht aus. Aber ich bin es gewöhnt, dass man den selbstkritischen Anteil meiner Gedanken unterschätzt.
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19
    • Seele1986 schrieb:

      wollte mal fragen, ob es schon was neues von deinem "Schützling" gibt. :)
      Ich weiß eigentlich nur, dass er derzeit wieder in Ausbildung ist. Ich weiß nicht mal genau was es ist. Das Ziel seiner weiteren beruflichen Laufbahn ist es, dass er in eine Lehre eintritt. Diese Lehre wird von einem gestützten (durch ein Förderprogramm bezahlt) Lehrer begleitet. Die Pläne, die ich mit J hätte wären, wie ich vermutlich schon mal beschrieben habe, dass er bei uns die Archivierung übernimmt.
      Derzeit hat die schon überfällige Archivierungsarbeit eine Studentin übernommen. Diese Studentin kennt unseren Betrieb schon von wichtigen Aushilfstätigkeiten (Urlaubsvertretung) und kommt einmal pro Woche um die angefallenen bzw. schon lange liegen gebliebenen Akten zu sortieren und einzuscannen. Sie studiert Psychologie und Mathematik (interessante Kombo) und möchte mal im Lehramt tätig sein. Sie ist für den Job also 1000x überqualifiziert. Außerdem ist es ja nur auf Zeit bei ihr, sie verdient sich quasi einfach so was leicht dazu.
      Mit ihr gemeinsam habe ich eine ausführliche Doku erstellt, die (wenn ich mich jetzt richtig erinnere) leider noch nicht ganz fertig ist. Diese Doku ist der erste Schritt für J, dass er sich den Job im Herbst mal ansehen kann.

      Daniels hat mich auf den Gedanken gebracht, der eigentlich selbstverständlich sein sollte: J sollte Freude an der Arbeit haben und sich selbst FÜR den Job, den er mal macht entscheiden. Daher wird es für mich eine Priorität sein es herauszufinden ob ihm dieser Job Spaß macht. Das ist gar nicht so leicht, da soziale Kontakte für J ja (zumindest anscheinend...und auf die Beeinträchtigung bezogen) nichts besonders wertvolles sind. Macht ihm ein Job also wirklich Spaß, oder macht er ihn halt einfach so. Das wäre für mich eine enorm wichtige Information bzw. werde ich alles daransetzen das herauszufinden.


      Seele1986 schrieb:

      Hattet ihr nochmal Kontakt?
      Nein, nach unserer Praxiswoche war kein weiteres Treffen. Sein Vater arbeitet öfter bei uns, wenn Elektrikerarbeiten anstehen. Dann unterhalten wir uns machmal über ihn, wenn ich frage, wie es J geht. J hat noch drei Geschwister, zwei ältere Brüder und eine ältere Schwester. Die sind natürlich auch manchmal Thema mit Js Vater, einer von seinen Brüdern hat bei uns Zivildienst gemacht (und studiert auch gerade Mathematik fürs Lehramt).


      Ich werde gerne ab Herbst weiter berichten.
    • So, eigentlch hätte ich schon viel früher schreiben müssen. Ein kleines Update also, was in den letzten Monaten passiert ist.

      Ende Juni hat sich die Förderstelle von J bei mir gemeldet und wir haben einen Termin im August vereinbart, wo wir zusammen mal besprechen, ob und wie eine Anstellung von J bei uns in der Firma möglich ist. Die zuständige Bezugsperson von J bei der Förderstelle hat mich darauf verwiesen, dass er für diesen Teil nicht mehr zuständig ist und dass stattdessen eine andere Person mit den weiteren Details und Kontakten zuständig ist. Mit dieser haben wir dann den Termin wahrgenommen, auch unser Personalchef war dabei, einfach um J auch mal besser kennenzulernen. Wir haben vereinbart, dass wir uns im Herbst (Oktober) mit der Studentin V. mal zwei Termine vereinbaren, wo J sich die Arbeit des Scanens ansehen kann und wo er dann auch unter Anleitung mal selbst probieren kann, inwieweit ihm diese Arbeit Freude macht und er sie auch für längere Zeit (Anstellung mit 15 Wochenstunden, 3 x pro Woche je 5h) im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses selbsttätig durchführen wird.

      Die Termine sind positiv verlaufen und ich habe die Dokumentation der Arbeitsvorgänge angeordnet, damit wir auch intern eine gute Dokumentation der Vorgänge haben. PC Eingaben, das Scanen an sich und auch das Zuteilen zu einem Kunden (bereits in der Datenbank vorhanden!) sind an und für sich nicht schwer, wären da nicht diese irrsinnig vielen verschiedenen Dokumentenkategorien. In der Hauskrankenpflege kommt einem einfach auch immer wieder was unvorhergesehenes unter und wie mit solchen Dingen dann umgehen, das wird die größte Herausforderung für das kommende halbe Jahr, wo das Dienstverhältnis jetzt mal läuft.

      Mir ist es auch diesmal wieder schwergefallen aus J eine konkrete Gefühlsregung zu der Arbeit zu bekommen. Gefällt es ihm? Macht ihm das Spaß? Es ist ja schlußendlich eine einsame, im hintersten Winkel des Büros (eigenes kleines Zimmer, großes Fenster, Glaswand) zu verrichtende Arbeit, und vor allem...immer das gleiche. Aber ich habe mit der Arbeitsassistenz (Frau F) gesprochen und mit Js Vater, der gemeint hat, dass er zu Hause stolz war auf seine Arbeit und dass es ihm Freude macht. Gut, darauf und auf den Gesichtsausdruck von J von vor 2 Wochen, wo ich ihn das letzte Mal sah, verlasse ich mich jetzt einmal. Am Montag beginnt er und für die erste Zeit wird auch noch ein Jobcoaching dazukommen. Der Jobcoach soll J in den ersten Wochen noch begleiten und ihm die restliche Sicherheit geben. Vor allem aber ist sie dafür da, dass ich nicht erste Ansprechperson für J sein muss. Warum? Einfach weil mir die Zeit fehlt und weil ich durch die anderen Tätigkeiten, die ich ausfülle auch oft nicht verfügbar bin. Es würde mir sehr leid tun, wenn J in der Arbeit auf irgendetwas stößt, das er nicht gewohnt ist und er dann niemanden hat, der ihm weiterhilft.

      Für zukünftige Aufgaben werden wir J auch noch vorbereiten, denn wir haben ein recht großes Bildungszentrums-Archiv, das derzeit nur in Papier vorhanden ist, aber wie unser Kundenarchiv eben wächst und wächst. 30 Jahre Aufbewahrungsfrist für unsere Pflegedokumentationen und den Kundenbetreuungssverlauf sind ganz schön heftig. Entweder man mietet sich hierfür dann Platz dazu (teuer...schwer zu durchsuchen), oder man scant eben alles ein und vernichtet die Originale dann.

      Bei einer unserer nächsten büroweiten Besprechungen, werden wir auch gemeinsam mit der Arbeitsassistenz allen Kollegen im Büro J vorstellen und auch Fragen zum Verhalten ihm gegenüber beantworten.
    • Mal wieder ein kleines Update zu unserem neuen Mitarbeiter J:

      Seit Mitte Dezember arbeitet J fix bei uns in der Firma als Archivar. Er ist immer noch sehr schweigsam, das Reden liegt ihm einfach nicht. Trotzdem macht er mit seinen 20 Wochenstunden einen zuverlässigen, guten Job. Zu Beginn des Jahres war es noch so, dass wir von einer Förderstelle eine Hilfskraft für J zugewiesen bekommen haben, die ihn für 6 Monate (also bis Anfang Juni) stundenweise begleitet hat. Mit ihr gemeinsam hat J viele Arbeitsschritte dokumentiert und verinnerlicht, sodass er jetzt eine gute, regelmäßige Arbeitsroutine gefunden hat. Auch ein Problem mit der Toilette haben wir mit Ihrer Hilfe gut in den Griff bekommen. Man denkt ja gar nicht daran an welchen Banalitäten so eine Anstellung auch scheitern kann.

      Was mich an der ganzen Sache noch sehr stört ist die mangelnde Integration in die Firma. Wie soll das gelingen bei/mit einem Menschen, der sich nicht mitteilt, sondern auf Fragen lieber mit einem Kopfnicken antwortet als mit Worten? Ich habe Js Vater gefragt, ob er etwas erzählt von seinem Alltag in der Firma, ob es irgendwelche Anzeichen gibt dafür, dass er auch selbst mehr Integration wünscht. Nichst. J redet zu Hause auch nicht mehr als bei uns in der Arbeit. Kommunikation ist also sehr reaktiv und dann eben auch sehr einsilbig. Es scheint so als ob sich J sehr wohl fühlt in seinem streng geregelten Arbeitsablauf, seinem einsamen Zimmer und den vielen Akten, die er für uns ins System einpflegt.

      Mit all den Fördermöglichkeiten und den Begünstigungen für die Anstellung von behinderten Menschen in Österreich stellt J für uns keine nennenswerte finanzielle Belastung dar. Ich sage das nur dazu, weil jede Stelle, die wir als non-profit Unternehmen schaffen auch finanziert werden muss. Das Sozialministerium fördert und die Ausgleichstaxe, die man in Österreich für das Nicht-Anstellen von Personen mit Behinderung entrichten muss, wird reduziert.