Warum sollte ein Mensch in eine christliche Gemeinde gehen ?

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    • Warum sollte ein Mensch in eine christliche Gemeinde gehen ?

      zitat seele1986

      #22

      Ich meine, mal ehrlich […]
      Warum sollte ein Mensch in eine christliche Gemeinde gehen heute? EGAL, welche "wahre Gemeinde" das ist!
      Warum sollte er?
      Weil da Christen sind? Weil da "Wahrheit" ist? Die darin besteht, zu erklären, wer sie auf jeden Fall nicht hat?
      Wir sind lachhaft.
      Wenn ein suchender Mensch liest und hört, was "Christen" über "Christen" ablassen, dann muss er sich ja umdrehen und gehen; was will er damit? Das kann er in der Welt gratis und sogar mit Humor haben..


      @Seele1986: Du hattest den Beitrag oben im Strang sta-forum.de/allgemeines/gesel…vorstellungen/index2.html Politische, gesellschaftliche und globale Vorstellungen geschrieben. Er hatte dort nicht so recht in den Zusammenhang reingepasst, für alle Fälle aber hat er mich jedoch sehr berührt.

      Ich habe mich als Nichtchristin in den vergangenen 1-2 Jahren wirklich bemüht, Christentum, bzw. christlichen Glauben zu verstehen. Dabei ist das Adventisten-Forum ein Teil des Spektrums. Ich habe auch das Phänomen beobachtet, wie du, Seele1986, es beschreibst. Es gibt eine wilde Mischung von „christlichen Wahrheiten“, welche die jeweils anderen Christen ausschliessen. Auf der einen Seite sind da in unserer Gegend die katholische Kirche, daneben eine sehr grosse Zahl an orthodoxen Kirchen die aus ihrer theologisch-historischen Nähe eine besondere dogmatische Deutungshohheit für sich beanspruchen. Abgelehnt werden diese alle von den (nach)reformatorischen Bewegungen die nicht nur in Variationen eigene „Wahrheiten“ für sich reklamieren, sondern auch ganz zentrale christliche Aussagen, zu Jesus, zur Deutung von Sünde und Vergebung, zu Werken und Gerechtigkeit machen.

      Als interessierte Nichtchristin bin ich zunehmend frustriert. Es irritiert mich auch die hier im Forum so oft behauptete „momentane individuelle Erkenntnis“, also Wahrheit ist das, was ich gerade erkennen kann. Das klingt hübsch, nur, nach 2000 Jahren sollte in der Christenheit doch so etwas wie eine sehr grosse Näherung an die „Wahrheit“, an den Willen Gottes erfolgt sein – erstaunlicherweise ist das Gegenteil der Fall. Was für ein Versteckspiel treibt Gott mit der Christenheit, dass Glaube so kompliziert sein soll?

      Und ja, das ist die gute Bemerkung von dir, Seele1986, warum sollte ein Mensch in eine christliche Gemeinde gehen? Egal welche „wahre“ Gemeinde das ist (Zitat). Und ich muss weiter zitieren, auf mich bezogen: „Wenn ich lese und höre, was Christen über Christen ablassen, habe ich den Drang mich umzudrehen und zu gehen, was will ich damit? Das kann ich in der Welt gratis und sogar mit Humor haben (Zitat Ende).

      Das klingt nun hart. Es soll auch keine generelle Adventisten- oder Christenschelte sein. Ich wollte nur aufzeigen, was wirklich irritiert. Warum also Gemeinde bzw. Kirche? Was hält euch gerade dort? Kann man als Christ Gott auch ohne Gemeinde nahe sein? Reicht Glauben und Tun alleine nicht?
      Aber dann doch auch an die Adventisten gerichtet: Ich war schon in verschiedenen Gemeinden, gut, nur einige Male sporadisch. Der Ablauf machte auf mich immer den Eindruck eines zelebrierten Ritus, bei dem es schwierig war, Gott zu spüren. Ja, es war eine freundliche Gesellschaft. Aber ist es das, was Kirche und Glaube ausmacht? Warum begeistert es mich als gläubige Menschin nicht? Vielleicht auch als Hinweis an den Missionsstrang hier im Forum – was begeistert die Menschen eigentlich nicht am christlichen Glauben? Weil man Humor auch in der Welt haben kann (Zitat)?
    • doriane schrieb:

      Kann man als Christ Gott auch ohne Gemeinde nahe sein? Reicht Glauben und Tun alleine nicht?


      Ich behaupte man kann sehr gut OHNE die klassische Kirche oder "Gemeinde" Jesus nachfolgen, denn ich habe das in den letzten 10 bis 12 Jahren praktiziert.

      Im Übrigen kann ich das was Seele1986 beschreibt eben NICHT mehr als "Gemeinde" erkennen - nicht wegen den Diskussionen über Glaubensformen an sich sondern zum größten Teil wegen der extremen Arroganz, Überheblichkeit, Selbstgerechtigkeit und der Tatsache wie leicht man Anderen den Glauben grundsätzlich in Frage stellt.

      Ich bin schon eine Sehr weiten Weg im Glauben gegangen und ich erlebe gerade sehr intensiv eine Veränderung bzw. einen Schritt in eine neue Glaubensdimension (vergl.: Hiob 42,1-6; 1.Könige 19; ) und weiß dabei, dass dieser Schritt zu jeder gesunden Glaubensentwicklung gehört damit Christus unser ein und Alles wird.

      Da kommen mir Diskussionen - egal wie konstruktiv oder heftig - die auf allen Schritten dieses Weges davor stattfinden beinahe wie kindisches Geplänkel vor.

      Echte Gemeinde ist das was mich auf diesen entscheidenden Schritt im Glauben mit Christus vorbereitet - und nicht der Verein oder die Versammlung den/die ich reglemäßig besuche. Nur da wo in der Gruppe oder den Kontakten die ich pflege diese intensive Perspektive auf Christus hin vorhanden ist darf meine Meinung nach im biblischen Sinne von Gemeinde gesprochen werden.

      Was wir aber hauptsächlich vorfinden sind fromme Vereine oder Gruppierungen, die sehr viele oder auch spezielle Regeln für enorm wichtig halten und von daher als deutlich gesetzlich einzuordnen sind. Das Gesetz kann aber auf lange Sicht nur der Erkenntnis der Sünde dienen und macht uns nicht gerecht ... und Jesus kritisiert diese Denkweise ja bei den Pharisäern mehr als deutlich ...

      Aus meiner Perspektive ist die von Vielen so ausgelobte oder angeblich erforderliche Regelkonformität mit dem Lernprozess eine kleinen Kindes zu vergleichen, dass neue Vokabeln entdeckt. Da ist es ein ganz normaler Vorgang, dass die neue Vokabel als das ultimative non plus ultra erlebt und ständig passend oder unpassend verwendet wird ... aber sobald die nächste Vokabel entdeckt wird wiederholt sich der Vorgang ... solange bis das Kind einen seinen Grenzen angemessenen Wortschatz erworben hat und Bedeutung und Anwendung der Vokabeln im großen Zusammenhang sinnvoll einordnen kann.

      Mir scheint, dass sehr viele Gemeinden mit ihren (oft auch versteckten) Regeln nicht mehr das Ziel des kompetenten Spracherwerbs (Reife in Christus, vergl.: Ephaeser 4,11ff; ) zum Ziel haben sondern häufig im Stadium des Vokabeltrainings stecken geblieben sind und somit das ursprüngliche Ziel nachhaltig aus den Augen verloren haben. Das hat dann aber mit Christus und christlich NICHTS mehr zu tun! Außer dem unzutreffenden Etiketten, die sie diese frommen Vereine gegeben haben.

      Darum sind die meisten Kirchen, Gemeinschaften, Denominationen, Gruppen in meinen Augen ein Etikettenschwindel.

      Es ist außerdem eine listige alte Strategie das Original (die Wahrheit, Christus) zu verbergen oder unauffindbar zu machen indem Unmengen von wertlosen Fälschungen oder Informationen verbreitet werden.

      Und genau an diesem Punkt stehst Du gerade doriane! Nicht die Kirchen sind Dein Ziel nach dem Du suchst - oft verbergen sie es / IHN eher - Christus ist das wonach sich unser Herz sehnt!
      maranatha Stephan
      bibelarbeit.info
    • @Seele1986: Ich habe immerhin versucht, der Skepzis oder Verachtung von Christen gegen andere Christen und der Verteufelung der katholischen Kirche mit Humor zu begegnen:
      Diese für mich absurde Ablehung verschiedener christlicher Denominationen auch durch Siebenten-Tags-Adventisten habe ich oft ironisch beantwortet. Da ich zu mehreren verschiedenen Freikirchen Kontakte habe, provozierte ich einen STA-Pastor immer ein wenig damit, dass ich, wann immer ich ihm gegenüber ein Erlebnis aus einer anderen Freikirche ansprach, meine Bemerkungen begann mit der Wendung "In einer feindlichen Gemeinde habe ich kürzlich erlebt ..."
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19
    • Daniels schrieb:

      @Seele1986: Ich habe immerhin versucht, der Skepzis oder Verachtung von Christen gegen andere Christen und der Verteufelung der katholischen Kirche mit Humor zu begegnen:
      Diese für mich absurde Ablehung verschiedener christlicher Denominationen auch durch Siebenten-Tags-Adventisten habe ich oft ironisch beantwortet. Da ich zu mehreren verschiedenen Freikirchen Kontakte habe, provozierte ich einen STA-Pastor immer ein wenig damit, dass ich, wann immer ich ihm gegenüber ein Erlebnis aus einer anderen Freikirche ansprach, meine Bemerkungen begann mit der Wendung "In einer feindlichen Gemeinde habe ich kürzlich erlebt ..."


      Naja, die rkK liefert schon eine sehr verwundbare weiche Flanke durch die Jahrhunderte :) Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass wir in viel kürzerer Zeit ganz genau die gleichen Denkfehler machen können während wir das nicht einmal bemerken. Nicht umsonst ist die Letzte Gemeinde von Gott in der Offenbarung durch eine sprichwörtlich gewordene Blindheit daran gehindert den eigenen fatalen Zustand überhaupt ernsthaft wahrzunehmen geschweige denn die Notwendigkeit zur Umkehr einzusehen.

      Es ist ein bequemer Irrtum man könnte sich profilieren oder besser machen indem man auf einzelne Dummheiten, Irrtümer oder Fehler Anderer verweist!
      Christus wird am Ende jeden einzeln fragen: "Hast Du mich in Deinem Leben über alles gesetzt? War ich Deine Priorität nummer EINS?" (erstes Gebot!)
      Für keine andere Entscheidung werden wir ernsthaft von Christus zur Rechenschaft gezogen werden! Aber mit dieser Frage steht und fällt unsere Erlösung! (vergl.: Johannes 17,3; und Andere )
      maranatha Stephan
      bibelarbeit.info
    • Stephan Zöllner schrieb:

      Echte Gemeinde ist das was mich auf diesen entscheidenden Schritt im Glauben mit Christus vorbereitet - und nicht der Verein oder die Versammlung den/die ich reglemäßig besuche. Nur da wo in der Gruppe oder den Kontakten die ich pflege diese intensive Perspektive auf Christus hin vorhanden ist darf meine Meinung nach im biblischen Sinne von Gemeinde gesprochen werden.


      Immerhin Stephan eine Vorstellung hast Du ja von Gemeinde.

      Und dieses Ziel mit Jesus anzusteuern ist doch erstrebenswert!

      Eine Gemeinde mit 100 Mitgliedern kann nicht so funktionieren wie eine mit 20 Geschwistern.

      Gerade wir Adventisten haben eine Segnsreiche Einrichtung des Gottesdienstes ,der Sabbatschule.

      Wer aber nur einmal am Sabbat sich mit dem Wort Gottes beschäftigt oder Gemeinschaft mit Jesus hat

      wird kaum Beziehung ,Wachstum und die Liebe einer Gemeinschaft lernen und verspüren.

      Gemeinschaft braucht Vertrauen und einen Geist des Wohlwollens sich gemeinsam auf dem Glaubensweg zu begleiten.

      Ich habe Zweifel das Du bisher eine Gemeinde so wie sie ist, lieben konntest.

      Auch in der Zugehörigkeit zur Gemeinde kannste diese Erfahrungen mit Gott machen und erkennen wie Jesus seine Gemeinde liebt!

      Leider habe ich früher Gemeinde genau so gesehen wie Du, bis Gott mir eine andere Wahrnehmung seines "Augapfels und Nestes" schenkte.

      Ich hoffe für Dich das Du eine Gemeinde findest die Dich Liebt, so wie Du bist.
    • Es ist doch wie mit einem Ehepartner.
      Zum überleben brauche ich es nicht, doch um Freude zu vermehren und Leid zu teilen, oder auch seine Liebe weiter geben.

      Ich suche mir einen Ehepsrtner aus, mit dem ich ganz klare Vorstellungen habe. Gegenseitigkeit ist sicherlich gefragt. Sind wir uns einig in den wichtigsten Sachen, so heiratet man und lebt zusammen.
      Sicherlich ist man sich nicht in den kleinsten Dingen einig, manchmal werden leider auch grosse draus.

      So sucht man sich auch eine Gemeinde. Ist das, was diese Gemeinde lehrt, auch das was ich über Gott meine?
      Vertreten wir beide die gleichen Ansichten?
      Haben wir die gleichen Ziele?
      So wähle ich mir eine Gemeinde aus, die das Vertritt, woran ich glaube.

      Sicherlich passen auch da nicht einem jede Person. Das gehört aber leider dazu. Wie in der Ehe.
      Denn zusammen ist man stärker als allein.

      Wenn eine Gemeinde dann anfängt ihre Sicht zu stark zu verändern und ich bin nicht dieser Meinung, dann sollte man eventuell diese Gemeinde verlassen.

      Doch mir ist eine Gemeinde lieber, da man von einander lernen kann, sich unterstützt uvm.
    • Hi

      Ich glaube um zu eruieren, ob man eine Gemeinde oder ein Gottesdienst benötigt muss man als erstes für sich herausfinden, was einem der Gottesdienst bringt. Für mich gibt der Gottesdienst einiges. Ich möchte hier mal die wichtigsten Punkt aufzählen (wohlgemerkt dies entspricht meinem Glaubensverständnis und kann diametral zum Adventistischen stehen):
      - Ich glaube dass in der Predigt Gottes Wort offenbar wird. Es ist also wie eine Schule, die einem immer wieder Neues öffnet
      - Ich glaube daran, dass mir im Gottesdienst die Sünden vergeben werden können
      - Ich glaube, dass mir Gottesdienst der Friede Gottes ins Herz gelegt wird
      - Ich glaube dass ich im Gottesdienst den Segen Gottes erhalte (Für mich ist der Segen so etwas wie ein Edelstein, etwas sehr wertvolles, dass ich mir nicht erarbeiten kann)
      - Ich glaube daran, dass ich während dem Abendmahl gemeinschaft mit Jesus feiern kann und dass dadurch mein Glauben gestärkt wird und ich allgemein Kraft für der Alltag erhalte.

      Für mich sind dies die wichtigsten Punkte und die meisten davon erhalte ich im normalfall nur im Gottesdienst und deswegen ist der Gottesdienst für mich eine Notwendigkeit. Ich bin aber überzeugt, dass es andere Glaubensgemeinschaften gibt, die andere Vorstellungen haben und trotzdem das ewige Leben erlangen können. Aber es gibt für mich keinen Grund einen anderen Weg einzuschlagen, wenn ich überzeugt bin, dass meiner ans Ziel führt.
      Ich fände es spannend wie Adventisten ihren Gottesdienst sehen und was daran wichtig ist.

      Liebe Grüsse
      DonDomi
    • doriane schrieb:

      Es gibt eine wilde Mischung von „christlichen Wahrheiten“, welche die jeweils anderen Christen ausschliessen. Auf der einen Seite sind da in unserer Gegend die katholische Kirche, daneben eine sehr grosse Zahl an orthodoxen Kirchen die aus ihrer theologisch-historischen Nähe eine besondere dogmatische Deutungshohheit für sich beanspruchen. Abgelehnt werden diese alle von den (nach)reformatorischen Bewegungen die nicht nur in Variationen eigene „Wahrheiten“ für sich reklamieren, sondern auch ganz zentrale christliche Aussagen, zu Jesus, zur Deutung von Sünde und Vergebung, zu Werken und Gerechtigkeit machen.

      Liebe Doriane,
      das ist eine sehr gute Beschreibung der christlichen Situation. Manchmal hilft ein Blick von außen, um die eigene Lage zu erkennen.

      In der Tat ist die christlich Familie in die drei Blöcke
      -der Orthodoxie,
      -des Katholizismus und
      -des Protestantismus
      unterteilt. Und innerhalb des Protestantismus ist das Spektrum noch einmal deutlich zerfledderter.

      doriane schrieb:

      Als interessierte Nichtchristin bin ich zunehmend frustriert. Es irritiert mich auch die hier im Forum so oft behauptete „momentane individuelle Erkenntnis“, also Wahrheit ist das, was ich gerade erkennen kann

      Das ist aber eine rein innerprotestantische Diskussion. Die Orthodoxie und der Katholizismus gehen davon aus, das die Kirche von Jesus gegründet wurde, um bis zu seiner Wiederkunft seine Lehre zu verkünden und auf deren Unverfälschtheit zu achten. Die "individuelle Erkenntnis" ist von ihrem Verständnis aus also nur der Teil, den die/der Einzelne vom gesamten Evangelium bereits erfasst hat.

      Ein kleiner Lichtblick immerhin: Christliche Orthodoxie, Katholizismus und Evangelische Kirche haben immerhin noch das gemeinsame Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel:

      ekd.de/glauben/nizaea_konstantinopel.htm



      doriane schrieb:

      Das klingt hübsch, nur, nach 2000 Jahren sollte in der Christenheit doch so etwas wie eine sehr grosse Näherung an die „Wahrheit“, an den Willen Gottes erfolgt sein – erstaunlicherweise ist das Gegenteil der Fall. Was für ein Versteckspiel treibt Gott mit der Christenheit, dass Glaube so kompliziert sein soll?

      Die Entwicklung war eher umgekehrt. Bis zur Reformation hatten wir ja eine ziemliche Einheitlichkeit der Lehre, auch die Orthodoxie und der Katholizismus standen trotz der Spaltung von 1054 inhaltlich noch ziemlich nahe.

      Mit der Renaissance drang das Individuum in das Bewusstsein der Menschheit. Die christlich-theologische Variante dieser Denkweise war die Reformation, gemäß der jeder Mensch ganz allein ohne die Vermittlung einer Institution vor Gott steht.

      Seitdem versucht jeder Protestant ganz allein aus der Bibel die Wahrheit heraus zu finden. Mit dem von Dir sehr treffend beschriebenen Ergebnis.

      Meiner Meinung nach sind Bibelauslegungen natürlich immer an eine Auslegungstradition gebunden, anders geht es ja auch gar nicht. Das wirst Du ja sicherlich auch aus Deiner Religion kennen.

      Während meine Kirche sich eher an den Auslegungen der Reformatoren und den evangelischen Denkschulen der letzten Jahrhunderte orientiert, legen Adventisten die Bibel eher vor dem Hintergrunddenken der Pioniere der Adventbewegung des 19. Jahrhunderts aus.

      Man sollte daher skeptisch sein wenn jemand erzählt, sich angeblich einzig und allein auf die Bibel zu beziehen. Hinter dieser Aussage steckt nicht viel. Entscheidend ist eher, aus welcher Denkschule heraus dieser Mensch die Bibel auslegt.

      doriane schrieb:

      Das klingt nun hart. Es soll auch keine generelle Adventisten- oder Christenschelte sein. Ich wollte nur aufzeigen, was wirklich irritiert. Warum also Gemeinde bzw. Kirche? Was hält euch gerade dort? Kann man als Christ Gott auch ohne Gemeinde nahe sein? Reicht Glauben und Tun alleine nicht?

      Ich glaube, auf die Dauer nicht. Ein einzelner Mensch kann es vielleicht durchhalten, wenn er sich von seiner ursprünglichen Kirche entfernt. Über Generationen funktioniert das aber nicht.

      Es ist die Aufgabe der Kirche, das Evangelium von Jesus Christus durch die Jahrhunderte zu tragen und weiter zu geben. Nur mit Bibel abschreiben in der Antike und im Mittelalter und dem Bibeldruck in der Neuzeit hätte das wohl kaum funktioniert.

      Schon Luther war mit seiner Kirche unzufrieden, es gibt sie aber immer noch!

      Herzliche Grüße, B.
    • Die Bibel fordert nicht explizit eine Gemeindezugehörigkeit für frisch Getaufte. Das liegt aber wohl daran, dass eine solche für die ersten Christen eine Selbstverständlichkeit war.


      Einspruch: Der Kämmerer der Kandake wird aufgrund seines Glaubens getauft - mitten auf der Reise und verschwindet auf nimmer wiedersehen ... NIX Gemeinde!

      Außerdem sind auch in der Adventgemeinde Taufe und Aufnahme in die Gemeinde aus sehr guten Gründen zwei völlig verschiedene und zu trennende RechtsAkte!
      Auch in der Adventgemeinde wird man auf Christus getauft und darf danach in die Advent-Gemeinde aufgenommen werden - oder das ablehnen!

      Als getaufter Nachfolger Christi ist man immer Teil der weltweiten Universalgemeinde, die vollkommen unabhängig ist von Völkern, Sprachen, Kultur, nationen, Kirchen oder Denominationen ... ist ...

      Eine Gleichsetzung der STA mit der Universalgemeinde ist genau der selbe Fehler den das Judentum in die exkluisve Überheblichkeit und zur Verwerfung als Volk Gottes führte! Mir scheint als ob große Gruppen in der STA genau diesen Fehler mit traumwandlerischer Sicherheit wiederholen wollen ... :( ...

      Haben wir wirklich SO wenig aus der Bibel und der Geschcihte Israels gelernt?
      maranatha Stephan
      bibelarbeit.info
    • Stephan Zöllner schrieb:

      Einspruch: Der Kämmerer der Kandake wird aufgrund seines Glaubens getauft - mitten auf der Reise und verschwindet auf nimmer wiedersehen ... NIX Gemeinde!


      Wenn er den Auftrag richtig verstanden hatte dann hatte er diese Frohe Botschaft weitergesagt...

      wo zwei oder drei sich in meinem namen versammeln...ich bin fest überzeugt das er eine neue Gemeinde gegründet hat.

      Stephan,es fällt auf das Du beim Thema Gemeinde immer erst eine Organisation siehst. Warum?

      Paulus hat Gemeinden gegründet und die Offenbarung ist an Gemeinden gerichtet. Es ist immer Ansichtsache wie man etwas sehen will.

      Wir haben eine Organisation die welweit Gemeinschaft ist, mit gemeinsamen Missionarischen anliegen,aber auch jede Gemeinde eine große souveränität hat über ihren Umgang miteinander zu entscheiden.

      Das dieses "System" in 150 jahren Wachstum erfahren hat kannst Du nicht verhelen, aber auch das Wirken des HL Geistes wirst Du nicht absprechen können.

      Ich kenne keine Familie,Firma,Partei oder Gemeinde die perfekt ist.

      Trotzdem kann sich jede Gemeinschaft die auf Gottes Grundlage basiert, seines Segens sicher sein!
    • Das Thema Taufe ist hier nur zweitrangig. Es geht um die Gemeinde.

      Ohne Gemeinde kann man seinen praktischen Glauben kaum ausleben.
      Ohne Gemeinde hört man keine Predigt-en.
      Ohne Gemeinde kann man nicht über Erkenntnisse und die Wahrheit diskutieren, - beten, - studieren.
      Ohne Gemeinde ist das persönliche Waschstum und damit verbunene Heiligung schwierig, bis unmöglich.

      Die Gmeinde hat die besten Voraussetzungen um zu missionieren. EINER kann nicht alle Gaben des Geistes Haben, in der Gemeinde sind sie verteilt und so ergänzt sich es zu einem funktionierendem Körper.

      Das ganze Neute Testament ist eine Anleitung zum Gemeindeleben und Organisation. Die Gemeinde hat eine wichtige Funktion im Glaubensleben der Geschwister. Der Mensch ist nicht fürs Alleinsein geschaffen worden, sondern für eine Gesellschaft.....

      .... die Liebe, zu der uns Jesus ruft, kann man alleine nicht leben, nicht geben, nicht zeigen... sondern in der Gemeinschaft - mit Gleichgesinnten - da sind nämlich mehrer Fliegen mit einer Klappe "geschlagen".

      .
    • Der Kämmerer aus dem Mohrenland war wohl eine Ausnahme. Aber reiste zurück in seine heimat, zu seiner Königin in Kusch im Sudan, und verbreitete dort seinen neuen Glauben. Die Karawanen brachten ihn dann mit sich bis nach Ghana. Dort verehrten dann die Leute den Gott, dessen Tag der Samstag ist. Worüber sich die STA-Missionare vor 100 Jahren sehr wunderten,.

      Aber so sind Gottes Wege.

      Liebe Grüße von benSalomo.
    • Vielleicht liegt es auch an der deutschen Mentalität. Die STA sind ja auf anderen Kontinenten wie Afrika oder Südamerika und Asien viel stärker vertreten als in Europa und man findet dort junge, lebendige und wachsende Gemeinden. Ein früherer Prediger hat meine Heimatgemeinde einmal als ueberaltert und stagnierenden bezeichnet. Ich würde noch das Adjektiv "erstarrt" hinzufügen, eine Clique, die sich abgeschottet hat und "Sünder" und "Abtrünnige" überheblich und verächtlich brandmarkt. Finden diese Leute, die "Karteileichen" dann tatsächlich wieder zu ihrer Gemeinde zurück, beäugt man sie misstrauisch und "rümpfen die Nase" mit der Folge, dass diese Leute bestimmt nicht wiederkommen. Manchmal gibt es auch Tank und Streit, Neid und Misstrauen bei der Vergabe von Gemeindeposten.
      Es zaehlt auch sehr wieviel Geld man gibt. Hartz 4- Empfänger können nicht so viel geben und werden deshalb ueberheblich von oben herab abgekanzelt.
      Die Stars in der Gemeinde duerfen dann auch regelmäßig "predigen". Es predigen zum Beispiel Krankenschwestern oder Amateurs aus anderen Berufen und legen der Gemeinde ihre Ansichten dar, während das gewöhnliche "einfach gestrickte" Gemeinde liegt demütig und unterwürfig zuzuhören hat.
      Irgendwann "reicht es" einigen, die dann verständlicherweise wegbleiben.

      Die Zeugen Johovas sind auch gesetzlich, "pharisäerhaft" erstarrt. Nur - mit der lebendigen sprühende frohen Botschaft des Evangeliums, dem Quelle freudestrahlend Lebens hat das alles nichts mehr zu tun.

      Deshalb muss ich mich selbst fragen, was ich dazu beitragen kann, das die Gemeinde auch nach außen hin eine lebendige offene Gemeinde ist, die man gerne besucht.
    • Hi

      Das beäugen und kontrollieren ist bei den Adventisten in Drittweltländern nicht besser als hier in Europa. Ich kenne einige adventistische Gemeinden aus Lateinamerika durch Bekannte sehr gut. Und dort wird noch viel mehr auf Äusserlichkeiten geachtet wie hier. Wehe eine Frau trägt ein Rock der nicht übers Knie reicht, oder wehe man sieht eine nackte Schulter. Das geht gar nicht. Ebenso wird das Opfergeben richtig öffentlich durchgeführt. Es wird vorne eine Gefäss aufgestellt und dann wird gesungen, während jeder nach vorne geht und etwas einwirft. Es gibt noch dutzende Dinge mehr die man aufzählen könnte und die, die am längsten Adventisten sind fühlen sich auch dort als etwas besseres. Ich weiss nicht, wie das in andern christlichen Gemeinschaften ist, da ich in die wenigsten einen tiefen Einblick hatte, aber zu glauben das in der Dritten Welt alles goldig ist, ist falsch. Klar haben dort sehr viele Glaubensgemeinschaften einen grossen Zulauf, aber deswegen ist dort nicht automatisch alles besser. Der Zulauf hat andere Gründe, unter anderem Armut, gross Alkoholprobleme in der Gesellschaft und die Gemeinde ist dort eben mehr als nur eine Glaubensgemeinde: Es ist oftmals das ganze Umfeld, Arbeit und Freundeskreis.

      Liebe Grüsse
      DonDomi