Pferdefleisch

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    • Pferdefleisch

      Immer wenn ich derzeit das Radio anhabe, kommen in den Nachrichten neue Mitteilungen zum Pferdefleischskandal, worin es darum geht, dass man in Lebensmitteln wie Fertig-Lasagne oder Ravioli zu geringen Anteilen Pferdefleisch nachgewiesen hat, obwohl dies nicht als Inhaltsbestandteil angegeben war. Soweit das, was ich aus Radiobeiträgen behalten habe. Mal abgesehen davon, dass Heimo vielleicht sein Pferd weiter zum Reiten braucht, frage ich mich, was genau das Problem ist. Selbstverständlich bin ich dafür, dass nur drin ist, was drauf steht; also alle Bestandteile von Lebensmitteln deklariert werden müssen. Im Radio wurde jedoch nie gesagt, was nun gerade am Pferdefleisch in diesem Fall so problematisch ist. Ich vermute, es geht darum, dass dieses Fleisch nicht so kontrolliert wird, wie etwa Rindfleisch. Oder was sind die wesentlichen und dringlichen Probleme an diesem Skandal?
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19
    • Pferde, die zur Schlachtung freigegeben sind, dürfen ein gewisses Medikament ( de.wikipedia.org/wiki/Phenylbutazon ) nicht erhalten, deswegen wird bei der Geburt eines Pferdes schon festgelegt, ob es ein Schlachtpferd wird oder nicht. Leider hat man in den verunreinigten Fleischproben Rückstände dieses Medikaments gefunden, was darauf schließen lässt, dass auch Fleisch von Pferden enthalten ist, die man niemals hätte schlachten dürfen. Und dass so auch sehr minderwertiges Fleisch verarbeitet wurde. Außerdem kann Pferdefleisch Trichinen enthalten, die auch Menschen befallen können. Niemand weiß, ob das Fleisch der ohnehin illegal geschlachteten Pferde sorgfältig beschaut worden ist.

      Was mich an dem Skandal auch noch aufrüttelt, ist eine andere Sache: Man hat in Dönerfleisch-Proben neben Pferdefleisch auch Anteile von Schwein gefunden. Das ist natürlich eine harte Sache für Menschen, die aus religiösen Gründen auf verschiedene Fleischsorten verzichten - da ist nun einiges an Vertrauen weg. Wer auch immer das getan hat, muss zur Rechenschaft gezogen und angemessen bestraft werden. Mit so einer wichtigen Lebensgrundlage wie der Nahrung darf man kein Schindluder treiben. Und mit den Gefühlen religiöser Menschen auch nicht.
    • Gelegentlich hört man in den Nachrichten auch von Sparpaketen. Leider gehört die Lebensmittelkontrolle (zumindest hier in Österreich) meist zu den ersten Abteilungen, die den Gürtel enger schnallen müssen. Dass dabei dann nicht ein mehr an Lebensmittelsicherheit und Qualitätskontrolle erreicht wird, sollte auf der Hand liegen. Und liegt leider im Interesse der Wirtschaft und schlußendlich auch im Interesse von Verbrechern, die halt alles irgendwie so lange faschieren bis es so klein und unmerkbar ist, dass man es sogar an Menschen verfüttern kann.

      Meine persönliche Stellung zu dem Skandal ist klar. Fertigprodukte mit Fleisch kauf ich sowieso nicht - denn was da verarbeitet wird - naja. Fertigprodukte (wenn überhaupt) nur vegetarisch.

      Und mich wundert's auch gar nicht mehr, wenn nicht zuletzt aufgrund diesem Skandal jemand sagt: Fleisch - nein Danke. Ich sehe das als konsequente Haltung und mittlerweile gut begründete Entscheidung. Jeder soll natürlich für sich selbst entscheiden...eh logisch aber man muss das bei dem Thema immer dazusagen :tired: .
    • Als ehemalige Mitarbeiterin in einem internationalen Konzern der Nahrungsmittelindustrie erschüttert mich in dem Fall vor allem, wie lange es gedauert hat, bis durch Zufall Pferdefleisch in Fertiggerichten gefunden wurde und dass dadurch ausgelöste Untersuchungen in Lebensmittelanstalten eine riesige Lawine ausgelöst haben, da scheinbar immer mehr Fleischlieferanten und Nahrungsmittelproduzenten involviert zu sein scheinen. Es wurden in den Gerichten variable Anteile von Pferdefleisch gefunden, in englischen Burgern beispielsweise bis zu ca. 30 %, andere Artikel sprachen sogar von bis zu 100 % Pferdefleisch in verschiedenen Fertiggerichten. Hätte mich vor dem Skandal jemand gefragt, wie sicher Lebensmittel sind, hätte ich aus meiner (sehr positiven) Erfahrung heraus erzählt, dass in Unternehmen alle Bestandteile eine Qualitätskontrolle durchlaufen müssen, ehe diese weiterverarbeitet werden. Diese Eingangskontrollen beinhalten auch eine sensorische Überprüfung, konkret eine olfaktorische Untersuchung (Geruch), eine gustatorische Untersuchung (Geschmack) und eine visuelle Untersuchung. Wenn also ein Unternehmen rohes Fleisch angeliefert bekommt, wird dieses normalerweise sowohl als Rohware untersucht, als auch noch einmal im fertig produzierten Produkt. Auch Halbfertigprodukte werden normalerweise streng untersucht, ehe diese weiterverarbeitet werden. Scheinbar werden derartige Untersuchungen aus Kostengründen immer mehr weggelassen und man hat irgendwann einmal vertraglich garantierte Eigenschaften in den Verträgen festgelegt und verläßt sich auf die vorgelegten Prüfberichte von den Lieferanten. Lebensmittelprüfer haben einen hervorragend geschulten Geschmacks- und Geruchssinn, hätten sorgfältige Überprüfungen stattgefunden, hätte man viel früher draufkommen müssen, dass man Pferdefleisch statt Rindfleisch bzw. mit Pferdefleisch vermischtes Rindfleisch geliefert bekommen hat.
    • Ich bin auch in der Lebensmittelindustrie tätig und weiß aus der Praxis wie oft wir überprüft werden. Außerdem müssen die meisten Betriebe die exportieren Zertifiziert sein und werden ständig (fast von jedem Land extra) von unabhängigen Auditoren kontrolliert.
      Unser Betrieb muss alles vom geringsten Hilfsstoff bis zum fertigen Produkt lückenlos dokumentieren. Jede Phase der Produktion wird ständig kontrolliert.
      Deshalb ist es mir ein Rätsel wie so etwas in der heutigen Zeit möglich ist.
      Hardy
      Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
      Matthäus 28 / 20
    • Gestern wurde in der Sendung "hart aber fair" der Weg skizziert, über den das Pferdefleisch in die Lasagne geraten ist. Ein Hersteller in Deutschland oder Holland, das erinnere ich nicht mehr genau, bestellt Rindergehacktes bei einer französischen verarbeitenden Firma, die bestellt Rindfleisch bei einer Firma mit Geschäftsadresse auf Zypern, deren Geschäftsführer oder Inhaber ist allerdings ein Holländer, der schon einmal wegen undurchsichtigen Geschäften mit Pferdefleisch aufgefallen ist. Dieser Holländer bestellt in Rumänien Fleisch, es ist Pferdefleisch und wird schließlich der französischen Firma geliefert, die das Fleisch verarbeitet und an die Firma liefert, die die Lasagne herstellt. Unklar ist bisher wohl noch, an welcher Station aus dem Pferdefleisch vorgebliches Rindfleisch wurde. So habe ich die Beschreibung im Rahmen von hart aber fair in Erinnerung.
      "Prüft alles und, was gut ist,
      das behaltet. Aber was böse ist,
      darauf lasst euch nicht ein..."

      1. Thessalonicher 5, 21.22

      "Wähle das Leben, damit du lebst."
      5. Mose 30, 19
    • Karoline schrieb:

      Scheinbar werden derartige Untersuchungen aus Kostengründen immer mehr weggelassen und man hat irgendwann einmal vertraglich garantierte Eigenschaften in den Verträgen festgelegt und verläßt sich auf die vorgelegten Prüfberichte von den Lieferanten. Lebensmittelprüfer haben einen hervorragend geschulten Geschmacks- und Geruchssinn, hätten sorgfältige Überprüfungen stattgefunden, hätte man viel früher draufkommen müssen, dass man Pferdefleisch statt Rindfleisch bzw. mit Pferdefleisch vermischtes Rindfleisch geliefert bekommen hat.
      Ja, wer soll es machen? Wir wollen es doch so. Sonst würden wir anders wählen als "mehr Netto vom Brutto" und "schlanker Staat". Natürlich wirkt sich das aus, wie in vielen anderen Bereichen wie Gesundheitswesen, Pflege, Polizei, Bildung, Infrastruktur...

      Wenn wir da Verbesserungen wollten, müssten wir mehr Steuern zahlen und dann müssten wir ein Auto vielleicht ein Jahr länger fahren, bevor wir ein anderes anschaffen könnten.
    • Zeder schrieb:

      Ja, wer soll es machen?
      Es könnte z.b. der "Beamtenaprat" weniger Bleistiftarbeit machen und auf wichtige Bereiche umgeschult werden. Es könnten Arbeitslose in diese Richtung geschult werden. Denn die kosten sowieso Steuergelder. Warum dann also nicht sinnvoll einsetzen? Es könnte unsere Jugend, die Monate und Jahre auf Jobsuche ist, da eingesetzt werden. Auch sie könnten so sinnvoll in die Arbeitswelt eingebunden werden. Nicht alle Arbeitslosen sind faule Nichtstuer. Die Meisten würden sich sehr freuen über einen Arbeitsplatz mit Niveau.



      Wir wollen es doch so. Sonst würden wir anders wählen als "mehr Netto vom Brutto" und "schlanker Staat". Natürlich wirkt sich das aus, wie in vielen anderen Bereichen wie Gesundheitswesen, Pflege, Polizei, Bildung, Infrastruktur...
      Meine Beobachtungen zeigen mir, dass "wir" es nicht so wollen! Ein Großteil vom "wir" kann heute gar nicht mehr anders, als auf "Billig" zu schauen, weil die Mittel eben nicht reichen. Nicht jeder hat die Möglichkeit Obst und Gemüse im eigenen Garten anzubauen.
      In den Bereichen, die du hier aufzählst, gehört mal deutlich "umgeschlichtet". Auch hier könnten viele Arbeitsuchende Lücken besetzen. Wenn man Arbeitslosenunterstützung und alle sozialen Begünstigungen durch die Arbeitslosigkeit zusammen rechnet, kommt ein Arbeitender nicht unleistbar teurer.




      Wenn wir da Verbesserungen wollten, müssten wir mehr Steuern zahlen und dann müssten wir ein Auto vielleicht ein Jahr länger fahren, bevor wir ein anderes anschaffen könnten.
      Oder wieder mehr auf "gerechte" Gehaltsschemen zurückkommen, Korruption der "Obrigkeit" nicht als Kavaliersdelikt abtun und die gestohlenen Gelder mit Steuern eintreiben wollen. Man könnte die EU-Beamten- oder Managergehälter auf ein ehrliches Niveau senken. Erhöhen ist hier wahrscheinlich nur in Einzelfällen - wenn überhaupt - nötig. Der Brüsseler Beamtenaparat könnte es vorleben. Anstatt die Gehaltserhöhungen - wie beim kleinen Arbeiter - einfrieren oder nur halb der Inflation anzupassen - per Gericht einzufordern, sollten sie wie sie es von dem EU-Volk erwarten, leben. Teure Reisen streichen. Die durchschnittlichen 88 Urlaubstage ebenfalls anpassen. Wir sind ein gläsernes Volk geworden, warum nicht auch die "Neureichen" durchleuchten, woher der Reichtum kommt. Der ehrliche Reiche hat ja nichts zu fürchten.

      Da ließe sich viel machen, wenn es nur auch gewollt wäre. Gelder da zu schaffen oder einfach unehrlich abgezweigte Gelder vom Abzweiger zurückholen, ohne den Mittelstand wie eine Zitrone auszuquetschen. Solange Milliarden an Euro verschwinden können, ohne dass es "gemerkt" wird, scheint es dem (EU)Staat nicht so schlecht zu gehen.

      Und anstatt "Facharbeiter" ins Land zu holen, wäre es doch sinnvoll, die Menschen auszubilden die schon im Land sind. Man kann nicht jedes Manko einfach mit Steuererhöhung ausgleichen.

      Gerade der "Skandal" mit dem Pferdefleisch zeigt doch, wie locker so ein Betrug mitunter Jahre funktioniert, ohne dass es auch nur auffällt. Da gehört angesetzt. Ich bin überzeugt, dass bessere Kontrollen möglich sind, ohne neue Geldbeschaffung durch Steuern.

      ***

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nachtperle ()

    • Zeder schrieb:

      Karoline schrieb:

      Scheinbar werden derartige Untersuchungen aus Kostengründen immer mehr weggelassen und man hat irgendwann einmal vertraglich garantierte Eigenschaften in den Verträgen festgelegt und verläßt sich auf die vorgelegten Prüfberichte von den Lieferanten. Lebensmittelprüfer haben einen hervorragend geschulten Geschmacks- und Geruchssinn, hätten sorgfältige Überprüfungen stattgefunden, hätte man viel früher draufkommen müssen, dass man Pferdefleisch statt Rindfleisch bzw. mit Pferdefleisch vermischtes Rindfleisch geliefert bekommen hat.
      Ja, wer soll es machen? Wir wollen es doch so. Sonst würden wir anders wählen als "mehr Netto vom Brutto" und "schlanker Staat". Natürlich wirkt sich das aus, wie in vielen anderen Bereichen wie Gesundheitswesen, Pflege, Polizei, Bildung, Infrastruktur...

      Wenn wir da Verbesserungen wollten, müssten wir mehr Steuern zahlen und dann müssten wir ein Auto vielleicht ein Jahr länger fahren, bevor wir ein anderes anschaffen könnten.


      @Zeder: Mein Post bezog sich auf Wareneingangskontrollen in Unternehmen, die scheinbar immer mehr eingespart werden. Bei einer sogenannten "Ship to stock"-Anlieferung wird auf eigene Kontrollen des Wareneingangsbestandes verzichtet, dieses Vorgehen setzt normalerweise ein hohes Maß an Vertrauen des Kunden in die Qualitätslage des Lieferanten voraus. Hätten Kontrollen stattgefunden, hätte man Pferdefleisch in den angelieferten Fleischchargen finden müssen, vor allem, wenn dieses in hoher Konzentration enthalten war.

      Davon unabhängig sind verpflichtend vorgesehene staatliche Kontrollen. Bei der Fülle an Lebensmitteln, die täglich in Verkehr gebracht werden, können das nur stichprobenartige Untersuchungen sein. Auch wenn hier der Mitarbeiterstand massiv aufgestockt werden würde, ändert das nichts daran, dass trotzdem nur ausgewählte Stichproben entnommen werden können.

      Man kann denke ich nicht sagen, wir als Konsumenten wollen das so haben , weil es sehr vielen Konsumenten gar nicht bewusst ist, wie Lebensmittel produziert werden. Dieser Pferdefleischskandal hat da vielleicht ein kleines Stück zu einer Sensibilisierung beigetragen. Mir hat das zu Denken gegeben, dass in einer Charge Fertigprodukt Fleisch von verschiedenen Lieferanten aus verschiedenen Ländern zusammengemischt wurde, und dass dieses Fleisch scheinbar nicht einmal kontrolliert wurde.
    • Ich finde es etwas kurzfristig gedacht, dass man nun teilweise vorschlägt der Staat müsste da mehr Aufgaben übernehmen. Letzten Endes ist es nämlich nicht der Staat der solche Fälle hervorruft sondern unser Konsumverhalten. Heute schauen doch die meisten auf den Preis. Das führt dazu, dass qualitativ hochwertige Produkte immer mehr vom Markt verschwinden. Wer will heute noch etwas kaufen, das um die Ecke hergestellt wird, als ein gleichwertiges Produkt aus China. Fast niemand, solche Firmen gehen ein. Ich arbeite es als Ingenieur jeden Tag. Da gibt es tolle Ideen, aber wir müssen meist etwas umsetzen, das zwar schlechter und seine Macken hat, aber der Kunde ist nicht bereit mehr zu zahlen. Das führt dazu, dass immer mehr gespart wird, auch an Orten wie der Eingangskontrolle. Wir haben immer wieder Fälle, wo die Qualität nicht stimmt nur weil der Einkauf einzelne Bauteile von einem andern vermeindlich billigeren Lieferanten bekommen. Um Geld zu sparen werden immer mehr Dinge in der Lieferkette nach unten geschoben, das ist günstiger, die Nachfrageschwankungen trägt der letzte in der Kette und die Verantwortung wird auch noch gleich mitabgeschoben. So ist das nunmal in unserer Konsumgesellschaft. Als einzelner hat man aber immer noch die Wahl, was man kauft. Gerade bei Lebensmitteln ist es jedem frei gestellt, wo er Einkaufen will. Je nach Einkommen bedeutet das aber auch Verzicht.

      Liebe Grüsse
      DonDomi
    • DonDomi schrieb:

      Ich finde es etwas kurzfristig gedacht, dass man nun teilweise vorschlägt der Staat müsste da mehr Aufgaben übernehmen. Letzten Endes ist es nämlich nicht der Staat der solche Fälle hervorruft sondern unser Konsumverhalten.


      Auch, aber nicht nur. Der Endverbraucher kann gewisse Dinge gar nicht durchschauen, oft zahlt auch gerade der Endverbraucher einen höheren Preis als jenen, der sich auf dem Markt bei einem freien Spiel der Kräfte ergeben würde. Ein Beispiel dafür sind die illegalen Preisabsprachen, die in den letzten Monaten durch die Medien gegangen sind:

      diepresse.com/home/wirtschaft/…Preise-abgesprochen-haben

      recht.extrajournal.net/2013/05…anti-kartell-guide-31146/

      arbeiterkammer.at/online/rewe-…reisabsprachen-72741.html

      derstandard.at/1358305376046/P…zahlt-eine-Million-Strafe

      Nicht immer geht es um Kostendruck, oft einfach nur um ein ganz unverschämtes Gewinnstreben.
    • DonDomi schrieb:

      So ist das nunmal in unserer Konsumgesellschaft. Als einzelner hat man aber immer noch die Wahl, was man kauft. Gerade bei Lebensmitteln ist es jedem frei gestellt, wo er Einkaufen will. Je nach Einkommen bedeutet das aber auch Verzicht.
      Das sehe ich eben anders. Denn viele Menschen haben gar keine andere Möglichkeit als eben zu den Billigprodukten zuzugreifen. Du arbeitest als Ingenieur, ich sehe - da ich im Gebiet der "Wiener Gärtner" wohne - Tag täglich, einerseits welchen Überlebenskampf diese Gärtner führen, eben weil auch Billigstimporte mieser Qualität zugelassen werden, andererseits sehe ich, dass viele Leute sich Gemüse fast nicht mehr leisten können. Wenn man bedenkt, dass z.B. tonnenweise Lebensmittel vernichtet werden, weil sie den EU-Bestimmungen nicht standhalten (Gurke zu krumm, Tomaten nicht die rechte Größe, Apfel fleckig, Salat nicht gewaschen und verpackt u.s.w. dann frage ich mich dennoch, ob es am Geld mangelt. Ob die Preise so künstlich hoch gehalten werden müssen, so dass der Konsument gezwungen ist, auf das Billigste zuzugreifen?
      Kann sich ein "Besserverdiener" vorstellen, dass Familien nach Abzug der Miete (die viele Besserverdiener ja gar nicht haben) nur noch drei bis vierhundert Euro zum Leben bleiben? Daher muss das Pferd richtig aufgezäunt werden. Es muss jedem möglich sein, auf Qualität achten zu dürfen und dafür mehr auszugeben. Das ist aber nicht der Fall. Das Problem fängt nicht beim Konsumenten an. Der Konsument hat meist gar nicht die Möglichkeit darauf zu achten, wie etwas herangezüchtet wird, bei Tieren, wie es gehalten wird, wie es gefüttert wird u.s.w. Und nicht immer sind die teuersten Lebensmittel auch die am gesündesten produzierten.

      Die Frage, die sich viele Menschen eventuell stellen ist: Was ist so verwerflich an Pferdefleisch? Es ist in der Regel sogar teurer als Rindfleisch und der Konsument weiß gar nicht, was tatsächlilch alles in diesem gekauften Packerl ist.

      Natürlich hat Karoline recht, wenn sie sagt, man kann nicht zu 100% kontrollieren. Aber ich denke, ein Aufstocken der Kontrollore macht dennoch Sinn. Der (arbeitswillige) Arbeitslose hat eine Beschäftigung und es kann um diese Personen mehr kontrolliert werden. Auch häufige Stichproben lassen die Sicherheit im Betrug und somit der Betrug etwas schwinden.

      WER ist denn verantwortlich, was alles an "sogenannten Lebensmittel" erlaubt ist? Der Konument am wenigsten. Im Gegenteil, der Konsument kann nur das kaufen, was "von Oben" erlaubt, geduldet und gefördert wird. Und damit ist der Konsument nicht immer einverstanden! Mir haben zb die gekrümten Gurken, die zu kleinen Paradeiser, die fleckigen Äpfel und die rasch kaputt werdeten Erdbeeren weit besser geschmeckt, als das heutige fürs Auge gezüchtete Einheitgeschmackprodukt (nämlich nach nichts). Das Obst und Gemüse wäre billiger, weil nicht so viel vernichtet werden müsste und die Qualität wäre ebenfalls besser.

      Ebenso sehe ich es z.b. mit Brot. Es ist doch Wahnsinn von Unverständigen, Brot und dererelei Produkte als Sondermüll vernichten zu lassen. Natürlich muss so auch der Brotpreis steigen, ohne das die Qualität auch wirklich besser oder auch nur gut ist.

      Ist es wirklich der Konsument, der das fördert? Ist es wirklich der Konsument, der sich wünscht, Supermärkte sollen genießbare Lebensmittel (weil das Ablaufdatum erreicht wurde) mit Chemikalien überschüttet wird, damit sich niemand davon etwas "billig" holen kann? WER hat davon denn wirklich Nutzen außer die Großkonzerne, die dadurch mehr verdienen, weil sie wieder - teilweise fürs Wegwerfen - produzieren können.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass dem mittellosen Konsumenten egal ist, ob das Fleisch von Pferd oder Rind stammt. Es füllt den Magen und ist leistbar. Wir dürfen nicht vergessen, dass fast ein Fünftel der Deutschen unter der Armutsgrenze leben muss. Ohne Sozialunterstützung wären es laut Armutskonferenz statt ca 13% ca 44% in Österreich. Das sollte alles mitbedacht werden, wenn "Bessergestellte" große Reden führen.

      ***
    • Nachtperle schrieb:

      . Natürlich hat Karoline recht, wenn sie sagt, man kann nicht zu 100% kontrollieren. Aber ich denke, ein Aufstocken der Kontrollore macht dennoch Sinn. Der (arbeitswillige) Arbeitslose hat eine Beschäftigung und es kann um diese Personen mehr kontrolliert werden. Auch häufige Stichproben lassen die Sicherheit im Betrug und somit der Betrug etwas schwinden.


      Darf ich dich fragen, was du unter "Kontrollore" in dem Fall meinst? Die Untersuchung einer Lebensmittelstichprobe fängt mit dem Kauf in einem Geschäft an (das kann jeder durchführen), aber am Ende stehen hochqualifizierte Mitarbeiter an teuren Spezialgeräten, die Untersuchungen durchführen. Da es sich bei den Untersuchungsstellen um akkreditierte Prüfstellen handelt, kann es auch keine Fehlertoleranzgrenze geben. Die meisten Kosten würden daher durch die Ausweitung der Untersuchungskapazitäten an den Prüfgeräten entstehen. Im Falle des Pferdefleischskandales hat man beispielsweise zusätzliche Genuntersuchungen angeordnet, eine derartige Untersuchung kann nur ein spezielles Prüfgerät durchführen. Ein anderes Beispiel, Geräte zur Aufspürung von Dioxinen sind an wenigen Standorten in Österreich konzentriert, weil es sich dabei um eine Anschaffung in Höhe von mehreren hunderttausend Euro handelt.
    • @Nachtperle:

      Merkst Du eigentlich, dass Du Dir selbst widersprichst?
      Ich achte z.B. beim Einkaufen darauf, was ich einkaufe.

      Du kannst Gemüse und Obst beim lokalen Bauern beziehen und wenn Du Ware 2. und 3. Güte nimmst bezahlst nicht einmal mehr. Der Unterschied ist ja meist sowieso nur im Aussehen der Ware. Ich finde es auch erstaunlich, dass ein Pferdefleischskandal mit Armut in Verbindung gesetzt wird. Fertigprodukte sind sowieso teurer als selbsthergestellt, warum muss dann jemand der unter der Armutsgrenze lebt überhaupt sowas kaufen? Ich hatte selbst mal längere Zeit kaum Geld für Nahrung (weniger als 50€ im Monat) und da hat es ganz einfach gar kein Fleisch mehr gegeben. Fleisch ist ein Luxusgut, es geht auch gut ohne.
      Zudem schreibst Du selbst, dass Qualität oftmals keine Preisfrage ist, was ist es dann? Man muss sich mehr Mühe geben beim Einkaufen, die Auswahl ist begrenzt, man muss optisch weniger schöne Lebensmittel in Kauf nehmen (Bio sieht meist weniger schön aus als z.B. Gentech), man muss wahrscheinlich mehrere Geschäfte für einen Einkauf ansteuern etc.

      Vieles bedeutet Mehraufwand und nicht alle sind bereit den auf sich zu nehmen.

      Das mit den Kontrollen funktioniert doch so nicht, um sicher zu gehen müsstest Du die derart massiv erhöhen, dass sich das niemand mehr leisten kann. Vielleicht hast Du dann einen Staatsapparat wie in Griechenland.

      Liebe Grüsse
      DonDomi
    • Nachtperle schrieb:

      Es könnten Arbeitslose in diese Richtung geschult werden. Denn die kosten sowieso Steuergelder. Warum dann also nicht sinnvoll einsetzen? Es könnte unsere Jugend, die Monate und Jahre auf Jobsuche ist, da eingesetzt werden. Auch sie könnten so sinnvoll in die Arbeitswelt eingebunden werden. Nicht alle Arbeitslosen sind faule Nichtstuer. Die Meisten würden sich sehr freuen über einen Arbeitsplatz mit Niveau.



      Wir wollen es doch so. Sonst würden wir anders wählen als "mehr Netto vom Brutto" und "schlanker Staat". Natürlich wirkt sich das aus, wie in vielen anderen Bereichen wie Gesundheitswesen, Pflege, Polizei, Bildung, Infrastruktur...
      Meine Beobachtungen zeigen mir, dass "wir" es nicht so wollen! Ein Großteil vom "wir" kann heute gar nicht mehr anders, als auf "Billig" zu schauen, weil die Mittel eben nicht reichen. Nicht jeder hat die Möglichkeit Obst und Gemüse im eigenen Garten anzubauen.
      In den Bereichen, die du hier aufzählst, gehört mal deutlich "umgeschlichtet". Auch hier könnten viele Arbeitsuchende Lücken besetzen. Wenn man Arbeitslosenunterstützung und alle sozialen Begünstigungen durch die Arbeitslosigkeit zusammen rechnet, kommt ein Arbeitender nicht unleistbar teurer.




      Wenn wir da Verbesserungen wollten, müssten wir mehr Steuern zahlen und dann müssten wir ein Auto vielleicht ein Jahr länger fahren, bevor wir ein anderes anschaffen könnten.
      Oder wieder mehr auf "gerechte" Gehaltsschemen zurückkommen, Korruption der "Obrigkeit" nicht als Kavaliersdelikt abtun und die gestohlenen Gelder mit Steuern eintreiben wollen. Man könnte die EU-Beamten- oder Managergehälter auf ein ehrliches Niveau senken. Erhöhen ist hier wahrscheinlich nur in Einzelfällen - wenn überhaupt - nötig. Der Brüsseler Beamtenaparat könnte es vorleben. Anstatt die Gehaltserhöhungen - wie beim kleinen Arbeiter - einfrieren oder nur halb der Inflation anzupassen - per Gericht einzufordern, sollten sie wie sie es von dem EU-Volk erwarten, leben. Teure Reisen streichen. Die durchschnittlichen 88 Urlaubstage ebenfalls anpassen. Wir sind ein gläsernes Volk geworden, warum nicht auch die "Neureichen" durchleuchten, woher der Reichtum kommt. Der ehrliche Reiche hat ja nichts zu fürchten.

      Da ließe sich viel machen, wenn es nur auch gewollt wäre. Gelder da zu schaffen oder einfach unehrlich abgezweigte Gelder vom Abzweiger zurückholen, ohne den Mittelstand wie eine Zitrone auszuquetschen. Solange Milliarden an Euro verschwinden können, ohne dass es "gemerkt" wird, scheint es dem (EU)Staat nicht so schlecht zu gehen.

      Und anstatt "Facharbeiter" ins Land zu holen, wäre es doch sinnvoll, die Menschen auszubilden die schon im Land sind. Man kann nicht jedes Manko einfach mit Steuererhöhung ausgleichen.

      Gerade der "Skandal" mit dem Pferdefleisch zeigt doch, wie locker so ein Betrug mitunter Jahre funktioniert, ohne dass es auch nur auffällt. Da gehört angesetzt. Ich bin überzeugt, dass bessere Kontrollen möglich sind, ohne neue Geldbeschaffung durch Steuern.
      Ich denke, es würde etwas kosten, mehr Lehrer, Polizisten, Lebensmittelkontrolleure, Leute bei der Stadtreinigung, zur Pflege von Grünanlagen usw. einzustellen und anständig (im Sinn von "nicht unanständig") zu bezahlen, aber es wäre trotzdem nötig. Allerdings könnte an anderen Stellen tatasächlich gespart werden, z. B. an überflüssigen Herzschrittmachern oder Kniegelenken, indem man ein System schafft, in dem Ärzte nicht mehr gleichzeitig Verkäufer für die Industrie sind. Gesundheitswesen wie viele andere Bereiche und Gewinnorientierung vertragen sich nicht. Aber da müsste nach der jahrzehntelangen systematischen Ökonomisierung des Denkens und der gesamten Gesellschaft ein gründliches Umdenken stattfinden. Ich bin da nicht besonders optimistisch und fürchte, das wird erst nach dem Zusammenbruch des Wirtschaftssystems einsetzen, der, wenn es so weitergeht wie jetzt, mathematisch-zwangsläufig kommt).

      Wenn Politiker sich das nicht zu sagen trauen, wäre eine allgemeine Dienstpflicht für alle eine andere Lösung. Dann haben manche wenigstens in dieser Zeit in ihrem Leben etwas sinnvolles gemacht, bevor sie dann Jura studieren und Patentanwalt werden oder "Marketing" und dann ihr Leben lang neue Waschmittel- oder Unterhaltungselektronikmarken in den übersättigten Markt drücken.[/b]
    • Karoline schrieb:

      @Zeder: Mein Post bezog sich auf Wareneingangskontrollen in Unternehmen, die scheinbar immer mehr eingespart werden.
      Achso, war ein Missverständnis. Ja, klar, ich würde auch versuchen, da einzusparen, senkt die Kosten und verschafft so eine bessere Position gegenüber Konkurrenten.
    • kleinstein schrieb:

      Was mich an dem Skandal auch noch aufrüttelt, ist eine andere Sache: Man hat in Dönerfleisch-Proben neben Pferdefleisch auch Anteile von Schwein gefunden. Das ist natürlich eine harte Sache für Menschen, die aus religiösen Gründen auf verschiedene Fleischsorten verzichten - da ist nun einiges an Vertrauen weg.
      Aber wenigstens können wir nun sicher sein, dass Dönerfleisch nicht Allah geweiht ist (dieses Gerücht gab es mal in der christlichen Szene). Sondern es ist - wie fast alles, was wir essen - Mammon geweiht. :D

      Die Türken sind "im Westen angekommen".
    • DonDomi schrieb:

      Ich finde es etwas kurzfristig gedacht, dass man nun teilweise vorschlägt der Staat müsste da mehr Aufgaben übernehmen. Letzten Endes ist es nämlich nicht der Staat der solche Fälle hervorruft sondern unser Konsumverhalten. Heute schauen doch die meisten auf den Preis.
      Ja, natürlich. Das ist die Grundlage unseres Wirtschaftssystems. So bekommt es jeder in der Schule beigebracht.

      de.wikipedia.org/wiki/Angebot_…des_Gleichgewichtspreises

      Das heißt (Begriff in dieser Theorie) "rationales Verhalten". Daher kann man das niemandem vorwerfen.

      Wenn man das nicht will, muss man das ganze Wirtschaftssystem ändern (zumindest in den Bereichen, in denen man das nicht will). Ich wäre dabei, dafür findet sich allerdings zurzeit keine politische Mehrheit.
      Das führt
      dazu, dass qualitativ hochwertige Produkte immer mehr vom Markt
      verschwinden. Wer will heute noch etwas kaufen, das um die Ecke
      hergestellt wird, als ein gleichwertiges Produkt aus China. Fast
      niemand, solche Firmen gehen ein. Ich arbeite es als Ingenieur jeden
      Tag. Da gibt es tolle Ideen, aber wir müssen meist etwas umsetzen, das
      zwar schlechter und seine Macken hat, aber der Kunde ist nicht bereit
      mehr zu zahlen. Das führt dazu, dass immer mehr gespart wird, auch an
      Orten wie der Eingangskontrolle. Wir haben immer wieder Fälle, wo die
      Qualität nicht stimmt nur weil der Einkauf einzelne Bauteile von einem
      andern vermeindlich billigeren Lieferanten bekommen. Um Geld zu sparen
      werden immer mehr Dinge in der Lieferkette nach unten geschoben, das ist
      günstiger, die Nachfrageschwankungen trägt der letzte in der Kette und
      die Verantwortung wird auch noch gleich mitabgeschoben. So ist das
      nunmal in unserer Konsumgesellschaft.
      Ich sehe das nicht als unabänderlich oder "alternativlos" an, sondern als von Menschen gemacht und daher auch durch Menschen veränderbar. Wenn ein System destruktiv wirkt, sollte es geändert werden, zumindest an den Stellen, wo es destruktiv wirkt.

      Als einzelner hat man aber immer
      noch die Wahl, was man kauft. Gerade bei Lebensmitteln ist es jedem frei
      gestellt, wo er Einkaufen will. Je nach Einkommen bedeutet das aber
      auch Verzicht.


      Und wir müssen unterscheiden zwischen der individuellen Ebene, wo man als einzelner natürlich Verantwortung für sein Handeln trägt und der gesellschaftlichen. "Führe und nicht in Versuchung." Wir sind natürlich für das verantwortlich, was wir innerhalb bestehender Strukturen individuell tun, genauso sind wir aber auch dafür verantwortlich, die Strukturen so zu gestalten, dass die Versuchungen (oder "Anreize"), sich unethisch oder destruktiv zu verhalten, abgebaut werden.