Adventisten sind selbstkritisch

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    • Norbert Chmelar schrieb:

      philoalexandrinus schrieb:

      die sehr fragwürdige Gestalt der Hulda Jost
      Wer war das bitte? Werde mal "googeln" ...
      Sa 19 Feb 2011 aus: ADVENTISTISCHER PRESSE DIENST (APD):

      „Siebenten-Tags-Adventisten im Nationalsozialismus“

      Geschrieben von Zentralredaktion unter Buchrezension
      Keine Kommentare
      Ostfildern bei Stuttgart, 19.02.2011/APD Johannes Hartlapp, „Siebenten-Tags-Adventisten im Nationalsozialismus. Unter Berücksichtigung der geschichtlichen und theologischen Entwicklung in Deutschland von 1875 bis 1950“, hrsg. vom Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes, V & R unipress Göttingen, 2008, gebunden, 684 Seiten, 76,00 Euro, ISBN 978- 3-89971-504-0.
      Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit hebt sich dank einer guten Quellenlage und akribischen Behandlung der vielfältigen Thematik vom üblichen Bekenntnischarakter wohltuend ab und darf daher auch von anderen christlichen Konfessionen als Standardliteratur ernst genommen werden.
      Schon die ausführliche Einführung in die Anfänge der deutschen Siebenten-Tags- Adventisten und ihrer Splittergruppen auf über 200 Seiten machen die Lektüre spannend. Hartlapp hat es an präzisen Inhaltsangaben nicht fehlen lassen, so dass der interessierte Leser sehr bald auf Kernfragen, wie die Beteiligung am Militärdienst im Ersten Weltkrieg, die adventistische Führungsperson Ludwig Richard Conradi, das Bemühen um staatliche Anerkennung oder die Position der adventistischen Heiligtumslehre stieß. Nicht weniger Aufmerksamkeit verdient das überraschende Verbot der evangelischen Freikirche für die Monate November/Dezember 1933. Ursachen lagen wohl in der Ähnlichkeit der öffentlichen Missionsmethoden der „Zeugen Jehovas“, von denen sich die deutschen Adventisten entschieden distanzierten.
      Für den Bestand der Glaubensgemeinschaft stellte sich sehr bald die Bedeutung des Advent-Wohlfahrtswerkes und dessen soziale Betätigung heraus. In diesem Zusammenhang geht der Autor auch auf die Persönlichkeit der Leiterin des Wohlfahrtswerkes, Schwester Hulda Jost, ein, die aus der Kaiserswerther Diakonissenschule stammte. Hartlapp nennt sie eine ungewöhnliche Persönlichkeit mit einem starken Durchsetzungsvermögen. Natürlich eckte Hulda Josts Führungsanspruch und Einfluss bei der Leitung der Adventisten an. Ihre Teilnahme an der adventistischen Weltsynode in San Francisco 1936 festigte die Position der deutschen Adventisten innerkirchlich, während andererseits staatliche Attacken gegen die Friedensauer Schwesternschaft der Adventisten wegen Ablehnung von Schweinefleischgenuss deren Existenz bedrohten. Jost hatte sich auch für die Schulbefreiung adventistischer Kinder am Sabbat (Samstag) eingesetzt und damit eine Zeitlang Erfolg gehabt. Trotz ihrer Verehrung für Hitler prägte die 1938 Verstorbene nach Hartlapp mehr als alle anderen Verantwortungsträger die deutschen Adventgemeinden während der NS-Zeit.
      Zunehmende Beschränkungen erfuhren die deutschen Adventisten ab Herbst 1935 durch Überwachung der Gottesdienste und das Kolportageverbot von Missionszeitschriften und Büchern, die inzwischen von 60 auf 15 Titel reduziert wurden. Unter den verbliebenen Titeln befanden sich das Neue Testament und „Der Weg zu Christus“ von Ellen G. White. In diese Zeit der Isolation fiel auch das Verbot der sogenannten „Reformationsbewegung“, eine Splittergruppe, die im Ersten Weltkrieg entstand. Deren Leiter Johann Hanselmann starb nach mehrmaliger Haft schließlich im Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach dem Kollektenverbot galten Spenden für die Evangeliumsverkündigung, den Unterhalt der Pastoren und die Saalmiete sowie das Advent-Wohlfahrtswerk in verschlossenen Umschlägen als akzeptable Form der Unterstützung der Gemeinden. Förderung des christlichen Missionsgedankens lehnte der Nationalsozialismus aus weltanschaulichen Gründen dagegen ab.
      Ein weiteres Kapitel diente dem Überleben der Freikirche während des Zweiten Weltkrieges. Bereits im Sommer 1939 verfügte der Staat über die Auflösung der Adventisten im Sudetenland und deren Beschlagnahme ihres Eigentums, „obwohl gegen die Adventisten nichts Besonderes vorliege und ihre Auflösung lediglich im Rahmen einer allgemeinen Auflösung von Verbänden und Vereinen erfolge“. Außerdem würden die Adventisten keine „völkische Aufgabe“ erfüllen. Nach den Recherchen von Johannes Hartlapp sind von den über 35.000 deutschen und österreichischen Adventisten nur zwei Kriegsdienstverweigerer bekannt, die ihre Haltung mit dem Tod bezahlten. Glauben und Leben fand für viele deutsche Adventisten während des Zweiten Weltkrieges nur unter totaler Überwachung statt. Größere Gottesdienste konnten wegen mangelnder Räumlichkeiten kaum noch durchgeführt werden. Schon zum 1. April 1939 mußte das adventistische Predigerseminar auf der „Marienhöhe“ in Darmstadt schließen. Im Sommer 1941 stellte die Gemeindezeitschrift „Der Adventbote“ sein Erscheinen ein.
      Trotz der widrigen Umstände erlebten die Gemeinden während der letzten Kriegsjahre ein Wachstum, mit dem niemand gerechnet hatte. Allein im Ostdeutschen Verband wurden für 1944 von rund 600 Taufen berichtet, obwohl fast alle Pastoren zur Wehrmacht eingezogen waren.
      Der Autor, Dozent für Kirchengeschichte der Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, behandelte dazu Reaktionen und Beurteilungen nach Kriegsende, machte den Versuch der Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit und ging auch auf das Weltbild der adventistischen Gemeinden in Deutschland näher ein. Ein 75-seitiges Register erleichtert dem interessierten Leser den Zugriff auf die entsprechende Thematik.
      Dr. Wolfgang Tulaszewskia
    • MÄRTYRER DES GLAUBENS: JOHANN HANSELMANN

      Norbert Chmelar schrieb:

      In diese Zeit der Isolation fiel auch das Verbot der sogenannten „Reformationsbewegung“, eine Splittergruppe, die im Ersten Weltkrieg entstand. Deren Leiter Johann Hanselmann starb nach mehrmaliger Haft schließlich im Konzentrationslager Sachsenhausen.
      Über Johann Hanselmann habe ich im Internet unter APD etwas interessantes gefunden, was ich euch gerne mitteilen möchte:

      Stolperstein für Johann Hanselmann
      Dietmar Eißner erinnerte auch an die Enthüllung eines Stolpersteins für Johann Hanselmann auf dem Gehweg vor dem kirchlichen Zentrum der Adventgemeinde Halle/Saale der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten am 9. Juni 2012. Hanselmann war Pastor und Vorsteher der Reform-Adventisten gewesen. 1940 wurde er wegen Abhaltung von Familiengottesdiensten in Halle/Saale verhaftet und zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Haft kam er in das KZ Sachsenhausen und wurde dort am 13. Mai 1942 ermordet. Da es in Halle keine Gemeinde der Reform-Adventisten gibt, habe die dortige Adventgemeinde den Stolperstein vor ihrem Gemeindezentrum als Erinnerung und Mahnung setzen lassen. Besonders gefreut habe Dietmar Eißner, dass an dem Gedenkgottesdienst im Jahr 2012 für Hanselmann und der anschließenden Enthüllung des Stolpersteins auch Pastoren der IMG mitgewirkt hätten.
    • Norbert Chmelar schrieb:

      Stolperstein für Johann Hanselmann
      Aus der homepage der Adventisten Gemeinde Lüneburg noch folgendes interessantes:

      Im KZ Sachsenhausen ermordet
      Bei der Enthüllung des Stolpersteins nach dem Gottesdienst gab Dr. Daniel Heinz (Friedensau bei Magdeburg), Leiter des Historischen Archivs der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa, einen kurzen Einblick in das Leben von Johann Hanselmann. Er wurde 1892 in Frankenberg/Württemberg geboren und war schon in den 1920er Jahren ein "eifriges Mitglied" der Reform-Adventisten. Er wurde Pastor und Vorsteher der Glaubensgemeinschaft in Ostdeutschland. Auch nach dem Verbot der Reformationsbewegung der Siebenten-Tags-Adventisten im Jahr 1936 durch die Gestapo verrichtete Hanselmann seinen Dienst im Untergrund weiter. 1940 wurde er wegen Abhaltung von Familiengottesdiensten in Halle/Saale verhaftet und zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Haft kam er in das KZ Sachsenhausen und wurde dort am 13. Mai 1942 ermordet.
      Konsequent seine Glaubensauffassung vertreten
      Friedrich Herbolsheimer, Pastor und Vorsteher der "Internationalen Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung" (IMG) in Westdeutschland, kannte noch den Märtyrer. Er sah ihn zum letzten Mal 1939, als Johann Hanselmann seine Großmutter beerdigte, "obwohl das verboten war". Der Geistliche habe konsequent seine Glaubensauffassung vertreten. "Es gab für ihn keinen anderen Weg." Herbolsheimer verwies bei der Enthüllung des Stolpersteins auf das Bibelwort aus Hebräer 13,7: "Gedenkt an eure Lehrer." Der Ermordete sei auch für ihn stets ein Vorbild gewesen.
      "Eine beständige Erinnerung und Mahnung"
      "Ich stolpere über Johann Hanselmann, der wegen seines Glaubens im KZ gefoltert und umgebracht wurde", bekannte Pastor Johannes Scheel. "Wofür wäre ich bereit, mich einsperren, schlagen, foltern und töten zu lassen? Für ein Menschenrecht wie die Gewissensfreiheit und freie Religionsausübung, wie Johann Hanselmann?" Der Präsident der Adventisten in Berlin und Mitteldeutschland dankte der Adventgemeinde Halle für den Mut, sich "diesem schwierigen Kapitel in unserer gemeinsamen Geschichte zu stellen". Das mache Mut für die Zukunft und Hoffnung auf ein aufmerksames und tolerantes Miteinander und eine Gesellschaft, wo Ausgrenzung, Hass und Gewalt zu Fremdwörtern würden. Der Stolperstein für Johannes Hanselmann sei für Adventisten eine "beständige Erinnerung und Mahnung".

      Bildnis von Hanselmann
    • Norbert Chmelar schrieb:

      philoalexandrinus schrieb:

      Und hinter vorgehaltener Hand wurde geflüstert, Hitler sei des Teufels, Deutschlands Untergang, die "Braune Pest".
      Ist es richtig, dass nachdem die STA und ReformSTA von Hitler verboten wurden, sich die STA auf einen Pakt mit Hitler - und damit mit dem Antichristen - eingelassen hatte(?)

      Nach Johannes Hartlapp : Siuebenten - Tags - Adventisten im Nationalsozialismus, Göttingen 2008 : Ja, so ungefähr..

      Juni 33 :Verbot der Zeugen Jehovas, manche Behörden nahmen gleichBaptisten, , Adventisten, - - mit dazu.

      September 33 : Versuch, die Freidensauer Schwesternschaft aus dem Krankenhaus Rabenstein bei Chemnitz wegen ihrer "Judennähe" (Schweineffleisch !) durch evangelische Diakonissen zu ersetzen.

      Nach einer persönlichen Vorsprache am 30.10. 33. Brief von Hulda Jost an den Leiter der NSV ("Nationalsozialistische Volkswohlfahrt") Hermann Althaus mit dem Hinweis auf die Leistungen des Adventwohlfahrtswerkes für die Gesamtheit - und, dass gerade zwischen Dr. Kurt Thomalla vom Propagandaministerium und dem Advent - Verlag vereibart worden sei, "Neues Volk" - die antisemitische Hetzschrift - auch zu 15 000 (pro Nummer ?) Exemplaren über die Buchevanghelisation unter die Leute zu bringen , Völlig anlasslos - oder ohne dokumentierten Anlass - Verbot / Konfiszierung der STA und deren Vermögenswerte am 26 11, Aufhebung dieser Massnahme am 06. 12. 33.

      Am 20.12. 33 liegt die Druckversion einer danach von einem Gremium verfasstenn Denkschrift vor, welche Glaubenspunkte klarstellt und man sich gegen andere Gruppen (Zeugen Jehovas !) abgrenzt. und schliesst :

      " Neben unserer religiösen und Gesundheitslieratur , die der Adent -Verlag (e.V:) Hamburg herausgibt, verbreiten wir die vom Aufklärungsamt herausgegebene Zeitschrift "Neues Volk". (gez. Gugel)".

      Ganz korrekt gesagt hat Hulda Jost schon vor dem Verbot die Linie mit der Verbreitung der NS Hetzschrift durch Buchevangelisten vorgegeben. Oder : Wer mit welcher Vollmacht hat diese Vertriebsverhandlungen seitens des Advent - Verlages geführt ? (Die Vernichtung des Hambuger Verlagsarchives durch BRandbombenangriffe behindert uns wesentlich in einer genauen Erforschung des Gemeindegeschehens der Zeit vor 1945 ! )
      Nihil hic determino dictans : Conicio, conor, confero, tento, rogo, quero - -

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