Siegfried Wittwer und die Dreieinigkeit

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  • Heute habe ich mir die Ausarbeitungen "Ist Gott eine Familie?" und "Die Frage nach dem Wesen Gottes" von Siegfried Wittwer durchgelesen. Siegfried Wittwer ist ein evangelischer Theologe, der den meisten Adventisten als Leiter des Internationalen Bibelstudien Instituts bekannt sein dürfte. Ich hatte vor einiger Zeit schon mal seine Arbeit "Unsterblichkeit der Seele oder Auferstehung?" gelesen, in der Wittwer darauf verweist, welche Bedeutungen die hebräischen Wörter für "Seele", "Geist" und "Totenreich" haben. Wer sich gerne mit den Sprachen der Bibel beschäftigt, wird schnell die Bestätigung dafür finden, dass Wittwer in diesem Werk völlig im Einklang mit der hebräischen und griechischen Sprache, sowie dem Verständnis der Hebräer (und der ersten Christen) argumentiert. Dementsprechend war ich sehr gespannt darauf, was der Autor über die Dreieinigkeitslehre zu sagen hat. Auch hier habe ich mir vorgenommen, die Hinweise auf sprachliche Besonderheiten nachzuprüfen. Das Ergebnis habe ich schriftlich festgehalten. Es geht mir dabei nicht um die Argumentation für oder gegen die Dreieinigkeit, denn ich konnte in den beiden Ausarbeitungen keine neuen Argumente finden. Vielmehr geht es mir darum, wie der Autor argumentiert. Sind seine Hinweise auf die Sprachen der Bibel im Einklang mit dem, was Altphilologen zu sagen haben? Sind Wittwers Aussagen belegbar? Ich beginne mit einem Zitat aus "Ist Gott eine Familie?":

    Siegfried Wittwer schrieb:

    Aber steht nicht in 5. Mose 6,4 wörtlich: „Jahwe, unser Elohim, Jahwe ein“? Wie kann man dann von zwei oder gar drei Personen der Gottheit sprechen? Im Hebräischen gibt es zwei unterschiedliche Worte für den Begriff „ein“. Zunächst finden wir das Wort ächad. Es meint Einheit in der Mehrheit. Man kann es demnach auch mit „einig“ übersetzen. So werden Verheiratete in der Bibel als „ein Fleisch“ bezeichnet, obwohl sie doch zwei Menschen sind (1. Mose 2,24). Genauso ist Jahwe nicht ein einziger Gott, sondern ein einiger Elohim, oder – kurz gesagt – eine einige Gottheit. Für „einzig“ benutzt das Alte Testament dagegen ein anderes Wort (hebr.: jachid). Isaak wird beispielsweise „einziger Sohn“ Abrahams genannt (1. Mose 22,2; Ismael war kein rechtmäßig mit seiner Ehefrau gezeugter Sohn). Dieses Wort „einzig“ wird nicht auf Gott angewandt.

    Wittwer trifft hier drei Aussagen:

    1.) Das ebräische „ächad“ steht für eine „Einheit in der Mehrheit“ und kann mit „einig“ übersetzt werden.
    2.) Jahwe ist nicht ein einziger, sondern ein einiger Gott.
    3.) Für „einzig“ gibt es im Hebräischen ein anderes Wort, nämlich „jachid“, welches aber auf Gott nicht angewandt werde.

    Ist das haltbar? Laut Wilhelm Gesenius ist „ächad“ ein Zahlwort und zu den Bedeutungen von „ächad“ gehört unter anderem „einer, eine, eines; häuf. betont: ein einziger“. Für 5. Mose 6, 4 gibt er die Bedeutung „ein einziger Jahve“ an (Quelle: Wilhelm Gesenius, Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, 17. Auflage 1921, Seite 22). Von einer „Einheit in der Mehrheit“ ist keine Rede.

    Auch die Vorkommnisse von „ächad“ im Alten Testament zeigen deutlich, dass Wittwer hier ein verzerrtes Bild der Bedeutung von „ächad“ vermittelt. So bezeichnen sich Josephs Brüder in 1. Mose 42, 31-32 als „zwölf Brüder“ und sagen über Joseph: „...der Eine (=ächad) ist nicht mehr!“ War Joseph eine „Einheit in der Mehrheit“? Nein, „ächad“ ist hier schlicht und ergreifend ein Zahlwort, das eine einzelne, ganz bestimmte Person (nämlich Joseph) bezeichnet. Auch in Prediger 4, 8 heißt es: „Da ist ein einzelner (=ächad) und kein zweiter...“! Ganz offensichtlich steht „ächad“ auch hier keineswegs für eine „Einheit in der Mehrheit“. Man könnte auch noch Maleachi 2, 10 erwähnen, wo gefragt wird: „Haben wir nicht alle einen (=ächad) Vater? Hat uns nicht ein (=ächad) Gott erschaffen?“ Auch die Trinitätslehre kennt nur „einen (einzigen) Vater“, so dass „ächad“ hier auch aus der Sicht eines Siegfried Wittwers nur die allgemein anerkannte Bedeutung haben kann. Bezogen auf 5. Mose 6, 4 versucht Wittwer ganz offensichtlich dem Wort „ächad“ eine Bedeutung zu geben, die sich weder in Hebräisch-Wörterbüchern, noch im Alten Testament finden lässt. Tatsächlich übersetzen selbst bekennende Trinitarier in 5. Mose 6, 4 mit „ein einziger Jehova“ (Elberfelder 1905), „nur einer“ (Textbibel 1905), „ein Herr“ (Zürcher Bibel 1931), „Jahwe ist einzig“ (Einheitsübersetzung 1980), oder „Jahwe allein“ (Neue evangelistische Übersetzung 2014). Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, wie jüdische Übersetzer das Wort „ächad“ in 5. Mose 6, 4 verstehen:

    Deutsche Volks- und Schulbibel für Israeliten, Gotthold Salomon 1837: Höre Jisrael, Gott, unser Herr, Gott ist Einer.

    Die Schrift, Buber & Rosenzweig 1929: Höre Jissrael: ER unser Gott, ER Einer!

    Die Heilige Schrift, Naftali Herz Tur-Sinai 1954: Höre, Jisraël! Der Ewige ist unser Gott; der Ewige ist Einer.

    Wenn Wittwer schreibt, dass „ächad“ für eine „Einheit in der Mehrheit“ stehe, dann lässt sich das weder mit Texten aus dem Alten Testament belegen, noch nennt er irgendeine Quelle für diese Aussage. Auch der Verweis auf das Wort „jachid“, welches laut Wittwer tatsächlich „einziger“ bedeutet, aber nicht auf Gott angewandt wird, ist irreführend. Laut Wilhelm Gesenius wird das Wort „vom einzigen Kinde“ gebraucht, kann aber auch „einsam, verlassen“ bedeuten (Quelle: Wilhelm Gesenius, Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, 17. Auflage 1921, Seite 297). Es würde keinen Sinn machen, dieses Wort auf Gott zu beziehen, denn er ist niemandes „einziges Kind“. Außerdem kommt „jachid“ nur zwölf mal im Alten Testament vor, es ist also ein relativ seltenes Wort. Um JHWH als „einen einzigen“ zu bezeichnen, reicht „ächad“ vollkommen aus. Der Autor möchte aber unbedingt beweisen, dass JHWH keineswegs „einer“ ist, sondern mehrfach existiert:

    Siegfried Wittwer schrieb:

    In 1. Mose 19, 24 lesen wir dann: „Da ließ Jahwe Schwefel und Feuer regnen von Jahwe aus dem Himmel.“ So lautet der Text im Hebräischen. Was heißt das? [...] Einer befand sich bei diesem Bericht im Himmel, einer stand neben Abraham. Und deshalb konnte auch Jahwe Schwefel und Feuer regnen lassen von Jahwe aus dem Himmel. Jahwe ist also eine Art „Familienname“ für Vater und Sohn.
    Gemäß dieser Argumentation müsste auch „Salomo“ ein Familienname gewesen sein, der laut 2. Könige 8, 1 von mindestens zwei Personen zeitgleich getragen wurde. Auch für diesen Vers zitiere ich eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Textes:

    2. Könige 8, 1 (Schlachter 2000): Damals versammelte Salomo die Ältesten von Israel und alle Häupter der Stämme, die Fürsten der Vaterhäuser der Kinder Israels, zum König Salomo nach Jerusalem...

    Wie man sieht, finden wir sowohl in 1. Mose 19, 24, als auch in 2. Könige 8, 1 eine hebräische Ausdrucksweise, die sich jeweils auf ein und dieselbe Person bezieht. Dementsprechend geben nicht nur kommunikative Übersetzungen den von Siegfried Wittwer angeführten Vers wie folgt wieder:

    Luther 2017: Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra

    Neue evangelistische Übersetzung 2016: Da ließ Jahwe Feuer und Schwefel auf Sodom und Gomorra regnen. Es kam von ihm, vom Himmel herab,

    Die Heilige Schrift, Hermann Menge 1939: ließ der HERR Schwefel und Feuer vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha regnen

    Siegfried Wittwers Umgang mit der hebräischen Sprache ist auch an dieser Stelle fragwürdig. Leider ist sein Umgang mit der griechischen Sprache auch nicht sorgfältiger:

    Siegfried Wittwer schrieb:

    Dann fährt Paulus fort: „Jesus ist der Erstgeborene vor aller Schöpfung.“ Dieses eine Wort „vor“ erklärt eigentlich schon alles. Er ist nicht der erste Geborene, sondern der Herr über die Schöpfung.
    Wenn dieses Wort „vor“ tatsächlich alles erklärt, dann gibt es keine Erklärung, denn es ist im griechischen Text nicht zu finden! Gemäß einer Fußnote in der Schlachter 2000 lautet die wörtliche Übersetzung: „der Erstgeborene aller Schöpfung“. Zahlreiche Übersetzer haben den Vers in diesem Sinne wiedergegeben und der Blick in eine Interlinear-Übersetzung bestätigt, dass Wittwer hier mit einem Wort argumentiert, das manche Übersetzer in den Text einfügen, obwohl es im Griechischen gar nicht vorkommt. An anderer Stelle versucht der Autor mit Hilfe der griechischen Grammatik zu beweisen, dass der heilige Geist eine „Person“ ist:

    Siegfried Wittwer schrieb:

    Hier müssen wir uns wieder einmal ein wenig mit der griechischen Sprache beschäftigen. Das Wort „Geist“ (pneuma) ist im Griechischen ein Neutrum. Grammatisch richtig ist deshalb, wenn wir sagen: „Das Pneuma“ und nicht „Der Pneuma“.

    „Wenn aber jener Pneuma der Wahrheit kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“
    Johannes 16,13

    Johannes schreibt tatsächlich nicht „jenes Pneuma“, das wäre grammatisch richtig, sondern „jener Pneuma“, das ist grammatisch falsch, wenn der Heilige Geist kein persönliches Wesen ist (für Grammatik-Fans: Das Demonstrativpronomen ekeinos steht hier im Maskulinum).

    Zunächst fällt auf, dass Wittwer Johannes 16, 13 in seiner Übersetzung falsch wiedergibt, denn gemäß dem griechischen Text steht dort nicht "Wenn aber jener Pneuma der Wahrheit kommen wird...", sondern "Wenn aber jener, DAS pneuma der Wahrheit kommen wird...". Den bestimmten Artikel τὸ (= das) vor πνεῦμα (= Geist) hat Wittwer in seiner Übersetzung einfach unterschlagen. Aber τὸ ist sächlich, und passt somit zu dem ebenfalls sächlichen πνεῦμα! Das Demonstrativpronomen ἐκεῖνος (= jener) steht aber tatsächlich im Maskulinum. Allerdings bezieht es sich nicht auf das sächliche πνεῦμα, sondern auf das maskuline παράκλητος (= Beistand, Helfer, Anwalt) im Vers 7. Darauf haben diverse Kenner der griechischen Sprache hingewiesen, u. a. der Gelehrte Daniel B. Wallace (siehe Daniel B. Wallace, Greek Grammar and the Personality of the Holy Spirit – erschienen in Bulletin for Biblical Research 13.1 2003, Seite 97-125). Johannes verwandte maskuline Demonstrativpronomen für das maskuline παράκλητος, und sächliche Demonstrativpronomen für das sächliche πνεῦμα. Als studierter Theologe hätte Siegfried Wittwer dies erkennen müssen. Stattdessen unterstellt er Johannes grammatisch falsche Sätze, welche Hinweise auf die Natur des heiligen Geistes geben sollen. Auch Paulus bleibt nicht verschont:

    Siegfried Wittwer schrieb:

    „In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.“
    Epheser 1,13.14

    Wir finden bei Paulus einen ähnlichen Hinweis, wenn er vom heiligen Pneuma schreibt, „der verheißen ist“. Grammatisch richtig wäre es, wenn er geschrieben hätte, „das verheißen ist.“ Aber offensichtlich ist der Heilige Geist auch für Paulus keine unpersönliche Kraft.

    Was dem Leser verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass es hier zwei verschiedene Schriftzeugnisse gibt. In vielen griechischen Handschriften steht hier gar nicht ὅς (= der), sondern ὅ (= das), was perfekt zum sächlichen πνεῦμα passt. Aber selbst wenn ὅς die richtige Leseart wäre, könnte man das maskuline Demonstrativpronomen auch auf das nachfolgende ἀρραβών (= Unterpfand) beziehen, welches ebenfalls maskulin ist. Über die beiden Textvarianten schrieb der Kommentator Frank Thielmann folgendes:

    Grammatically, either reading works equally well: the neuter relative pronoun agrees in gender with its neuter antecedent πνεύματι, and the masculine relative pronoun agrees in gender with the predicate nominative ἀρραβών. Since the issue is one simply of grammatical gender, the question of whether the Holy Spirit is a person or a force does not come into play (Wallace 1996: 338).

    (Quelle: Frank Thielman, "Ephesians - Baker Exegetical Commentary on the New Testament")

    Auch hier gibt Siegfried Wittwer seinen Lesern falsche Informationen, obwohl diese sich darauf verlassen, dass er als Kenner der alten Sprachen zuverlässig ist. Die Liste lässt sich fortsetzen, dieses mal mit einem Zitat aus "Die Frage nach dem Wesen Gottes":

    Siegfried Wittwer schrieb:

    Auch der Segenspruch des Paulus enthält einen Hinweis auf eine dreieinige Gottheit (2 Kor 13,13): Nicht nur die Gnade Jesu und die Liebe Gottes soll uns begleiten, wir dürfen auch mit dem heiligen Geist Gemeinschaft haben. Das Wort „Gemeinschaft“ weißt aber daraufhin, dass der Heilige Geist keine unpersönliche Kraft sein kann oder für den „Geist“ Gottes (im Sinne von „Bewusstsein, Denken“) steht.

    Das griechische Wort für „Gemeinschaft“ ist κοινωνία, welches auch für die „Gemeinschaft mit dem Blute Christi“ (1. Korinther 10, 16; Zürcher Bibel 1931), für „die Gemeinschaft mit seinen Leiden“ (Philipper 3, 10; Einheitsübersetzung 1980), oder auch für die „Gemeinschaft deines Glaubens“ (Philemon 1, 6; Schlachter 1951) gebraucht wird. Daraus leitet niemand ab, dass das Blut Christi, das Leiden Christi, oder der Glauben Personen sind. Das Wort κοινωνία bedeutet soviel wie „Gemeinschaft“, „Anteil“ und „Teilnahme“ (siehe Wilhelm Gemoll, Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch, 9. Auflage 1965, Seite 444), hier könnte also auch schlicht und ergreifend vom "Anteil am heiligen Geist" die Rede sein. In zahlreichen Wörterbüchern zum Neuen Testament sind es die Bedeutungen „Anteil“ und „Teilnahme“, welche für 2. Korinther 13, 13 genannt werden (siehe Gerhard Kittel, Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Dritter Band 1938, Seite 807; Lothar Coenen, Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament (1967), Seite 497-498; Joseph Henry Thayer, Greek-English Lexicon of the New Testament 1889, Seite 352; Xavier Leon-Dufour. Wörterbuch zum Neuen Testament 1977, Seite188 u.a.). Die Übersetzung „Gemeinschaft“ sagt über die Natur des heiligen Geistes noch gar nichts aus. Doch Siegfried Wittwer präsentiert noch einen weiteren „Beweis“ für die Dreieinigkeit:

    Siegfried Wittwer schrieb:

    Neben diesen Hinweisen finden wir im Neuen Testament tatsächlich auch den Begriff „Gottheit“ (griech.: theotes). So ist in Jesus „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol 2,9). Bei einer „Gottheit“ handelt es sich – sowohl im Deutschen als auch im Griechischen – um mindestens zwei Personen.

    Ist das tatsächlich so? Das griechische Wort θεότης (= Gottheit) ist das Abstraktum zu θεός (Gott). Abstrakta legen naturgemäß den Schwerpunkt auf eine Eigenschaft. Laut Franz Passow bedeutet θεότης „Gottheit, Göttlichkeit, göttliches Wesen, göttliche Würde“ (Quelle: Franz Passow, Handwörterbuch der Griechischen Sprache, Erster Band 1831, Seite 1054). Dass θεότης mindestens zwei Personen bezeichnet, ist eine Behauptung, für die Siegfried Wittwer weder Quelle noch Beweis vorlegt. In keinem Wörterbuch konnte ich einen Hinweis darauf finden. Das Gleiche gilt für das deutsche Wort „Gottheit“. Gemäß dem Duden bedeutet „Gottheit“:

    1. Gott
    2. nicht eindeutig bezeichneter Gott bzw. Göttin
    3. das Gottsein; Göttlichkeit, göttliche Natur

    (Quelle: Duden | Gott­heit | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Synonyme, Herkunft)

    Auch hier findet sich kein Hinweis darauf, dass mindestens zwei Personen vorausgesetzt sind. Weder das griechische Wort θεότης, noch das deutsche Wort Gottheit spricht dafür, dass JHWH mehr als EINER ist.

    Siegfried Wittwer schrieb:

    Auch Johannes nennt Gott-Vater „Wahrhaftigen“, bezeichnet aber ebenso Jesus als „wahrhaftigen“ oder „wahren Gott“ (1 Joh 5,20 – vgl. griech. Grundtext). Vater und Sohn werden somit als „wahrer Gott“ bezeichnet. […] Der Satz „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ kann sich grammatisch nur auf den zuletzt genannten Jesus Christus beziehen.

    Wenn Siegfried Wittwer schreibt, man könne 1. Johannes 5, 20 („Dieser ist der wahrhaftige Gott...“) grammatisch nur auf den zuletzt genannten Jesus Christus beziehen, dann muss man sich fragen, warum es so viele Werke zur Sprache des Neuen Testaments gibt, die den selben Satz keineswegs auf Jesus, sondern auf den zuvor genannten „Wahrhaftigen“ (= Gott) beziehen (siehe: Samuel Christoph Schirlitz, Griechisch-Deutsches Wörterbuch zum Neuen Testamente, 3. Auflage 1868, Seite 269; Joseph Henry Thayer, Greek-English Lexicon of the New Testament 1889, Seite 466; Dr. Georg Benedict Winer, Grammatik des Neutestamentlichen Sprachidioms, 7. Auflage 1867, Seite 148; Wilhelm Martin Leberecht de Wette, Kurze Erklärung des Evangeliums und der Briefe Johannis, 2. verbesserte und vermehrte Ausgabe 1839, Seite 271 u.a.).

    Gemäß Dr. Georg Benedict Winers "Grammatik des Neutestamentlichen Sprachidioms" bezieht sich das Pronom οὗτoς (=dieser) „zuweilen nicht auf das der Wortstellung nach nächste, sondern auf ein entferntes Nomen, das als Hauptsubject zu betrachten und darum dem Schriftsteller psychologisch das nächste, das im Geiste gegenwärtigste war“ (Quelle: Dr. Georg Benedict Winer, Grammatik des Neutestamentlichen Sprachidioms, 7. verbesserte und vermehrte Auflage 1867, Seite 148). Alleine im Neuen Testament finden sich dafür zahlreiche Beispiele und Belege.

    Sollte es trotzdem Gründe geben, die gegen den Bezug von οὗτoς (= dieser) auf „den Wahrhaftigen“ sprechen, dann sollte es möglich sein, diese Gründe zu nennen, oder Werke zur griechischen Sprache zu zitieren, die Wittwers Standpunkt untermauern. Weder das eine, noch das andere ist der Fall. Stattdessen stellt Wittwer auch hier einfach nur eine Behauptung auf, die sicherlich von vielen Lesern geglaubt wird, weil der Autor eben kein Laie, sondern ein studierter Theologe ist.

    Alles in allem finde ich, dass Siegfried Wittwer mit solchen wilden (und leicht widerlegbaren) Thesen nicht viel zur Glaubwürdigkeit der Dreieinigkeitslehre beiträgt. Hinsichtlich der biblischen Sprachen sollte man sich auf seriöse Aussagen beschränken, die im Einklang mit dem sind, was Standartwerke zur hebräischen und griechischen Sprache sagen (siehe Wittwers Ausarbeitungen zur "Unsterblichen Seele"). Ansonsten muss man sich die Frage gefallen lassen, ob der „normale“ Bibeltext denn nicht ausreicht, um das zu beweisen, was Siegfried Wittwer hier beweisen möchte...

    Letzte Worte:
    Dieser Artikel ist weder als Angriff auf Siegfried Wittwers Person zu verstehen, noch habe ich beabsichtigt mit dieser Arbeit die Dreieinigkeitslehre zu widerlegen. Bitte betrachtet diese Arbeit als ein Plädoyer für mehr Sorgfalt. Für sachliche Kritik und Gegenargumente stehe ich jederzeit zur Verfügung... ;)

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Kommentare 9

  • SiegfriedW -

    Anmerkungen zur Kritik an meiner Ausarbeitung „Ist Gott eine Familie?“

    Weil ich von Gane MacShowans Kritik an meiner Ausarbeitung über die Gottesfrage erst jetzt erfahren habe, kann ich erst heute dazu Stellung nehmen.

    Kritiker machen zwar Arbeit, aber sie helfen uns auch, genauer zu formulieren und Zusammenhänge besser zu verstehen. Leider arbeiten aber auch Kritiker nicht immer genau.
    Weil mir als Rentner nicht mehr die Bibliothek des Bibelstudien-Instituts zur Verfügung steht, habe ich mich auf wenige Bücher beschränkt (Nestle/Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum griechischen NT, Brunnen 1970; Walter Bauer, Wörterbuch zum NT, Berlin 1963; Wilhelm Gesenius, Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über der das AT, 1921, Hebräische und Griechische Bibel). Weil es hier um das STA-Forum geht, verwende ich auch den Adventist Bible Commentary, 1980.

    Da Gane MacShowan mehrfach Wörterbücher und Werke aus dem 19. Jh. zitiert, gehe ich davon aus, dass er diese Literatur nicht selbst gelesen hat, sondern eine Ausarbeitung von Antitrinitariern verwendet, die er nur umformuliert und auf meine Ausarbeitung anwendet.

    Zu 5. Mo 6,4 – ächad und jachid
    Der Gebrauch von ächad im AT zeigt keineswegs, dass ich ein „verzerrtes Bild der Bedeutung von ächad“ vermitteln will. Dazu drei Beispiele: 1. Mo 2,24 – Mann und Frau bilden zusammen ein Fleisch. Trotzdem sind sie immer noch zwei. Esra 3,1 – Die Israeliten (eine Mehrzahl) versammeln sich wie ein Mann in Jerusalem. Hes 37,15–22 – Hesekiel soll zwei Hölzer (oder Baumstämme) vor den Augen des Volkes zusammenfügen und ein (17) Holz daraus machen. Ein Symbol dafür, dass die Stämme eins (19) in Gottes Hand sind. Gott will ein (22) Volk (Mehrzahl) aus ihnen machen. Daraus können wir ableiten, dass ächad zwar „einer, eines, ein einziger, der erste, irgendeiner, jemand“ bedeuten kann, wie Gesenius es sagt, aber auch die Einheit in der Mehrheit beschreibt, wenn im Textzusammenhang von einer Mehrheit (!) gesprochen wird. Zwar wird ächad in der Bibel auch als Zahlwort (eins) verwendet. Doch das erste Vorkommen der Zahl „eins“ (die „Erschaffung der 1“) ist in der Schöpfung begründet: Der „Tag eins“ besteht nämlich „aus Abend und Morgen“. Weil nun in 5. Mo 6,4 das Wort „Gott“ (Elohenu von Elohim) im Plural steht, zeigt das Wort ächad wie in den drei oben angeführten Texten, dass es hier um eine Einheit in der Mehrheit geht.

    Das Wort jachid = „einzig“ wird nicht auf Gott angewendet. Wir finden es in verschiedenen Bibeltexten (z. B. Rich 11,34).
    Dieser Hinweis auf die Gottheit ist natürlich nur ein Nebenargument, hat also wenig Gewicht in der Diskussion um die Dreieinigkeit.

    Zu 1. Mose 19,24 – Jahwe
    Gane MacShowan zitiert 2. Kön 8,1, um meine Aussage zu widerlegen. Doch es handelt sich um 1. Kön 8,1.
    Da der hebräische Text nicht durch Zeichensetzung getrennt wurde, kann der Vers auch wie folgt gelesen werden: „Damals ließ Salomo einberufen ..., heraufzuführen den Schrein des Bundes zum König Salomo ...“ Der Text (nach Schlachter zitiert, angeblich „eine hebräische Ausdrucksweise“) ist also kein Gegenbeweis zu meiner Aussage über Jahwe.

    Gemäß dem Textzusammenhang ab 1. Mo 18 erscheint Jahwe mit zwei Engeln Abraham. Dieser bewirtet die drei und geht mit ihnen und diskutiert mit Jahwe über die Zerstörung von Sodom und Gomorra, bis Jahwe schließlich geht (1. Mo 18,33), während die zwei Engel nach Sodom gehen (1. Mo 19,1). Deswegen ist – von der wörtlichen Übersetzung ausgehend („Da Jahwe ließ regnen über Sodom und über Gomorra Schwefel und Feuer von her Jahwe von den Himmeln“) – die Interpretation nicht abwegig, dass es hier um Jesus geht, der von Gott-Vater Schwefel und Feuer regnen lässt. Gemäß 1. Tim 6,16 hat noch kein Mensch Gott-Vater gesehen. Demnach hat Abraham offensichtlich Jesus bewirtet, der ja auch als „Jahwe“ bezeichnet wird, wie ich in meiner Ausarbeitung anhand von verschiedenen Bibeltexten nachgewiesen habe. Wenn andere Bibelübersetzungen die Aussage „von her Jahwe“ einfach weglassen, ist das kein Gegenbeweis. Schließlich verdanken wir z. B. das Wort „Hölle“ in der Bibel allein den Bibelübersetzer, da dieser Begriff nirgendwo in den Grundsprachen zu finden ist.

    Zu Kol 1,15 – Erstgeborener aller Schöpfung
    MacShowan versucht mit dem Hinweis, dass das Wort „vor“ nicht im griechischen Grundtext zu finden ist, die Argumentation in meiner Ausarbeitung zu widerlegen. Zur kurzen Erklärung für diejenigen, die meine Ausarbeitung nicht gelesen haben: Paulus schreibt, dass Jesus der „Erstgeborene aller Kreatur“ ist. Der Begriff „Erstgeborener“ steht bei den Hebräern nicht unbedingt für den ersten Geborenen (deshalb werden manche Zweitgeborenen in der Bibel „Erstgeborene“ genannt). Er bedeutet vielmehr „das Oberhaupt, der Vorsitzende, der Sippenführer und Inhaber aller Rechte und die Autorität“. Er hat den Vorrang vor allen anderen Sippenangehörigen. Deshalb hat Luther nicht falsch übersetzt, wenn er sinngemäß das Wort „vor“ dazu setzt und schreibt „der Erstgeborene vor aller Schöpfung“. Paulus selbst erklärt den Begriff „Erstgeborener“ selbst im nächsten Vers mit den Worten: „Denn in ihm ist alles geschaffen ...“ Jesus ist also nicht das erste Geschöpf, er hat alles geschaffen. Deshalb ist er auch das Oberhaupt. Und in Vers 17 erklärt Paulus selbst „er ist vor allem“ (pro panton). Mit Kol 1,15 kann man also nicht beweisen, dass Jesus einen Anfang hatte.

    Zu Joh 16,13 und Eph 1,13 – Grammatische Hinweise
    Hier war ich nicht sorgfältig genug und habe tatsächlich bei Joh 16,13 das to weggelassen. Aber auch Nestle/Rienecker (239) bezieht ekeinos nicht auf den Tröster in Vers 7, sondern sagt dazu: Dass das Demonstrativpronomen ekeinos im Maskulinum steht, „beruht auf der Vorstellung von der Persönlichkeit des Heiligen Geistes.“

    Bei Eph 1,13 ist es mir wegen fehlender Literatur gerade nicht möglich, herauszufinden, welche Version, von denen Gane MacShowan ohne Angaben spricht, auf ältere oder jüngere griechische Handschriften zurückgeht. Wenn jüngere Handschriften kein maskulines Demonstrativpronomen haben sollten, könnte das auf eine Korrektur des Textes beim Abschreiben hinweisen. Im kritischen Apparat meines Novum Testamentum Graece steht jedenfalls keine andere Lesart.
    Diese beiden grammatischen Hinweise stellen auf jeden Fall keine Beweise dar, sondern können nur als Hinweise verstanden werden. Darauf aufmerksam gemacht wurde ich übrigens damals im theologischen Seminar durch meinen Dozenten im Fach Dogmatik.

    Zu Kol 2,9 – Gottheit
    Nach Walter Bauer, Nestle/Rienecker und ABC steht theotes für „Gottheit“ oder „Gottsein“. Dieser Begriff muss jedoch im Zusammenhang mit dem Wort pleroma gesehen werden. Gemäß ABC, Bd. 7, p. 202 ist dieser Begriff „without limit in time and space and power. Everything that God is, every quality of Deity – dignity, authority, excellency, power in creating ... rests in Christ.“ Wenn wir theotes also mit „Gottsein“ übersetzen, dann ändert sich nichts daran, dass Christus ganz und gar Gott ist (in ihm ist die Fülle des Gottseins leibhaftig). Ist Jesus aber ganz und gar Gott, haben wir es mit zwei göttlichen Wesen zu tun: Gott-Vater und Jesus, die eine Einheit bilden oder eine Gottheit. Für mich stehen die Begriffe „Gottheit“ und „Menschheit“ parallel: Auch die Menschheit besteht aus mehreren Menschen. Hier hätte ich natürlich genauer formulieren müssen.

    Zu 2. Kor 13,13 – Gemeinschaft des heiligen Geistes
    Nestle/Rienecker (434): „koinonia tou agiou pneumatos wenn gen. obj. dann = Teilhabe am Heiligen Geist. Wenn gen. subj. dann = Gemeinschaft, die der Heilige Geist wirkt. Die vorangehenden Genitive werden die zweite Bedeutung begünstigen.“ Danach wird dieser Text als „triadische Formel“ bezeichnet. Tatsächlich werden in diesem Vers vorher von zwei Personen gesprochen. Deshalb ist es nicht abwegig, im Heiligen Geist ebenfalls eine Person zu sehen, mit der wir Gemeinschaft haben können.

    Auch der ABC, Bd. 6, p. 928, sieht in diesem Text (hier Vers 14) zusammen mit Mt. 28,19 einen „most complete and explicit summary of the doctrine oft he Trinity.“

    Zu 1. Joh 5,20 – Wahrhaftiger Gott
    Gane MacShowan bezweifelt, dass die Aussage „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ sich auf Christus bezieht und begründet dies mit Erklärungen von vier Autoren des 19. Jahrhunderts.
    Johannes macht hier drei Aussagen:
    1. Der Sohn Gottes ist gekommen, damit wir den Wahrhaftigen erkennen.
    2. Wir sind in dem Wahrhaftigen in seinem Sohn Jesus Christus (Folgerung: Wer in Gott ist, ist auch in seinem Sohn Jesus Christus)
    3. Dieser ist der wahrhaftige Gott und ewiges Leben.
    Schon in 1. Joh 1,2 stellt Johannes fest, dass Jesus „das Leben, das ewig ist“ ist. Das steht parallel zu Aussage 3. Nestle/Rienecker (604) stellt deshalb fest: „Der alte Streit, ob autos auf Jes. Xr. oder auf en to alethio geht, kann nach alledem nur so entschieden werden, dass hier Jesus Christus als der wahrhaftige Gott und das ewige Leben bekannt wird.“

    In meiner Ausarbeitung „Ist Gott eine Familie?“ stelle ich also keine „wilden und leicht widerlegbaren Thesen“ auf, wie Gane MacShowan schreibt, sondern befinde mich in guter Gesellschaft mit Theologen, die nicht aus dem antitrinitarischen Lager kommen.

    Diese Ausarbeitung sollte übrigens ohne kompliziertes Theologen-Deutsch das Thema „Dreieinigkeit“ leicht verständlich erklären. Das macht sie natürlich in Fragen von Grammatik und Grundsprachen der Bibel angreifbar. Dialektische Kritiker zielen bekanntlich nicht auf die starken Argumente einer These, sondern suchen sich gerne „Nebenkriegsschauplätze“. Zu den eindeutigen und klaren Aussagen der Bibel über die Gottheit Jesu Christi und die Persönlichkeit des Heiligen Geistes, mit denen ich mich in meiner Ausarbeitung beschäftigt habe, hat auch Gane MacShowan nichts zu sagen.

    Natürlich können wir in der Frage nach Gott letztlich nichts beweisen. Wir können nur aus Aussagen der Schreiber der Bibel über die Offenbarungen Gottes Schlussfolgerungen ziehen. Vielleicht wäre es für uns besser, wenn wie uns nicht mit unserem griechisch geprägten Denken darüber streiten würden, wie Gott beschaffen ist, sondern uns wie die Hebräer damit beschäftigen würden, was Gott von uns erwartet, und was er uns schenken möchte.
    Siegfried Wittwer

    • Gane MacShowan -

      Hallo Herr Wittwer!

      Offensichtlich hat man meine Mail an Sie weitergeleitet. Ich finde es gut, dass Sie sich hier zu Wort melden.

      Sie schreiben:
      „Da Gane MacShowan mehrfach Wörterbücher und Werke aus dem 19. Jh. zitiert, gehe ich davon aus, dass er diese Literatur nicht selbst gelesen hat, sondern eine Ausarbeitung von Antitrinitariern verwendet, die er nur umformuliert und auf meine Ausarbeitung anwendet.“ (Zitat-Ende)

      Ich habe keineswegs eine „Ausarbeitung von Antitrinitariern“ verwendet und umformuliert. Die zitierten „Wörterbücher und Werke aus dem 19. Jahrhundert“ kann jeder online lesen. Einige der zitierten Werke habe ich in der Lübecker Bibliothek nachgeschlagen, während andere (z.B. Walter Bauer, Wilhelm Gesenius, Xavier Leon-Dufour u.a.) in meinem Regal stehen. Wir müssen uns nicht gegenseitig unterstellen von trinitarischen, bzw. antitrinitarischen Quellen abgeschrieben zu haben, oder?

      Sie schreiben in Ihrer Stellungnahme, dass...

      „...ächad zwar „einer, eines, ein einziger, der erste, irgendeiner, jemand“ bedeuten kann, wie Gesenius es sagt, aber auch die Einheit in der Mehrheit beschreibt, wenn im Textzusammenhang von einer Mehrheit (!) gesprochen wird.“ (Zitat-Ende)

      Das liest sich doch schon ganz anders, als einfach nur zu sagen „ächad meint Einheit in der Mehrheit“, als sei das immer der Fall. Tatsächlich bedeutet das hebräische ächad auch in den von Ihnen genannten Textbeispielen (1. Mo 2,24; Esra 3,1; Hes 37,15–22) nichts anderes als das deutsche Zahlwort „eins“. Wenn Mann und Frau „ein Fleisch bilden“, dann ist es der Kontext, aus dem ersichtlich wird, dass sich dieses „eine Fleisch“ aus zwei Personen zusammensetzt. Das Wort „ächad“ alleine beinhaltet die Bedeutung einer „Einheit in der Mehrheit“ nicht. Es meint immer noch „ein Fleisch“ (nicht zwei, drei, vier oder fünf). Wenn ich im Deutschen sage, dass Ringo, Paul, George und John EINE Band gegründet haben, dann ist es ja auch nicht das deutsche Zahlwort „eins“, welches mir verrät, dass diese eine Band aus mehreren Personen besteht.

      Ihr Hinweis darauf, dass „elohim“ in 5. Mose 6, 4 im Plural steht (und ächad deshalb als „Einheit in der Mehrheit“ zu deuten sei), ist wieder so eine fragwürdige Argumentation. Zahlreiche Wörter stehen im Hebräischen im Plural, um Erhabenheit, Pracht, Größe oder Macht auszudrücken. So wird Josef in 1. Mose 42, 30 als „Herr (wörtlich: Herren) des Landes“ bezeichnet. Wilhelm Gesenius nennt zahlreiche Beispiel für derartige Pluralformen, die er als „Pluralis excellentiae“ bezeichnet, wobei auch elohim angeführt wird (siehe Wilhelm Gesenius' "Hebräische Grammatik" 1816, Seite 129 – kann man online lesen). Und bei Jenni und Westermann heißt es über elohim: „Jedenfalls ist der singularische Sinn der Pluralform für das AT so unbestritten, daß es das Wort überall ohne jede Einschränkung (Verdacht auf Polytheismus) verwendet“ (siehe Jenni/Westermann, „Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament, Band I“, 1971, Spalte 153 – steht bei mir im Regal!). Deshalb stehen die Verben, welche beschreiben was Gott sagt oder tut, ja auch im Singular!

      Ich verstehe auch nicht, warum Sie darauf verweisen, dass Gott im AT nicht als jachid bezeichnet wird. Das Wort steht häufig für „Einzelkinder“ oder „einsame“ bzw. „verlassene“ Personen. Würde das zu JHWH passen?

      Zu Kolosser 1, 15 schreiben Sie:

      „Der Begriff „Erstgeborener“ steht bei den Hebräern nicht unbedingt für den ersten Geborenen (deshalb werden manche Zweitgeborenen in der Bibel „Erstgeborene“ genannt). Er bedeutet vielmehr „das Oberhaupt, der Vorsitzende, der Sippenführer und Inhaber aller Rechte und die Autorität“. Er hat den Vorrang vor allen anderen Sippenangehörigen.“ (Zitat-Ende)

      Ja, das stimmt! Der Erstgeborene ist aber immer selbst einer dieser Sippenangehörigen. In der Bibel ist „der Erstgeborene einer bestimmten Gruppe“ auch immer Teil dieser Gruppe. Der „Erstgeborene Israels“ ist selbst einer der Söhne Israels. Niemand würde auf die Idee kommen zu sagen, dass dieser Erstgeborene lediglich ÜBER Israel stehen würde, ohne selbst dazu zu gehören.
      Aber das ist Ihre Argumentation: Sie wollten ja nicht darauf hinweisen, dass Jesus „vor allen anderen Geschöpfen“ einen Vorrang hat, sondern dass er kein Teil der Schöpfung ist. Wenn Sie das aus dem Kontext ableiten halte ich das als Auslegung für legitim. Wenn Sie aber als Argument anführen, dass das Wort „vor“ (in „Erstgeborener vor aller Schöpfung“) ja bereits alles erklären würde, dann ist das irreführend, denn die meisten Ihrer Leser kennen den griechischen Text nicht und denken dann, dass das so dort steht.

      Zu Johannes 16, 13:

      Auf welches Wort sich ein Demonstrativpronomen bezieht, erkennt man am Geschlecht, nicht daran, ob ein anderes Wort vielleicht näher dran steht. Das ist im Griechischen nicht anders als im Deutschen. Ich hatte diesbezüglich auch mehrere Philologen angeschrieben und um eine Beurteilung des Textes gebeten. Jeder hat mir bestätigt, dass es gar nicht möglich ist, ekeinos auf das pneuma zu beziehen. Kann man ekeinos nun auf parakletos zurück beziehen, oder nicht???

      Zu Epheser 1, 13:

      Ein Professor für Neues Testament hat mir zu dieser Textstelle folgendes geschrieben:

      „in Eph 1,14 repräsentiert die Variante mit dem neutrischen Relativpronomen 'ho', das auf 'pneuma' in V. 13 zurückverweist, den grammatisch gesehen 'korrekteren' Text: Der Geist ist Angeld unseres Erbes … Das maskuline Relativpronomen 'hos' erklärt sich als Attraktion (= Angleichung) des Relativums an das Genus des Bezugsworts im Relativsatz - 'ho arrabon' (= das Angeld) ist ja ein maskulines Wort -, die im Koine-Griechischen häufig vorkommt. Ein Bedeutungsunterschied besteht also nicht. Welche Variante den älteren Text repräsentiert, ist kaum eindeutig zu entscheiden. Während ältere Auflagen des Nestle 'hos' bevorzugten, steht seit der 25. Auflage 'ho' im Obertext. Nach Gesichtspunkten der inneren Kritik kann man sich eine Änderung in beide Richtungen gut vorstellen, und die Bezeugung in den Handschriften ist für beide Varianten gut.“ (Zitat-Ende)

      Es sind also einerseits beide Textvarianten gut bezeugt, andererseits ist keine der beiden Versionen wirklich grammatisch falsch. Wenn Sie schreiben, dass sich das männliche „hos“ auf das sächliche „pneuma“ bezieht, ist das nicht korrekt. Und das es noch eine andere Textvariante gibt, hätte erwähnt werden sollen...

      Zu Kolosser 2, 9:

      Wenn Sie dem Bibeltext entnehmen, dass das Wort „theotes“ in Kolosser 2, 9 für die Göttlichkeit von mindestens zwei Personen gebraucht wird, dann ist das eben Ihr Verständnis. Wenn Sie aber schreiben, dass es sich bei einer „Gottheit“ – sowohl im Deutschen als auch im Griechischen – um mindestens zwei Personen handelt, dann ist das eine recht allgemein gehaltene Aussage, welche einfach nur falsch ist.

      Zu 2. Korinther 13, 13 :

      Sie nennen hier mit Nestle und Rienecker eine Quelle, die ja genau das bestätigt, was ich geschrieben hatte: koinonia tou agiou pneumatos kann auch Teilhabe am Heiligen Geist bedeuten, oder für die Gemeinschaft stehen, die der heilige Geist (unter den Gläubigen) bewirkt. Das Verständnis „Gemeinschaft mit dem Geist als Person“ wird in Ihrem Zitat gar nicht genannt - obwohl es sicherlich möglich ist. Jedenfalls spricht der Ausdruck „Gemeinschaft des heiligen Geistes“ nicht zwingend dafür, dass der Geist eine Person ist (was in Ihrer Ausarbeitung jedoch suggeriert wird). Wenn Sie nun schreiben, dass es nicht abwegig sei, im heiligen Geist eine Person zu sehen, habe ich mit dieser Formulierung kein Problem.

      Zu 1. Johannes 5, 20 schreiben Sie:

      „Gane MacShowan bezweifelt, dass die Aussage „Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ sich auf Christus bezieht und begründet dies mit Erklärungen von vier Autoren des 19. Jahrhunderts.“ (Zitat-Ende)

      Nein, ich habe meine Zweifel überhaupt nicht begründet. Ich habe auch nicht dafür argumentiert, das Wort „dieser“ auf den Vater zu beziehen, sondern schlicht und einfach der Aussage widersprochen, dass sich das Wort „dieser“ grammatisch nur auf den zuletzt genannten Jesus beziehen kann. Diese Aussage ist falsch! Auch die von Ihnen genannte Quelle ( Nestle/Rienecker) argumentiert ja anscheinend keineswegs mit der Grammatik, sondern mit dem Kontext. Wenn man allerdings meint, dass sich der hier diskutierte Satz nur auf Jesus beziehen kann, weil dieser von Johannes auch an anderer Stelle als „das ewige Leben“ bezeichnet wird, dann muss man auch erwähnen, dass der Titel „wahrhaftiger Gott“ von Johannes an anderer Stelle nur vom Vater gebraucht wird. Tatsächlich nennt er ihn „ALLEIN wahrhaftigen Gott“ (siehe Johannes 17, 3, wo für „wahr“ oder „wahrhaftig“ das gleiche griechische Wort steht, wie in 1. Johannes 5, 20).

      Das Nestle und Rienecker sich dafür entschieden haben, das Wort „dieser“ auf Jesus zu beziehen, beweist im übrigen genauso wenig, wie die Tatsache, das „wichtige“ Exegeten wie Johann Christoph Döderlein, Heinrich August Wilhelm Meyer oder August Neander das Wort „dieser“ ganz entschieden auf den Vater beziehen. Die Grammatik stellt weder für die eine, noch für die andere Sichtweise ein Hindernis dar. Walter Bauers Wörterbuch besitzen wir ja beide, dort können Sie nachlesen, dass Bauer es für „zweifelhaft“ hält, den „wahrhaftigen Gott“ in Johannes 5, 20 auf Jesus zu beziehen (siehe Walter Bauer, "Wörterbuch zum Neuen Testament" 1958, 5. Auflage, Spalte 705). So eindeutig wie Sie das Ganze hier beschreiben, ist die Sache nicht.

      Sie schreiben:
      „In meiner Ausarbeitung „Ist Gott eine Familie?“ stelle ich also keine „wilden und leicht widerlegbaren Thesen“ auf, wie Gane MacShowan schreibt, sondern befinde mich in guter Gesellschaft mit Theologen, die nicht aus dem antitrinitarischen Lager kommen.“ (Zitat-Ende)

      Dass Sie sich „in guter Gesellschaft mit Theologen befinden, die nicht aus dem antitrinitarischen Lager kommen“ glaube ich gerne. Mir ging es in meiner Kritik ja auch eher um die Frage, ob Sie sich in guter Gesellschaft mit Philologen befinden, die möglichst neutral an die Sprachen der Bibel herangehen. Und was sie beispielsweise über „theotes“, „ächad“ oder 1. Johannes 5, 20 schreiben, IST leicht widerlegbar.

      Sie schreiben:
      „Zu den eindeutigen und klaren Aussagen der Bibel über die Gottheit Jesu Christi und die Persönlichkeit des Heiligen Geistes, mit denen ich mich in meiner Ausarbeitung beschäftigt habe, hat auch Gane MacShowan nichts zu sagen.“ (Zitat-Ende)

      Doch habe ich, aber darum ging es in meiner Kritik nicht. Das hatte ich auch mehrfach geschrieben...

      Gruß, GMacS

  • Norbert Chmelar -

    Hallo Gane MacShowan!
    Nachdem was Du alles geschrieben hast, wird es wohl so sein, dass die Vorgehensweise des Herrn Siegfried Wittwer nicht korrekt war.

    Es stellt sich mir nun aber die Frage, ob er als studierter Theologe - auch die können nicht alles wissen! - Deine Einwände überhaupt gekannt hat. Wie wär es, wenn Du ihm Deine berechtigte Kritik persönlich schreiben würdest, mit der Bitte, dass Herr Wittwer Dir auf deine durchaus berechtigten Einwände antworten soll! Dann könnten wir ja sehen, ob etwas bewußt verschwiegen werden sollte - oder ob er es schlicht nicht gewußt hat.
    Ich weiß natürlich auch nicht im geringsten, welche Ursprachen-Kenntnisse die Theologen der Adventisten haben müssen - ob diese wie evangelisch und katholische Theologen auch Griechisch, Hebräisch und Latein können müssen? All das sind Dinge, die man wissen sollte!

    Vielleicht aber hast Du dem Herrn Wittwer aber ja bereits geschrieben - und womöglich auch schon Antwort erhalten? Wenn nicht, würde ich ihn in der Tat persönlich anschreiben!

    Liebe Grüße

    Norbert

    • Gane MacShowan -

      Wie??? Liest Siegfried Wittwer hier gar nicht mit?

      Im Ernst, ich hab tatsächlich versucht eine E-Mail Adresse im Netz zu finden, allerdings ohne Erfolg. Aber ich hab gerade einen Link an das Bibelstudien Institut geschickt, vielleicht leiten die das ja weiter.

      Zu den Ursprachen-Kenntnissen kann ich natürlich nichts sagen, allerdings hat Herr Wittwer EVANGELISCHE Theologie studiert. Ich gehe auch davon aus, dass er Zugang zu allen gängigen Werken hat, die man im Zweifelsfall nutzen kann...

      Gruß, GMacS

  • Gane MacShowan -

    Hallo Norbert!
    Danke für deine Meinung. Wie gesagt, es ging mir an dieser Stelle nicht darum, was von der Dreieinigkeitslehre zu halten ist, sondern WIE man argumentiert.

    Zu Kolosser 1, 15:
    Du argumentierst mit dem Kontext, nämlich Vers 17. So KANN man argumentieren. So könnte auch Herr Wittwer argumentieren, aber das genügt ihm nicht. Er suggeriert seinen Lesern, dass im griechischen Text vom "Erstgeborenen VOR aller Schöpfung" die Rede ist. Seine Leser können meist kein Griechisch und verlassen sich auf das was er schreibt. So etwas ist unfair!

    Zu 1. Johannes 5, 20:
    Es ging mir nicht darum zu beweisen, dass Jesus hier NICHT gemeint ist. Du kannst diesen Satz auf Jesus beziehen und ich kann ihn auf Gott den Vater beziehen. Beides ist grammatisch ohne weiteres möglich. Meine Kritik gilt der Behauptung, es sei grammatisch NICHT MÖGLICH diesen Satz auf "den Wahrhaftigen" (Vers 19) zu beziehen. Das ist nicht wahr! Wittwer nimmt seinen Lesern eine Interpretationsmöglichkeit, indem er behauptet, dass hier ohnehin nur ein Verständnis in Frage kommt, weil die Grammatik nur dieses eine Verständnis zulässt. Auch das ist unfair denen gegenüber, die sich auf sein Wort verlassen.
    (Übrigens bezieht die Mehrheit der mir bekannten evangelischen Kommentatoren das Wort "dieser" auf den "Wahrhaftigen", aber das nur am Rande. Die Mehrheit hat nicht immer Recht...)

    Zu Johannes 16, 13
    Du argumentierst damit, dass der heilige Geist häufig personifiziert wird. So KANN man argumentieren. Aber auch hier möchte Siegfried Wittwer mehr, er möchte den grammatischen Beweis! Du hast Recht, das Ganze liest sich ziemlich unverständlich, es ist aber ganz simpel:

    Stell dir vor, ich würde den folgenden Satz über Donald Trump schreiben: "JENES, nämlich Donald Trump, wird in die Geschichte Amerikas eingehen..." Man könnte mir entgegnen, dass der Satz grammatisch falsch ist, weil das Geschlecht des Demonstrativpronomens nicht passt. Es muss heißen: "JENER, nämlich Donald Trump, wird in die Geschichte Amerikas eingehen..."! Anders wäre es, wenn ich vorher noch einen anderen Satz über Donald Trump geschrieben hätte: "Der neue US-Präsident ist ein Monster! Jenes, nämlich Donald Trump, wird in die Geschichte Amerikas eingehen..."! Jeder wüsste sofort, dass sich das Demonstrativpronomen "jenes" auf das zuvor genannte "Monster" bezieht.

    So ist es auch in Johannes 16, 13. Auch im Griechischen steht "JENER", aber das passt nicht zum Pneuma, denn das Pneuma ist sächlich. Es müsste im Griechischen rein theoretisch "JENES Pneuma" heißen. Damit argumentiert Siegfried Wittwer. Aber Jesus hat das Pneuma kurz vorher als "Helfer" bezeichnet, deshalb passt es grammatisch perfekt, wenn er nun ein maskulines Demonstrativpronomen verwendet. Der "Helfer" ist im Griechischen (im Gegensatz zum Pneuma) nämlich auch maskulin.

    "Wenn aber jener (= nämlich der Helfer), das pneuma der Wahrheit kommen wird..."!

    Ist es so verständlicher? Du hast natürlich Recht. Die Frage nach der Natur des heiligen Geistes hängt nicht davon ab, ob das Pneuma im Griechischen sächlich, männlich, oder feminin ist (im Hebräischen ist die ruach tatsächlich weiblich!). Aber genau das behauptet Siegfried Wittwer ja letztendlich, wenn er das maskuline Demonstrativpronomen als Beweis dafür anführt, dass der heilige Geist nicht nur eine "Sache" ist.

    Wir können an anderer Stelle gerne über die Dreieinigkeitslehre debattieren, aber hier soll es nur darum gehen, ob Wittwers Argumentationsweisen seriös sind, oder eher nicht...

    Gruß, GMacS

    • Gane MacShowan -

      Zu 1. Johannes 5, 20 hatte ich geschrieben:

      "Meine Kritik gilt der Behauptung, es sei grammatisch NICHT MÖGLICH diesen Satz auf "den Wahrhaftigen" (Vers 19) zu beziehen."

      Es muss natürlich "Vers 20" heißen, im Vers 19 kommt "der Wahrhaftige" noch gar nicht vor...

  • Norbert Chmelar -

    Und in Sachen Heiliger Geist ist doch wohl klar, dass der heilige Geist sowohl Gottes Kraft ist (egal ob der Pneuma im Griechischen nun sächlich, weiblich oder männlich ist - diesen hochkompizierten sprachwissenschaftlichen Argumenten kann ich als Laie eh nicht folgen! - Das ist wohl eher etwas für Griechisch-Professoren!), als auch eine Person ist, da der Heilige Geist >>beruft, redet, sammelt, erleuchtet<< usw. ...!

    Ich meine gehört zu haben dass der ruach = Geist im Hebräischen AT weiblicher Form sei - stimmt das?

    Dass sich GOTT JAHWEH [=JHW(H)] erst im NT als der DREIEINE offenbart, ist offensichtlich, wenn wir den trinitarischen Taufbefehl Jesu lesen ["Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!" - Matth.28,19b)] oder auch Pauli Bekenntnis zur Dreieinigkeit in 2.Kor.13,13 ("Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes...!")!

  • Norbert Chmelar -

    Dass in 5.Mose 6,4 steht: "Jahwe, unser Elohim, ist Einer!" im Sinne von "Einziger" glaube ich auch, da hier Deine Argumentation überzeugend ist! ===> Dies ist ja das große Glaubensbekenntnis des Judentums - für einen absoluten MONO-THEISMUS!

    Was das „der Erstgeborene aller Schöpfung“(Schlachter 2000 - aber auch Rev.Elberfelder!) in Kolosser 1,15 betrifft, so wird wohl auch dies stimmen, dass das Wort "vor" (Lutherbibel 2017: Erstgeborene vor aller Schöpfung)im Urtext nicht vorkommt! ===> Dafür wird aber der Vers 15 durch Vers 17 konkretisiert, denn da steht sowohl in Luther 2017, als auch in Schlachter-2000 und in der Rev.Elberfelder von Christus: "Und er ist v o r allem..." ===> also haben wir hier das fehlende "vor" von Vers 15 nun hier in Vers 17! Und dieser Vers unterstreicht eben m.E. eindeutig, dass Jesus keinen Anfang hatte!; deshalb kann man die Einfügung des "vor" von Luther in Vers 15 auch nicht kritisieren, meine ich.

    Zu 1.Joh.5,20 glaube ich doch, dass hier mit dem wahrhaftigen Gott nur Jesus gemeint sein kann; die andere Meinung, der 4 von Dir erwähnten Forscher(übrigens vertritt dies auch der kath.Theologe Karl Rahner, der dafür aber vom Lehramt sehr kritisiert wurde! -m.E. zu Recht!) dass sich "der Wahrhaftige" auf Gott-Vater beziehen würde, wird wohl eine Mindermeinung innerhalb der Theologie sein!