Die Kirche und das Leben

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  • Immer mal wieder ist es Thema, was eigentlich Sinn und Aufgabe der Kirche sei, was sie zu tun und zu lassen habe, was sie zu befehlen und zu unterbinden habe, bzw. was Pflicht und Aufgabe des einzelnen Mitglieds sei.
    Hier sind sowohl konfessionell wie auch persönlich die Ansichten sehr unterschiedlich, was bestenfalls einen bereichernden Austausch fördern kann.
    Will man- so meine ich- das Naturell einer Sache fassen, ohne konfessionell und kulturell bedingte Grenzen, so muss man es möglichst niedrig und möglichst allgemein halten.

    Was ist die Kirche? Die Bibel gibt uns zahlreiche Begriffe dazu: Gemeinschaft der Heiligen; Versammlung der Gläubigen; Kinder Gottes; Gläubige in Christus; Teilhaber; Verständige usw. Gemeint ist hier natürlich kein institutionelles Gebäude, sondern ein geistliches Ideal.
    Ideale können (von menschlicher Seite her) niemals Tatsachenbestände sein, sondern immer nur Zu- und Aufrufe. Der Mensch, als fehlerhaftes Wesen, scheitert stets an dem Anspruch eines Ideals, fühlt sich aber dennoch stets davon aufgefordert und gezogen (Röm 7,18.19). So kann die Heiligkeit durch den Menschen niemals vollbracht, sondern immer nur angestrebt werden (1. Tim 6,11.12); sie wird ihm vielmehr von Gott unter Ignoranz seiner Schwäche zu-gesprochen. Daher ist die ekklessia als geistliche Einheit, als Gemeinschaft aller Gläubigen, stets unsichtbar, denn sie kann nicht in einer Institution gefasst oder behauptet werden.
    Das Heilige in der Kirche- gleich, welche es ist- kann nur das verlesene Wort Gottes sein. Alles Weitere (Auslegung, Lehre, Gemeinderegeln, Rituale, Personen usw.) ist grundsätzlich fehlbar, revidierbar, reformierbar und diskutabel, wie es auch schon in den biblischen Gemeinden war. Die Kirche soll- nach bestem Gewissen und Verständnis- das Wort Gottes dem Hörer vorstellen und vermitteln (auslegen), und es seinem Gewissen anheimgeben.

    Was soll der Christ tun? Jeder Mensch ist mit dem gehörten Wort alleine. Es steht vor seinem Gewissen, zieht ihn zu sich oder stört ihn, wie der Geist eben weht. Alles, was er tun soll, ist ihm in der Schrift gesagt, alles, was er tut, betrifft zunächst einmal ihn und Gott. Was er in der Gemeinde tut, beurteilen die Regeln der Gemeinde, was er in der Gesellschaft tut, beurteilen die Gesetze des Landes. Sitten, Regeln und Gesetze- ob in Gemeinde, Gesellschaft oder Staat- sind niemals absolut, sondern immer revidierbar und diskutabel.
    Das Heilige im Werk des Menschen- gleich, wer es ist- kann nur die Tat aus Liebe sein. Keine "berechnete" Liebe, sondern Liebe, die den Menschen als Menschen- gleich, wer es ist- sieht und will. Heiligkeit ist jene absolute Freiheit, andere lieben zu wollen; nicht zu müssen oder zu sollen. Diese Erkenntnis kann nur der Geist Gottes öffnen, das menschliche Herz ist dazu unfähig (1. Kor 2,10-16).

    Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater,
    der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden,
    dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen,
    dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. (Eph 3,14-17)
    Liebe ist die Tochter der Erkenntnis.
    (Leonardo da Vinci)

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